Stressmanagement: Wie erkennen Sie Ihren inneren Feind – den Stress?

Stress auf der Arbeit, in der Familie und Freizeit, während der Autofahrt, mit Behörden oder in der Schule: Heutzutage gibt es kaum einen Lebensbereich, der nicht mit Stress in Zusammenhang gebracht wird.

War man früher gestresst, galt man als Wichtigtuer. Doch heute zieht sich Stress durch alle Altersklassen. Kein Wunder, denn unser Leben ist im Vergleich zu früher um ein vielfaches schneller, komplexer, automatisierter und globaler geworden. Nicht zu vergessen der Dauerbeschuss der Werbe- und Medienwelt, welchem wir rund um die Uhr, Tag ein Tag aus, ausgesetzt sind – bewusst und unbewusst.

Die Auswirkungen von Stress werden leider immer noch unterschätzt. Nicht nur das Stress dem Unternehmen und der Wirtschaft schadet, Stress wird auch als größte Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts genannt und ist zudem die Hauptursache bei ca. 70 % aller Krankheiten. (Quelle WHO) Aufgrund dieser Tatsache ist es besonders wichtig, Stress als Ursache zu begreifen, die eigenen Stressoren zu erkennen und so einen neuen und bewussteren Umgang mit stressigen, also belastenden Situationen im Alltag zu erlernen.

Stress – was ist das eigentlich?

Was ist Stress? Wir alle reden darüber, aber was bedeutet „Stress“ und wie wirkt er sich auf unseren Organismus aus?

Stress bedeutet zunächst einmal für jeden etwas anderes, denn Stress ist individuell. Stress ist zudem ein lebensnotwendiger Vorgang – welcher uns in Notsituationen das Leben retten soll, oder durch welchen wir erst zu Höchstleistungen fähig sind, Herausforderungen überhaupt erst meistern können. Hierbei sprechen wir von positivem Stress. Allerdings – und hier besteht die eigentliche Gefahr – können solche Situationen sehr schnell ins Gegenteil kippen, nämlich dann, wenn immer öfter zahlreiche Stresssituationen in Folge auftreten.

Der Begriff „Stress“ kommt ursprünglich aus dem Englischen und bedeutet Druck oder Anspannung. Anfangs bezog sich Stress auf eine rein körperliche Belastung und ist ein uraltes Programm unserer Gene. Es ist eine Kampf-Flucht-Reaktion auf bedrohende Stressauslöser. Innerhalb kürzester Zeit ist unser Organismus kampf- und fluchtbereit, er wird in Alarmbereitschaft gesetzt um zu reagieren. Ist die Gefahr vorüber, entspannt sich der Organismus wieder. Wenn wir aber nun in dauernder Anspannung verharren, wirkt sich Stress negativ aus – wir werden langfristig gesehen von Stress krank. Früher ging es um das eigene Leben – im wahrsten Sinne des Wortes – heute wird Stress eher dann gefühlt, wenn wir uns in unserem Selbstwertgefühl bedroht fühlen, wenn wir uns überfordert fühlen und nicht in der Lage sind, die stressigen Situationen zu kontrollieren, sie also mit eigenen Mitteln und Ressourcen abwenden können.

Zusammenfassend kann man sagen, Stress entsteht aus dem Verlust der Kontrolle, aus dem Gefühl sich einer Situation ausgeliefert zu fühlen, welche man selbst nicht beeinflussen kann.

Ob also negativer (Disstress) oder positiver (Eustress) Stress empfunden wird, hängt zum einen immer von der jeweiligen Person ab. Aber auch die persönliche Stresstoleranzgrenze, welche aufgrund der bisher gewonnen Lebenserfahrungen und Persönlichkeitsmerkmalen entsteht, ist ausschlaggebend dafür, welche Belastungen jeder Einzelnen standhalten kann. Die Stresstoleranzgrenze ist als eine flexible Grenze zu betrachten, denn auch diese ist abhängig von der jeweiligen Tagesform der Person und den gegeben Umwelteinflüssen.

Ob man also Stress empfindet und ob dieser dann dem Eustress oder Distress zugeordnet werden kann, ist immer abhängig von

  • der momentanen Lebenssituation
  • der momentanen Verfassung der Person
  • den eigenen Lebenserfahrungen
  • den Persönlichkeitsmerkmalen
  • den Umwelteinflüssen und
  • der aktuellen Situation.

Wir haben es also nicht mit einmaligen Stresssituationen zu tun, sondern es ist bereits der ganz normale Alltag, welcher uns krank macht. Wir können uns dem nicht entziehen und auch nicht darauf hoffen, dass sich das „Außen“ ändert – zum positiven ändert. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als zu lernen, damit umzugehen, bestimmte Stressauslöser zu vermeiden bzw. zu minimieren. Doch dafür gibt es kein Allgemeinrezept. Denn Stress ist individuell. Sie sind individuell.

Für mich ist Stressbewältigung ein Lebenskonzept, ein Konzept mich und mein Leben zu erforschen. Denn Leben ist Wandel und genauso wandelt sich auch das Verständnis und Gefühl von Stress. Das was Sie heute stresst, kann Sie morgen schon wieder beflügeln.

Ein erfolgreiches Stressmanagement besteht darin, seine eigenen Stressoren zu erkennen um diese gezielt zu meiden, auszuschalten, zu reduzieren – kurz gesagt sie zu umgehen. Aber auch die persönlichen Ressourcen zu nutzen und zu aktivieren. Genauso wichtig ist das Praktizieren von Achtsamkeit, welche Ihnen ein selbstbestimmtes Handeln ermöglicht. Bewegung baut Stress ab, ebenso lässt eine gesunde Ernährung Ihren Stress effektiv senken. Wichtig ist auch eine regelmäßige Entspannung. Sie ist Balsam für Körper, Geist und Seele und lässt uns wieder Kraft tanken. Eine beliebte Entspannungsmethode ist z. B. das Autogene Training http://abnehmen-mit-beruf.de/sekundenentspannung-mit-autogenem-training/. Aber auch Zeit spielt eine große Rolle bei dem Thema der Stressbewältigung. Ein alltagstaugliches Zeitmanagement ist das A und O für mehr Freiraum im Alltag.

