Soft Skills vs. Hard Skills – Welche sind wichtiger?

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Eine gute Ausbildung, exzellente Abschlussnote oder zahlreiche erfolgreich absolvierte Fort- und Weiterbildungen reichen heutzutage längst nicht mehr aus, um eine begehrte Stelle zu ergattern. Der qualifizierte Bewerber von heute hat nämlich nicht nur fachlich einiges zu bieten, er verfügt auch über eine Menge Soft Skills. Schlüsselqualifikationen, Hard Skills, Soft Skills – blicken Sie bei all den Begriffen überhaupt noch durch und wissen, was der Arbeitgeber von Ihnen möchte? Wir bringen für Sie heute ein wenig Licht ins Dunkel.

1. Soft Skills vs. Hard Skills – worin liegt der Unterschied?
2. Welche Kompetenzen zählen zu den Soft Skills?
3. Sind Soft Skills also von der Persönlichkeit abhängig?
4. Soft Skills gezielt trainieren? So klappt’s
5. Soft Skills in der Bewerbung
6. Fazit: Trainieren Sie Ihre Soft Skills rechtzeitig und dauerhaft

Soft Skills vs. Hard Skills – worin liegt der Unterschied?

Soft Skills werden auf Deutsch auch als Schlüsselkompetenzen bezeichnet. Sie beschreiben also Kompetenzen, die berufsübergreifend und langfristig anwendbar sind und nicht in den Bereich der fachlichen Qualifikationen fallen, also nicht z.B. durch ein Studium erlernt werden können. Sie hängen vielmehr mit der Persönlichkeit eines Menschen zusammen, dessen Eigenschaften, Charakterzügen und Verhaltensweisen. Hard Skills hingegen, sind alle fachlichen Kenntnisse und Qualifikationen, welche Sie im Laufe Ihrer Ausbildung und Berufserfahrung sammeln konnten, sei es an der Universität, durch eine Fortbildung oder einen Doktortitel.

Welche Kompetenzen zählen zu den Soft Skills?

In der Arbeitswelt gewinnen vor allem soziale, mentale, personale und kommunikative Soft Skills immer mehr an Bedeutung. Dazu gehören:

