Im Laufe eines Arbeitslebens wird es immer vorkommen, dass Sie an Ihre Grenzen stoßen. Die Motivation lässt nach, der Job ist fade, Sie hinterfragen den Sinn Ihrer Tätigkeit. Meist sind das nur kurze Phasen, verursacht durch ein Sommerloch in der Industrie, eine persönliche Krise oder die Geschichte einer Freundin, die gerade eine aufregende Weltreise hinter sich hat. Da ist es völlig normal, dass kurz einmal alles hinterfragt wird. Und schlecht ist das nicht. Denn manchmal ist ein Wechsel des Arbeitsplatzes eine gute Alternative, um neue Energie und neue Motivation schöpfen zu können. Jedoch darf dieser Schritt keinesfalls überstürzt und aus einer Laune heraus gemacht werden. Vielmehr gilt es, die Situation sorgfältig abzuwägen und eine gut durchdachte Entscheidung für oder gegen den alten Job zu treffen.
Soll ich meinen Arbeitsplatz wechseln - ja oder nein?
Inhalt
1) Wie unzufrieden bin ich wirklich?
2) Mögliche Gründe für einen Wechsel des Arbeitsplatzes
3) Was sind die Hygienefaktoren und Motivatoren nach Herzberg?
4) Welche sind die häufigsten Gründe für eine Unzufriedenheit am Arbeitsplatz?
5) Es muss nicht immer gleich ein Wechsel sein
6) Wenn Motivatoren fehlen…
7) Die Entscheidung für oder gegen einen Wechsel des Arbeitsplatzes

Wie unzufrieden bin ich wirklich?

Sie kommen genervt und absolut müde nach Hause und denken sich: „Ich habe keine Lust mehr, ich schmeiße den Job hin.“ Das dann auch wirklich gleich zu tun wäre auf jeden Fall der falsche Weg. Denn solche Gedanken sind völlig normal und dürfen hin und wieder auch zugelassen werden. Woran erkennen Sie also, dass es tatsächlich Zeit für etwas Neues wird? Wenn diese Gedanken Sie täglich, über einen langen Zeitraum und ohne Perspektive auf Besserung begleiten, wenn Ihre Energie schwindet und Sie jeden Tag nur noch lustlos zur Arbeit gehen, dann sollten Sie tatsächlich über einen Wechsel nachdenken. Ebenso spielen aber auch andere Faktoren eine Rolle: Nicht immer müssen Sie unzufrieden sein, manchmal ergeben sich einfach bessere Chancen, eine Stelle, die näher an der Wohnung liegt und Ihnen Zeit beim Pendeln spart, eine höhere Bezahlung oder bessere Arbeitszeiten. Grundlegende zu klärende Fragen, wenn Sie ernsthaft über den Wechsel Ihres Arbeitsplatzes nachdenken, sind beispielsweise folgende:

  • Stehe ich morgens gerne für die Arbeit auf?
  • Komme ich gut mit meinen Kollegen klar und fühle mich im Team wohl?
  • Bin ich über- oder unterfordert in meinen Tätigkeiten?
  • Habe ich das Gefühl, meine Arbeit erfüllt einen Sinn?
  • Werde ich angemessen für meine Arbeit entlohnt?
  • Wie gestaltet sich das Verhältnis der Dinge, die mir Spaß machen, im Gegensatz zu den belastenden im Arbeitsalltag?
  • Wo sehe ich mich in fünf bis zehn Jahren?

 

Mögliche Gründe für einen Wechsel des Arbeitsplatzes

Die Gründe für einen Arbeitsplatzwechsel sind vielfältig und in der Regel absolut individuell. Während sich die Charaktere unterscheiden, suchen die einen stets nach neuen Abenteuern und verweilen einfach nie zu lange an einem Ort, sprich einer Arbeitsstelle. Andere hingegen schätzen die Sicherheit einer unbefristeten Tätigkeit in der Industrie und geben diese erst auf, wenn ihnen sozusagen keine andere Wahl mehr gelassen wird. Was aber kann auch jene letzteren Akteure dazu führen, dennoch ihren sicheren Job aufzugeben und sich wieder dem offenen Arbeitsmarkt auszusetzen? Die bekannteste und wohl wichtigste Theorie zur Klärung dieser Frage ist die Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg. Danach teilen sich die beeinflussenden Faktoren für oder gegen eine solche Entscheidung in die sogenannten Hygienefaktoren und Motivatoren.

Was sind die Hygienefaktoren und Motivatoren nach Herzberg?

Ein Hygienefaktor muss vorhanden sein, um keine Unzufriedenheit auszulösen. Gleichzeitig hat er aber keinen Beitrag zum Maß der Zufriedenheit oder gar zur Motivation. Er wendet sozusagen das Schlimmste ab; definiert die „No-Go’s“. Typische Hygienefaktoren sind die Bezahlung, die Entfernung zwischen Wohnbereich und Arbeitsplatz und die Arbeitszeiten. Im Gegensatz dazu sind die Motivatoren quasi selbsterklärend. Hier bedarf es in der Regel einer längeren Zeitspanne, bis die Abwesenheit von Motivatoren eine Unzufriedenheit auslöst. Es ist oft ein schleichender Prozess, der dazu führt, dass die Motivation stetig sinkt, bis die Sinnlosigkeit in der Arbeit eintritt. Zu den Motivatoren gehören beispielsweise das Arbeitsumfeld, die Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung oder die Anerkennung der Leistungen durch den Vorgesetzten.

