Vorurteile – fast alle Hartz-IV-Empfänger sind Langzeitarbeitlose

Wer das glaubt, liegt total falsch, so der Arbeitsmarktforscher Joachim Möller. Er erläutert, warum diese Gleichung nicht aufgeht.

Viele Azubis, Uni-Absolventen ohne Anstellung sowie eine große Zahl von Geringverdienern beziehen in Deutschland Hartz IV. Lediglich ein kleiner Anteil derjenigen, die vom Staat Geld bekommen, ist schon lange ohne Job. Denn die Hartz-IV-Leistungen sind nicht nur für Arbeitslose da – was viele gar nicht wissen.

Der offizielle Name „Grundsicherung für Arbeitssuchende“ macht es deutlich: Die Hilfebedürftigkeit ist der zentrale Punkt – diese kann, muss aber nicht die Folge von Arbeitslosigkeit sein. So befinden sich unter sechs Millionen Hartz-IV-Empfängern 1,3 Millionen Erwerbtätige, deren Einkommen so niedrig ist, dass es nicht für die Lebenshaltungskosten ausreicht und aufgestockt werden muss.

Außerdem sind in den sechs Millionen weitere 1,7 Millionen Angehörige enthalten – meist Kinder unter 15 Jahren -, die auf Hartz IV angewiesen sind. Die übrigen 4,3 Millionen Leistungsberechtigten fallen unter die Rubrik „erwerbsfähig“, zwei Millionen sind arbeitslos.

Und was macht der Rest? Gesetzlich gilt nicht als arbeitslos, wer Maßnahmen zur Weiterbildung wahrnimmt oder einem Ein-Euro-Job nachgeht. Etwa eine halbe Million Menschen gehört in diese Kategorie. Weitere erwerbsfähige Hartz-IV-Leistungsberechtigte sind die bereits genannten Aufstocker, Azubis, Schüler und Personen, die sich in der Erziehungszeit befinden oder solche, die ihre Angehörigen pflegen.

Die Gruppe der „Hartzer“ ist sehr vielschichtig

Das lässt sich auch über die Arbeitslosen innerhalb der Hartz-IV-Empfänger sagen: Hier mischen sich Hochschulabsolventen auf Jobsuche mit gesundheitlich eingeschränkten Geringqualifizierten über 60 Jahre, die bereits lange zuvor ihre Arbeit verloren haben.

Denn abweichend von der Sozialhilfe (die es entgegen anderer Meinungen durchaus noch gibt), wird Hartz IV ausschließlich an erwerbsfähige Personen gezahlt, die nicht in der Lage sind, ihren eigenen Lebensunterhalt sowie den ihrer nicht erwerbsfähigen Angehörigen – meistens handelt es sich um Kinder unter 15 Jahren – aus ihrem eigenen Verdienst zu finanzieren.

Dazu sollte man wissen, dass in Deutschland die vonseiten des Gesetzes bestehende Definition der Erwerbsfähigkeit im Vergleich recht niedrig angesetzt wird: Wer täglich zumindest drei Stunden unter den auf dem Arbeitsmarkt üblichen Bedingungen arbeiten kann, gilt als erwerbsfähig.

Länger arbeitslos als ein Jahr: nur eine Million

Etwa die Hälfte der ca. zwei Millionen arbeitslosen Hartz-IV-Berechtigten hat seit länger als einem Jahr keinen Job. Allerdings weisen die meisten von ihnen verschiedene Merkmale auf, die sie schwer vermittelbar machen. Das Spektrum reicht von fehlenden Schul- und Berufsabschlüssen, gesundheitlichen Einschränkungen über Altersprobleme, Migrationshintergrund in Kombination mit mangelhaften Deutschkenntnissen bis zu den Problemen von Alleinerziehenden.

17 Kommentare

  1. Ich kenne genug Deutsche die so tun als würden sie arbeiten und sind am Arbeitsplatz faul.Die ALG II Empfänger die ich kenne wollen alle arbeiten und suchen verzweifelt Arbeit.Die Deutschen die so etwas behaupten sind alles Idioten.

  2. Daniela Keith via Facebook on

    also ich finde es schlimm, dass seit Hartz-IV alle in einen Topf geworfen werden. Derjenige, der seit 25 Jahren hart gearbeitet hat und unverschuldet arbeitslos geworden ist bekommt das gleiche Geld wie derjenige, der ohne Abschluss aus der Schule “gefallen” ist und pöbelnd in der Ecke hängt und auch nie eine Chance auf einen Job haben wird. Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit!!! UND Arbeit muss sich lohnen. Solangen man für’s Gammeln das Gleiche Geld wie für’s Arbeiten bekommt… wofür Aufstehen??? Also ich habe eine Ausbildung und arbeite seit 28 Jahren. Ich würde kotzen, wenn ich jetzt aus welchen Gründen auch immer, arbeitslos werden würde und ich mich in die Gleiche Schlange wie die Schulabbrecher stellen müsste!!!

