Umgang mit Schicksalsschlägen von Kollegen: Tipps, No-Gos, Beispiele

Das Leben steckt voller Überraschungen – nur leider sind diese nicht immer positiver Natur. (Fast) jeder Mensch muss früher oder später einen Schicksalsschlag verkraften, seien es der Tod einer nahestehenden Person, eine Krankheit, eine Fehlgeburt und und und. Als Außenstehender ist es nicht immer einfach, mit einer solchen Situation angemessen umzugehen, vor allem, wenn Sie eher fernere Kollegen als beste Freunde sind. Wie also verhalten Sie sich richtig, wenn ein Kollege beziehungsweise eine Kollegin einen Schicksalsschlag erleidet?

Inhalt
1. Ein Schicksalsschlag kann das ganze Leben verändern – oder die Person
2. Schicksalsschläge im beruflichen Umfeld: Überforderung und Unsicherheit
3. „Richtig“ oder „Falsch“ hängen stets von der individuellen Situation ab
4. Situation 1: Persönlicher Kontakt zum Betroffenen
5. Situation 2: Betroffener bleibt der Arbeit erst einmal fern
6. Achtung: Was Sie nicht (!) tun oder sagen sollten…
7. Tipps für Führungskräfte: Wie gehen Sie als Chef mit dem Schicksalsschlag um?
8. Fazit: Bei Schicksalsschlägen ist Menschlichkeit gefragt

Ein Schicksalsschlag kann das ganze Leben verändern – oder die Person

Schicksalsschläge sind ein schwieriges Thema. Niemand setzt sich schließlich gerne damit auseinander, welch schmerzhafte Erfahrungen er in seinem Leben durchstehen musste oder was mit den Liebsten (oder auch einem selbst) in Zukunft alles passieren könnte. Krankheit, Tod & Co – das sind Themen, die Angst und Unbehagen auslösen und welche wir im Alltag deshalb nur allzu gerne verdrängen. So lange zumindest, bis es nicht mehr anders geht – weil wir selbst oder Personen in unserem sozialen Umfeld unmittelbar damit konfrontiert werden. Schicksalsschläge gehören zu den prägenden Ereignissen im Leben.

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Sie können nicht nur eine Lebenssituation von einem Moment auf den nächsten (komplett) verändern, sondern auch die betroffene Person. Sollte jemand aus Ihrem beruflichen Umfeld einen Schicksalsschlag erleiden, müssen Sie sich also darauf einstellen, dass sich diese Person kurz- oder langfristig verändern könnte. Sie befindet sich nun in einer absoluten Ausnahmesituation. Und auch, wenn Sie ihm oder ihr nicht wirklich dabei helfen können, so möchten Sie sich gewiss „angemessen“ verhalten. Doch was bedeutet das überhaupt?

Schicksalsschläge im beruflichen Umfeld: Überforderung und Unsicherheit

Bei Angehörigen oder engen Freundschaften fällt es als Außenstehender oft leichter, angemessen mit einem Schicksalsschlag umzugehen. Schließlich können Sie offen miteinander reden, vielleicht wird geweint, vielleicht beieinander übernachtet, um Trost zu spenden, vielleicht auf der Beerdigung die Hand gehalten.
„Es ist manchmal, als wenn das, was wir Schicksal nennen... (Johann Wolfgang von Goethe)
Im beruflichen Umfeld (oder bei ferneren Bekannten) fühlen sich hingegen viele Außenstehende mit der Situation überfordert. Sie möchten Anteilnahme ausdrücken, aber dem Kollegen nicht zu nahe treten. Es ein schmaler Grat: Einerseits möchten Sie die Situation nicht einfach ignorieren und dadurch gleichgültig wirken, andererseits wollen Sie aber auch keine Wunden aufreißen oder sich zu sehr in das Privatleben des Betroffenen einmischen. Schicksalsschläge im beruflichen Umfeld rufen deshalb unter Kolleginnen und Kollegen häufig Überforderung und Unsicherheit hervor.

