Sabbatical – Die Auszeit vom Job richtig planen

Spätestens seit den 00er-Jahren etabliert sich in der Geschäftswelt ein neuer Trend: Sabbatical. Einmal eine Auszeit nehmen, den Kopf frei  machen, lang gehegte Träume verfolgen oder sich anderweitig fortbilden…die Gründe für ein Sabbatjahr sind vielfältig. Und der Wunsch nach ein bisschen Zeit für sich selbst steigt bei den deutschen Arbeitnehmern stetig.

Inhalt:
1) Sabbatical – was ist das eigentlich?
2) Gründe für ein Sabbatjahr
3) Wie erhalte ich das „Ja“?
4) Die Sabbatical-Vereinbarung
5) Sabbatical mithilfe eines Zeitwertkontos
6) Versicherungsschutz in der Auszeit
7) Endlich geschafft: Und jetzt zur Planung!

Laut einer Trendence-Umfrage gaben 72 Prozent der Befragten an, gerne für einige Zeit aus dem Alltag entfliehen zu wollen. Tendenz: steigend. Doch bisher werden die Zahlen auf gerade einmal drei bis vier Prozent geschätzt, die das auch wirklich tun. Das Problem liegt oft in der  Absprache mit dem Vorgesetzten. Die Chefetage steht diesem Thema oftmals noch skeptisch gegenüber und der ein oder andere Angestellte hat Angst vor einem Missverständnis des Antrages, derjenige möge seinen Job nicht oder brächte keine Motivation mehr mit. Um das Sabbatical richtig begründen zu können, gilt es erst einmal dessen genaue Definition zu kennen.

Sabbatical – was ist das eigentlich?

Bei dem sogenannten Sabbatical, oder auch Sabbatjahr, handelt es sich um ein Arbeitszeitmodell, bei welchem dem Arbeitnehmer die Möglichkeit eingeräumt wird für einen gewissen Zeitraum aus dem Job aus- und anschließend wieder nahtlos einzusteigen. Üblich sind dafür in der Regel drei bis zwölf Monate. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass es sich um einen Betrieb mit mindestens 15 Mitarbeitern handelt und Sie bereits sechs Monate oder mehr in dem Unternehmen tätig sind. Das TzBfG (Teilzeit- und Befristungsgesetz) schuf im Jahr 2001 mit der Erlaubnis flexibler Arbeitszeitgestaltung die rechtliche Grundlage für dieses Modell. Einen gesetzlichen Anspruch allerdings gibt es nicht.
Ihr Arbeitgeber kann den Antrag jederzeit betrieblich bedingt ablehnen.

Gründe für ein Sabbatjahr

Klingt ja alles ganz nett bisher, aber wofür soll diese Auszeit gut sein? Nun, wie bereits erwähnt gibt es allerlei unterschiedliche Gründe für Arbeitnehmer ein Sabbatjahr zu beantragen. Manchmal persönlich motiviert, manchmal aus beruflichen Gründen. Ersteres schließt beispielsweise einen Hausbau, die Pflege von Kindern (also praktisch die verlängerte Elternzeit) oder Angehörigen, längere Reisen oder das Bedürfnis von Erholung (z.B. bei Burnout-Erkrankungen) ein. Zudem zeichnet sich immer mehr auch der Trend ab, dass Arbeitnehmer den Wunsch nach einer Neuorientierung verspüren und sich beispielsweise in einem indischen Kloster auf einen Selbstfindungstrip begeben möchten. Oder aber Sie verspüren den Drang einmal andere Lebenswelten kennenzulernen und helfen ehrenamtlich Bedürftigen auf der ganzen Welt. Persönliche Gründe sind oft schwieriger zu rechtfertigen als berufliche, die da seien: Fort- oder Weiterbildung, Erwerb eines Meisterscheines, Erlernen einer neuen Sprache oder ein zusätzliches Studium bzw. eine Ausbildung. Doch warum sollte der Arbeitgeber so etwas genehmigen?

Wie erhalte ich das „Ja“?

Viele Arbeitgeber sind skeptisch, viele wiederum unterstützen dieses Modell. Warum die Unterschiede? In erster Linie hängt dies meist von den unternehmerischen Zielen und der Konjunktur ab. Die Genehmigung von Auszeiten bietet sich vor allem in konjunkturschwachen Zeiten an, um Auftragsschwankungen auszugleichen ohne Kündigungen aussprechen zu müssen. Eine Win-Win-Situation also. Doch Sie können
bestimmt nicht darauf warten, bis die Wirtschaft das nächste Mal eine Talfahrt macht. Wieso also sonst sollte der Arbeitgeber „Ja“ sagen? Wie wäre es mit dem Argument der Arbeitnehmerbindung? Zudem kommen die „Sabbaticals“ in der Regel ausgeruht, motiviert und voller frischer Ideen wieder an den Arbeitsplatz zurück und sind ihrem Arbeitgeber gegenüber positiv eingestellt. Sicher ein wichtiger Aspekt und in manchen Unternehmen noch sehr hoch geschätzt. Doch dieses Argument spielt meist nur bei sehr großen Betrieben oder Beamtenstellen eine Rolle. Hier sind dann oft entsprechende Grundsätze in den Arbeitsverträgen verankert, die im persönlichen Gespräch noch einmal spezifiziert oder variiert werden können. Sehen Sie sich doch am besten einmal in den Arbeits- und Tarifverträgen oder den entsprechenden betrieblichen Vereinbarungen um.

