Schichtarbeit – Schichtsysteme, gesundheitliche Risiken und Gesetze


SchichtarbeiterSchichtarbeit liegt vor, wenn ein Arbeitsplatz in einem Unternehmen an einem Tag von mehreren sich abwechselnden Arbeitnehmern genutzt wird oder wenn ganze Arbeitsgruppen in bestimmten Abteilungen eines Unternehmens einander zeitlich nachfolgend arbeiten.

Auch so genannte überlappende Arbeitszeiten sind Schichtarbeit, wenn die Zeit der Überlappung nicht groß ist. Hauptsache das Grundmerkmal der Schichtarbeit, dass sich mehrere Arbeitnehmer auf einem Arbeitsplatz abwechseln, ist erfüllt. Das Abwechseln selbst muss nicht unbedingt nahtlos vonstattengehen.

Es gibt Schichten, die beginnen morgens um 6.00 Uhr und enden um 14.00 Uhr. Das ist die Frühschicht. Die Spätschicht geht von 12.00 bis 20.00 Uhr. Zwischen 12.00 und 14.00 sind die Arbeitnehmer aus beiden Schichten anwesend, das ist Schichtarbeit.

In Deutschland gibt es viele Branchen, in denen Schichtarbeit über 24 Stunden an sieben Tage der Woche üblich ist. Dazu zählen die Krankenhäuser, die Polizei, die Feuerwehr und die Rettungsdienste oder die Energieversorger und die Kraftwerke, viele Betriebe der chemischen Industrie, Hotel- und Gaststättenbetriebe, Tankstellen, Raststätten, Rechenzentren. Diese Aufzählung ließe sich fortsetzen. Fakt ist, dass die Schichtarbeit mit allen ihren Vor- und Nachteilen für viele Arbeitnehmer zum Alltag gehört.

Wird in einem Unternehmen Schichtarbeit durchgeführt, muss nach den gesetzlichen Regelungen des Arbeitszeitgesetzes (AZG) ein Schichtplan erstellt werden, bei dem, sofern vorhanden, die Mitwirkungsrechte des Betriebsrates beachtet werden müssen. Wird die so genannte vollkontinuierliche Schichtarbeit eingeführt, muss der Schichtplan an das Arbeitsinspektorat weitergeleitet werden, das regelt § 11 Abs. 8 AZG.

Welche Arten der Schichtarbeit gibt es?

Prinzipiell gelten für die Schichtarbeit Sonderregelungen, was die Tagesarbeitszeit, die Wochenarbeitszeit und die durchschnittliche Arbeitszeit betrifft. Ebenso sind die Ruhepausen sowie die tägliche und die wöchentliche Ruhezeit gesetzlich geregelt. Das Arbeitszeitgesetz unterscheidet dabei folgend Formen von Schichtarbeit.

Durchlaufende mehrschichtige Arbeitsweise – vollkontinuierliche Schichtarbeit an sieben Wochentagen rund um die Uhr. Hier existieren Sonderregelungen für die Tagesarbeitszeit, zum Beispiel die 12-Stunden-Schicht und es gibt verbindliche Kurzpausen, anstelle von Ruhepausen. Werden solche mehrschichtigen Arbeitsweisen in einem Unternehmen eingeführt, ist das gegenüber dem zuständigen Arbeitsinspektorat meldepflichtig.

Nur werktags durchlaufende mehrschichtige Arbeitsweise – teilkontinuierliche Schichtarbeit an fünf oder sechs Werktagen, der Sonntag ist grundsätzlich arbeitsfrei. Es bestehen Sonderregelungen für die Ruhe am Wochenende und für die Tagesarbeitszeit. Auch hier sind Kurzpausen anstelle von Ruhepausen gestattet.

Die sonstige mehrschichtige Arbeitsweise wie beispielsweise der Betrieb in zwei Schichten jeweils montags bis freitags oder samstags. Hier muss die Wochenendruhe erst am Samstag 24.00 Uhr beginnen.

