Niemand erwartet am Arbeitsplatz realistischerweise einen wöchentlichen Dankesbrief aus der Chefetage. Auch die Zeiten von freiwilligen Bonus-Zahlungen, ordentlichen Weihnachtsgeschenken und spendablen Firmenfeiern sind lange vorbei. Trotzdem gäbe es zahlreiche Möglichkeiten, seinen Mitarbeiter*innen das Gefühl zu vermitteln, nicht nur ein Rädchen im Getriebe zu sein. Einige davon wären sogar bilanzneutral und würden außer Überwindung rein gar nichts kosten. Leider geht der Trend aber vielerorts eher in die andere Richtung. Deine Vorgesetzten würden es wahrscheinlich nicht einmal bemerken, wenn du tot überm Zaun hängst. Bevor es dazu kommt, gibt es meistens schon 12 deutliche Warnzeichen, die dich als Mitarbeiter*in ganz klar in den Priorität-Zero-Status befördern:

Anzeige

1. Relevante Informationen kommen nicht bei dir an

Die Zufahrt zum Firmenparkplatz wird für zwei Monate gesperrt? Die Kantine schließt den ganzen Sommer über wegen Renovierung? Die Urlaubssperre über Weihnachten dauert ab sofort bis Ostern? Wenn du solche News dem Flurfunk oder überhaupt den Nachrichten entnehmen musst, aber nicht zumindest ein E-Mail dazu erhalten hast, ist Kommunikation auf Augenhöhe leider ein frommer Wunsch an das Christkind.

2. Du bist deinen Vorgesetzten unbekannt

In größeren Firmen kann das schon passieren, in kleineren ist es eigentlich ein absolutes No-Go: Deine Vorgesetzten kennen dich nicht, wenn sie dich am Weg ins Büro oder außerhalb davon treffen. Noch schlimmer (oder auch nicht) ist es, wenn sie dich bewusst ignorieren und absichtlich schneiden. Eine Grußbasis wäre der Mindestanspruch im zwischenmenschlichen Bereich, auch am Arbeitsplatz.

Anzeige

3. Ein Termin beim Chef ist schwer zu bekommen

Meistens versucht man ohnehin, alles via E-Mail so niederschwellig wie möglich zu regeln. Manchmal hätte man aber doch gerne ein Gespräch unter vier Augen, z. B. ein Feedbackgespräch. Wenn so ein Termin Mangelware ist oder du so lange vertröstet wirst, bis du aufgibst, stehst du in dieser Nahrungskette mit Sicherheit ganz weit unten.

4. Zugeständnisse werden schleichend gestrichen

Diese Taktik trifft vor allem langgediente Mitarbeiter*innen. Wer seit 10 Jahren das erste Wochenende des Monats immer frei bekommen hat, um einem Ehrenamt oder anderen privaten Verpflichtungen nachzugehen, wird sich ganz schön umschauen, wenn dieses Privileg plötzlich Geschichte ist. Auch der kostenlose Firmenparkplatz kann sich schnell verabschieden, das Essen in der Kantine empfindlich teurer werden und der Gratis-Kaffee im Gemeinschaftsraum ist irgendwann auch nur mehr eine Erinnerung an bessere Tage.

5. (Schriftliche) Vereinbarungen werden nicht eingehalten

Es spielt keine Rolle, ob sich dieser Vertrauensbruch auf umfassende Bereiche bezieht wie:

  • Arbeitszeitvereinbarungen
  • Urlaubsplanung
  • Bonuszahlungen
  • Arbeitsplatzbeschreibung
  • Dienstort und Einsatzbereiche
  • Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen
  • in Aussicht gestellte Karriereoptionen und Beförderungen

oder ob du jeden Tag zittern musst, welche Überraschungen dein Job dir heute im Detail bescheren wird. Wenn deine Alltagsplanung, deine Freizeitgestaltung oder sogar dein Familienleben unter der chronischen Unverbindlichkeit deines Arbeitgebers zu leiden beginnt, bist du als Mitarbeiter*in (endgültig) am Katzentisch gelandet.

Anzeige

6. Ob du da bist oder nicht, spielt keine Rolle

Du kommst aus dem Urlaub zurück und keinen interessiert es? Oder schlimmer: Du warst länger krank und bist halbwegs fit wieder zurück am Start? Allerdings kümmert es niemanden? Wenn du für deine Vorgesetzten wirklich nur Luft bist und deine Anwesenheit für sie absolut nicht von Interesse ist, muss man kein Hellseher sein, um seinen Stellenwert im Unternehmen richtig einschätzen zu können.

7. Die menschliche Komponente fehlt völlig

Niemand verlangt im konkurrenzorientierten 21. Jahrhundert von seinen Chefs, sich die Namen der Kinder oder alle bisherigen beruflichen Stationen auswendig zu merken. Kritisch wird es jedoch, wenn elementare Bereiche des Zwischenmenschlichen komplett ausgeblendet werden. Dazu zählen:

  • Todesfälle in deiner Familie
  • die Geburt eines Kindes
  • Ausnahmezustände wie Katastrophen, Unglücksfälle oder Scheidung
  • Krankheiten und andere Notsituationen.