„Richtig“ oder „Falsch“ hängen stets von der individuellen Situation ab

Leider können wir Ihnen auch keinen Leitfaden an die Hand geben, wie Sie sich bei einem Trauerfall im beruflichen Umfeld konkret zu verhalten haben. Welches Verhalten schlussendlich als „richtig“ oder „falsch“ zu bewerten ist, hängt stets von der individuellen Situation ab – der Art des Schicksalsschlags sowie dem Umgang des Betroffenen damit. An dieser Stelle ist daher eine Menge Empathie gefragt. Zu unterscheiden sind hierbei zwei Situationen:

Situation 1: Persönlicher Kontakt zum Betroffenen

Nicht jeder Mensch lässt sich aufgrund eines Schicksalsschlages bei der Arbeit beurlauben. Während die einen erst einmal Zeit für sich selbst, die Organisation einer Beerdigung oder eventuell sogar eine psychotherapeutische Behandlung benötigen, versuchen andere, so schnell wie möglich wieder in den „normalen“ Alltag zu finden. Sollte der Betroffene also persönlich am Arbeitsplatz erscheinen, lassen Sie ihn kurz ankommen und gehen Sie dann in einem geeigneten Moment auf ihn zu. Drücken Sie Ihre Anteilnahme aus, zum Beispiel wie folgt:

„Ich wollte Ihnen nur kurz mein aufrichtiges Mitgefühl aussprechen. Wenn ich Ihnen in der nächsten Zeit irgendwie weiterhelfen oder Sie bei einem Projekt unterstützen kann, kommen Sie gerne jederzeit auf mich zu!“

Stehen Sie sich vielleicht etwas näher, wäre auch folgende Formulierung angemessen:

„Lieber Max, ich habe von Deinem Schicksalsschlag gehört. Mein aufrichtiges Beileid! Wenn ich Dir irgendwie helfen oder eine Unterstützung sein kann, zögere bitte nicht, auf mich zuzukommen.“

Sie haben nun Ihre Anteilnahme ausgedrückt. Sucht der Betroffene nicht (direkt) das Gespräch, ziehen Sie sich wieder zurück und begeben Sie sich erst einmal in die Beobachterrolle – unauffällig, versteht sich:

  • Wie verhält sich der Betroffene in den kommenden Tagen?
  • Wirkt er gefasst oder „neben der Spur“?
  • Nimmt er Hilfe an oder versucht er „Business as usual“ zu betreiben?
  • Spricht er über das Geschehene oder versucht er das Thema zu vermeiden?

Versuchen Sie jetzt bewusst wahrzunehmen, wie sich der Betroffene verhält, ob er Hilfe oder ein Gespräch wünscht und wann (nicht). Sollten Sie sich unsicher sein, seien Sie lieber ein wenig zu passiv als zu offensiv. Sie haben ja bereits Ihre Unterstützung angeboten, also wird der Betroffene (hoffentlich) von selbst auf Sie zukommen, wenn er Ihr Angebot annehmen möchte.

Situation 2: Betroffener bleibt der Arbeit erst einmal fern

Natürlich kommt es (mindestens) ebenso häufig vor, dass der Betroffene dem Arbeitsplatz erst einmal fernbleibt. Entweder, um das Geschehene zu verarbeiten, oder auch, weil er aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit kurz- oder langfristig nicht mehr arbeitsfähig ist. Dennoch sollten Sie als Kollegin beziehungsweise Kollege den Schicksalsschlag keinesfalls ignorieren. Senden Sie einen Kondolenzbrief oder eine Genesungskarte – gerne mit Blumen – und drücken Sie Ihr Beileid sowie eventuell Ihre Genesungswünsche aus.

