Eine Ausbildung in einem internationalen Unternehmen bietet vor allem den Vorteil, dass gleichzeitig mit einem grundlegenden Berufsabschluss gefragte Zusatzqualifikationen wie Fremdsprachenkenntnisse, interkulturelle Kompetenzen und internationale Fachkenntnisse erworben werden können. Denn um ihre Wettbewerbsfähigkeit auf den globalen Märkten aufrecht zu erhalten, sind internationale Unternehmen auf Mitarbeiter angewiesen, die mit ausländischen Kunden umgehen, in multikulturellen Teams mitarbeiten und bei Bedarf in Niederlassungen, Tochtergesellschaften, Produktionsstätten oder Partnerunternehmen im Ausland eingesetzt werden können.
Karrierevorteile durch Auslandserfahrungen
Aus eigenem Interessen bieten deshalb weltweit tätige Großunternehmen wie Honda, Siemens, BASF und Daimler (auch bei Twitter), aber auch zunehmend kleine und mittelständische Betriebe, die Geschäftsbeziehungen im Ausland pflegen, ihren Auszubildenden die Möglichkeit, meist für vier bis 12 Wochen lang praktische Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Davon profitieren jedoch nicht nur Unternehmen. Nach einer 2008 durchgeführten Befragung des Hochschulzentrums für Weiterbildung (HZW) der Fachhochschule Gießen-Friedberg sowie nach Angaben der BBQ Berufliche Bildung gGmbH ergeben sich für Auszubildende insbesondere folgende Lernchancen durch einen Auslandsaufenthalt während der Ausbildung:
• Fremdsprachenkenntnisse und das berufliche Fachvokabular können in vorbereitenden Sprachkursen und vor Ort in der konkreten Arbeitspraxis angewendet und erweitert werden.
• Internationale Fachkenntnisse über ausländische Märkte, Unternehmenskulturen, Geschäftspraktiken, Arbeitstechniken und Problemlösungsstrategien können erworben werden.
• Der Einblick in den (Arbeits-)Alltag in einer fremden Kultur kann dabei helfen, Berührungsängste und Sprachhemmungen im Umgang mit internationalen Gesprächs- und Geschäftspartnern abzubauen.
• In Lern- und Arbeitsgruppen mit Mitgliedern unterschiedlicher Nationalitäten können soziale und interkulturelle Kompetenzen wie Empathie-, Kommunikations- und Teamfähigkeit unter Beweis gestellt werden.
• Und durch die Bewältigung der Herausforderungen, die mit einem Praktikum im Ausland verbunden sind (z. B. hoher Organisationsaufwand, Trennung von Familie und Freunden), können persönliche Kompetenzen wie Selbständigkeit, Selbstvertrauen, Belastbarkeit, Flexibilität und Offenheit gegenüber neuen Situationen gestärkt werden.
All dies kann darüber hinaus dazu beitragen, die Karrierechancen auf einen interessanten und gut bezahlten Job zu verbessern, da solche Kenntnisse und Kompetenzen bei nationalen und internationalen Arbeitgebern aller Branchen im In- und Ausland zunehmend mehr gefragt sind.
Beispiel: Internationale Ausrichtung der Ausbildung bei AIRBUS
Beim französischen AIRBUS-Konzern, der auch an sieben Standorten in Deutschland Nachwuchskräfte in technisch-gewerblichen und kaufmännischen Berufen ausbildet (u. a. in Bremen, Hamburg und Laupheim), ist der Erwerb interkultureller Kompetenzen von Anfang an ein fester Bestandteil der Ausbildung. Im Rahmen des „Intercultural Competencies Program“ (ICP) werden Auszubildenden unter anderem folgende Erfahrungen ermöglicht:
• Step I „Basics“: Im ersten Ausbildungsjahr werden allen Auszubildenden die internationalen Grundlagen des Unternehmens vermittelt (z. B. Unternehmensstruktur, Kultur und Geschichte der Partnerunternehmen, Bedeutung interkultureller Kompetenzen).
• Step II „First International Contacts“: Ab dem 2. Ausbildungsjahr können Auszubildende mit ausreichenden Sprach- und Fachkenntnissen in Austauschprogrammen, interkulturellen Workshops und Outdoor-Trainings erste Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Kollegen und anderen Auszubildenden aus Partnerländern sammeln.
• Step III „Learning Abroad“: Wer gute bis sehr gute Sprach- und Fachkenntnisse mitbringt, kann auch einzelne Ausbildungsabschnitte an einem Firmenstandort in Frankreich, Spanien oder England verbringen.
• Step IV „Short Term Employment Abroad“: Nach Ende der Ausbildung besteht zudem für junge Fachkräfte die Möglichkeit, eine Zeit lang in einer internationalen Projektgruppe in einem Partnerland mitzuarbeiten.
Die erfolgreiche Teilnahme an den Programmen und die während eines Auslandsaufenthalts gesammelten Erfahrungen und Kompetenzen werden mit dem europass der Europäischen Kommission (http://www.europass-info.de) dokumentiert und zertifiziert. Der europass ist in allen EU-Ländern und der Türkei anerkannt und kann so – neben dem Renommee des weltweit bekannten Unternehmens – eventuell ein „Türöffner“ bei Bewerbungen für eine spätere berufliche Tätigkeit im Ausland sein.
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