Wie wirken sich ehrenamtliche Tätigkeiten auf die Karriere aus?


Zwar steht für die meisten ehrenamtlich Tätigen der „gute Zweck“ oder der Spaß an der Tätigkeit an sich im Vordergrund und weniger die Absicht, beruflich davon zu profitieren. Der Nutzen eines Ehrenamts für die eigene berufliche Karriere ist jedoch nicht zu unterschätzen: In einer vom österreichischen Bundesministerium für Soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz beauftragten Studie zum Thema „Qualifikationsgewinn durch Freiwilligenarbeit“ (2005) gaben jeweils rund 90 Prozent der befragten Unternehmer an, dass sie ehrenamtliches Engagement bei ihren Mitarbeiter schätzen und dass durch ein Ehrenamt für den Beruf nützliche und wertvolle Erfahrungen gesammelt werden können.

Vorteile bei Bewerbungen

So ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Arbeitgeber ehrenamtliche Tätigkeiten im Lebenslauf als Pluspunkt werten und in immer mehr Stellenanzeigen Formulierungen wie „außerberufliches Engagement ausdrücklich erwünscht“ zu finden sind. Denn die meisten Unternehmen entscheiden sich bei der Stellenbesetzung für den Bewerber, der bei gleicher fachlicher Qualifikation die besseren überfachlichen Soft Skills oder Schlüsselkompetenzen (z. B. Team- und Kommunikationsfähigkeit, Belastbarkeit, Einsatz- und Verantwortungsbereitschaft, Organisationsfähigkeit) mitbringt.

Solche Kompetenzen werden allerdings weniger auf formellem Wege, sondern eher informell erworben, d.h. außerhalb traditioneller Bildungsinstitutionen. Ehrenamtliche Tätigkeiten bieten diesbezüglich eine gute Möglichkeit. Zusätzlich können sich ehrenamtlich Tätige ihre in Praxis und speziellen Schulungen erworbenen Kompetenzen auch häufig von der jeweiligen Trägerorganisation zertifizieren lassen (z. B. Ehrenamtskarte, Jugendleiter/innen-Card, Engagement- und Kompetenznachweis in Rheinland-Pfalz).

Die Einsatzbereiche für ehrenamtlich Tätige sind dabei sehr vielfältig: Beliebt bei Freiwilligen und Arbeitgebern sind insbesondere schul- oder berufsbegleitende Engagements in den Bereichen Sport (z. B. Training einer Sportmannschaft), Bildung und Soziales (z. B. Alten-, Behinderten- und Jugendarbeit), Rettungs- und Gesundheitswesen (z. B. Freiwillige Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Rotes Kreuz) sowie Umwelt- und Tierschutz. Lediglich das Engagement in beruflichen und politischen Interessenvertretungen (z. B. Gewerkschaften und Parteien) wird von Arbeitgebern oft weniger gern gesehen und sollte daher in einer Bewerbung nicht angegeben werden.

Vorteile für die persönliche Karriereplanung

Neben dem Bewerbungsvorteil sind ehrenamtliche Tätigkeiten aber auch vor allem für Jugendliche eine gute Gelegenheit, in einen Arbeitsalltag „hinein zu schnuppern“, die eigenen beruflichen Interessen und Fähigkeiten zu erkunden und erste Kontakte im Berufsleben anzuknüpfen. Und Arbeitslose können insofern von einem Ehrenamt profitieren, indem sie die Zeit der Arbeitslosigkeit sinnvoll überbrücken, Kenntnisse und Fähigkeiten sowie soziale Kontakte aufrechterhalten oder weiter ausbauen und damit die Chancen auf eine neue Arbeitsstelle erhöhen können. So stellt beispielsweise für Jugendliche und junge Erwachsene ohne Schulabschluss oder Berufsausbildung ein Freiwilliges Jahr bei einer sozialen, kulturellen oder ökologisch-orientierten Einrichtung (FSJ bzw. FÖJ) eine Möglichkeit dar, um Anschluss auf dem Arbeitsmarkt finden; zudem wird es gerne von Schulabgängern genutzt, um währenddessen den weiteren Berufsweg zu planen oder die Wartezeit auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz zu verkürzen.

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