Zeitarbeit boomt
Bis Mitte des Jahres 2008 waren über 800.000 Berufstätige Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma und verdienten als so genannte Leiharbeiter ihr „täglich Brot“. Konjunktur und Arbeitsmarktverhalten sind zwei Gründe dafür, dass sich die Branche hauptsächlich in den letzten 5 Jahren über einen starken Anstieg der Aufträge freuen konnte. Bevor man arbeitslos und Harz IV – abhängig zu Hause rum sitzt, endlos Bewerbungen schreibt und doch immer wieder nur Ablehnung erfährt, bietet man seine Arbeitskraft einer Zeitarbeitsfirma an. Auch wenn für viele Zeitarbeit nicht das Optimum der Berufstätigkeit darstellt, verbesserte sich, nach Einführung gesetzlicher Vorgaben, der Ruf der Branche doch um Einiges. Auch werden vermehrt gezielt Mitarbeiter mit beruflichen Qualifikationen gesucht, die den Auftraggebern zur Verfügung gestellt werden können. So sehen viele den Job auf Zeit auch als Sprungbrett zur Festanstellung in einer „normalen“ Firma. Der andere Grund liegt in den Unternehmen als Auftraggeber. Auch sie stellten fest, dass sich die Qualität der zur Verfügung gestellten Arbeitskräfte nach Änderung der gesetzlichen Vorgaben wesentlich verbesserte und renommierte Zeitarbeitsunternehmen durchaus zuverlässige und qualifizierte Mitarbeiter zur Verfügung stellen.
Die Kostenfrage spielt eine große Rolle und in Zeiten großer Auftragsstärke, da Arbeitskräfte zur Bewältigung der anfallenden Arbeiten benötigt werden, ist der „Leiharbeiter“ eine günstige Alternative. Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen unterliegen eh einer begrenzten Beschäftigungszeit in einem Unternehmen, sind kurzfristig buchbar, bzw. auch wieder zu stornieren. Zeitarbeit stellt für viele Unternehmen also die flexibelste Möglichkeit der kurzfristigen Aufstockung oder Minderung des Mitarbeiterstammes dar.
Zahlen und Fakten
Während im Jahr 2003 die Branche nur mit etwas mehr als 300.000 Beschäftige zu Buche stand, erhöhte sich die Zahl bis zum Jahr 2007 auf mehr als 700.000. Das machte zu jenem Zeitpunkt etwa 2,5 aller Berufstätigen aus. Die Jahre des Wirtschaftsanstieges begünstigten diesen Boom ungemein, der auch bis Mitte des Jahres 2008 anhielt. Bis zum Zeitpunkt der Wirtschaftskrise hielt der Zeitarbeitsmarkt etwa 800.000 Beschäftigte für die Unternehmen bereit. Im Moment ist ein Rückgang der Mitarbeiteranzahl zu vermerken. Die für 2008 aktuelle Zahl von ca. 820.000 Mitarbeitern senkte sich drastisch auf etwas mehr als 560.000 ab. Unternehmen, welche mit großen Gruppen von Zeitarbeitmitarbeiter kooperierten, lösten die Verträge und schickten die Leiharbeiter zuerst in die Arbeitslosigkeit.
Sinn und Zweck der Zeitarbeit
Angesichts der Unsicherheit dieses Arbeitsplatzes mag sich mancher fragen, wo denn nun aber der Sinn und Zweck dieser Arbeitsvariante liegt. Auch wenn es nicht immer gleich offensichtlich wird: Zeitarbeit bietet vielen Berufseinsteigern, Langzeitarbeitslosen, aber auch anderen Jobsuchenden die Möglichkeit überhaupt oder wieder tätig zu werden. Unternehmen können Kosten sparender arbeiten, da für Leiharbeiter die Sozialabgaben von der Zeitarbeitsfirma getragen werden, es fällt also nur der tatsächliche „Mietpreis“ an. Für viele Firmen ist der Zeitarbeiter die Rettung in der Not bei längeren Arbeitsausfällen fester Mitarbeiter durch Krankheit, Wehr- und Zivildienste oder Schwangerschaft.