Die Sabbatical-Vereinbarung

Wenn Sie hier keine entsprechende Vereinbarung finden können, so sollten Sie diese mit Ihrem Vorgesetzten vertraglich festhalten. Nur so können sich beide Parteien sicher sein, dass vor, während und nach dem Sabbatical alles glatt läuft. Kernelemente dieser schriftlichen Vereinbarung sind die Dauer, die Regelungen der Bezahlung und die Umstände der Rückkehr des betreffenden Mitarbeiters. Wird der Mitarbeiter während der Abwesenheit weiterhin bezahlt, so sollte zudem schriftlich festgehalten werden, dass er in dieser Zeit nicht zur Arbeit verpflichtet werden kann, das Arbeitnehmerverhältnis ansonsten aber weiterhin wirksam bleibt. In diesem Fall geht meist eine Vor- oder Nacharbeit der verpassten Arbeitszeit mit einher. Eine andere Möglichkeit ist der unbezahlte Urlaub. Dazu aber später mehr. So oder so müssen die Urlaubsansprüche für das betroffene Jahr geregelt werden. Werden sie verrechnet oder besteht weiterhin der normale Urlaubsanspruch?

Sabbatical mithilfe eines Zeitwertkontos

Hinsichtlich der Finanzierung eines Sabbaticals gibt es verschiedenste Modelle: Teilzeitvarianten, Lohnverzicht, Überstunden, Elternzeit etc. bieten Chancen ein Sabbatical zu ermöglichen. Bei der Teilzeitvariante beispielsweise arbeiten Sie sagen wir drei Jahre lang offiziell in Teilzeit, inoffiziell jedoch Vollzeit. Als Resultat erwirtschaften Sie genügend Zeitguthaben, um auch während des Sabbatical die Lohnzahlung erhalten zu können. Jedoch handelt es sich dabei um eine recht lange Zeit mit reduziertem Gehalt, das erst nach der Rückkehr in die Vollzeitstelle wieder erhöht wird. Ein ähnliches Konzept beinhaltet der freiwillige befristete Lohnverzicht. Hierbei bleibt der Mitarbeiter in seiner Vollzeitanstellung,
erhält aber jeweils nur einen Teil seines Lohnanspruches. Hierdurch ergibt sich ähnlich des ersten Modelles eine Möglichkeit der Lohnfortzahlung im Sabbatical. Wenn Sie aber vor oder nach Ihrem Sabbatical keine finanziellen Abstriche machen möchten, so können Sie ungenutzte Urlaubstage und Überstunden ansammeln und per Zeitwertkonto anschließend abfeiern. Ein ganzes Jahr jedoch ist hiermit nur schwer erreichbar. Es sei denn, Sie sind junge Eltern. Denn wenn Sie Ihren Anspruch auf Elternzeit nicht oder noch nicht vollständig ausgeschöpft haben, können Sie den Restanspruch für spätere Auszeiten nutzen. Jedoch nur unter der Voraussetzung, dass der Arbeitgeber diesem Modell zustimmt.

Versicherungsschutz in der Auszeit

Alles in allem bieten die bezahlten Modelle deutlich mehr Vorteile für den Arbeitnehmer. Denn in diesem Fall geht kein Verlust der sozialen Absicherung mit einher und er wirkt sich nicht nachteilig auf die Rentenbeiträge aus. Sollten Sie zu dem Modell des unbezahlten Urlaubs greifen, ist eine Weiterführung der Rentenversicherung auf freiwilliger Basis empfehlenswert. Schließlich ist für die abschließende Berechnung der Rentenhöhe jeder einbezahlte Monat ausschlaggebend. Gleiches gilt für die Krankenversicherung, die in diesem Fall unbedingt freiwillig weitergeführt werden muss. Informieren Sie sich am besten direkt bei Ihren Versicherungen über die Regeln und Möglichkeiten.

Endlich geschafft: Und jetzt zur Planung!

Sie haben endlich das „Ja“ Ihres Arbeitgebers und die finanzielle Absicherung ist geregelt? Dann steht jetzt die Planung des Sabbaticals an. Buchen Sie Ihren Flug, planen Sie die Wanderroute, reservieren Sie Ihren Platz im indischen Kloster oder freuen Sie sich einfach auf die Zeit mit Ihren Kindern oder für sich selbst. Worauf warten Sie noch?

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