Wenn der Chef einem Mitarbeiter einen Besuch zu Hause abstatten will, hat dies meist den Grund, dass etwas Wichtiges oder Vertrauliches besprochen werden soll. Bei vielen macht sich deshalb Aufregung breit: Was muss ich tun, um einen guten Eindruck zu hinterlassen? Wie verhalte ich mich gegenüber meinem Chef? Darf ich mit meinem Chef locker reden oder soll ich mich lieber zurückhalten?
Wer sich gut vorbereitet, gute Gastgeberqualitäten und etwas Einfühlungsvermögen beweist, muss nicht befürchten, dass die Einladung in einer Katastrophe endet. Dabei geht es nicht darum, alle Regeln der „Business-Etikette“ auswendig zu können, sondern sich vor allem flexibel auf die Bedürfnisse des Gastes und den Anlass des Besuchs einstellen zu können.
Was soll ich vorbereiten?
Wenn ein Essen stattfinden soll, empfiehlt es sich, den Chef vorher danach zu fragen, was er gerne isst und trinkt. Das ist zum einen eine nette Geste, zum anderen aber auch von Vorteil, um Fettnäpfchen zu vermeiden, zum Beispiel weil der Chef Vegetarier ist, eine Lebensmittelallergie hat oder aus religiösen Gründen bestimmte Lebensmittel nicht essen darf. Außerdem sollte auf schwierig zu essende Gerichte (z. B. Meeresfrüchte, Fleischspieße) verzichtet werden, die schnell zu Peinlichkeiten führen können; ebenso auf schwierig zu kochende Gerichte, da es die Gesprächsatmosphäre stört, wenn man vor oder während des Essens ständig aufstehen muss, um in der Küche nachzusehen.
Die Wohnung sollte natürlich aufgeräumt und geputzt werden. Gegenstände, die der Chef nicht unbedingt sehen muss, können beispielsweise kurzfristig in die Besenkammer oder den Keller verschwinden. Gut machen sich auch kleine Aufmerksamkeiten wie frische Blumen auf dem Tisch oder eine geschmackvolle Tischdekoration, die zeigen, dass man sich auf seinen Gast vorbereitet hat. Zudem sollte auf eine angemessene Kleidung geachtet werden. Sofern es im Unternehmen keinen bestimmten Dresscode gibt oder es sich nicht um einen feierlichen Anlass handelt, muss das aber kein korrektes Business-Outfit sein; eine saubere, schicke und nicht zu legere Kleidung reichen dann aus.
Wie verhalte ich mich als guter Gastgeber?
Ist der Chef eingetroffen, sind die eigenen Gastgeberqualitäten gefragt. Als Faustregel gilt, dass der Gast immer genauso zuvorkommend behandelt werden sollte, wie man selbst an seiner Stelle behandelt werden möchte.
Dazu gehört es zunächst, den Gast angemessen zu begrüßen und, falls weitere Personen anwesend sind (z. B. Ehepartner), diese miteinander bekannt zu machen. Auch der anschließende Gesprächseinstieg sollte vom Gastgeber ausgehen. Geeignet sind diesbezüglich vor allem unverfängliche Smalltalk-Themen (z. B. Anfahrt, Wetter, bevorstehendes Essen), wobei man nicht krampfhaft versuchen muss, witzig zu sein. Berufliche Themen sollten erst später angesprochen werden – bei einem gemeinsamen Essen am besten danach.
Bei Tisch sollte insbesondere auf eine gute Bewirtung des Gasts, der immer zuerst an der Reihe ist, und die eigenen Tischmanieren (z. B. nicht schlingen, schmatzen, mit vollem Mund reden und während des Essens rauchen) geachtet werden. Ein Glas Wein zum Essen kann je nach Anlass und Geschmack des Chefs durchaus passend sein; übermäßiger Alkoholkonsum sollte jedoch vermieden werden.
Im eigentlichen Gespräch sollte der Gastgeber dagegen nicht die aktive Rolle, sondern vorwiegend die Zuhörerrolle einnehmen. Wie locker die Unterhaltung dabei sein darf, hängt von der Beziehung zum Chef und vom Gesprächsanlass ab: Versteht man sich mit dem Chef gut und/oder findet der Besuch zum näheren Kennenlernen statt, kann freier geredet werden. Ist die Beziehung eher distanziert und/oder sollen insbesondere berufliche Themen besprochen werden, empfiehlt sich auch eher Zurückhaltung.
Buchtipps
Zusätzliche Informationen zu den Themen Geschäftsessen und Business-Etikette finden sich beispielsweise in folgenden Ratgebern:
• „Tisch-Manieren. Im Restaurant – Beim Geschäftsessen – Zu Hause“ von Nandine Meyden (erschienen 2008 im humboldt-Verlag)
• „Geschäftsessen. Souverän gestalten“ von Lioba Werth und Christopher Thum (erschienen 2006 im Spektrum-Verlag)
• „Der kleine Business-Knigge. Wie Sie überzeugend auftreten – wie Sie Fehler vermeiden“ von Petra Begemann (erschienen 2005 im Eichborn-Verlag)
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