Flexibel, modern, anders: So arbeitet die Generation Y am liebsten

Die Generation Y gilt als faul, verwöhnt und anspruchsvoll. Die Arbeitgeber tun sich angeblich schwer damit, noch passende Mitarbeiter für ihr Unternehmen zu finden. An einer mangelnden Qualifikation liegt das allerdings nicht. Im Gegenteil: Die hoch qualifizierte Generation Y wisse um ihren Wert und stelle genau deshalb hohe Anforderungen an ihren Arbeitgeber, so die landläufige Meinung. Aber ist die Generation Y wirklich so „schwierig“? Wie sieht er denn aus, ihr „Wunsch-Arbeitsplatz“?

Inhalt
1. Die Generation Y arbeitet am liebsten „Out-of-Office“
2. Mobile? Ja, aber nur mit strikter Trennung zwischen Berufs- und Privatleben, bitte!
3. Die Generation Y ist anspruchsvoll – aber in ganz speziellen Bereichen

Die Generation Y arbeitet am liebsten „Out-of-Office“

Mit dieser Frage haben sich das soziale Netzwerk XING sowie die Hamburg Media School in ihrer Erhebung „Was wird aus den ‚Digital Natives‘?“ beschäftigt. Und auch wir haben uns bereits im Artikel „Out-of-Office: So sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus“ damit auseinandergesetzt, wie denn der 08/15-Arbeitsplatz im Jahr 2025 aussehen könnte. Die Antwort lautete: Out-of-Office. Dies liegt allerdings vor allem an der fortschreitenden Digitalisierung und der dadurch vereinfachten Vernetzung und Kommunikation von Mitarbeitern. Die Unternehmen profitieren derweil von Einsparungen bei den Büroräumlichkeiten sowie einer erhöhten Produktivität ihrer Mitarbeiter im Home-Office. Das Konzept findet Anklang: Rund zwei Drittel der Befragten einer bei Statista veröffentlichten Studie würden gerne zumindest teilweise im Home-Office arbeiten oder tun dies bereits.

Statistik: Würden Sie gerne von zu Hause arbeiten? | Statista
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Und die Generation Y? Das Netzwerk XING und die Hamburg Media School können diese Tendenz dank ihrer Erhebung bestätigen. Das Konzept „Home-Office“ wird von der Generation Y als äußerst attraktiv bewertet. Wenn es ihre Branche ermöglicht, wünschen sich die „Digital Natives“ flexible und bestenfalls auch mobile Arbeitsmodelle. Sie sehnen sich nach der Möglichkeit, nicht nur im eigenen Zuhause, sondern vielleicht sogar mobil von unterwegs arbeiten zu können. Nicht jeder träumt dabei gleich von einem digitalen Nomadentum. Die Wünsche der Generation Y sind eher praktisch veranlagt:

  • Zeiteinsparungen bei den Arbeitswegen
  • bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • ausgewogenere Work-Life-Balance
  • weniger Ablenkung durch Kollegen, Meetings, Telefonate & Co
  • mehr Freiheit, Flexibilität und Eigenverantwortung
  • Mobilität und freie Wohnortwahl
  • u. v. m.

Der Wunsch-Arbeitsplatz der Generation Y könnte sich im Jahr 2025 also tatsächlich Out-of-Office befinden. Allerdings überrascht sie mit sehr vernünftigen Gründen für ihren Wunsch nach flexibleren Arbeitsmodellen. Vielleicht ist die Generation doch nicht so verträumt und unrealistisch, sondern schlichtweg besser als ihr Ruf. Eventuell wissen die Digital Natives auch einfach um die Chancen, welche sich für sie aus der Digitalisierung ergeben, sowie um ihren Wert als hoch qualifizierte Arbeitskräfte auf einem vom Fachkräftemangel betroffenen deutschen Arbeitsmarkt.

Lese-Tipp:Digitales Arbeiten – Das Arbeitsmodell der Zukunft?

Mobile? Ja, aber nur mit strikter Trennung zwischen Berufs- und Privatleben, bitte!

Apropos Digitalisierung: Es wird wohl kaum einen Vertreter der Generation Y geben, der nicht über ein Smartphone oder (zusätzlich) ein Tablet verfügt. Laptops gehören in quasi jedem Haushalt zur Grundausstattung und ein Festnetztelefon gilt derweil bei den Digital Natives schon beinahe als Museumsstück. Der „junge Arbeitnehmer von heute“ ist also technisch perfekt ausgestattet. Bloß nutzt er diese Geräte am liebsten rein privat. Eine Vermischung von Berufs- und Privatleben versucht er hingegen zu vermeiden. Vielleicht hat er eben einfach schon kapiert, dass Smartphones & Co zur ständigen Erreichbarkeit verleiten und dass diese wiederum alles andere als positive Auswirkungen auf die Work-Life-Balance oder sogar die Gesundheit von Arbeitnehmern haben kann.