Gesundheitliche Risiken der Schichtarbeit

Zweifelsohne sind Schichtarbeiter in gewissem Maße höheren gesundheitlichen Risiken ausgesetzt, als „Normalarbeiter“, deshalb sind in einigen Ländern auch regelmäßige ärztliche Kontrollen vorgeschrieben. Schichtarbeiter sind häufiger mit solchen Erkrankungen wie Schlafstörungen, Depressionen, Bluthochdruck oder Magengeschwüren belastet. So ist der Schlaf eines Schichtarbeiters nach einer Nachtschicht kürzer und meistens schlechter, was letztlich zusätzlich psychosoziale Belastungen für die Gesundheit nach sich zieht und häufig unterschätzt wird. Außerdem behindert die Schichtarbeit das familiäre Zusammenleben und soziale Aktivitäten des Arbeitnehmers. Es gibt bereits Forschungsergebnisse die Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Schichtarbeit und Krebserkrankungen geben.

Bei Schichtarbeitern, die nicht immer nur die Nachteile der Schichtarbeit und die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken sehen, wird Schichtarbeit gern geleistet, weil es im Ausgleich dafür mehr Freizeit und meistens auch mehr Geld durch die Schichtzulagen bringt. Die möglichen Gefahren bei dauerhafter Nachtarbeit sind aber eine Desozialisierung und der vermehrte Zugriff auf Alkohol oder andere Drogen.

Gesetze und Gerichtsurteile zu Schichtarbeit

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen wurden 1994 durch das Arbeitszeitgesetz geschaffen, dass die aus dem Jahr 1938 stammende Arbeitszeitordnung ersetzt hat. Das Arbeitszeitgesetz vereinheitlicht und vereinfacht die gesetzlichen Regelungen, verbessert den Gesundheitsschutz besonders für Schicht- und Dauernachtarbeiter und verbessert die Möglichkeiten der Flexibilisierung der Arbeitszeit. Es gibt sowohl den Arbeitgebern als auch den Arbeitnehmern größere Spielräume im Zusammenhang mit der Verteilung der Arbeitszeit und verbessert dadurch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Das Arbeitszeitgesetz regelt die Dauer und die Verteilung der Arbeit sowie der Pausen. Maximale Dauer eines Arbeitstages zehn Stunden genehmigungsfrei. Zwischen den Schichten sollten elf Stunden Ruhezeit verbleiben, hier gibt es aber für viele Bereiche Ausnahmen, die letztlich aber nur die Regel bestätigen.

Gerichtsurteile im Zusammenhang mit Schichtarbeit

Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts bestätigt, dass die Nachtschicht ein höheres gesundheitliches Risiko für den Arbeitnehmer darstellt, aufgrund dessen wurden die Regelungen in § 6 des Arbeitszeitgesetzes erweitert.

Ein Urteil des LAG Hamm 15 Sa 271/07 – betrifft die Verweigerung von Sonntagsarbeit eines Arbeitnehmers aus religiösen Gründen. Diesem Baptisten wurde gekündigt, weil er sich weigerte, sonntags zu arbeiten. Wenn aber das Weisungsrecht des Arbeitgebers mit dem Grundrecht des Arbeitnehmers auf Glaubens- und Bekenntnisfreiheit kollidiert, muss der Arbeitgeber zuerst prüfen, ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, den Arbeitnehmer einzusetzen, nur wenn das nicht möglich ist, kann die Kündigung ausgesprochen werden.

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Derzeit gibt es 1 Kommentar. »

  1. Wir Schichtarbeiter sind einer potenziellen höheren Gefahr gesundheitlicher Störungen ausgesetzt als "7to5"-Arbeiter und arbeiten entgegengesetzt unserer biologischen Uhr. Es ist daher nicht immer einfach konzentriert und motiviert zu arbeiten.

    Ein interessanter Artikel, danke.

    Gruß

    Jenns vom Schichtforum.de

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