  • Verantwortungsbewusstsein: Ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein spiegelt sich häufig in einem oder mehreren Engagements wider. Dies kann ehrenamtlich sein, im sozialen Bereich, Umweltschutz uvm. Der Arbeitgeber schließt daraus, dass Sie sich auch bei der Arbeit engagieren, nicht vor Verantwortung scheuen, gewissenhaft mit den Ihnen zugetragenen Aufgaben umgehen und für die Ergebnisse Ihrer Arbeit einstehen, sowohl positiver als auch negativer Art.
  • Selbstbewusstsein: Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein sind nicht nur im Berufsleben sehr wichtige Eigenschaften. Was es damit auf sich hat und wie Sie Ihr Selbstbewusstsein stärken können, haben wir im Artikel „So stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen“ näher beleuchtet.
  • Kritikfähigkeit: In der Regel geht ein hohes Maß an Kritikfähigkeit auch mit guten Selbstbewusstsein einher. Je mehr Sie sich selbst und Ihren Fähigkeiten vertrauen, desto besser können Sie auch mit eigenen Fehlern oder Schwächen umgehen. Im Job ist die Kritikfähigkeit eine sehr wichtige Eigenschaft, um sich stetig zu verbessern und dauerhaft harmonisch in einem Team arbeiten zu können.
  • Teamfähigkeit: Apropos – auch die Teamfähigkeit ist eine der wichtigsten Soft Skills im heutigen Berufsleben. In beinahe jedem Job in einer modernen Organisation arbeiten Sie mit einem oder gleich mehreren unterschiedlichen Teams zusammen. Und das ist auch gut so, denn eine aktuelle Studie kam zu dem Ergebnis, dass Menschen umso zufriedener mit ihrer Arbeit sind, je mehr Zeit sie in einem Team verbringen. Allerdings natürlich nur dann, wenn es sich um eine harmonische und ergebnisorientierte Zusammenarbeit handelt. Dazu müssen alle Beteiligten über Kooperationsbereitschaft, gute Kommunikationsfähigkeiten und eine strukturierte Koordination der Aufgaben und des Informationsflusses verfügen. Die Teamfähigkeit wird heutzutage häufig bereits im Schulalter sowie im Studium geübt, zum Beispiel durch Gruppenarbeiten.
  • Kommunikationsfähigkeit: Doch nicht nur im Team, sondern auch im Kontakt mit den Kunden, Vorgesetzten, Investoren, Geschäftspartnern o.ä. ist die Kommunikation das A und O. Eine gute Kommunikationsfähigkeit ist deshalb in jedem Job wichtig. Selbst bei Ingenieuren und Informatikern, die gemeinhin einen eher unkommunikativen Ruf genießen, werden immer häufiger in den Stellenausschreibungen Soft Skills aus dem Bereich der Kommunikationsfähigkeit gefordert.
  • Belastbarkeit: Der Begriff „belastbar“ ist wohl einer der am häufigsten verwendeten in Bewerbungen. Doch was bedeutet das eigentlich? Auch die Belastbarkeit fällt unter die Rubrik der Soft Skills. Dahinter verbirgt sich aber nicht – wie viele meinen – die Fähigkeit besonders viel, lange oder hart zu arbeiten, sondern eher unter Druck und Stress immer noch gute Leistungen erbringen zu können. Es geht also darum, dass Sie über eine gute Selbstorganisation verfügen, Ihre Prioritäten nicht aus den Augen verlieren und gleichbleibend Ergebnisse mit guter Qualität erbringen, auch wenn es einmal hektisch wird. Als Referenz in der Bewerbung sprechen zum Beispiel Auszeichnungen im Leistungssport für Ihre Belastbarkeit.
  • Emotionale Intelligenz: Die emotionale Intelligenz umfasst gleich mehrere Eigenschaften, die das zwischenmenschliche Verhalten einer Person beschreiben. Dazu gehören zum Beispiel Empathie, Taktgefühl, Höflichkeit uvm. Mehr zur emotionalen Intelligenz und weshalb diese mittlerweile beinahe wichtiger ist als Ihre Hard Skills, lernen Sie im Artikel „EQ statt IQ: Mit emotionale Intelligenz zum beruflichen Erfolg“.
  • Loyalität: Als loyalen Menschen dürfen Sie sich dann bezeichnen, wenn Sie sich dem Arbeitgeber beziehungsweise Ihrem Unternehmen verbunden fühlen, nur ungerne alle paar Jahre Ihre Stelle wechseln und langfristige Arbeitsbeziehungen eher zu schätzen wissen als Job-Hopping. Weil genau letzteres in den vergangenen Jahren nämlich immer mehr zum Trend wurde, wissen Unternehmen loyale Mitarbeiter wieder zu schätzen. Dennoch sollten Sie ein hohes Maß an Flexibilität mitbringen. Loyalität wird nämlich leider häufig auch mit Kreativlosigkeit, Immobilität und Langweilertum in Verbindung gebracht. Wer jedoch das richtige Maß findet, kann mit Loyalität mittlerweile sehr punkten. Viele Unternehmen haben nämlich Probleme damit, ihre hoch qualifizierten Fachkräfte dauerhaft zu halten und an das Unternehmen zu binden.
  • Eigeninitiative: In einer Umfrage bezüglich der Einstellungskriterien von Personalern nannten 94 Prozent der Befragten die Eigeninitiative. Ein moderner Mitarbeiter muss selbstständig arbeiten können, sich engagieren und Ideen in den Arbeitsalltag einbringen. Er sollte daran interessiert sein, seine eigene Arbeit sowie die Abläufe im Unternehmen stetig zu verbessern. Bei der Bewerbung hinterlassen Sie deshalb direkt einen guten Eindruck, wenn Sie einfach persönlich vorbeikommen und Ihre Bewerbungsunterlagen abgeben, sich hin und wieder freundlich via Telefon melden oder sich bereits im Bewerbungsgespräch aktiv präsentieren, also zum Beispiel Arbeitsproben mitbringen. Passen Sie allerdings auf, dass die Eigeninitiative nicht in einer unangenehmen Aufdringlichkeit ausartet.

Sind Soft Skills also von der Persönlichkeit abhängig?

