Denken wir an die Zukunft, so haben wir fast schon automatisch fliegende Autos, menschenähnliche Roboter und fragwürdige, von silbernen Farbtönen dominierte Mode vor Augen. Weitaus weniger klischeebehaftet, dafür aber keineswegs weniger interessant, ist der Blick in die Zukunft, den das Bundesministerium für Arbeit und Soziales vorgenommen hat. Das Ministerium hat eine Vielzahl an Wissenschaftlern und Experten damit beauftragt, zu prognostizieren, wie sich der Arbeitsmarkt bis zum Jahr 2030 verändert hat. Dabei kamen – sie können es sich sicherlich schon denken – bemerkenswerte Erkenntnisse ans Licht. Die wichtigsten davon möchten wir gern in diesem Beitrag für Sie zusammenfassen.

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Inhalt
1. Wie werden wir in Zukunft arbeiten?
2. Welche Faktoren werden die Arbeitsmarktentwicklung beeinflussen?
3. Wie wird sich die Arbeitswelt bis 2030 verändern?
4. Der Einfluss des demografischen Wandels
5. Die Rolle der Frau und die Vereinbarung von Beruf und Familie
6. Der Rückgang von Fachkräften und die steigende Bedeutung des Hochschulabschlusses
7. Der Strukturwandel „von der Dienstleistungs- zur Wissensökonomie“

Wie werden wir in Zukunft arbeiten?

Die „Arbeitsmarktprognose 2030“ ist „eine strategische Vorausschau auf die Entwicklung von Angebot und Nachfrage in Deutschland“. Herausgeber der umfangreichen Prognose ist das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, speziell das Referat Information, Publikation, Redaktion. Hier finden Sie die aktuelle Ausgabe mit dem Stand Juli 2013.

Um herauszufinden, wie sich der Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren entwickeln wird und wie wir in (naher) Zukunft arbeiten werden, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ein internationales Konsortium von Wissenschaftlern zusammengestellt. Diese haben verschiedene Analysen durchgeführt, Prognosen vorgenommen und Arbeitnehmer befragt und ihre Ergebnisse in einer detaillierten Schrift zusammengefasst. Die dadurch erlangten Erkenntnisse gelten als wahrscheinlichste Szenarien, können aber natürlich nicht als „hundertprozentig zuverlässig“ bezeichnet werden. Ziel der Arbeit ist es gewesen, schon heute zu erkennen, welchen Problemen sich der Arbeitsmarkt in einigen Jahren gegenübersieht. Zu wissen, welche Engpässe entstehen können, hilft dabei, sich schon jetzt darauf vorzubereiten und entsprechend zu reagieren.

Welche Faktoren werden die Arbeitsmarktentwicklung beeinflussen?

Natürlich treten Veränderungen nicht ohne Grund ein. Auch im Fall der Arbeitsmarktentwicklung konnten die Experten eine Reihe von Ursachen ausfindig machen, die für die anstehenden Veränderungen verantwortlich sind:

  • Demografischer Wandel: Den größten Einfluss auf den sich verändernden Arbeitsmarkt hat der demografische Wandel. Während die Zahl der alternden Bevölkerung zunimmt, kommen immer weniger junge Menschen nach. Mit anderen Worten: Erwerbstätige werden immer älter, dafür aber auch immer kostbarer – schließlich rücken nicht genügend junge nach.
  • Globalisierung: Eine immer enger werdende Vernetzung der einzelnen Staaten hat selbstverständlich auch einen großen Einfluss auf den Arbeitsmarkt in Deutschland. Man denke nur einmal an den Produktionsriesen China.
  • Technologischer Wandel: Wenn wir von Digitalisierung sprechen, meinen wir damit natürlich den technologischen Wandel. Technologien – allen voran natürlich Rechner, aber auch Clouds und andere Geräte – werden immer wichtiger und erobern mehr und mehr Branchen. Auch hier ist eine Beeinflussung der Arbeitsmarktentwicklung nicht von der Hand zu weisen.
  • Arbeitsorganisation: Das steife Konstrukt der Arbeit bricht immer mehr in sich zusammen. Die Arbeit der Zukunft wird noch flexibler sein und sich damit besser an das Privatleben anpassen.
  • Klimawandel: Kaum einer zweifelt den Klimawandel heutzutage noch an. Globale Veränderungen beeinflussen jedoch nicht nur Flora und Fauna, sondern auch den Arbeitsmarkt. So führen der Klimawandel und die damit einhergehende Energiewende beispielsweise zur Schaffung neuer Berufe und zum übergreifenden Umdenken in zahlreichen Unternehmen.

