Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Hilfe ich werde begrabscht!

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist leider keine Seltenheit. Über 50 Prozent aller Frauen haben schon Erfahrungen mit anzüglichen Äußerungen gemacht und fühlen sich dem Gebaggere und Gegrabsche hilflos ausgesetzt. Aber wo fängt Belästigung überhaupt an und was können Opfer dagegen tun?

Sexuelle Belästigung muss sich niemand bieten lassen!

Natürlich nicht, wird mancher angesichts der Überschrift denken, aber so einfach ist die Sache für die Betroffenen leider häufig nicht.

Neben der Scham und der psychischen Belastung kommen Angst um den Job und vor den hämischen Kommentaren der Kollegen und nicht selten auch Auseinandersetzungen mit dem Partner hinzu. Trotzdem sollte sich jedes Opfer von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz darüber im Klaren sein, dass es sich zu seinem eigenen und dem Schutz anderer eindeutig und notfalls auch vehement gegen Übergriffe zu wehren hat. Selbst was anfangs noch harmlos wirkt, könnte sich zu einer andauernden Qual ausweiten, die niemand ertragen muss.

Sexuelle Belästigung in Zeiten von Emanzipation und Gleichstellung

Eigentlich sollte man meinen, dies sei ein Relikt aus Zeiten strengster Hierarchien und patriarchalisch geführter Unternehmen. Weit gefehlt: Auch heute noch verspüren Menschen – und vor allem Frauen – Angst und Scham beim Betreten ihres Arbeitsplatzes. Sie erleben hier manchmal tagtäglich eine echte Tortur, weil ihnen ein Kollege oder ein Vorgesetzter zu nahe kommt. Das kann verbal oder auch handgreiflich passieren. Und es werden nicht nur junge, hübsche und besonders aufreizend gekleidete Frauen Opfer sexueller Belästigung – oder junge, gut und sexy aussehende Männer!

Wie verhalte ich mich, wenn ich sexuell belästigt werde

Es klingt zunächst höchst ungerecht, aber Sie müssen sich darüber klar sein, wie Sie den Härtegrad der Belästigung empfinden. Prüfen Sie sich, wie sensibel Sie reagieren und wie niedrig Ihre Toleranzschwelle liegt. Sind Sie sicher, dass Sie keine Gesten, Worte oder Taten überinterpretieren oder missverstehen?

Kommt es zu unsittlichen Berührungen oder Anträgen, eindeutig sexuell gefärbten Ansprachen über Ihr Aussehen und Ihre Ausstrahlung oder Ihren Status z. B. nach einer Trennung, dann müssen Sie einschreiten – und zwar sofort! Es kann nämlich sonst sein, dass der Täter sich zu weiteren Taten ermutigt fühlt, wenn Sie sich nicht gleich beim ersten Mal wehren. Fühlen Sie sich nicht schuldig,  sexuelle Belästigung ist niemals die Schuld des Opfers, auch wenn die Täter oder Unbeteiligte es gelegentlich so hinstellen. Sie müssen sich also nicht mit Fragen quälen, ob und wiefern Sie selbst oder Ihr Äußeres Anlass zu einer derartigen Handlung gegeben haben.

Machen Sie keinesfalls den Fehler, schamhaft zu schweigen oder zu hoffen, dass es sich um einen einmaligen Ausrutscher gehandelt hat.

Und sorgen Sie dafür, dass das Verhalten des Täters publik wird, denn je mehr Menschen davon wissen, desto eher wird er sich hüten, seine Tat zu wiederholen oder auszuweiten.

So wehren Sie sich erfolgreich gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

  • Setzen Sie bereits beim ersten Vorfall ein deutliches Zeichen, indem Sie den Täter laut ansprechen, während er vielleicht noch murmelt oder flüstert. Nennen Sie ihn beim Namen – sagen Sie: “Herr X, ich möchte das nicht von Ihnen hören. Bitte unterlassen Sie das sofort”!
  • Sprechen Sie vernehmlich aus, was der Täter Ihnen signalisiert hat: “Herr X, ich bin an einem sexuellen Kontakt mit Ihnen nicht interessiert. Lassen Sie mich gefälligst in Ruhe!”
  • Vergewissern Sie sich, dass Sie Zeugen haben, und sagen Sie: “Herr X, Frau Y ist meine Zeugin, dass Sie mich soeben sexuell belästigt haben.”
  • Beim ersten Mal muss Ihre Abfuhr so unmissverständlich sein, dass sich der Täter abgeschreckt fühlt und er es nicht noch einmal probiert.
  • Schreiben Sie den Tathergang detailliert auf und übergeben Sie das Dokument Ihrem Gleichstellungsbeauftragten im Unternehmen. Sollte es keinen geben, können Sie es auch mit einer eidesstattlichen Versicherung bei einem Anwalt hinterlegen.
  • Verhalten Sie sich bei einem erneuten Belästigungsversuch offensiv und niemals defensiv. Bitten Sie nicht, sondern fordern Sie, dass der Täter sofort damit aufhört.
  • Stellen Sie den Täter bloß und wehren Sie sich so laut wie möglich und notfalls auch mit vollem Körpereinsatz, damit andere auf Ihre Lage aufmerksam werden.
  • Vermeiden Sie das Alleinsein mit dem Täter und sprechen Sie Arbeitskollegen, Ihren Partner und Freunde darauf an. Es kommt häufig vor, dass Sie kein Einzelfall sind, sondern sich auch andere Opfer melden.

Weihen Sie im Wiederholungsfall Ihren Chef ein, damit der Täter eine Abmahnung bekommt oder entlassen wird. Holen Sie sich Unterstützung bei Beratungsstellen oder gehen Sie gemeinsam mit anderen Opfern zur Polizei, wenn die Übergriffe so schwerwiegend sind, dass sie strafrechtlich verfolgt werden sollten.

Video mit weiteren Maßnahmen und nützlichen Tipps

Welche Beratungs- und Hilfsmöglichkeiten gibt es?

Betroffene Frauen sollten sich an Frauenberatungsstellen oder an einen Anwalt vor Ort wenden. Alternativ kann auch die kostenfreie und vertrauliche Online-Beratung von Frauen helfen Frauen e.V. kontaktiert werden.

1 Kommentar

  1. Wolf Dubjenko on

    Auch jungen Auszubildenden bleibt manchmal so eine “Erfahrung” nicht erspart. Deshalb noch ein weiterer Tipp für die jüngere Kollegen. Sprecht, wenn möglich, mit euren Eltern über das Problem.

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