Dem Global Wealth Report der Boston Consulting Group zufolge besaßen Ende 2008 über 400.000 Deutsche ein geschätztes Vermögen von einer Million Euro und mehr.

Anzeige

Zu diesen Personen zählen aber nicht hauptsächlich adlige Erben, Lottomillionäre oder Börsenspekulanten mit einem glücklichen Händchen, sondern Unternehmer aus Industrie und Handel sowie der Software- und Medienproduktion.

Das Ranking der reichsten Deutschen wird dabei nach Angaben des Manager Magazins derzeit von den Brüdern Karl und Theo Albrecht (Gründer des Aldi-Konzerns) mit einem Vermögen von jeweils rund 17 Milliarden Euro, der Familie Porsche (Besitzer des gleichnamigen Automobilherstellers) mit über 15 Milliarden Euro und Dieter Schwarz (Besitzer der Supermarkt-Ketten Lidl und Kaufland) mit rund 11 Milliarden Euro angeführt.

Diese Summen sind für die meisten „normal verdienenden“ Berufstätigen utopisch. Denn beispielsweise müsste ein kaufmännischer Angestellter im Durchschnitt 40 Jahre lang arbeiten, um überhaupt eine Million zu verdienen, und – was natürlich nicht möglich ist – etwa doppelt so lang, bis er ein entsprechendes Vermögen angehäuft hat. Erst Topverdiener mit einem Monatseinkommen von 6.000 EUR und mehr (z. B. Geschäftsführer, Juristen, Ärzte und Ingenieure) haben es da etwas einfacher.

Die oben genannten und folgenden Personen haben sich ihre Millionen und Milliarden allerdings meist ebenso erst erarbeiten müssen:

Karl und Theo Albrecht (Unternehmer)

So stammen beispielsweise die Brüder Karl und Theo Albrecht aus relativ einfachen, bürgerlichen Verhältnissen und absolvierten zunächst – wenig außergewöhnlich – jeweils eine Lehre im Einzelhandel: Karl Albrecht bei einem Feinkosthändler, Theo Albrecht im Tante-Emma-Laden der Mutter. Ein Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen sie das Familiengeschäft und gründeten Anfang der 60er Jahre die heute bekanntesten Discounter-Ketten in Deutschland (Aldi Nord und Süd). Der Erfolg scheint zum großen Teil vom damaligen Wirtschaftsaufschwung abzuhängen, den die Albrechts geschickt zur stetigen Erweiterung ihres Unternehmens nutzen konnten, sowie der sparsamen Unternehmensführung der beiden Brüder. Denn damals wie heute lautet das Motto von Aldi „weniger ist mehr“, d.h. der Beliebtheitsgrad von Aldi basiert weniger auf einem ausgeklügelten Marketing-Konzept, sondern ist vielmehr dem Verzicht auf zusätzliche Serviceleistungen und dem damit billigeren Produktangebot zu verdanken.

Anzeige

Dietmar Hopp (Unternehmer und Sportmäzen)

Dietmar Hopp, der unlängst durch den rasanten Aufstieg seines gesponserten Fußballvereins TSG Hoffenheim in den Medien präsent wurde, hat ebenfalls nach seinem Informatik-Studium zunächst einmal als „einfacher“ Software-Entwickler angefangen. Erst durch die Gründung des Unternehmens „Systemanalyse und Programmentwicklung“ (die heutige SAP AG) mit ehemaligen Kollegen sowie diverse Beteiligungen an IT-Unternehmen im Laufe der Zeit kam er zu seinem geschätzten Privatvermögen von rund einer Milliarde Euro. Dietmar Hopp und seine Mitstreiter haben es verstanden, den Computerboom Anfang der 70er Jahre zu ihren Gunsten zu nutzen; die SAP AG gehört heute zu den Marktführern im Bereich betriebswirtschaftlicher Software.

Günther Jauch (Fernsehmoderator und -produzent)

Und auch der beliebte TV-Moderator Günther Jauch, der insbesondere durch seine Unterhaltungsshow „Wer wird Millionär?“ sowie sein feines, journalistisches Gespür für Menschen und Situationen selbst zum Multimillionär geworden ist, hat seine Karriere eher normal begonnen: Er besuchte eine Journalistenschule, studierte anschließend einige Semester Politik und Geschichte, verdiente sich nebenbei sein Geld als Radiomoderator (u.a. zusammen mit Thomas Gottschalk) und wechselte dann zum Fernsehen, wo er zunächst kleinere Moderationen übernahm. Endgültig bekannt wurde Günther Jauch erst Mitte 30 durch die Moderation der Sportsendung „das aktuelle sportstudio“, seine Tätigkeit als Fußballkommentator und die Sendung „stern TV“, die mittlerweile von seiner eigenen Firma produziert wird.

Was zeichnet diese Personen aus?

Die Beispiele zeigen, dass finanzieller Erfolg neben Fachkompetenz sowie beruflichem und wirtschaftlichem Know-How erheblich von der richtigen Idee zum richtigen Zeitpunkt bzw. der Fähigkeit, Chancen erkennen und nutzen zu können, abhängt. Zusätzlich spielt die Persönlichkeit eine Rolle, die es ermöglicht, die richtigen beruflichen Kontakte („Vitamin B“) anzuknüpfen. Denn die kreativste Idee und besten Möglichkeiten nützen nichts, wenn die Person nicht über die nötigen personellen Voraussetzungen verfügt (z. B. Engagement, Ausdauer, Durchsetzungsfähigkeit, Entschlusskraft, Belastbarkeit, Sozialkompetenz) und ihre Fähigkeiten nicht erkannt werden oder sie diese mangels Unterstützung aus dem beruflichen Umfeld nicht umsetzen kann.