Kommen Sie Ihren Stressoren auf die Schliche

Als Stressoren werden alle äußeren und innen Anforderungen bezeichnet. Die meisten Stressoren sind Reaktionen auf unser Denken, Fühlen und das Umgehen mit bestimmten Dingen und Situationen. Wirken diese auf uns negativ ein, sind wir durchaus in der Lage, sie durch unser Verhaltens umzuwandeln bzw. auszuschalten.

Etwas anders sieht es mit wenigen äußeren Stressoren aus. Hier heißt es, sie möglichst zu minimieren oder zu neutralisieren. Im Folgenden möchte ich Ihnen einige Stressoren aufzeigen. Diese Aufzählung soll Ihnen die Gelegenheit geben, sich bewusst zu werden, was tagtäglich alles auf Sie einwirkt und zu erkennen, welche Reize Sie stressen und bei welchen Einflüsse Sie gar keine Schwierigkeiten haben, beziehungsweise welche Sie gut kompensieren können. Genauso werden Sie feststellen, dass es Dinge gibt, die Sie stressen die aber für andere Personen kein Problem darstellen.

Welche Stressoren können Stress auslösen?

  • Organisatorische Stressoren wie zum Beispiel bürokratische Strukturen, unklar definierte Kompetenzen, starre und / oder steile Hierarchien, Großraumbüros, überlange Arbeitszeiten, Globalisierungen
  • Personenbedingte Stressoren wie zum Beispiel Ängste, Konflikte zwischen Beruf und Familie, Einsamkeit, Scheidung, Schulprobleme der Kinder, Unsicherheiten, finanzielle Probleme, negative Denkmuster, zu hohe Erwartungen, Hilflosigkeit, monotone Arbeit, schlechte Lebens- und Arbeitsbedingungen,
  • Chemische Stressoren wie Chemikalien, Drogen, Umweltgifte, Strahlung, Alkohol, Nikotin, Fastfood, regelmäßige Medikamenteneinnahme
  • Seelische Stressoren wie Zeitdruck, Leistungsüberforderung aber auch Leistungsunterforderung, Prüfungssituationen, Versagensängste, Perfektionsdrang, übertriebenes Verantwortungsgefühl,
  • Soziale Stressoren wie der Verlust von Angehörigen, Ablehnung von Menschen, Gruppendruck, Mobbing, Rivalität, Meinungsverschiedenheiten, Armut
  • Körperliche Stressoren wie Infektionen, Verletzungen, Lärm, Hitze, Kälte, Hunger, Bewegungsmangel, Diäten, Schlafmangel, Schichtdienst, Übergewicht
  • Gesellschaftliche Stressoren wie Informationsüberflutung, Rollenabhängigkeit

Ich habe Ihnen hier nur einen Bruchteil an möglichen Stressoren aufgezeigt. Sicherlich werden Sie weitere Situationen erkennen, die Sie negativ stressen. Schreiben Sie sich diese am besten auf, um dann gezielte Maßnahmen zu ergreifen, diese zukünftig zu umgehen.
Denken Sie immer daran, dass Sie Ihre Gesundheit nur dann auch erhalten können, wenn Sie negativen Stress auf Dauer meiden.

Im kommenden Artikel werde ich Ihnen kurz erläutern, welche Symptome und gesundheitlichen Folgen durch Stress auftreten können. Auch zeige ich Ihnen neben verschiedenen Entspannungstechniken weitere effektive und schnell umzusetzende Wege aus der Stressfalle.
Bis dahin wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei der Analyse Ihrer ganz persönlichen Stressoren. Ich bin mir sicher, dass Sie dabei bereits Möglichkeiten erkennen, einige davon zu umgehen oder gar gänzlich auszuschalten.

Artikelreihe:

Teil 1: Stressmanagement: Wie erkennen Sie Ihren inneren Feind – den Stress?
Teil 2: Stress – was passiert im Körper und was können Sie gezielt dagegen tun?
Teil 3: So nutzen Sie Ihre Gewohnheiten als Stresskiller

2 Kommentare

  1. Wer gezielt nach einer objektiven Stressorenanalyse sucht, um dann auf die (subjektiven) Stresswahrnehmungen gezielter eingehen zu können, dem kann ich das S-Tool empfehlen. Mit Hilfe einer einfachen Mitarbeiterbefragung werden die konkreten Stressfaktoren identifiziert und in Bezug auf ihre Auswirkungen bewertet. Die Wege aus den Stressfallen lassen sich dann deutlich schneller und leichter aufzeigen. Mehr Infos unter http://www.s-tool.org

  2. Warum ist Stress, gerade auch für viele junge Menschen, zum Alltagsproblem geworden? Ihnen wurde in der Kindheit keine Grenzen mehr aufgezeigt. Bis hier hin und nicht weiter – ein Relikt aus der Vergangenheit? Ein Durchbeißen in schwierigen Situationen gibt es nicht. Es wird immer der einfachste Weg gesucht und wenn es nicht funktioniert, sind die Anderen daran schuld. Und dann auf einmal kommt die raue Arbeitswelt auf sie zu und sie müssen mehr oder weniger Verantwortung übernehmen. Da bricht die heile Welt zusammen und man besucht Seminare, die sich mit “Stressmanagement” beschäftigen. Was ist das für eine skurrile Welt geworden!

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