Traumberufe: Was Kinder einmal werden wollen

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Feuerwehrmann, der Traumberuf vieler JungenWer an seine Kindheit zurückdenkt, stellt wahrscheinlich fest, dass sich die eigenen Berufswünsche seitdem deutlich geändert haben oder dass der ursprüngliche Traumberuf auch ein solcher geblieben ist und mit der derzeitigen Arbeit vielleicht gar nichts zu tun hat. Man wollte zum Beispiel einmal Astronaut/-in, Feuerwehrmann/-frau oder Schauspieler/-in werden, sitzt aber jetzt täglich im Büro und beschäftigt sich überwiegend mit Verwaltungsaufgaben. Den Mädchen und Jungen von heute geht es ähnlich; allerdings scheinen immer mehr Kinder schon relativ früh ihre Berufschancen sehr realistisch einschätzen zu können.

Beliebte Berufe bei Mädchen und Jungen

Im Kinderbarometer der LBS-Initiative Junge Familie und des ProKids-Instituts für Kindheits-, Jugend- und Bildungsforschung (2003) nennen 9- bis 14jährige Kinder aus Nordrhein-Westfalen folgende Berufe als ihren „Traumberuf“: Jungen wollen vor allem in eher typisch männlichen Berufen arbeiten und Polizist oder Fußballspieler werden; aber auch Berufe in Technik und Handwerk sowie im Bereich Wissenschaft sind sehr beliebt. Der häufigste Berufswunsch von Mädchen ist dagegen Ärztin, gefolgt eher typisch weiblichen Berufen wie Lehrerin, Friseurin oder Künstlerin. Bei Jungen scheint daher vor allem das Prestige (z. B. ein „Star“ sein, Anerkennung finden), bei Mädchen dagegen die soziale Verantwortung im jeweiligen Beruf die größte Rolle zu spielen (z. B. helfen, etwas „Gutes“ und „Schönes“ tun).

Warum diese Berufe bei Jungen und Mädchen so beliebt sind, lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass das Vorbild der Eltern und Vorbilder aus den Medien in diesem Alter von großer Bedeutung sind und die Kinder diesen spielerisch nacheifern wollen. Denn die Berufswünsche der Kinder spiegeln zum größten Teil die traditionelle Geschlechterverteilung im Beruf wider, nach der Frauen vor allem in den Bereichen Erziehung, Soziales und Gesundheit, und Männer vor allem in technisch-handwerklichen und naturwissenschaftlichen Branchen arbeiten. Zusätzlich werden die Berufswünsche stark durch die vorwiegend geschlechtsspezifische Erziehung der Eltern beeinflusst: Während Jungen zum Beispiel im Fußballverein angemeldet werden oder zum Geburtstag Lego-Bausteine oder Action-Computerspiele bekommen, werden Mädchen eher mit kreativen Tätigkeiten beschäftigt (z. B. malen, basteln) und oft schon früh in den Haushalt einbezogen (z. B. auf Geschwister aufpassen).

Traumberuf vs. Realität

Die Zuversicht, einmal im Traumberuf arbeiten zu können, sinkt jedoch laut LBS-Kinderbarometer mit steigendem Alter: So schätzen 74 Prozent der Viertklässler ihre Chancen auf den Traumberuf als gut ein, während dies nur noch 64 Prozent der Siebtklässler tun. Besonders gut bewerten Kinder ihre Berufschancen, die sich von vornherein ein eher realistisches Berufsziel stecken (v. a. im Bereich Technik und Computertechnik, Architektur und Recht); nicht so sehr an die Erfüllung ihres Berufswunsches glauben dagegen Kinder mit beruflichen Interessen im Bereich Tanz, Gesang und Schauspiel, im Profisport oder in der Medien-Branche. Zusätzlich zeigt die Befragung, dass jüngere Kinder meist konkretere, aber auch idealistischere Berufswünsche besitzen; bei älteren Kindern werden die beruflichen Vorstellungen entweder unklarer oder schwer zu erreichende Berufsziele (z. B. Arzt/Ärztin, Tänzer/-in, Fußballprofi, Berufe im Bereich Luft- und Raumfahrt) werden zugunsten realistischerer Berufsziele aufgegeben (z. B. Krankenpfleger/-in, Berufe im kaufmännischen Bereich).

Ein Grund dafür ist, dass sich Berufsinteressen erst in der späteren Kindheit langsam ausdifferenzieren: Jüngere Kinder richten ihre Berufswünsche häufig noch an traditionellen Geschlechtsrollenbildern, den Erwartungshaltungen der Eltern oder Freizeitinteressen aus, weil ihre Erfahrung noch begrenzt ist und sie erst beginnen, sich selbst und ihre Möglichkeiten realistischer einzuschätzen. Ältere Kinder orientieren sich dagegen mit zunehmendem Wissen über Bedingungen und „Schattenseiten“ von Berufen zunehmend mehr an den eigenen Fähigkeiten und den durch den Arbeitsmarkt vorgegebenen Möglichkeiten. Denn oft können die anfänglichen Berufswünsche in der Realität nicht umgesetzt werden, da zum Beispiel Ausbildungs- oder Studienplätze begrenzt sind, Berufsausbildungen einen bestimmten Schulabschluss erfordern oder die Eltern die entsprechende Ausbildung nicht finanzieren können. Aber auch die Schule spielt eine große Rolle bei der Entwicklung von Berufswünschen: Kinder erhalten durch den Schulunterricht und zunehmende Erfahrung Rückmeldung über ihre Kompetenzen, lernen diese immer besser einzuschätzen und entwickeln Interessen für Fächer und Berufsbereiche, die ihren Fähigkeiten entsprechen.

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Arbeits-abc

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3 Kommentare

  1. Köchin war mein großer Traum als Kind. Man stellt sich ja nur die guten Seiten des Berufes vor. Schnell mal eine Suppe zaubern und dann wieder etwas anderes machen. 8-10 Stunden kochen Tag für Tag ist dann doch nicht so schön und spannend, wie man einst dachte.

  2. Pingback: Hilfreiche Blogs für Bewerber/-innen und Personalverantwortliche « Lehrstellenboerse.ch Blog

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