Zeitarbeit – die Vor- und Nachteile
Wie jede Beschäftigungsart birgt natürlich auch diese Vor- und Nachteile. Unbestrittene Vorteile für die Arbeitnehmer liegen in der Vielfältigkeit der Auftraggeber. Gerade junge Menschen, denen es nach Lehrabschluss an Erfahrung fehlt, können hier zahlreiche selbige sammeln. Ein nicht zu leugnender Nachteil der Zeitarbeit liegt immer noch darin, dass die Entlohnung häufig ein Vielfaches unter dem liegt, was ein fest angestellter Mitarbeiter gleicher Berufsgruppe in seiner Firma erhält. Auch wenn Mindestentlohnungen vorgeschrieben wurden, erreichen diese immer noch nicht die eigentlichen Lohnsätze der jeweiligen Berufe.
ZDF Beitrag vom 2.05.2007
Eine interessante Diskussion zum Thema finden Sie bei uns im Forum:
Was haltet Ihr von Zeitarbeit?
Dann besuchen Sie unser Forum!
Wenn Sie auf diesen Artikel verweisen möchten, benutzen Sie bitte folgende URL:



noname am 30 April 2009:
Zeitarbeit ist besser als ihr Ruf. Mein Onkel ist nach einem Jahr Zeitarbeit von der Firma in der er tätig war, eingestellt worden. Der Lohn war natürlich geringer. Wenn man Zeitarbeit als Sprungbrett sieht, kann man damit auskommen.
Franky am 4 Mai 2009:
Die Meinungen gehen hier doch sehr stark auseinander. Der niedrigere Lohn und ein sich ständig wechselnder Arbeitsplatz, sind hier wohl die größten Knackpunkte. Jedenfalls ist Zeitarbeit ein Weg, den man nutzen kann.
Chris am 9 Mai 2009:
ja gerade in der derzeitigen Wirtschaftlichen Situation boomt die Zeitarbeit und Personaldienstleister haben viel zu tun, da es auf den Markt viele qualifizierte Kräfte und nur wenige Stellen gibt.
Ich persönlich sehe das auch von zwei Seiten:
Auf der einen Seite ist es sicher gut Arbeit zu haben und so (durch Zeitarbeit) einen Einstieg zu erhalten.
Andererseits, wechselt man ständig die Firmen etc. bei geringem Lohn und vor allem in Einwohnerschwachen Regionen ist es unmöglich über Personaldiestleister in Zeitarbeit vermittelt zu werden etc ..
Nielsson am 18 Mai 2009:
Zeitarbeit wie sie praktiziert wird von den großen Unternehmen ist nur zum Nachteil der Arbeitnehmer.
Und wenn jemand erzählt das man mit den Löhnen in Deutschland keinen Gewinn machen kann, dann frage ich mich warum wir an der Exportweltspitze sind ! Warum sind die im Ausland so dumm, und kaufen bei den ach so teuren Deutschen wenn man überall auf der Welt das gleiche Produkt so viel billiger bekommt ?
Wie oft kommt es vor das “Normale” Arbeitsplätze gestrichen werden um sie danach mit billigen Zeitarbeitern zu ersetzen.
Ich selber kenne mehrere große Firmen die Ihre Belegschaft radikal reduziert haben und nun mit Zeitarbeiter arbeiten.
Siehe dazu z.B. VW, die 16.500 Zeitarbeiter vor der Krise hatten.
Solch eine Arbeitsweise der “Großen” muss die Politik unterbinden. Um Auftragspitzen abzudecken ist es meiner Meinung nach ok, aber über Jahre hinweg dies auszunutzen um auf einen Rekordgewinn einen neuen Rekord zu setzten ist es wohl auch Moralisch sehr bedenklich.
