Unstimmigkeiten und Konflikte sind nicht immer Mobbing

Es ist ein Begriff, der gerne inflationär verwendet wird: Konflikte und Unstimmigkeiten in der Arbeitswelt werden schnell unter dem Stichwort „Mobbing“ subsumiert.

Kleine Sticheleien über die ältere Kollegin bezeichnet man ebenso schnell als Mobbing wie die Aussage, der Vorgesetzte wolle einen kranken Mitarbeiter in eine andere Abteilung versetzen, um Platz für eine neue Kraft zu schaffen. Doch Tatschen sind, dass man zwischen normalen Konflikten und Unstimmigkeiten im Berufsleben und dem gefürchteten Mobbing deutlich unterscheiden muss. So gibt es dann auch einige sichere Anzeichen für echtes Mobbing, und auch die juristischen Konsequenzen sind nicht zu unterschätzen. Was also hat es mit diesen viel zitierten Thema auf sich?

Das zielgerichtete Vorgehen macht den Unterschied

Unstimmigkeiten und Meinungsverschiedenheiten, vielleicht auch lautstarke Diskussionen gibt es in Abhängigkeit von den beteiligten Charakteren immer wieder. Man ist sich in der Sache schon aus persönlichen Gründen heraus nicht einig, doch dann kommt auch noch die Funktion hinzu, die man in der Berufswelt zu verkörpern hat. Schnell treten Interessenskonflikte zwischen Abteilungen auf, und wer dann nicht lösungsorientiert und konstruktiv vorgeht, endet schnell im Dissens, den man kaum noch aus eigener Kraft überbrücken kann.

Mobbing ist darüber hinaus aber deutlich mehr. Es unterscheidet sich von Konflikten durch das zielgerichtete und absichtliche Vorgehen.

Wer einen Kollegen oder einen Mitarbeiter mobben will, tut dies im vollen Bewusstsein, dass er dem anderen einen Schaden zufügt.

Vielleicht werden Informationen vorenthalten, vielleicht wird der Betroffene bloßgestellt, vielleicht gar denunziert. Hinzu kommt meist eine gewisse Isolation, wenn das Opfer von anderen Kollegen abgeschirmt wird und wenn man vielleicht sogar den Kontakt untereinander verbietet. Mobbing ist also ein geplantes Vorgehen, bei dem der Täter genau weiß, wie und wie sehr er seinem Opfer schadet. Deshalb ist Mobbing deutlich von normalen Konflikten am Arbeitsplatz zu unterscheiden. Und auch die deutsche Rechtsprechung der Arbeitsgerichtsbarkeit hat hier eine eindeutige Meinung.

Mobbing ist strafbar

Nach der deutschen Rechtsprechung ist nachgewiesenes Mobbing strafbar. Führt Mobbing zu einer Klage des Opfers gegen den Täter, und folgt die Arbeitsgerichtsbarkeit der Auffassung des Opfers, liegt ein Straftatbestand vor, der Täter macht sich also strafbar. In der Folge können daraus empfindliche Strafen resultieren, die mindestens die Zahlung eines angemessenen Schmerzensgeldes nach sich ziehen. In den Vereinigten Staaten von Amerika geht man mit solchen Forderungen nach Schmerzensgeld nicht kleinlich um und bewegt sich schnell im sechsstelligen Bereich. Solche Ausmaße hat man in Deutschland noch nicht erreicht, doch auch hier ist eine zunehmende Sensibilisierung der Gerichte nicht zu leugnen.

Konflikte ja, Mobbing nein

So wenig Mobbing am Arbeitsplatz zu tolerieren ist, so sehr muss man wissen, dass es ohne Konflikte am Arbeitsplatz nicht geht. Hier treffen unterschiedlichste Persönlichkeiten aufeinander, und jeder Mitarbeiter hat seine Abteilungsinteressen zu vertreten. Hinzu kommen persönliche Interessen wie die Karriere oder der nächste Gehaltssprung. Betrachtet man das im Kontext einer sich immer wieder verändernden Situation, wird schnell klar, dass Konflikte nicht zu verhindern sind. Sie sind sogar wichtig, um darauf aufbauend eine konstruktive Lösung zu erarbeiten, denn nur, wenn alle widerstreitenden Fakten auf dem Tisch liegen, kann man daraus einen tragfähigen Ansatz erarbeiten. Konflikte unter den Tisch zu kehren, ist deshalb weder im Berufsleben noch im privaten Bereich sinnvoll und zielführend.

Trotzdem bleibt die Frage, ob man heute nicht zu sehr sensibilisiert ist und zu schnell mit dem Begriff des Mobbings aufwartet. Tatsächlich wird jemand, der Mobbing selbst erlebt hat, dieses Modewort nur in den Mund nehmen, wenn es angebracht erscheint. Andererseits können ehemalige Betroffene schnell sensibel und übertrieben reagieren, wenn es einmal Unstimmigkeiten gibt. Und ebenso ist sicher, dass Mobbing als Modewort schnell inflationär verwendet wird. Ein sorgfältiger Umgang damit wäre also wünschenswert und könnte dazu beitragen, potenzielle Opfer besser zu schützen.

Fazit: Augenmaß ist angesagt

Tatsächlich ist Mobbing ein schwieriges Thema, mit dem nicht leicht umzugehen ist. Als Vorgesetzter sollte man ein Auge auf sein Team haben, ob hier potenzielle Opfer des Mobbings zu finden sind. Mobbing kann für die Betroffenen drastische gesundheitliche Auswirkungen haben, deshalb müssen Vorgesetzte hier sensibel bleiben.

Wer einen Kollegen als potenzielles Mobbingopfer sieht, sollte den Weg nach vorne antreten. Nur wenige Opfer können sich selbst befreien, und häufig versteht man nicht einmal, was die Umwelt gerade anstellt. In jedem Fall brauchen Mobbingopfer die Hilfe von Außenstehenden, um möglichst schnell den Weg aus der Opferrolle zu finden.

1 Kommentar

  1. Willst du dauerhaft gegen Mitarbeiteranfeindungen immun sein, helfen nur eine starke Persönlichkeit und eine professionelle Arbeitseinstellung zu Mitarbeitern. Mitarbeiter, die Mobbing betreíben oder Gerüchte verbreiten, haben Probleme mit sich selbst und ihren Leben. Da ist vieles schiefgelaufen. Wären sie “klar” im Kopf, hätten sie derartige Aktivitäten nicht nötig und auch gar keine Lust dazu.

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