    Was auch noch in diese Kategorie gehört:
  • höfliche Umgangsformen
  • respektvolles Miteinander
  • Anerkennung von formalen Leistungen wie Jubiläen, Betriebszugehörigkeit oder absolvierten Dienstjahren.

8. Sogar kostenneutrale Wünsche werden abgelehnt

Wenn das Personal der Chefetage keinen Pfifferling wert ist, könnte man das ja noch irgendwie verstehen. In Zeiten wie diesen muss gespart werden, die Personalkosten sind der größte Brocken in der Bilanz und der Wertschöpfungsfaktor muss am Jahresende einfach stimmen. Gravierend wird die Sache, wenn sogar kostenlose Zugeständnisse sukzessive abgelehnt werden. Dazu zählen:

  • gleitende Arbeitszeiten statt fixen
  • Möglichkeit zu Homeoffice
  • private Nutzung von Firmenhandy oder PC
  • Mitgestaltung der Arbeitsabläufe oder Arbeitsplätze
  • Aufstellen von persönlichen Gegenständen am Arbeitsplatz (Fotos, Pflanzen)
  • Nutzung des Firmenparkplatzes in der Freizeit.

9. Dir wird immer öfter ein Ultimatum gestellt

Wenn die Vorgesetzten jederzeit mit Kündigung drohen, sobald ihnen auch nur ein laues Lüftchen entgegenweht, das ansatzweise Gegenwind sein könnte, ist deine Wertigkeit im Betrieb endend wollend. Wenn du „Dann geh doch!“ öfter hörst als „Hallo!“ sind die guten Zeiten eindeutig angezählt.

10. Mobbing wäre ein Fortschritt für deine Situation

Wenn in dir die Sehnsucht nach einem Disziplinarverfahren, einer bewussten Sabotage deiner Arbeit oder nach einem völligen Zur-Sau-Machen vor versammelter Mannschaft aufkeimt, nur um dich wieder einmal bedeutsam zu fühlen, ist es höchste Zeit für einen Tapetenwechsel. Natürlich könntest du dein U-Boot-Dasein auch genießen und versuchen, das Beste daraus zu machen. Glücklich wirst du mit diesem Dahinvegetieren gegen Bezahlung auf Dauer aber nicht.

Anzeige

11. Feedback? Fehlanzeige!

Keine Kritik ist ausreichend gelobt. Wenn dir diese Strategie bekannt vorkommt, ist deine Arbeit anscheinend keine Erwähnung wert. Doch gerade das ist ausgesprochen schade. Ehrliches Lob würde nichts kosten, aber beiden Seiten eine Menge bringen. Noch schlimmer: Heuchelei, sarkastische Sprüche und herablassende Meldungen.

12. Geld spielt (k)eine Rolle

Dein Unternehmen investiert ohne Ende – nur leider nicht in dich? Großartige Neuerungen werden angeschafft, das Marketing wirft mit sinnfreien Werbegeschenken nur so um sich und die Dienstwagen-Flotte der Chefetage stammt aus dem letzten James Bond-Film? All das sind demonstrative Zeichen dafür, wo die Prioritäten in dieser Firma angesiedelt sind.

Wie viel Leidensdruck darf’s denn sein?

Geringschätzung am Arbeitsplatz ist ein bisschen so wie Zahnweh. Wann man die Konsequenzen daraus zieht, hängt von der persönlichen Leidensfähigkeit ab. Natürlich fällt es schwer, einen „guten“ Job aufzugeben, weil die Atmosphäre mies ist und man nur ein Datensatz für die Lohnbuchhaltung ist.

Zahlen, Daten, Amoklauf

Eine Studie der Universität Bamberg und der Stellenbörse Monster.de ergab: Für 94 Prozent der Befragten ist ein gutes Arbeitsklima am wichtigsten. Der bekannte Kriminalpsychologe Thomas Müller führt in seinem Bestseller „Gierige Bestie“ aus, wie weit Kränkungen am Arbeitsplatz Menschen bringen können. Die kriminellen Handlungen, mit denen schlecht oder ungerecht behandelte Mitarbeiter*innen ihren Frust und ihre Enttäuschung kompensierten reichten von Diebstahl über Betriebssabotage bis hin zum Amoklauf. Dieses Szenario soll dich bitte nicht inspirieren. Aber überlege dir lieber früher als später, wie viel dir dein Seelenfrieden und deine Gesundheit wert sind. Oder wie der große Buddha es auszudrücken pflegte: 

Der Schmerz ist gewiss, das Leiden ist optional.

Bildnachweis: Photo by Maria Lysenko on Unsplash

Anzeige

Newsletter

Für alle, die im JOB immer UP-TO-DATE sein wollen. Einmal wöchentlich, kostenlos und direkt in Deine Mailbox.

Du hast Dich erfolgreich eingetragen!