Ja, prinzipiell hängen unsere Soft Skills mit unserem ganz individuellen Charakter zusammen. Sie liegen in unseren Stärken und Talenten begründet sowie in den Fähigkeiten, welche wir bereits in der Kindheit und Jugend erwerben konnten, und unserem sozialen Umfeld. So verfügt der eine Bewerber eben über besonders gute rhetorische Fähigkeiten, während der nächste eine hohe soziale Intelligenz aufweist und der dritte besonders in der Problemlösung begabt ist. Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie Soft Skills nicht auch gezielt erlernen oder trainieren können. Gehen Sie dafür in folgenden Schritten vor:

Soft Skills gezielt trainieren? So klappt’s

1. Analyse: Am Beginn steht erst einmal eine umfassende Selbstanalyse. Über welche Soft Skills verfügen Sie? Welche benötigen Sie in Ihrem Beruf? Welche fehlen Ihnen oder müssen noch trainiert werden? Wie gestalten sich Ihre Wertvorstellungen, Moral, Ethik usw.? Je genauer Sie sich selbst kennen, desto gezielter können Sie auch an Ihren Soft Skills arbeiten. Diese Selbstreflektion gehört übrigens ebenfalls zur Liste der Soft Skills und stellt zugleich den Grundstein für ein gesundes Selbstbewusstsein dar. Sie beginnen also schon während der Analyse damit, einige wichtige Soft Skills zu trainieren.

2. Theorie: Nun sollten Sie eine Liste der Soft Skills haben, welche Sie entweder neu erlernen oder einfach verbessern möchten. Eignen Sie sich hierzu passend das jeweilige Grundlagenwissen an, lesen Sie entsprechende Bücher und informieren Sie sich zum Beispiel über Kommunikationsmodelle und Konflikte in Teams. Ob Selbsthilfebuch oder Seminar: Wählen Sie die für Sie am besten geeignete Methodik aus, um sich das theoretische Wissen für die jeweiligen Soft Skills anzueignen.

3. Praxis: Schlussendlich geht es daran, Ihr theoretisch erworbenes Wissen jetzt in die Praxis umzusetzen. Je nach Art der Fähigkeiten, ist dies leichter oder schwieriger möglich. Sie möchten sich in Empathie üben? Dann beginnen Sie doch erst einmal damit, den Menschen bei der Arbeit genauer zuzuhören. Oder holen Sie sich in einem Mitarbeitergespräch konstruktives Feedback von Ihrem Vorgesetzten ein, um sich in der eigenen Kritikfähigkeit zu üben. Sollten Sie selbst Schwierigkeiten damit haben, Soft Skills zu trainieren oder Sie wissen nicht genau, wo Sie ansetzen sollen, dann suchen Sie sich doch einfach Hilfe. Dies kann – muss aber nicht – der Therapeut sein, Sie können aber auch ein entsprechendes Coaching absolvieren oder sich einen Experten aus dem Bereich an die Seite holen. Eine Investition, die sich auf jeden Fall lohnen wird (nicht unbedingt in finanzieller, dafür aber in persönlicher Hinsicht).

Soft Skills in der Bewerbung

Das Erlernen und Training Ihrer Soft Skills dient Ihrer langfristigen Persönlichkeitsentwicklung und kommt Ihnen sowohl privat als auch beruflich zugute. Die Anzahl und Ausprägung der Soft Skills, über welche Sie verfügen, steigt deshalb in der Regel mit Ihrem Lebensalter. Dennoch sind Soft Skills gerade im Bewerbungsprozess besonders wichtig, und zwar bereits bei den Berufseinsteigern. Diese machen aber häufig noch den Fehler, die Bedeutung der Soft Skills für ihre Bewerbung zu unterschätzen.

