Ritter der verlorenen Stunden: Pendeln für den Job

Mehr als 50 Kilometer überbrücken täglich Millionen Deutsche, um zum Arbeitsplatz und zurück zu gelangen. Manche betrachten sich als „Ritter der verlorenen Stunden“, verbringen die Zeit mit Lesen oder Dösen. Gehören Sie auch dazu?

Was auf den ersten Blick ganz gemütlich klingt, ist angesichts der Nebenwirkungen nicht zu unterschätzen. Denn Pendeln macht viele Arbeitnehmer müde, manche bekommen Gewichtsprobleme oder spüren psychische Auswirkungen.

Kein Wunder, wenn man morgens zwischen 5.00 und 6.00 aufstehen muss, mit dem Auto oder Fahrrad zum Bahnhof hetzt, um den Bus oder den Zug zu erreichen. Unterwegs wird gefrühstückt, bis zum Arbeitsplatz ist häufig noch ein Weg zu Fuß zurückzulegen. Das ist der Preis dafür, idyllisch auf dem Lande zu wohnen oder mit „Flexibilität“ bei der Bewerbung zu punkten. Lange Arbeitswege machen dennoch viele Beschäftige ganz schön fertig.

Die Bereitschaft zum Pendeln kostet Zeit und Nerven

Die Zahl der Arbeitnehmer in Deutschland, die sogar mehr als 50 Kilometer von ihrer Arbeitsstelle entfernt wohnen, steigt stetig. Je höher das Einkommen und je höher die Qualifikation ausfallen, desto häufiger sind beispielsweise Berufseinsteiger bereit, Tag für Tag lange Wege und erheblichen Zeitverlust auf Kosten der Freizeit auf sich zu nehmen. Doch von Arbeitnehmern mit eher geringem Lohn oder Gehalt wird ebenfalls immer stärker erwartet, dass sie mobil sind und sich nicht durch einen langen Arbeitsweg abschrecken lassen.

Das Bundesamt für Statistik hat ermittelt, dass Berufspendler im Durchschnitt 74 Minuten täglich unterwegs sind. Fernpendler werden alle diejenigen genannt, die mindestens 60 Minuten für den Hin- und Rückweg benötigen. Mehrheitlich fahren die Fernpendler fünfmal pro Woche diese Strecke, wobei zwischen Wohn- und Arbeitsort durchschnittlich 55 Kilometer liegen. Mit dem Auto legen mehr als die Hälfte der Fernpendler den Weg zurück, die anderen 43 Prozent benutzen öffentliche Verkehrsmittel.

Die Risiken und Nebenwirkungen des Pendelns

Ein sogenannter Pendlerforscher hält die Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln für gesünder, weil die Nerven mehr geschont werden als beim Autofahren. Dies gilt allerdings für Verbindungen, die kein Umsteigen und keine ständig neue Suche nach einem Sitzplatz erfordern. Hinzu kommt, dass sich die Zeit in Bus oder Bahn besser nutzen lässt – zum Arbeiten, zum Lesen oder um ein Nickerchen zu halten. Auf diese Weise erhält die tägliche Tour zur Arbeit und zurück einen Sinn, und die Stunden werden nicht als verschwendet empfunden. Das ist gut für das Nervenkostüm.

Dennoch klagen viele Pendler über gesundheitliche Beschwerden. Allen voran haben sie Probleme mit dem Magen und dem Darm, außerdem Rücken- oder Kopfschmerzen sowie Schlafstörungen. Auch psychische Krankheiten treten häufiger auf, wie aus dem Fehlzeitenreport der AOK für 2012 hervorgeht. Der Herausgeber des Krankenkassen-Reports kommentiert dies wie folgt:

Wir konnten feststellen, dass Beschäftigte, bei denen der Arbeitsplatz mehr als 50 Kilometer vom Wohnort entfernt ist, öfter wegen psychischer Erkrankungen fehlen.

Nicht von der Hand zu weisen ist außerdem die Tatsache, dass viele Pendler übergewichtig sind. Entweder essen sie zu schnell und unbedacht etwas an den Imbissbuden der Bahnhöfe und warten nicht ab, bis sie zu Hause gemeinsam mit der Familie eine Mahlzeit einnehmen – oder essen zweimal. Außerdem ist das viele Sitzen der Figur nicht zuträglich. Deshalb wird Pendlern geraten, etwas Ausgleichssport zu betreiben. Gleichzeit sollten sie darauf achten, ihre Wochenenden nicht allzu vollzupacken. Was manche Pendler nicht wahrhaben wollen: Sie brauchen ihre Freizeit mehr noch als andere Arbeitnehmer, um sich von den Strapazen der Woche zu erholen.

Sozial gesehen, haben zahlreiche Pendler auch etwas davon, ständig auf Achse zu sein. Viele kennen sich mittlerweile und bilden Grüppchen oder sogar Cliquen. Daraus ergibt sich aber auch der Nachteil, dass sie nicht immer die Ruhe unterwegs finden, nach der sie sich sehnen. Da hilft dann nur noch der Kopfhörer!

1 Kommentar

  1. Leider ist es in der heutigen Zeit schon normal, nicht dort zu wohnen, wo der Arbeitsplatz ist. Man kann meiner Meinung nach auch nicht alle paar Jahre umziehen. Dabei ist das Gefühl nicht angekommen zu sein beim ständigen Wohnortwechsel, zumindest für mich, auch ein wichtiger Wohkfühlfaktor.

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