Welche sind die häufigsten Gründe für eine Unzufriedenheit am Arbeitsplatz?

Laut einer Umfrage im Jahr 2012 sind dies die häufigsten Gründe für einen Arbeitnehmer,
die Wahl seiner Arbeitsstelle aktuell noch einmal zu überdenken:

  • 62 Prozent fühlen sich zu schlecht bezahlt
  • 54 Prozent bemängeln ein schlechtes Arbeitsklima
  • 24 Prozent sehnen sich nach einem kürzeren Arbeitsweg
  • 22 Prozent sehen keine Chance zur persönlichen Weiterentwicklung
  • 12 Prozent wünschen sich mehr Verantwortung
  • 9 Prozent ersehnen eine bessere Work-Life-Balance

Nur 20 Prozent aller Arbeitnehmer gaben in der genannten Umfrage an, dass keiner dieser Gründe für sie zutreffe und sie sich mit ihrer Arbeit rundum wohlfühlen. Eine Bilanz, die durchaus zu denken gibt.

Es muss nicht immer gleich ein Wechsel sein

Nicht immer ist der Wechsel des Arbeitsplatzes gleich die einzige Lösung, wenn die Unzufriedenheit und der Wunsch nach einer Veränderung eintreten. Je nachdem, welcher der ausschlaggebende Faktor ist, ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten, eine Veränderung herbeizuführen. Bei den Hygienefaktoren gestaltet es sich jedoch erfahrungsgemäß deutlich schwieriger, die Situation nachhaltig zu verbessern. Sie verdienen zu schlecht? Verhandeln Sie über eine Gehaltserhöhung oder eine Kürzung der Arbeitszeit, das hat den gleichzeitigen Effekt einer besseren Work-Life-Balance. Sie wohnen sehr weit von Ihrer Arbeitsstelle entfernt? Schon einmal über einen Umzug nachgedacht? Oder gibt es einen Bereich Ihres Unternehmens, das näher an Ihrem Wohnort liegt, in welches Sie sich versetzen lassen könnten? Es lohnt sich auf jeden Fall, die Alternativen abzuwägen, bevor der Entschluss zur Kündigung eines unbefristeten Arbeitsvertrages reift. Denn hier spielen wiederum Faktoren der Sperrzeiten oder eines unsteten Arbeitsmarktes und befristeten Einstiegsverträgen eine Rolle.

Wenn Motivatoren fehlen…

…ist es zum Glück weniger schwierig eine nachhaltige Veränderung zu erwirken. Hier kann ein Gespräch mit dem Vorgesetzten, dem Betriebsrat oder einem Personalbüro oft eine sinnvolle Lösung bieten, beispielsweise eine interne Versetzung, eine Veränderung des Aufgabengebietes oder eine Weiterbildung. So muss nicht gleich zum radikalen Schritt der Kündigung gegriffen werden, um das Arbeitsumfeld wieder angenehmer und sinnvoller zu gestalten.

Die Entscheidung für oder gegen einen Wechsel des Arbeitsplatzes

Im Endeffekt liegt es an Ihnen, wann und wie Sie diese Entscheidung treffen. Jedoch sollten Sie vorher objektiv alle Faktoren abwägen. Nach der objektiven Überlegung, lassen Sie Ihre Gefühle sprechen. Schließlich sind diese oft der tatsächliche Grund für eine Unzufriedenheit. Auch wenn die Bezahlung, der unbefristete Arbeitsvertrag oder die Nähe zum Wohnort für den Job sprechen, können belastende Faktoren, beispielsweise ein schlechtes Arbeitsklima oder Mobbing, sich nicht nur negativ, sondern schädlich auf die Gesundheit auswirken. Lassen Sie also nach langen Überlegungen und Pro- und Contra-Listen am Ende Ihr Bauchgefühl entscheiden. Wenn sich der Magen beim Gedanke an die Arbeit verkrampft, ist das doch bereits ein deutliches Zeichen. Die beste Lösung wäre dann natürlich, wenn Sie erst kündigen, sobald Sie schon eine neue Stelle haben. So ergeben sich keine Streitereien mit dem Arbeitsamt oder finanzielle Lücken. Ist dies jedoch nicht möglich, so beachten Sie unsere Artikel zur Kündigung, den Sperrfristen des Arbeitsamtes und den Tipps für eine bessere Bewerbung.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!

2 Kommentare

  1. Dacota Joe

    Den Arbeitsplatz zu wechseln ist, seit der Agenda 2010 Politik, nur noch dann vertretbar wenn die Situation auf dem alten Arbeitsplatz überhaupt keine andere Möglichkeit mehr zulässt. Oder man ist top qualifiziert. Ergo, nur wechseln wenn man sich das leisten kann.

  2. Den Job, Arbeitsplatz zu wechseln hat viele Gründe, nicht immer sind es die Finanziellen die ausschlaggebend sind. Es wäre desshalb wichtig das Ganze von neutraler Seite betrachten zu lassen, sich in einem Gespräch mit einem Coach ins Klare zu kommen wohin die Reise führt. Dabei ist die Antwort auf mein eigenes Lebensziel, meine Lebensvision wichtig. Wir dürfen nie vergessen, dass wir den grössten Teil unseres Lebens mit Arbeit verbringen. Da lohnt es sich zu fragen, ob wir das mit Lust und Freude oder eher mit Frust und aus der Not heraus tun.

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