Vorstellungsgespräch: Stärken und Schwächen nennen

Eine Frage ist aus keinem Vorstellungsgespräch wegzudenken: nämlich die nach Ihren Stärken und Schwächen. Sie kennen das vielleicht: Sie haben ein gutes Gefühl, das Gespräch verläuft bisher reibungslos, doch bei der Frage nach Ihren Schwächen werden Sie plötzlich unsicher. Sie kommen ins Stocken und ärgern sich, dass Sie sich nicht schon vorher Gedanken über die perfekte Antwort gemacht haben. Klar, wie auswendig gelernt sollte diese nicht klingen. Aber völlig unvorbereitet kann einen die Frage nach den eigenen Persönlichkeitsmerkmalen schnell einmal aus dem Konzept bringen. Vor allem dank der ohnehin vorhandenen Nervosität. Ganz oben auf der To-Do Liste bei der Vorbereitung eines Bewerbungsgespräches steht deshalb: Stärken und Schwächen finden und an Beispielen festmachen.

Inhalt:

1) Stärken – klingt einfacher, als es ist
2) Die richtige Wortwahl finden
3) Schwächen zugeben, aber in Maßen
4) So viel zur Theorie, aber wie sieht das in der Praxis aus?

Stärken – klingt einfacher, als es ist

Eigentlich ist die Frage nach den Stärken die einfachere der beiden. Sollte man zumindest meinen. Dennoch: viele Menschen tun sich äußerst schwer damit, Aussagen über ihren eigenen Charakter zu treffen. Zudem werden wir von klein auf zur Bescheidenheit erzogen und sollen jetzt plötzlich mit unserem Können prahlen. Nicht wenigen von uns widerstrebt es regelrecht, sich dem Arbeitgeber in dieser Form „anpreisen“ zu müssen. Doch natürlich möchte der potenzielle neue Vorgesetzte wissen, in welchen Bereichen er besonders auf Sie zählen könnte, wo Ihre Schlüsselqualifikationen liegen oder wie es um Ihre Selbsteinschätzung steht. Gerne wird auch extra darauf abgezielt, Sie in Verlegenheit zu bringen, um zu sehen inwiefern Sie in schwierigen Situationen gelassen bleiben können. Umso besser also, wenn Sie ruhig und mit einem Lächeln auf den Lippen die Fragen glaubwürdig und angemessen beantworten können. Angemessen, was heißt das?

Die richtige Wortwahl finden

Angeber und Selbstüberschätzer sind nirgends gerne gesehen. Vor allem dann nicht, wenn Sie später in einem Team eingesetzt werden sollen. Unsichere Persönlichkeiten, die sich selbst nichts zutrauen, hingegen sind ein ebenso rotes Tuch für jeden Arbeitgeber. Es geht nun also darum, das richtige Maß aus Selbstbewusstsein und Bescheidenheit zu finden und vor allem: ehrlich zu bleiben! Denn setzen Sie die Erwartungen Ihres Gegenübers zu hoch, so stehen Sie hinterher im Job schlimmstenfalls vor einem Berg aus Überforderung und selbstauferlegtem Leistungsdruck. Gleichen Sie stattdessen im Vornherein die in Frage kommenden Stärken mit dem Jobausschreibungsprofil ab und bleiben Sie hinsichtlich dieser optimistisch und authentisch. Suchen Sie passende Beispiele aus Ihrem Werdegang heraus und belegen Sie jede genannte Stärke mit der entsprechenden Erfahrung, die Sie bereits sammeln konnten.

Schwächen zugeben, aber in Maßen

Ein Klassiker ist der Versuch, Schwächen zu nennen, die der Personaler gerne hören würde oder wahre Schwächen in positive Merkmale umzuwandeln. Es wird kaum jemanden geben, der nicht schon den Satz „ich neige dazu, einfach zu viel zu arbeiten und mich zu sehr einzusetzen und dabei mein Privatleben in den Hintergrund zu stellen“ nicht schon fünf Mal gehört hat. Mehr als ein ungläubiges Schmunzeln werden Sie dafür nicht erhalten. Und auch gar keine Schwächen nennen zu können sorgt eher für ein negatives Bild bei Ihrem Gegenüber. Niemand ist schließlich perfekt. Viel näher läge da die Vermutung, Sie hätten sich nicht ausreichend auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet. Wenn Ihnen aber auf Anhieb nichts einfällt, so lesen Sie doch einfach alte Zeugnisse durch oder fragen Freunde und Bekannte.

Beachten Sie jedoch: Nennen Sie keine Schwächen, die Ihre Eignung für die avisierte Stelle erheblich einschränken könnte. Wählen Sie eher Randbereiche der zukünftigen Tätigkeit und vermitteln Sie glaubwürdig die Bereitschaft, an sich zu arbeiten. Zudem sollten Sie, wenn nicht gezielt nach einer bestimmten Anzahl (meist drei) von Stärken und Schwächen gefragt wird, nie mehr Schwächen als Stärken nennen.

