Sozialversicherung: Beitragssätze und Beitragsbemessungsgrenzen

Im heutigen Teil unseres Online-Seminars Lohn und Gehalt, beschäftigen wir uns mit den Beitragssätzen und Beitragsbemessungsgrenzen der gesetzlichen Sozialversicherung.

2. Grundlagen der Lohn- und Gehaltsabrechnung

Fachkundige Leser beim Online-Seminar Lohn und Gehalt werden sicherlich Kürzungen oder Vereinfachungen bei den bisherigen Beiträgen bemerkt haben. Das ist auch durchaus beabsichtigt, weil der Schwerpunkt dieser Abhandlung in praxisnahen Lohn- und Gehaltsabrechnungen liegen soll, die von jedem Interessierten nachvollzogen werden können. Besonderheiten, die bislang nicht angesprochen worden sind, werden dann von Fall zu Fall in diesem Online-Seminar Lohn und Gehalt entsprechend erläutert. Vermisst also eine Leserin oder ein Leser z. B. den Begriff „Faktorverfahren“ bei der Steuerklassenkombination IV/IV oder die Unterscheidung in eine allgemeine Lohnsteuertabelle A und eine besondere Lohnsteuertabelle B, die für Beschäftigte angewendet wird, die nicht oder nicht mehr rentenversicherungspflichtig sind wie Beamte oder Arbeitnehmer, die Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung beziehen, haben wir diese Sachverhalte vorerst bewusst ausgeblendet, um den theoretischen Teil des Online-Seminars Lohn und Gehalt nicht zu überfrachten.

2.2. Gesetzliche Sozialversicherung

Die heutige, auf fünf Säulen beruhende Sozialversicherung, der weite Bevölkerungskreise pflichtgemäß unterliegen, reicht mit ihren Wurzeln bis in die tiefgreifenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Europa bzw. Deutschland. Die zunehmende Industrialisierung und damit das Wachsen der Arbeiterschaft mit den bekannten negativen sozialen Auswüchsen veranlasste den Staat, Maßnahmen zum Schutz von Arbeitern und deren Familien zu ergreifen. Ganz uneigennützig kamen die ersten Gesetze unter der Regierung Bismarck nicht zustande, aber sie haben sich letztendlich bis heute bewährt. Wer sich für diese historischen Fakten interessiert, kann sich hier weiter informieren: http://www.dhm.de/lemo/html/kaiserreich/innenpolitik/sozialgesetze/index.html

Hier eine Übersicht über die Einführungsdaten der Zweige der Sozialversicherung:

1883 Gesetzliche Krankenversicherung
1884 Unfallversicherung
1889 Invaliden- bzw. Arbeiterrentenversicherung
1911 Angestelltenrentenversicherung
1927 Arbeitslosenversicherung
1995 Soziale Pflegeversicherung

Die Beiträge zu den Sozialversicherungen werden in ihrer Höhe und den Bemessungsgrundlagen vom Gesetzgeber festgelegt und richten sich nach dem Einkommen der Versicherten. Festgelegt sind ebenfalls die dem Versicherten zustehenden Leistungen. Die entsprechenden Grundlagen des Sozialversicherungsrechts finden sich in dem aus 12 Teilbüchern bestehenden Sozialgesetzbuch SGB. Artikel 120 des GG und § 213 SGB VI bestimmen, dass der Bund verpflichtet ist, Sozialversicherungsträger im Notfall aus mit Steuermitteln finanzierten Zuschüssen Unterstützung zu gewähren, wenn diese aus Beiträgen oder Rücklagen ihrer Leistungspflicht nicht mehr entsprechen können.

2.2.1. Beitragssätze zur Sozialversicherung 2015 – (gekürzte Übersicht)

VersicherungszweigWerteArbeitgeberanteilArbeitnehmeranteil
KrankenversicherungAllgemeiner Beitragssatz 14,60 %7,30 %7,30 % ggf. zzgl. einem individuellen, einkommensabhängigen Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse, eingezogen durch den Arbeitgeber
Ermäßigter Beitrags-satz lt. § 44 Abs. 1 Satz 2 SGB V 14,00 % (Krankengeld ist nicht zu Verwechseln mit Entgeltfortzahlung bei Krankheit)7,00 %7,00 %
PflegeversicherungInsgesamt 2,35 %1,175 %1,175 % zzgl. 0,25 % für Versicherte über 23 Jahre ohne nachge-wiesene Elterneigen-schaft. Eine weitere Sonderregelung gilt für Sachsen
Rentenversicherung18,70 %9,35 %9,35 %
Arbeitslosenversicherung3,00 %1,50 %1,50 %
UnfallversicherungAbhängig von der zuständigen BerufsgenossenschaftAbhängig von Gefahrklassen des Betriebes, Beiträge nur durch AGKeine Beiträge
Insolvenzgeldumlage0,15 %Beiträge nur durch AG
Umlagen U1 und U2 (Aufwendungen Mutterschaft)Lt. Satzung der KrankenkassenBeiträge nur durch AG

