Schuhmacher / Schuhmacherin
Obwohl es den meisten Menschen selbstverständlich erscheint, gehört es zu den wichtigen Dingen im Alltag, das richtige Schuhwerk für alle möglichen Anlässe an den Füßen zu haben: Sandalen, Stiefel, Pumps oder schicke Herrenschuhe. Zwar werden heutzutage viele Schuhe als Konfektionsware hergestellt, dennoch oder gerade deshalb werden aber auch Fachleute gebraucht, die noch das traditionelle Schuhhandwerk beherrschen und Schuhe nach individuellen Kundenbedürfnissen fertigen: die Schuhmacher und Schuhmacherinnen.
Tätigkeiten
Schuhmacher/innen arbeiten vorwiegend in Schuh- und Lederwerkstätten, bei Änderungs- und Reparaturdiensten (z. B. in großen Kaufhäusern, Schuhfachgeschäften), in orthopädischen Fachgeschäften und Sanitätshäusern, in Bühnenwerkstätten von Theatern und Filmproduktionen oder auch alternativ in der Schuhindustrie. Ihre Hauptaufgaben sind es dort, alle möglichen Arten von Maßschuhen herzustellen, industriell gefertigte Schuhe umzuändern und kaputte Schuhe zu reparieren.
Um bei der Herstellung die Schuhe individuell an die Füße der Kunden anpassen zu können, müssen Schuhmacher/innen zunächst Form und Größe der Füße entweder traditionell per Hand oder mit moderner Scanning-Technik vermessen. Aus den ermittelten Maßen fertigen sie ein entsprechendes Holzmodell der Füße an (so genannter „Leisten“), das sie für die Übertragung der Passform auf Schnittmuster benötigen. Anhand der Schnittmuster schneiden sie die einzelnen Schuhteile zu (z. B. Schaft, Innenfutter, Oberleder, Sohle), formen diese über dem Leisten und verbinden die Einzelteile (z. B. durch Vernähen, Versteppen oder Verkleben). Abschließend werden die fertigen Schuhe durch ein „Finish“ (z. B. Wachs, Politur) vor Außeneinwirkungen geschützt und die Sohlen abgeschliffen.
Die Art des Schuhs und des Material sowie Farbe und Preis werden zuvor mit dem Kunden abgesprochen, weswegen Schuhmacher/innen nicht nur über gute feinmotorische Fähigkeiten und Wissen rund um den Schuh, sondern auch über Kompetenzen im Bereich Kundenberatung verfügen müssen.
Daneben gehört es zu den Aufgaben von Schuhmacher/innen Maß- und Konfektionsschuhe umzuarbeiten und zu reparieren, wenn diese nicht (mehr) richtig passen oder sich die Wünsche des Kunden geändert haben. Dazu stellen Schuhhandwerker/innen zum Beispiel geeignete Fußhilfen her (z. B. orthopädische Fußbettungen und -polsterungen), ersetzen defekte Teile (z. B. abgebrochene Absätze, abgetretene Sohlen), bearbeiten das Schuhmaterial (z. B. Weiten des Leders) oder „modernisieren“ alte Schuhe (z. B. Färben).
Art, Dauer und Inhalt der Ausbildung
Die Ausbildung zum/zur Schuhmacher/in ist eine staatlich anerkannte Ausbildung, die regulär 3 Jahre dauert und im Wechsel von Berufsschulunterricht (in Fachklassen) und praktischer Ausbildung in einem Schuhhandwerksbetrieb stattfindet. Laut Gesetz existieren keine bestimmten Zugangsvoraussetzungen für die Ausbildung; erwartet wird jedoch meist mindestens ein Hauptschulabschluss.
Ziel des Berufsschulunterrichts ist es unter anderem, den Auszubildenden Grundlagenwissen in relevanten Bereichen des Schuhhandwerks zu vermitteln: Dazu zählen beispielsweise Wissen über die Anatomie des Fußes und die Fußgesundheit, Kenntnisse zur Beurteilung der Passform von Schuhen, Werkstoff- und Werkzeugkunde sowie Wissen über Arbeitstechniken (z. B. wie verschiedene Materialien miteinander verbunden werden können).
Im Ausbildungsbetrieb lernen die Auszubildenden zum Beispiel, wie die die richtigen Materialien für den Schuh ausgewählt und bearbeitet werden können, auf was beim Umgang mit Maschinen und Werkzeugen zu achten ist, was für das Reinigen und Reparieren von Schuhen wichtig ist oder wie Arbeitsprozesse mithilfe moderner EDV-Technik vereinfacht werden können (z. B. Material- und Zeitbedarf). Daneben lernen sie, wie sie Kunden gezielt beraten, Füße richtig vermessen und die Qualität des hergestellten Schuhs überprüfen können (z. B. Qualitätssicherungstechniken).
Weiterbildungsmöglichkeiten
Auch für Berufstätige im Schuhhandwerk ist es eine Notwendigkeit, sich ständig über aktuelle Entwicklungen zu informieren (z. B. neue technische Produktionsverfahren, Änderung des Modegeschmacks der Kunden). Dementsprechend werden zum Beispiel Weiterbildungen zu breit gefächerten Themen wie Material- und Produktkunde, Vertrieb, orthopädische Schuhtechnik, handwerkliche EDV-Technik, Reparaturservice und Qualitätsmanagement angeboten. Aufstiegsmöglichkeiten bieten sich für Schuhmacher/innen vor allem durch das Ablegen der Prüfung zum/zur Schuhmachermeister/in oder Industriemeister/in mit Fachrichtung Schuhfertigung. Des Weiteren werden Weiterbildungen wie die zum/zur staatlich geprüften Techniker/in für Schuhtechnik oder Fachkaufmann/-frau in der Handwerkswirtschaft angeboten.
Arbeitsmarktchancen
Maßschuhe haben meist einen stolzen Preis, so dass sich traditionelle Schuhmacherläden fast nur in größeren Städten finden. Und auch Änderungs- und Reparaturwerkstätten verschwinden zunehmend, da es oft billiger ist, sich neue Schuhe zu kaufen. Gute Arbeitsmarktchancen für Schuhmacher/innen existieren aber beispielsweise im Bereich des orthopädischen Schuhhandwerks; Selbständige haben vor allem die Möglichkeit, Maßschuhe in Kombination mit Konfektionsschuhen anzubieten.
Verdienstmöglichkeiten
Nach Tarifvertrag beträgt der Stundenlohn für Schuhmacher/innen abhängig von der Berufserfahrung durchschnittlich 12,80 EUR brutto; dies entspricht einem monatlichen Bruttoverdienst von ca. 2000 EUR. Alternativ in der Schuhindustrie beschäftige Schuhmacher/innen verdienen dagegen sehr viel weniger (brutto ca. 8,50 bis 9,00 EUR pro Stunde bzw. ca. 1350 EUR pro Monat). Diese Angaben sind jedoch nur grobe Anhaltspunkte, weil viele Schuhmacher/innen unter- bzw. übertariflich beschäftigt oder selbständig tätig sind und das Einkommen stark von der regionalen oder branchenspezifischen Auftragslage abhängt.
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