So viel zur Theorie, aber wie sieht das in der Praxis aus?

Wenn Sie zur näheren Verdeutlichung der oben genannten Grundregeln, noch Beispiele wünschen, so lesen Sie hier weiter…

…Antwortmöglichkeiten auf die Frage nach den Stärken:

  1. Ich arbeite mich schnell in neue Themenfelder ein und bin flexibel. Wie Sie in den Zeugnissen sehen können, habe ich bei meiner früheren Stelle regelmäßig neue Projekte aus den verschiedensten Aufgabenbereichen übernommen und erfolgreich abgeschlossen.
  2. Ich kann gut mit Stress umgehen, ich habe schließlich drei Kinder groß gezogen.
  3. Ich arbeite sehr gerne im Team und hatte noch nie Ärger mit Kollegen. Wie Sie in meinem Lebenslauf sehen können, habe ich bisher immer in kleinen Teams zusammengearbeitet, was mir sehr viel Spaß gemacht hat.
  4. Ich kann Konflikte lösen und habe sogar schon einmal eine Weiterbildung zum Mediator gemacht.
  5. Ich bin sehr kreativ. In meiner Freizeit belege ich schon seit über 10 Jahren einen Malkurs und habe dabei gelernt, Situationen wie Gemälde manchmal aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Sie sehen, es ist alles halb so wild. Bleiben Sie einfach authentisch und belegen Sie das Gesagte mit handfesten Erfahrungen oder Zeugnissen.

Nun aber zu den Schwächen:

  1. Ich bin schüchtern und habe nicht viel Erfahrung darin, vor einer Gruppe zu sprechen. Diese Situation macht mich oftmals nervös.
  2. Ich bin schnell ungeduldig und kann nur schwer auf Ergebnisse warten.
  3. Ich habe in der Arbeit mit Microsoft Access noch nicht allzu viele Erfahrungen sammeln können.
  4. Ich wollte schon lange eine zweite Fremdsprache lernen, bin aber nie dazu gekommen.
  5. Es fällt mir manchmal schwer, „Nein“ zu sagen.
  6. Ich bin kein Morgenmensch und brauche morgens viel Zeit und Kaffee, um wach zu werden.
  7. Ich neige dazu zu viel zu reden und es fällt mir dann schwer, auch mal über mich selbst zu lachen.

Wären diese Schwächen ein Grund für Sie als Personaler, den Bewerber nicht einzustellen? Vermutlich nicht. Solange Sie als Pilot nicht die Flugangst nennen oder als Chirurg eine mangelnde Nervenstärke, haben Sie viele Möglichkeiten sich selbst durch Schwächen sympathisch und ehrlich zu verkaufen. Und selbst wenn Sie durch ein „Nein“ aus dem Raster fallen, so haben Sie sich gewiss vor dem falschen Job gerettet. Hierzu ein Beispiel aus dem wahren Leben: Ein Bewerber aus dem sozialpädagogischen Bereich musste auf die Frage, ob er sich zutraue, Langzeitarbeitslosen mit oft erheblichen Problemen finanzieller, sozialer oder gesundheitlicher Art ein kompetenter Ansprechpartner zu sein, mit einem klaren „Nein” antworten. Damit war das Vorstellungsgespräch abrupt gelaufen. Drei Wochen später jedoch erhielt er einen Anruf, ob er in dem Team mit anderen Aufgabengebieten mitarbeiten wolle.

2 Kommentare

  1. Mir ist bekannt, dass viele Firmen in Vorstellungsgesprächen noch immer die Frage nach den Stärken und Schwächen stellen. Mittlerweile gibt es allerdings so viele Ratgeber oder Bewerbertrainings in denen genau diese Antworten, eventuell mit einer leicht abgewandelten Wortwahl, empfehlen, dass ich die Frage schon seit Jahren nicht mehr Stelle…..
    Ich versuche meistens eine möglichst angenehme Gesprächssituation zu schaffen (So weit das in einem Vorstellungsgespräch möglich ist – Es ist und bleibt eine gewisse Stresssituation) und den Bewerber in ein möglichst lockeres Gespräch zu verwickeln. Oftmals fällt dann die Maske, die ein Bewerber versucht sich vorzuhalten und man bekommt ein viel ehrlicheres Bild der Person….

  2. Arbeits-abc

    Hallo Herr Hehn,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Bewerber sollten sich selbst treu bleiben. Angst zu haben, dass ein Wort oder eine Aussage das Ende bedeuten könnte, ist kontraproduktiv. Wie könnte man so ein vernüftiges Gespräch auf Augenhöhe führen? Klasse, wie Sie Bewerbern begegnen – Chapeau!

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