 

2.2.2. Beitragsbemessungsgrenzen

Für die Höhe der Sozialversicherungsbeiträge gilt eine Bemessungsgrundlage. Basis ist das sozialversicherungspflichtige Bruttoentgelt. Bis zu diesem Betrag werden die Abzüge prozentual ermittelt. Teile des Arbeitsentgeltes, die über der Bemessungsgrundlage liegen, sind beitragsfrei.

Beitragsbemessungsgrenzen zur Sozialversicherung 2015 – (gekürzte Übersicht)

Zweig der SozialversicherungRechtskreis West einschl. Berlin WestRechtskreis Ost einschl. Berlin Ost
Kranken- und Pflege-versicherung monatlich4.1250,00 €4.120,00 €
Renten- und Arbeitslosenversicherung monatlich6.050,00 €5.200,00 €

 

Für die Berechnung der Jahreswerte sind die genannten Zahlen mit 12 zu multiplizieren.

2.2.3. Jahresarbeitsentgeltgrenze

Die Jahresarbeitsentgeltgrenze bestimmt die Versicherungspflichtgrenze. Bis zu dieser Grenze besteht Versicherungspflicht für Arbeitnehmer in der gesetzlichen Krankenversicherung. Wie die Beitragsbemessungsgrenzen wird die Versicherungspflichtgrenze jedes Jahr neu durch den Gesetzgeber festgelegt. Für 2015 liegt die Versicherungspflichtgrenze bei 54.900,00 €.

Was bedeutet diese Jahresarbeitsentgeltgrenze nun für einen Arbeitnehmer? Wer mit seinem Jahres-Bruttoeinkommen über diesem Betrag liegt, kann in eine private Krankenversicherung wechseln. Dafür muss die Versicherungspflichtgrenze in dem vorhergehenden Jahr überschritten werden. Grundsätzlich hat ein Arbeitnehmer jedoch das Recht, auch weiterhin Mitglied in seiner bisherigen gesetzlichen Krankenkasse zu bleiben, er erwirbt den Status eines freiwillig Versicherten. Er hat überdies weiter Anspruch auf den Arbeitgeberanteil zur Kranken- und Pflegeversicherung, allerdings nur bis zum dem Betrag, den der Arbeitgeber maximal zahlen müsste.

Dazu ein Beispiel: Die Beitragsbemessungsgrenze in der KV/PV liegt bei 4.125,00 €. Der AG-Anteil in der Krankenversicherung beläuft sich auf 7,30 %. Damit ergibt sich ein Höchstzuschuss des Arbeitgebers für Arbeitnehmer, die Mitglieder einer privaten Krankenversicherung sind, in Höhe von 301,13 €.

2.2.4. Grundsatz der Halbteilung

Wie aus der Tabelle zu den Beitragssätzen in der Sozialversicherung hervorgeht, gilt vom Grundsatz her der Halbteilungsgrundsatz, nachdem sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge zur Sozialversicherung in der Regel teilen. Folgende Ausnahmen, soweit nicht aus der Übersicht ersichtlich, sollen bereits an dieser Stelle beispielhaft erwähnt werden:

  • Bei Auszubildenden unterhalb der Geringverdienergrenze in Höhe von 325,00 € übernimmt der Arbeitgeber alle Beiträge zur Sozialversicherung
  • Arbeitnehmer, die das 65. Lebensjahr vollendet haben, zahlen selbst keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, nur der Arbeitgeber zahlt seinen Arbeitgeberanteil
  • Arbeitnehmer, die Altersvollrente beziehen, zahlen selbst keine Beiträge zur Rentenversicherung, nur der Arbeitgeber zahlt seinen Arbeitgeberanteil

Auf weitere Sonderregelungen werden wir im Einzelfall im Rahmen des Online-Seminars Lohn und Gehalt eingehen.

weiter: Muster-Lohnabrechnungen – Vorbemerkungen und erste Schritte

>> Inhaltsverzeichnis Online-Seminar Lohn und Gehalt mit Musterabrechnungen <<

 

Ihr Kommentar zum Thema