Wie wird sich die Arbeitswelt bis 2030 verändern?

Kommen wir nun zur Kernaussage der „Arbeitsmarktprognose 2030“: Wie wird sich die Arbeitswelt verändern? Allgemein können die Erkenntnisse folgedermaßen zusammengefasst werden:

  • Die Zahl der Erwerbstätigen geht auf 39,2 Millionen zurück
  • Auch die Zahl der Erwerbslosen sinkt
  • Der Einfluss des demografischen Wandels wird auf regionaler Ebene besonders deutlich
  • Die Erwerbsbeteiligung von Frauen wird steigen
  • Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird zunehmen
  • Die Zahl der Fachkräfte sinkt, die dadurch entstehende Lücke wird jedoch ausgeglichen
  • Die Bedeutung von universitärer Bildung und einem Hochschul-Abschluss nimmt weiterhin zu
  • Es wird ein Strukturwandel „von der Dienstleistungs- zur Wissensökonomie“ stattfinden

[Tweet “Wie wird die Arbeitswelt im Jahr 2030 aussehen? @arbeitsabc verrät es.”]

Der Einfluss des demografischen Wandels

Wenn weniger Menschen geboren werden, können weniger Menschen erwerbstätig sein. Mit dieser plakativen Aussage lässt sich der Einfluss des demografischen Wandels auf den Arbeitsmarkt kurz und simpel erklären. In der „Arbeitsmarktprognose 2030“ ist zu lesen: „Die Bevölkerung im Erwerbsalter wird infolge des demografischen Wandels nach Schätzungen um gut 6 Millionen bis zum Jahr 2030 sinken.“ Der Zuwachs von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland könnte allerdings dazu führen, dass diese Negativ-Prognose abgefedert wird – vorausgesetzt, es findet eine umfangreiche Integration statt, die auch den Arbeitssektor betrifft.

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Doch wie passen sinkende Beschäftigungszahlen und sinkende Arbeitslosenzahlen zusammen? Auch hier kann wieder der demografische Wandel als Begründung herangezogen werden. Wenn keine jungen Menschen ins Arbeitsleben eintreten, werden ältere umso kostbarer. Akuter Fachkräftemangel wird dazu führen, dass Mitarbeiter über 50 (im Gegensatz zur aktuellen Lage) eine weitaus größere Wertschätzung genießen und dadurch ans Unternehmen gebunden werden. Die Wahrscheinlichkeit, im Alter gekündigt zu werden, sinkt also im Jahr 2030.

Schaut man sich den Einfluss des demografischen Wandels auf regionaler Ebene an, so können laut „Arbeitsmarktprognose 2030“ folgende Aussagen getroffen werden:

  • Starker Rückgang der Erwerbspersonen in den ostdeutschen Bundesländern (um -20 %)
  • Geringerer Rückgang der Erwerbspersonen in den westdeutschen Bundesländern (um -3 %)
  • Geringster Rückgang der Erwerbspersonen in den Stadtstaaten ( um -0,7 %)

Unter Rücksichtnahme absoluter Zahlen wird Nordrhein-Westfalen das Bundesland mit dem größten Rückgang der Erwerbstätigen sein. Das liegt jedoch daran, dass es das bevölkerungsstärkste Gebiet Deutschlands ist.