Lese-Tipp:Burnout: Wie krank macht ständige Erreichbarkeit?

Für die Generation Y gilt also: Private Kommunikationsmittel sollten auch privat bleiben. Doch so hoch sind ihre Ansprüche gar nicht, denn sie erwartet andersherum nicht, dass ihr Arbeitgeber Smartphones, Tablets & Co zur Verfügung stellt. Während nur 27 Prozent der von XING und der Hamburg Media School befragten Vertreter der Generation Y für das mobile Arbeiten oder einen Telearbeitsvertrag voraussetzen, dass ihr Arbeitgeber den benötigten Laptop beziehungsweise das Tablet stellt, sind es beim Smartphone sogar nur 15 Prozent. So anspruchsvoll ist sie doch gar nicht, die Generation Y. Immerhin elf Prozent präferieren eine „Bring-Your-Own-Device-Regelung“.

Unterstützt durch eine auf Statista veröffentlichte Umfrage kann also das Fazit gezogen werden: Beim „Wunsch-Arbeitsplatz“ der Generation Y geht der Trend zur strikten Trennung von beruflichen und privaten mobilen Endgeräten – oder aber einer privaten Nutzung der geschäftlichen Smartphones, Laptops und Tablets.
Statistik: Wie gestaltet sich in ihrem Unternehmen die geschäftliche Nutzung von mobilen Geräten? | Statista
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Die Generation Y ist anspruchsvoll – aber in ganz speziellen Bereichen

Natürlich wird sich kaum ein Vertreter der Generation Y über ein futuristisches Büro mit Freizeitangeboten, Fitnessstudio, Hausbar, Gaming-Rooms, Ruheräumen für einen mittäglichen Power-Nap oder sonstigem Schnickschnack beschweren. Aber welcher Arbeitnehmer würde das schon? Wenn Sie also die Wahl zwischen einem solch hochmodernen und flexiblen Arbeitgeber und einem 08/15-Schreibtisch im Großraumbüro hätten, wofür würden Sie sich wohl entscheiden? Ist die Generation Y also wirklich so anspruchsvoll oder macht sie nicht vielleicht einfach das Beste aus dem Konkurrenzkampf, welchen sich die Unternehmen derzeit um hoch qualifizierte Fachkräfte liefern? Und wer könnte ihnen das verübeln?

Doch auch die Unternehmen verstehen langsam mehr und mehr: Sie müssen ihr Employer Branding nach immateriellen Werten ausrichten. Denn die Generation Y gibt wenig auf hohe Gehälter, Führungspositionen, Geschäftswagen oder futuristische Büroräumlichkeiten. Sie legt viel eher Wert auf eine sinnhafte Tätigkeit sowie Zeit mit der Familie, für Reisen oder einfach sich selbst. Sie will eben nicht nur arbeiten, sondern auch leben. Zwar gaben die durch XING und die Hamburg Media School Befragten an, dass sie bei ihrem „Wunsch-Arbeitsplatz“ durchaus auf eine moderne Hard- und Software achten, doch liegt ihnen zugleich der Umweltschutz mehr am Herzen als eine tolle Kantine oder sogar ein schickes Einzelbüro. Davon könnten sich andere Generationen doch noch eine Scheibe abschneiden.
Statistik: In welcher Position streben Sie eine Karriere an? | Statista
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Eigentlich wünscht sich die Generation Y also nichts mehr als ein wenig Sicherheit auf einem unsteten Arbeitsmarkt und ein lebenswertes Leben. Sie strebt nicht einmal unbedingt die Führungsposition oder horrende Gehälter an. Aber irgendwie scheint auch das den Arbeitgebern nicht so ganz zu passen. Sie trauern eben noch der Generation X nach, welche sich mit Haut und Haaren für ihren Job aufopferte. Dass das jedoch kein langfristig tragbares Arbeitsmodell ist, sollte angesichts der rasant steigenden Burnout-Zahlen spätestens jetzt jedem klar werden. Vielleicht ist sie also doch gar nicht so „schlimm“, diese junge Generation Y. Oder was denken Sie?

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