Beispiel Kondolenzschreiben:

Lieber Max,
voller Betroffenheit haben wir vom Tod Deiner Ehefrau erfahren. Trost kommt in dieser schweren Zeit vielleicht aus der Erkenntnis, mit der Trauer nicht alleine zu sein. Tief berührt möchten wir Dir unser Beileid ausdrücken. Wir werden Dich in dieser schweren Zeit bestmöglich unterstützen. Komm gerne jederzeit auf uns zu!
(Quelle: Trauerspruch.de)

Natürlich sollte nicht jeder Kollege ein eigenes Schreiben verfassen. Tun Sie dies als Gemeinschaft, bestenfalls in Absprache mit der Führungskraft. Drücken Sie demnach auch gemeinschaftlich Ihr Verständnis sowie Ihre Unterstützung aus. Pflegen Sie ein engeres Verhältnis zum Betroffenen, können Sie ihn auch fragen, ob und wann ein Besuch Ihrerseits erwünscht ist.

Achtung: Was Sie nicht (!) tun oder sagen sollten…

Seien Sie im Umgang mit dem betroffenen Kollegen sensibel. Wie bereits erwähnt, gehen Sie mit der Situation lieber passiv um als offensiv. Schließlich können gerade jetzt unangemessene Taten oder Worte tief verletzen und Ihr Verhältnis zum Betroffenen nachhaltig belasten. Diese No-Gos gilt es bei Schicksalsschlägen im beruflichen Umfeld daher unbedingt zu vermeiden:

  • Druck aufbauen, wie „Sind Sie mit dem Projekt XXX schon fertig?“
  • „Business as usual“ – Ignorieren Sie die Situation nicht einfach.
  • Vermeiden Sie leere Worte. Wenn Sie Ihre Hilfe anbieten, so halten Sie Ihr Versprechen auch, wenn sie eingefordert wird.
  • Fragen Sie nicht jeden Tag (oder sogar mehrmals täglich) nach dem Wohlbefinden des Betroffenen.
  • Sie haben einmal eine ähnliche Situation erlebt? Solange der Betroffene nicht konkret nach Ihren Erfahrungen oder Tipps fragt, behalten Sie solche Geschichten für sich. Sie wirken weder aufmunternd noch hilfreich.
  • Geben Sie niemals gut gemeinte „Tipps“ oder „Ratschläge“ à la „Das Leben geht weiter“.
  • Stellen Sie keine bohrenden Fragen zum Privatleben oder dem Schicksalsschlag des Betroffenen. Wenn er erzählen möchte, wird er das von selbst tun. Wenn nicht, respektieren Sie seine Entscheidung.
  • Das Positive in der Situation sehen? Das mag eine gute Lebenseinstellung sein, doch versuchen Sie niemals, diese dem Betroffenen aufzudrängen. Sparen Sie sich Sprüche wie „Wenigstens hatte er ein langes Leben und eine liebende Familie“!
  • Akzeptieren Sie auch die Grenzen, welche der Betroffene setzt. Wenn er konkret sagt, dass er nicht über den Schicksalsschlag sprechen möchte, so meiden Sie fortan das Thema – es sei denn, er kommt von selbst damit auf Sie zu.
  • Spielen Sie die Situation niemals herab, auch nicht nach einem Monat oder einem Jahr oder selbst zehn: Jeder Mensch braucht unterschiedlich viel Zeit, um einen Schicksalsschlag zu überwinden. Zeigen Sie Geduld und Verständnis – auch, wenn Sie innerlich von der Situation mittlerweile genervt sind. Wer weiß, ob Sie nicht selbst eines Tages auf die Geduld und das Verständnis Ihrer Kollegen angewiesen sind.

„Behandle jeden so, wie Du selbst behandelt werden möchtest!“ (Konfuzius)

Tipps für Führungskräfte: Wie gehen Sie als Chef mit dem Schicksalsschlag um?

Auch als Vorgesetzter des Mitarbeiters, welcher einen Schicksalsschlag erlitten hat, sind Sie mit diesen Tipps und No-Gos natürlich gut beraten. Doch auf Sie kommen nun noch weitere Herausforderungen zu, schließlich befinden Sie sich in einem Spannungsfeld zwischen Menschlichkeit, Empathie und Verständnis auf der einen sowie Ihrer wirtschaftlichen Verantwortung, Zeitdruck oder Leistungsbewertungen auf der anderen Seite. Für Sie geht „das Leben weiter“ – sprich das Business – nicht jedoch für Ihren Angestellten. Wie also gehen Sie als Chef mit einem Schicksalsschlag im Team um?