Und dann gibt es noch einige sehr schlaue, die sich in das Fernsehen stellen und verkünden das Zeitarbeit Arbeitsplätze schafft…
Man muss kein großes Rechengenie sein um zu bemerken das dies auf Dauer nicht funktionieren kann. Dazu kommt noch das der Staat bei niedrigerem Einkommen der Arbeitnehmer auch weniger Steuern einnimmt. Aber das Interessiert ja in Berlin keinen, warum auch, “die Pensionen sind sischer….” und wenn nicht, bei Gasprom im Aufsichtsrat ist es auch nicht ohne…
finde-deine-aufgabe am 25 Mai 2009:
Zeitarbeit setze ich gleich mit Versklavung 2.0 oder einer Prekarisierung und Brutalisierung der Arbeitswelt. Sie ist nicht nur für die Zeitarbeiter selbst schädlich, sondern auch für Unternehmen.
Ein Unternehmen, das Zeitarbeiter einsetzt, treibt einen Keil in die eigene Belegschaft und sorgt dort für Angst und Unruhe. Die Festangestellten bekommen das Gefühl, permanent auf dem Schleudersitz zu sitzen, weil sie befürchten, dass ihre Stellen auch in Zeitarbeitsplätze umgewandelt werden. Sie versuchen, die Distanz zwischen ihnen und den Zeitarbeitern möglichst groß zu halten. Sie grenzen sie sozial aus, geben ihnen keine Informationen, manche bekommen sogar eigene Umkleiden, Essensräume und andersfarbige Arbeitskleidung.
Wenn ein Unternehmen massiv Zeitarbeiter einsetzt, dann handelt es sich um schweres Managementversagen. Anstatt das Geschäftsmodell mit Hilfe der eigenen Mitarbeiter wieder auf Vordermann zu bringen und im Geiste auch zu Mitunternehmern zu machen, wird es so gelassen wie es ist. Die Wettbewerbsfähigkeit wird dadurch hergestellt, indem Zeitarbeiter und Billiglöhner eingestellt werden.
Zeitarbeit ist auf gar keinen Fall irgendwie unterstützenswert. Sie war lange Zeit verboten. Und das war auch gut so.
finde-deine-aufgabe
Chris am 5 Juni 2009:
ich wollte es nur nicht so ausdrücken wie @Nielsson und @finde-deine-aufgabe aber es ist leider so.
“Zeitarbeit setze ich gleich mit Versklavung 2.0 oder einer Prekarisierung und Brutalisierung der Arbeitswelt. Sie ist nicht nur für die Zeitarbeiter selbst schädlich, sondern auch für Unternehmen.”
Besonders die Unternehmen sollten dahingehend auch an Ihr Image als guter Arbeitgeber denken.
Jens am 8 Juni 2009:
Ich habe nach einem Jahr Zeitarbeit das Handtuch geworfen. Ich im Wochenrythmus an verschiedenen Stellen eingesetzt. Mal als Küchenhelfer, mal als Hausmeister und als Putzkraft. Dabei möchte ich doch einfach nur einen festen, gut bezahlten Arbeitsplatz.
Franky am 8 Juni 2009:
@finde-deine-aufgabe und @chris
Dem könnte man schon zustimmen. Jedoch ist für einige Zeitarbeit der einzige greifbare Ausweg. Hier bedarf es einer vernünftigen Lösung mit der alle Seiten etwas anfangen können und die gerecht ist.
Karin am 10 Juni 2009:
Für diejenigen die keine guten Erfahrungen mit Zeitarbeit gemacht haben, sondern verschaukelt oder ausgenutzt wurden, haben nachvollziehbar keine gute Meinung zu diesem Arbeitsmodell. Hingegen dessen kenne ich einige Menschen, die durchaus positiv gestimmt sind , einige Vorteile in der Zeitarbeit entdeckt haben und für sich nutzen. Der größte, der oft als Last dargestellt wird, aber in Wirklichkeit viele Arbeitnehmer als positiven Nebeneffekt bezeichnen ist, dass sie nicht fest an eine Firma gebunden sind, sondern wechseln können, somit viel mehr Erfahrungen sammeln und ihre Zielgruppe für Bewerbungen zu einem späteren Zeitpunkt breiter streuen können. Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass es viele Menschen geschafft, von Zeitarbeit in eine feste Anstellung übernommen zu werden. Nachteilig empfinde ich hier einzig und allein, dass dies häufiger in den alten und nicht in den neuen BL geschieht. Auch werden Arbeitnehmer in den neuen BL. öfter über den Nuckel gezogen, haben schlechter Konditionen, aber keine große Auswahl und müssen sich demzufolge beugen.