In einer Umfrage der Hay Group gaben 70 Prozent der befragten Studienabsolventen und Berufseinsteiger an, dass sie fachliche Qualifikationen in einer Bewerbung für wichtiger halten als Soft Skills. Im Gegenteil: 69 Prozent der Befragten glauben sogar, dass emotionale und soziale Fähigkeiten für die Karriere hinderlich sein können. Rund 50 Prozent erachten solche Kompetenzen zudem als nicht relevant für die Arbeit in einem Team. Es scheint also ein besorgniserregendes Bild zu sein, das Berufseinsteigern durch ihre Ausbildung, Medien oder die Gesellschaft von der Arbeitswelt vermittelt wird. Zum Glück gestaltet sich die Realität anders: Für 85 Prozent der Personaler und Führungskräfte sind Soft Skills das wichtigste Entscheidungskriterium. Hard Skills seien nämlich, vor allem zu diesem Zeitpunkt der Karriere, lediglich eine Grundlage, auf welcher später im Beruf aufgebaut wird. Ihre Anforderungen an Berufseinsteiger sehen deshalb wie folgt aus:

Statistik: Welche Erwartungen haben Sie an Berufseinsteiger im Bereich Soft Skills? | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Berufseinsteiger sollten also bereits während ihrer Ausbildung in ihre Soft Skills investieren und diese in der Bewerbung nicht nur nennen, sondern auch belegen können, z.B. durch entsprechende Aktivitäten. Hierzu einige Beispiele:

Falsch: „Ich spiele seit fünf Jahren Handball und bin daher äußerst teamfähig.“

Richtig: „Als Mannschaftskapitän des Handballvereins SG Musterdorf verfüge ich über ein hohes Maß an Teamfähigkeit, weiß die Teammitglieder gemäß ihrer Stärken zu fördern und diese gegenüber der Vereinsleitung zu vertreten.“

Falsch: „Ich bin sehr belastbar. Überstunden stellen für mich kein Problem dar.“

Richtig: „Neben meinem erfolgreich abgeschlossenem Studium arbeitete ich als Werkstudentin bei der Firma XXX und konnte das Projekt XXX selbstständig leiten und bereits zwei Wochen vor dem mir zugebilligten Zeitpensum äußerst erfolgreich abschließen.“

Falsch: „In meiner Ausbildung erlernte ich durch Gruppenarbeiten und Präsentationen eine gute Kommunikationsfähigkeit.“

Richtig: „Nach meinem Engagement im Debattierclub, war ich bei der anschließenden Ausbildung als XXX vor allem im Bereich der Verkaufsgespräche und der Kundenbetreuung tätig.“

Fazit: Trainieren Sie Ihre Soft Skills rechtzeitig und dauerhaft

Werden Sie sich also so früh wie möglich über Ihre Soft Skills klar und beginnen Sie schon während Ihrer Ausbildung damit, gezielt Soft Skills zu erlernen oder zu trainieren. Engagieren Sie sich oder suchen Sie sich Hobbys, Praktika o.ä., welche in Ihrer Bewerbung als Nachweis für eine oder mehrere Soft Skills genannt werden können. So werden Sie nicht nur im Bewerbungsprozess erfolgreicher sein, sondern auf Dauer auch im Berufs- und Privatleben zahlreiche positive Effekt spüren. Die Arbeit an den Soft Skills ist nämlich ein wichtiger Prozess für Ihre Persönlichkeitsentwicklung. Hören Sie deshalb nie damit auf, an sich und Ihren Soft Skills zu arbeiten. Zudem bewahren Sie so die (Berufs-) Welt davor, dass vielleicht wirklich irgendwann nur noch Hard Skills und materielle Werte zählen. Experten sind glücklicherweise der Meinung, dass die Soft Skills in Zukunft wieder mehr und mehr an Bedeutung gewinnen werden. Gerade für Berufseinsteiger heißt es deshalb: Umdenken!

Welche sind Ihre Erfahrungen mit den Soft Skills? Wie wichtig sind diese in Ihrem Unternehmen, für Ihren Werdegang oder auch einfach Ihre persönliche Entwicklung? Haben Sie Tipps und Tricks für das Erlernen und Trainieren der Schlüsselqualifikationen? Achten Sie als Personaler auf Soft Skills? Wir sind gespannt auf Ihre ganz persönliche Meinung in den Kommentaren.

Beitrag von

Mirijam Franke

Mirijam Franke ist freiberufliche Texterin und Autorin. Die studierte Medienwirtschaftlerin aus Friedrichshafen am schönen Bodensee stieg nach ihrem Abitur bereits im zarten Alter von 18 Jahren als Lektorin in der Industrie ein. Seit Oktober 2014 unterstützt sie unser Team von Arbeits ABC mit Textbeiträgen und Ratgebern rund um die Arbeitswelt.

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