  1. Verständnis ist jetzt erst einmal das A und O. Zeigen Sie sich von Ihrer menschlichen Seite und demonstrieren Sie dem Betroffenen, dass Sie seine Situation nachvollziehen können. Haben Sie Nachsicht, wenn er seine Arbeit langsamer oder in schlechterer Qualität verrichtet als üblich. Nur so erzeugen Sie Vertrauen.
  2. Sinnvoller kann es für beide Seiten sein, wenn Sie das Vieraugengespräch suchen und abklären, ob und wie Sie den Betroffenen in seiner Situation bestmöglich unterstützen können. Möglichkeiten sind Teilzeitangebote, eine Beurlaubung oder die (vorübergehende) Umverteilung von Aufgaben und Zuständigkeitsbereichen.
  3. Lassen Sie den betroffenen Mitarbeiter wissen, dass er erst einmal aus dem Bewertungssystem herausgenommen wird, bis es ihm besser geht und wieder „Normalität“ eingekehrt ist.
  4. Zeigen Sie auch nach diesem Erstgespräch Engagement. Vereinbaren Sie zum Beispiel ab sofort wöchentliche, zweiwöchentliche oder monatliche Mitarbeitergespräche, um sich jeweils nach dem aktuellen Befinden des Betroffenen zu erkundigen und die Arbeitssituation eventuell an aktuelle Änderungen anzupassen.
  5. Akzeptieren Sie die Ausnahmesituation des Betroffenen und suchen Sie unbedingt auch das Gespräch mit dem Team. Bereiten Sie es auf die Situation vor, geben Sie ihm konkrete Handlungsanweisungen mit auf den Weg und plädieren Sie für Verständnis, Geduld und Unterstützung. Ahnden Sie ausfälliges oder rücksichtsloses Verhalten von Mitarbeitern gegenüber dem Betroffenen.
  6. Zeigen auch Sie – ebenso wie Ihre Mitarbeiter – Geduld und Verständnis. Wirft der Schicksalsschlag den Betroffenen Ihrer Meinung nach „zu sehr“ oder „zu lange“ aus der Bahn, suchen Sie den vertrauensvollen Dialog und schlagen Sie äußerst vorsichtig vor, dass sich der Betroffene professionelle Hilfe bei der Trauerarbeit sucht, zum Beispiel durch einen Therapeuten.

Fazit: Bei Schicksalsschlägen ist Menschlichkeit gefragt

Wir leben in einer Geschäftswelt, in der ein Mitarbeiter schnell zur „Zahl“ wird. Wer nicht funktioniert, geht nicht selten durch die Hölle, sei es aufgrund von Mobbing oder gar der Kündigung. Doch gerade bei Schicksalsschlägen ist wieder die Menschlichkeit gefragt – von den Vorgesetzten sowie den Kollegen. Leistung, Produktivität oder „roboterartiges“ Funktionieren sollten dabei endlich in den Hintergrund rücken. Schlussendlich sind wir schließlich alle nur Menschen und ein Schicksalsschlag ist das denkbar schlimmste Szenario im Leben. Gut, wenn die Kollegen und Führungskräfte dann wissen, wie sie mit dem Betroffenen umzugehen haben – und wie nicht. Und vielleicht erinnert es sie ja auch daran, dass Menschlichkeit nicht nur in solchen Ausnahmesituationen, sondern generell wieder mehr Einzug in die Berufswelt halten sollte.

Oder was denken Sie? Wie handhaben Sie Schicksalsschläge bei Ihren Kollegen oder Mitarbeitern? Welche schönen und weniger schönen Reaktionen mussten Sie vielleicht bereits in Ihrem beruflichen Umfeld beobachten? Oder was hat Ihnen selbst (nicht) geholfen, einen Schicksalsschlag zu verarbeiten? Wir sind dankbar für Ihre Tipps und Meinungen in den Kommentaren!

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