Zeitarbeit hat nicht nur schlechtes und kann für manchen tatsächlich ein Sprungbrett sein. Ich bin der Meinung man müsse einheitlich ein Modell schaffen, sodass nicht jede ZAF machen und die Leute bezahlen kann wie sie will.
finde-deine-aufgabe am 16 Juni 2009:
@franky
Ja, für einige – und zwar für diejenigen, die bei der Stellensuche keine Alternativen zur Bewerbung sehen oder im sinnlosen und z.T. entwürdigenden Bewerbungsmarathon ausgebrannt sind.
Es wäre eine der vorrangigen Aufgaben des Bildungssystems und der Politik, diese Alternativen aufzuzeigen und den Menschen mehrere Optionen an die Hand zu geben. Nur leider sind ausgerechnet die Bildung und die Politik Sammelbecken für Leute, die gerade in dieser Hinsicht komplett ahnungslos sind. Oder selbstbewusste Menschen mit einem gewissen Maß an eigenständigem Denken und Entscheiden sind einfach nicht gewünscht.
Die Alternativen zur Bewerbung gibt es definitiv. Nur muss man sie kennen und man muss sie sich selbst erarbeiten. Diejenigen, die das aus eigener Kraft nicht schaffen, sind die Bauernopfer, die in die Fänge der Zeitarbeitsfirmen geraten und mit deren Hoffnung dann gespielt wird, bis sie psychisch und körperlich kaputt sind.
@Karin
Andere, die mit mehr Distanz an die Zeitarbeit gehen und genau wissen, worum es sich dabei handelt, kommen damit wiederum gut klar, nur das ist eine Minderheit.
finde-deine-aufgabe
AN-G-PST am 4 Februar 2010:
Momentan bin ich selbst auf Jobsuche per ZA-Firmen, kann aber bisher nichts Positives berichten. Eher im Gegenteil. Vor ein paar Tagen wurde mir z.B. eine Stelle angeboten, auf die ich mich bei einer großen ZA beworben hatte. Was die ZA allerdings als ziemlich anspruchsvollen Job angepriesen hatte, stellte sich im Gespräch mit dem Kunden als wahrer “…job” heraus. Als ich der Sachbearbeiterin genau das am Telefon sagte, war für einen langen Moment erstmal Stille. Auch bekam ich im Vorfeld immer andere Informationen, was sowohl den Hintergrund der Stelle, als auch die Dauer des Einsatzes anbelangte. Ob dieses “Verschleiern” von Informationen seitens der ZA nun beabsichtigt waren oder nicht, kann ich natürlich nicht beweisen, finde es aber in höchstem Maße unprofessionell.
Was Zeitarbeit als “Sprungbrett” angeht, kann ich aus meinem Bekanntenkreis nur positive Meldungen verbuchen, wenn es um Bürojobs ging. Da wurden schon öfter Leute nach einem halben oder einem ganzen Jahr fest übernommen. Was allerdings Arbeiter aus dem Handwerk (Logistiker, Techniker) angeht, ist das, soweit ich es mitbekommen habe, sehr selten bis gar nicht der Fall. Wieso? Schlicht und ergreifend aus dem Grund, weil man genau diese Leute gut “verheizen” kann. Die Nachfrage ist groß, und man kann diese Arbeitnehmer wunderbar “rumschicken”. Da spielt es dann auch keine Rolle, ob jemand gute Referenzen in seinem Beruf vorzuweisen hat.