Die Rolle der Frau und die Vereinbarung von Beruf und Familie

Der Mangel an Fachkräften in naher Zukunft wird dazu führen, dass die Bedeutung der Frau für den Arbeitsmarkt steigt. Oder anders formuliert: 2030 könnte die Zahl der erwerbstätigen Frauen in Deutschland ein ähnliches Niveau wie in den skandinavischen Ländern erreicht haben. Damit diese Prognose auch wirklich eintritt, ist es jedoch wichtig, die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie weiter zu verbessern. In der „Arbeitsmarktprognose 2030“ sind dazu folgende Tendenzen aufgeführt:

  • Eine Ausweitung und Verbesserung des Betreuungsangebotes in allen Altersgruppen
  • Eine Ausweitung der Schulzeiten
  • Steigerung der Anreize für kürzere Familienpause
  • Eine stärkere Beteiligung der Väter bei der Betreuung der Kinder
  • Einführung flexibler Arbeitsmodelle für Frauen und Männer
  • Der Rückgang von Fachkräften und die steigende Bedeutung des Hochschulabschlusses

Der Rückgang von Fachkräften und die steigende Bedeutung des Hochschulabschlusses

Das wohl größte Problem, dem sich der Arbeitsmarkt im Jahr 2030 gegenübersieht, ist der kontinuierliche Rückgang von Fachkräften, also Arbeitnehmern, die eine Ausbildung absolviert haben. Dieser kann einerseits durch die sich ändernden Altersstrukturen begründet werden und liegt zum anderen daran, dass die Bedeutung eines Hochschulabschlusses weiter steigen wird. Gleichzeitig rückt die Möglichkeit des dualen Studiums weiter in den Hintergrund. Erfreulich ist die Prognose, dass es 2030 weniger Menschen ohne Schulabschluss geben wird.

Wie die Wirtschaft auf den Rückgang der Fachkräfte reagieren wird, kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht eindeutig gesagt werden. Die Wissenschaftler, die die „Arbeitsmarktprognose 2030“ erstellt haben, gehen jedoch davon aus, dass Engpässe durch Anpassung von Angebot und Nachfrage ausgeglichen werden. Oder anders formuliert: Es werden Stellen gestrichen. Laut den Experten handelt es sich dabei um „wirtschaftliche Konsequenzen aus nicht erschlossenen Potenzialen“.

Info: Wer 2030 den akademischen Weg einschlagen will, tut gut daran, einen der folgenden Studiengänge zu wählen:

  • Rechtswissenschaften
  • Wirtschaftswissenschaften
  • Sozialwissenschaften
  • Naturwissenschaften
  • Sprachwissenschaften
  • Kulturwissenschaften
  • Humanmedizin

Der Strukturwandel „von der Dienstleistungs- zur Wissensökonomie“

Wer wissen will, ob sein Beruf eine Zukunft hat, findet in der „Arbeitsmarktprognose 2030“ interessante Anhaltspunkte. Diese können wie folgt zusammengefasst werden:

  • Branchen, die an Bedeutung verlieren: verarbeitendes Gewerbe, Handel, Verkehr, öffentliche Verwaltung
  • Branchen, die an Bedeutung gewinnen: Unternehmensdienstleistungen, Finanzdienstleistungen, Gesundheits- und Sozialwesen
  • Gefragt sind vor allem: Wissenschaftler, Gesundheits- und Pflegeberufe, leitendes Personal, technische Berufe
  • Weniger gefragt sind: Fertigungsberufe, Büroberufe

Als Gründe für diesen Strukturwandel nennt die Prognose die folgenden Punkte:

  • Wachsender Einfluss von Produktionsländern wie China und Indien
  • Wandel Deutschlands „vom Produzenten zum Investor“ (De-Industrialisierung, die auch schon in Großbritannien und den USA stattgefunden hat)
  • Ansteigen von privatem Vermögen
  • Steigende Automatisierung in der Verwaltung durch Digitalisierung
  • Schrumpfen der Bevölkerung
  • Vergreisung der Bevölkerung

Der Arbeitsmarkt wird sich bis zum Jahr 2030 verändern. Manche Branchen verlieren an Bedeutung, andere holen auf. Diese Entwicklung hat selbstverständlich auch Einfluss auf einzelne Berufe. Als besonders problematisch werden das Fortschreiten des Fachkräftemangels und der Rückgang sowie die zunehmende Alterung der Erwerbstätigen betrachtet. Beides ist eng mit dem demografischen Wandel verknüpft. Weitaus erfreulicher ist, dass die Prognosen der Experten davon ausgehen, dass Frauen in naher Zukunft eine weitaus größere Rolle auf dem Arbeitsmarkt spielen werden.