Social Media Sucht: Gehören Sie auch zu den Süchtigen?

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War vor einigen Jahren noch die Zigarettensucht unter Arbeitgebern ein viel diskutiertes Thema, steht nun die Social Media Sucht  ganz oben auf der Liste der Süchte im Berufs- und Privatleben. Die Social Media Sucht gestaltet sich im Vergleich zum Nikotinkonsum oftmals wesentlich intensiver. Was in der Nikotinsucht mal eben eine Zigarette bedeutet, heißt bei Social Media Süchtigen rund um die Uhr in jeder Minute online zu sein.

Social Media Sucht: ein Überblick

Laut einer Studie kommuniziert jeder Zweite sowohl beruflich als auch privat öfter online mit anderen Menschen als in realen Begegnungen. Für einige ist das Lebensgefühl immer online zu sein eine Sucht geworden.

Unterschiedliche Studien beziffern die Zahl der Online Süchtigen auf etwa 500.000 Menschen in Deutschland. Die Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Arten der  Internetsucht, wie:

  • Online-Spielsucht,
  • Online-Informationssucht,
  • Online-Kaufsucht,
  • Online-Sexsucht sowie
  • Online Social Media Sucht.

Die einzelnen Suchtformen sind oftmals schwer gegeneinander abzugrenzen. Untersuchungen beweisen jedoch, dass jeder vierte  Internetsüchtige nicht auf Social Media verzichten kann.

Süchtig nach sozialen Netzwerken

Ein freiwilliger Verzicht auf die sozialen Online Kontakte ist für viele Online Süchtigen undenkbar. Kommt es doch dazu, kann es laut einer amerikanischen Studie der Universität Maryland zu körperlichen Entzugserscheinungen kommen, die auch Drogen- und Alkoholsüchtige  kennen. Schwitzen, Zittern, Angst, Unruhe und Nervosität gehören beispielsweise zu ihnen.

Auch das Vernachlässigen der eigenen Freunde und Familie außerhalb der virtuellen Welt sowie immer wieder auftretende Versäumnisse zugunsten von Twitter, Facebook und anderen sozialen Netzwerken sind ernsthafte Anzeichen für eine Social Media Sucht.

Leiden auch das Schlaf-, Hygiene- und Essensverhalten unter dem Drang ständig online aktiv zu sein, ist die Social Media Sucht laut Psychologen besonders stark ausgeprägt.

Online Sucht: eine Ursache für Depressionen

Eine aktuelle Befragung des Netzwerkplaners Cisco zeigt: 40 Prozent der Social Media User ist die Pflege der sozialen Netzwerke wichtiger, als reale Treffen mit Freunden. Die Wichtigkeit des Mediums Internet wird vor allen Dingen von jungen Menschen in einem Atemzug mit Wasser, Nahrung, Luft und einer eigenen Unterkunft genannt.

Nahezu unvorstellbar erscheint die Cisco Prognose, dass in drei Jahren der ohnehin schon umfangreiche Datenaustausch um das 21fache  steigen wird. Das führt zu Datenmengen in Petabyte-Dimensionen (ein Petabyte entspricht einer Million Gigabyte). Dies erhöht laut Experten die Gefahr, dass die Zahl Online Süchtiger steigt.

Hinzu kommen weitere psychologische und soziale Risiken im exzessiven Umgang mit den sozialen Netzwerken. So leiden beispielsweise viele Social Media User unter depressiven Verstimmungen, wenn Beiträge und Statusmeldungen von anderen Usern nicht mit “gefällt mir” – Angaben versehen und positiv kommentiert werden. Cybermobbing ist ebenfalls eine Gefahr, die besonders jüngere Social Media Nutzer betrifft.

Weiterhin kann es zu einem Burnout führen, wenn es zeitlich immer schwieriger wird, die verschiedenen Social Media Identitäten mit dem realen Leben zu verbinden und den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Tipps für Arbeitgeber

Sobald Sie, als Arbeitgeber, den Gedanken haben, dass einer Ihrer Arbeitnehmer Social Media süchtig ist, sollten Sie ihn ruhig darauf ansprechen. Da es sich bei jeder Sucht um eine Krankheit und somit ein sehr sensibles Thema handelt, sind vorsichtige Gesprächsanfänge  sinnvoll. “In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass…” oder “Ich habe bei Ihnen den Eindruck…” sind entsprechende Beispiele dafür. Eine Recherche über Gesprächskreise und therapeutische Angebote zum Thema “Online Sucht” kann ebenfalls hilfreich sein. Vorbeugend haben Arbeitgeber zusätzlich die Chance, Ihren Mitarbeitern Coachings im Umgang mit Sozialen Netzwerken anzubieten.

Symptome der  Social Media Sucht

Treffen mehrere dieser Aussagen auf Sie zu, ist es nicht ausgeschlossen, dass Sie vielleicht auch zu den Betroffenen zählen, die eine Online Sucht entwickeln:

  • Sie können sich schwer vorstellen, einige Tage ohne Internet zu verbringen.
  • Sie verspüren den Drang, ständig Ihre sozialen Netzwerke im Blick zu haben.
  • Sie vernachlässigen wichtige Aufgaben im realen Leben, um zu twittern oder Facebook Einträge zu verfassen.
  • Sie treffen sich kaum noch mit Freunden außerhalb der virtuellen Welt.
  • Sie haben keine Freunde außerhalb der virtuellen Welt.
  • Sie bekommen schlechte Laune oder sind niedergeschlagen, wenn Ihre Social Media Aktivitäten von anderen scheinbar nicht wahrgenommen bzw. nicht kommentiert werden.

Social Media süchtig? – Was Sie dagegen tun können…

Etwa 250 Mal schauen Durchschnittuser täglich auf ihr Smartphone. Dabei empfinden viele das Gefühl, nichts verpassen zu wollen. Aus psychotherapeutischer Sicht sind insbesondere Menschen gefährdet eine Social Media Sucht zu entwickeln, die

  • ungern die Kontrolle verlieren,
  • sich in virtuellen Begegnungen sicherer fühlen als in realen Kommunikationssituationen,
  • Pausen während Ihrer beruflichen Tätigkeit für Online Aktivitäten stets nutzen.

Wie bei anderen Suchtkrankheiten ist das Bewusstsein über eine mögliche, persönliche Suchtgefährdung der erste Schritt, um die Entwicklung einer Sucht zu verhindern. Fühlen Sie sich bereits Social Media süchtig, ist die persönliche Erkenntnis der Sucht der Schlüssel, um den Umgang mit dem Internet maßvollere Bahnen zu lenken. Eine Selbstbegrenzung der Zeiten, in denen Sie on bzw. in sozialen Netzwerken unterwegs sind, können beispielsweise helfen. Das gelingt oftmals, wenn dafür andere Lebensinhalte intensiver gestaltet werden. FesteFitness-Kurstermine und Treffen mit Freunden sind nur zwei Lösungsansätze gegen eine zu intensive Nutzung der sozialen Netzwerke.

Grundsätzlich gilt: Beeinträchtigen Ihre Social Media Aktivitäten andere Lebensbereiche stark, sollten Sie Ihren Umgang mit den sozialen Netzwerken genauer in den Blick nehmen. Hilfe und Unterstützung für die Vorbeugung und Behandlung von Online Sucht erhalten Sie unter anderem bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Ihnen beispielsweise psychologische Ansprechpartner in Ihrer Nähe nennen kann.

Beitrag von

Arbeits-abc

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