Mit dem Begriff ”Workaholics” werden Menschen bezeichnet, bei denen die Arbeit zur Sucht geworden ist. Der Begriff setzt sich aus den beiden englischen Wörtern “work“ (Arbeit) und „alcoholic“ (Alkoholiker, Süchtiger) zusammen. Workaholics stehen permanent unter dem Druck, arbeiten zu müssen. Sie definieren sich ausschließlich über ihre Arbeit und fühlen sich nur bei perfekten Leistungen als vollwertiger Mensch.
Oft verbringen Workaholics sehr viel mehr Zeit im Job als ihre Kollegen, arbeiten auch nachts, reagieren bei Störungen schnell gereizt und vermeiden Team- oder Projektarbeiten. Zudem nehmen sie sich häufig unerledigte Aufgaben mit nach Hause und beschäftigen sich auch bei nicht-beruflichen Tätigkeiten ständig in Gedanken mit der Arbeit. Aufgrund der Angst, im Job nicht genug zu leisten, vernachlässigen sie Freizeit, Hobbys und Entspannung – ebenso wie Familie, Freundschaften und und andere soziale Kontakte. Bei den Workaholics entstehen dadurch in vielen Fällen Schuldgefühle, die sie aber mit Ausreden für ihren übertriebenen Arbeitseinsatz zu kaschieren versuchen.
Um eine Sucht handelt es sich insbesondere dann, wenn die gesamte Energie nur noch für berufliche Aufgaben verwendet wird. Folge davon sind wiederum Leistungseinbrüche aufgrund psychischer und gesundheitlicher Erkrankungen: Workaholics leiden häufig an körperlicher Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Herz-Kreislaufbeschwerden, Angst- oder Zwangsstörungen, Depressionen und Burn-Out. Zusätzlich versuchen sie in einigen Fällen durch Drogen-, Alkohol- oder Medikamentenkonsum die eigene Leistungsfähigkeit noch mehr zu „pushen“ oder Symptomen wie Wertlosigkeitsgefühlen und chronischer Müdigkeit entgegenzuwirken.
Das Phänomen der Arbeitssucht wird in den letzten Jahren vermehrt beobachtet. Ursachen dafür sind zum einen der ständig wachsende Druck der Arbeitswelt (z. B. hohe Kompetenzanforderungen, Arbeitslosigkeitsrisiko), meist aber zu hohe Ansprüche der Workaholics an sich selbst. Betroffen sind vor allem Personen mit starker Wettbewerbsorientierung, hohem Kontrollbedürfnis, großem Wunsch nach Anerkennung und Erfolg, mangelndem Selbstvertrauen oder geringer Frustrationstoleranz. Nach einer Studie der Universität Bonn spielt die Qualität der Arbeit dabei eine geringere Rolle als die reine Arbeitsmenge. Denn meist sind Workaholics mit ihrer Arbeitsstelle unzufriedener als nicht-süchtige Arbeitnehmer, versuchen solche Gefühle aber durch noch mehr Arbeit zu verdrängen. Workaholics sind zudem oft nicht in der Lage, sich von übertriebenen Anforderungen zu distanzieren und sich selbst, die eigenen Fähigkeiten und das berufliche Umfeld richtig einzuschätzen.
Angehörige von Berufsgruppen, die permanent den Spagat zwischen eigenen Bedürfnissen und ihrer gesellschaftlich zugeschriebenen Berufsrolle schaffen müssen, sind deswegen überdurchschnittlich anfällig für Arbeitssucht. Dazu zählen beispielsweise Ärzte und Krankenhauspersonal. Aber auch Manager, Führungskräfte und Selbständige, die viele Freiheiten bei ihrer Arbeitsgestaltung besitzen, stehen im Gegensatz zu Angestellten mit festen Arbeitszeiten verstärkt in der Gefahr, dass ihre Arbeit zur Sucht wird. Durch gesteigerten Arbeitseinsatz versuchen sie ihre Leistungsfähigkeit zu beweisen und überfordern sich dadurch letztendlich selbst.
Arbeitssüchtige Personen müssen sich darüber bewusst werden, dass sie mit sich selbst und den Anforderungen im Beruf falsch umgehen, und mit ihren zwanghaften Arbeitseinstellungen versuchen, andere Probleme zu kompensieren. Ihr Ziel muss es werden, den eigenen Weg zu finden, gelassener zu werden und damit die eigene psychische und körperliche Gesundheit zu schonen.
Wer befürchtet betroffen zu sein, sollte sich Informationen über Arbeitssucht beschaffen, mit Freunden und Kollegen sprechen und diese um Feedback bitten. Auch eine Psychotherapie, Selbsthilfegruppe oder Coaching-Angebote im Unternehmen können hier helfen. Dabei gilt es zu lernen, anderen zuzuhören und deren Meinungen ernst zu nehmen – auch wenn die Wahrheit vielleicht zunächst „unbequem“ ist. Denn Grundvoraussetzung für eine Verhaltensänderung ist eine kritische Hinterfragung und Konfrontation mit eigenen Einstellungen und Verhaltensmustern: Sind meine eigenen Ansprüche zu hoch gesteckt? Kann ich meine Leistungsgrenzen akzeptieren? Habe ich genug Distanz zu den Anforderungen aus meinem beruflichen Umfeld? Ist mir meine Arbeit wirklich wichtiger als meine Beziehungen und Hobbys?
Nur wer sich solche Fragen stellt, kann auch die Ursachen herausfinden und Gegenmaßnahmen ergreifen – beispielsweise zu lernen, Prioritäten bei der Arbeit zu setzen, Aufgaben zu delegieren, sich von Kollegen unterstützen zu lassen, sich auf wesentliche Aufgaben und Erfolgserlebnisse zu konzentieren oder sich selbst und seine Bedürfnisse wichtiger bzw. weniger wichtig zu nehmen. Aber auch zu lernen, den regelmäßigen Ausgleich in Beruf und Freizeit zu suchen und zu genießen – beispielsweise durch Entspannungstechniken, Arbeitspausen, regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung, ausreichenden Schlaf, soziale Kontakte oder Freizeitbetätigungen. Denn wer belastbar ist und ein erfülltes Privatleben führt, wird letztlich auch im Beruf erfolgreicher sein.
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Man kanns halt immer übertreiben. In Japan gibt es schon spezielle Kliniken für gestresste Manager.
Wem Ansehen und Geld wichtiger sind als ein ausgewogenes Leben, der muss eben damit leben.