  3. Daniela Keith via Facebook on

    Aber ich glaube auch, dass viele auch am Arbeitsplatz faul sind, das ist aber das Problem der Chefs und nicht der Arbeiter…

  4. Liebe Daniela.Darum geht es gar nicht sondern nur um die Meinung der Deutschen zu den ALG II Empfängern.Erstens sollte man vor seiner eigenen Türe kehren utnd zum anderen mit Äusserungen zu diesem sensiblen Thema vorsichtig sein.Ich hatte als Schichtleiter 20 Leute in meiner Schicht.Davon waren 8 Leute zu faul zum arbeiten, haben aber die Arbeitslosen als faul bezeichnet.Ich habe sie rausgeschmissen und jetzt sind sie arbeitslos oder bekommen ALG II.

  5. 90 % der ALG II (ich finde die Bezeichnung Hartz IV erniedrigend weil dieser Namensgeber Hartz ein Krimineller ist) wollen sofort arbeiten und sind teilweise sehr gut qualifizert sind aber oft schon zu alt.

  6. Arafat Al-Nur via Facebook on

    Also traurig das die Deutschebevölkerung so denkt,es sind die wenigsten die nicht arbeiten wollen.Also ich will nicht Alg 2 beziehen und sehr viele andere auch nicht.Aber ganz ehrlich wegen 50 € mehr würde ich nicht arbeiten gehen,weil das Ausbetung auch Kapitalismus genannt …

  7. Daniela Keith via Facebook on

    Lieber Josef, was meinst du mit “vor der eigenen Türe kehren” ? Hab’ ich etwas verpasst? Und was war daran unsensibel? Natürlich war das am gefragten Thema vorbei, aber etwas anderes kannst du mir wohl kaum vorwerfen. Oder doch? Wenn ja, was?

  8. Hartz IV und der Tag gehört Dir. Leider hat man auch als sogenannter Harzer einen Haufen zu tun, um von Amt zu Amt zu huschen. Da zieht bestimmt jeder einen Arbeitsplatz mit einen soliden Gehalt vor.

  9. @Josef Geisberger

    Genauso sehe ich das auch. Die meißten wollen lieber gestern als morgen wieder eine neue Arbeit, aber sind angeblich zu alt, was Blödsinn ist von den AG, denn jemand mit Mitte 40 oder Anfang 50 ist nicht zu alt oder zu dumm zum Arbeiten, sondern hat oft sogar mehr zu bieten, als ein 25jähriger.

  10. Mandy Hutchison on

    Wenn man keine Ahnung hat, Frau Tophoven, dann sollte man den Schnabel halten. Es ist eine Frechheit zu behaupten das dies eine traurige Tatsache sei !!! Sind Sie selber Bezieher oder haben sich eingehend mit allen Beziehern befasst? Worauf stützen Sie Ihre Aussage das alle HartzIV Bezieher Langzeitarbeitslose sind?

  11. Mone Heimer on

    Das is eine frechheit Frau tophoven es gibt sehr viele Gründe wie Kinder und Wohngegend man sollte sich vorsichtig darüber erzahlen

  12. Alg2 bekommen sogar Menschen deren Arbeitslohn nicht ausreichend ist und das liegt daran das die Mieten zu hoch und die Loehne zu klein sind Thema: faule Hartz4 Empfänger ja das gibt es auch doch ich möchte mir die breite Masse ansehen und dagegen sind die Faulenzer als gering anzusehen denn sogar Senioren die ein Leben für Deutschland gearbeitet haben den Wiederaufbau tätigten werden abgespeist mit einer viel zu kleinen Rente so das das Sozialamt zuzahlen muss und genau das ist menschenverachtend und die Feudalen packen sich die Taschen voll mit Diäten………

  13. Dem kann ich nur zustimmen: Ich beziehe Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach SGB II, also Arbeitslosengeld II und nicht Hartz IV! Aufgrund meines Alters sind Bewerbungen vergebens, trotz hoher Qualifikationen. Inzwischen gehöre ich zu den Langzeitarbeitslosen. Das Schlimmste an dem Zustand ist die Nichtteilhabe am soziokulturellen Leben.

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