Das monatliche Einkommen reicht bei großen Teilen der Bevölkerung knapp oder nicht mehr zum Leben. Ein Wunschtraum: Je mehr Du arbeitest, desto mehr verdienst Du. So sollte es jedenfalls sein. Die Realität sieht anders aus: Geringverdiener haben oft einen oder mehrere Zusatzjobs, um über die Runden zu kommen. Schon seit Jahren ringen die Gewerkschaften um einen Mindestlohn. 

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Jeder 6 Arbeitnehmer weltweit verdient weniger als 1 Dollar pro Tag

In Europa steht das reiche Deutschland auf einem traurigen Mittelplatz. Folgt man Eurostat, sind im Durchschnitt 16,4 % der Europäer gezwungen, mit 60 % weniger Geld, als es ihrem nationalen Standard entspricht, auskommen zu müssen. Laut dieser Statistik geht es den Deutschen zwar besser als Spaniern und Griechen. Dort ist die 20%-Marke schon geknackt. Jedoch schneiden die schwedischen (12,9 %) und österreichischen (12,1 %) Nachbarn im europäischen Vergleich am Besten ab.

Deutschland wird gerne als europäische Lokomotive angegeben. Nie zuvor würde es den Deutschen besser gehen. Die Arbeitslosenquote sinkt beinahe monatlich. Die Konsumfreude steigt Jahr für Jahr. Der Euro rollt in einem Land, in dem jedoch auch erschreckende Nachrichten zum Vorschein kommen. Von Kindern, die hungern müssen. Von Rentnern, die nicht ausreichend versorgt sind. Von Kranken, die sich die nötige Pflege nicht leisten können.

Jeder 6 Bundesbürger verdient weniger als der Durchschnitt seiner Mitbürger

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden bescheinigte 2011 rund 13 Millionen Bundesbürgern, mitten in Deutschland unter der Armutsgrenze leben zu müssen. In den Statistiken sind erwerbsfähige Alleinerziehende schon mit einem Einkommen unter 940 Euro monatlich im Bereich der Armut.

Fragt man die Bürger selbst, weitet sich die Schere ins Extreme. Die einen sind mit ihrem Lohn zufrieden, den anderen fehlt es schon bei den Grundbedürfnissen. Ein Fakt wird jedoch in allen Antworten angesprochen. Die Armutsgrenze sollte nicht nur allein vom Einkommen her bestimmt werden. Das Umfeld und die Lebenshaltungskosten spielen eine große Rolle. Nicht umsonst führt eine Großstadt wie Berlin die Statistik der Armutsgrenze an.

Minijobber und Zeitarbeiter sehen sich von ihren Arbeitgebern ausgebeutet

Der Osten Deutschlands bildet bei den Niedriglöhnen das traurige Schlusslicht. Entsprechende Prozesse in den Arbeitsgerichten von Rostock bis Cottbus beweisen dies täglich. Kellner werden mit einem Stundenlohn von 1,56 Euro abgespeist. Nicht viel besser geht es Friseurinnen, die mit weniger als 2,50 Euro pro Stunde rechnen müssen.

Geringfügig Beschäftigte im Osten wie im Westen müssen obendrein oftmals unwürdige Arbeitsbedingungen in Kauf nehmen. Das führt schnell zu einem schlechten Arbeitsklima, in dem keiner gerne arbeitet.

Hinzu kommt oft eine befristete Einstellung. Nicht nur saisonabhängig, gerne auch nur monatlich, im besten Fall auf ein Jahr begrenzt, aber unumstritten zeitlich befristet werden heutzutage viele Arbeitsplätze besetzt. Schon im Vorstellungsgespräch kommt es zu Dumpingvorschlägen. Wer am wenigsten verlangt, hat die besten Chancen, die ausgeschriebene Stelle zu bekommen. Nur selten wird die gebotene Leistung auch entsprechend bezahlt.

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Viele Firmen besetzen neben der Einstellung von Zeitarbeitern gerne einen Arbeitsplatz mit einem Praktikanten. Die Praktikanten, oftmals Studenten, bringen viel Enthusiasmus und Arbeitseinsatz mit, trotz des im Grunde geringfügig bis gar nicht bezahlten Jobs. Sie hoffen auf eine Einstiegschance, sobald sie mit ihrem Studium fertig sind. In der Praxis wird jedoch mur ein Bruchteil von ihnen von den betreffenden Arbeitgebern übernommen.

Das gleiche Problem kennen die Azubis. Ausbildung bedeutet, einen Beruf, ein Handwerk zu erlernen. Aber auch hier gibt es oft falsche Illusionen. Sogar die von regionalen IHKs als beste Azubis ausgezeichneten jungen Leute müssen sich gleich nach ihrer Ausbildung auf eine fast aussichtslose Arbeitssuche begeben.

Der Koalitionsvertrag steht…

Um solche Situationen zu entschärfen, wurde in den jüngsten Koalitionsverhandlungen anlässlich der aktuellen Regierungsbildung endlich eine wichtige Entscheidung getroffen: Der Mindestlohn für alle Erwerbstätigen soll in naher Zukunft die Grenze von 8,50 Euro pro Stunde nicht mehr unterschreiten. Es werden allerdings noch gut zwei Jahre vergehen, bevor dieses „Zuckerbrot“ in kompetenten Kommissionen realistisch und wirtschaftlich auf einen Nenner gebracht werden wird. Aber der Grundstein ist gelegt.

Kommt Ihr mit Eurem Einkommen über die Runden oder bleibt am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig?