Noch vor wenigen Jahren liefen Bewerbungsprozesse klassisch mit einem Auswahlgespräch und eventuell einer kleinen Arbeitsprobe ab. Doch mittlerweile hat sich ein neuer Trend etabliert: Wer auf eine Stelle in einem Großunternehmen hofft, der muss sich in der Regel in einem Assessment Center beweisen. Das AC besteht aus einem Gremium ausgewählter Personaler, die mittels eines strengen Verfahrens über den passenden Bewerber entscheiden. Durch harte Belastungsproben und psychologische Tricks ist das Assessment Center allgemein in Verruf geraten. Doch in dem Großteil der Fälle ist es gar nicht so „schlimm“, wie Sie vielleicht befürchten mögen. Deshalb stellen wir Ihnen kurz vor, was sich hinter dem Assessment Center eigentlich verbirgt, wie Sie sich am besten darauf vorbereiten können und was Ihnen hilft, das AC als ausgewählter Bewerber zu verlassen und anschließend Ihre neu ergatterte Stelle anzutreten.

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Inhaltsverzeichnis:
1. Was ist ein Assessment Center überhaupt?
2. Angst vor dem AC? Brauchen Sie nicht zu haben, weil…
3. Was wird im Assessment Center geprüft?
4. Einstieg, Vorstellung und Darstellung der eigenen Person
5. Die Gruppendiskussion
6. Die Präsentation
7. Die Fallstudie
8. Der Aufsatz
9. Interview
10. Der klassische AC-Test
11. Die „Postkorbübung“
12. Und am Ende: Das Abschlussgespräch
13. Damit nichts schiefgehen kann – Die absoluten No-Gos für das AC

Was ist ein Assessment Center überhaupt?

Der Begriff streut oftmals Verwirrung und flößt den Bewerbern direkt Respekt ein. Jedoch verbirgt sich dahinter nichts weiter, als die Einladung mehrerer Bewerber gleichzeitig für ein bis drei Tage, die sich dann verschiedenen Tests stellen müssen. Dazu gehören das Ausführen von Aufgaben, das Lösen von Problemen sowie der Beweis von Teamfähigkeit und Belastungsresistenz. Anschließend werden diese von dem Gremium bewertet und erhalten Feedback.

Das AC soll dazu dienen, die Bewerber besser einschätzen und auf ihre Kompatibilität mit der ausgeschriebenen Stelle bewerten zu können. Je nach Unternehmen führen interne Mitarbeiter oder aber externe Mitarbeiter von einer entsprechenden Beraterfirma das Assessment Center durch. Neben den genannten Aspekten der optimalen Auswahl nach fachlicher und sozialer Kompetenz der Bewerber sowie deren Stressresistenz, dient das Assessment Center allgemein noch einem weiteren Zweck: Das Unternehmen möchte sich gegen Klagen schützen, die sich beispielsweise auf die Beachtung des Gleichheitsgrundsatzes beziehen. Im AC wird allen Bewerbern dieselbe Chance eingeräumt und die Auswahl nach nachvollziehbaren und überprüfbaren Kriterien getroffen.

Angst vor dem AC? Brauchen Sie nicht zu haben, weil…

…Sie einfach nur Sie selbst bleiben müssen. Wer sich verstellt oder glaubt, durch eine „Show“ sein Können zu beweisen, der wird meist nicht nur durchschaut, sondern hat auch später im Beruf nur wenig Bestand. Daher können Sie ruhig bleiben und sich auf Ihre Talente und Ihr Können verlassen. Wichtig ist einfach, dass Sie gut ausgeschlafen und pünktlich erscheinen. Denn anstrengend ist ein Assessment Center allemal, oft geradezu ein Marathon an Aufgaben, bei denen Sie stets konzentriert und durchdacht vorgehen müssen. Wenn Sie sehr nervös und aufgeregt sind, hilft es einmal zu klären, was ein Assessment Center überhaupt ist und was Sie erwartet, dann können Sie sich besser vorbereiten und fühlen sich dem Ablauf und den Aufgaben nicht hilflos ausgeliefert.

Was wird im Assessment Center geprüft?

Natürlich unterscheiden sich die Aufgaben je nach ausgeschriebener Stelle und deren Anforderungsprofil. Jedoch ist einer der wesentlichen Aspekte in einem AC stets der Umgang des Kandidaten mit Extremsituationen, Stress oder Konflikten in einem Team. Durch oftmals absichtlich zu enge Zeitfenster werden die Bewerber in ihren Aufgaben unter Druck gesetzt und sollen so ihr soziales und aufgabenspezifisches Verhalten offenlegen. Hinzu kommen einige Aufgaben, die in jedem Assessment Center genutzt werden und die wir Ihnen deshalb hier kurz näher erläutern wollen. Denn die Chance, eine oder mehrere dieser klassischen AC-Aufgaben lösen zu müssen, ist extrem hoch und bietet Ihnen somit eine Möglichkeit zur effizienten Vorbereitung auf die jeweiligen Tests:

1. Einstieg, Vorstellung und Darstellung der eigenen Person

Am Anfang quasi jeden Assessment Centers steht die Selbstpräsentation. Hierbei handelt es sich um einen kurzen Vortrag zu Ihnen als Person, Ihrem Lebenslauf, Berufserfahrungen, Hobbys etc. Schneidern Sie diesen Vortrag stets auf die Stelle zu und nennen nur jene Hobbys, die eine bestimmte Charaktereigenschaft unterstreichen, oder die Berufserfahrungen, die Sie für die ausgeschriebene Stelle qualifizieren. Das kommt nicht nur bei dem Gremium gut an, sondern gibt Ihnen auch einen Anhaltspunkt, wo Sie bei Ihrem Vortrag beginnen und enden sollten. Legen Sie sich bei der Vorbereitung also das Stellenprofil nebenhin und erarbeiten Sie so die wichtigsten Aspekte. Bleiben Sie dabei stets ruhig und sachlich, bauen Sie keine humorvollen Extras ein oder versuchen den Witzbold zu mimen. Auch ein gekünsteltes Überspielen der Nervosität ist im AC nicht angebracht, schließlich treten alle Bewerber mit den gleichen Voraussetzungen an und das Gremium hat genug Erfahrung, echte von unechten Charaktereigenschaften zu unterscheiden. Bleiben Sie also sich selbst treu, stets konzentriert und äußerst sachlich.

Der Ablauf ist wie folgt: Ihnen bleiben bis zu fünf Minuten Zeit für die Vorbereitung und Sie halten anschließend eine drei- bis zehnminütige Selbstpräsentation. Haben Sie diese also nicht bereits Zuhause vorbereitet, stehen Ihre Chancen auf einen guten Vortrag schlecht. Doch dieser ist eines der wichtigsten Kriterien und kann bereits über Scheitern oder Erfolg entscheiden. Wählen Sie einen lebendigen Vortragsstil, der interessant ist und die Zuhörer am roten Faden hält. Es muss nicht immer der klassische Einstieg mit den persönlichen Daten sein. Sie können z. B. auch mit Ihren speziellen Kenntnissen beginnen, die für die ausgeschriebene Stelle von Relevanz sein könnten. „Kreativ aber seriös“ lautet die goldene Regel.

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2. Die Gruppendiskussion

Auf die Selbstpräsentation folgt in der Regel die Gruppendiskussion. Hier erhalten Sie entweder ein vorgegebenes Thema oder können eines frei wählen. Dieses wird dann mit den anderen Bewerbern diskutiert. Manchmal wird dafür eine Rollenverteilung vorgegeben, sprich Sie sind von vornherein ein Fürsprecher oder Gegner des Themas und müssen dann diese Rolle authentisch wiedergeben. Wozu diese Gruppendiskussion dient? Der Feststellung Ihres Durchsetzungsvermögens und der Charakterstärke, gleichzeitig aber auch der Teamfähigkeit und der Toleranz gegenüber Ihren Mitarbeitern und Kollegen. Es gilt daher, ein gesundes Maß zu finden, zwischen Beharrlichkeit und Nachgiebigkeit, Ruhe und Beteiligung. Wenn Sie nicht wissen, was Sie sagen sollen, so stellen Sie einfach eine Frage. So können Sie schüchternes Schweigen vermeiden und bekunden, dass Sie der Diskussion gedanklich folgen und die Informationen einordnen, gedanklich strukturieren und eigenständig umsetzen können.

3. Die Präsentation

Nein, die Selbstpräsentation schützt Sie noch nicht davor, Ihr Können bei Vorträgen noch einmal unter Beweis stellen zu müssen. In Der Regel erhalten Sie zu einem späteren Zeitpunkt des Assessment Centers erneut die Aufgabe, eine Präsentation zu einem vorgegebenen Thema zu halten. In der Regel soll diese eine Länge von fünf bis 30 Minuten umfassen, mit einer Vorbereitungszeit von drei bis 20 Minuten. Je nachdem, worauf die Assessoren abzielen: Bei einer Themen-Präsentation liegt das Hauptaugenmerk darauf, Ihre Fähigkeiten bei einer Themenanalyse zu erkennen: Erfassen Sie das Thema grundlegend? Können Sie die wichtigsten Trends übersichtlich aufzeigen? Auf welchem Stand befindet sich Ihr didaktisches Können? Vorsicht: Bei politischen Themen werden Sie gerne in die Falle gelockt, denn hier wird keinesfalls ein politisches Statement oder Ihre persönliche Meinung in den Mittelpunkt gestellt. Stattdessen soll Ihre Fähigkeit zur Neutralität getestet werden, sprich das Erstellen einer neutralen Themenanalyse aus verschiedenen Blickwinkeln.

Die zweite Präsentationsmöglichkeit liegt in der sogenannten Stresspräsentation: Sie erkennen diese schnell an der sehr knapp gehaltenen Vorbereitungszeit. Das Ziel liegt darin, den Bewerber aus der Ruhe zu bringen. So oder so empfehlen wir Ihnen folgendes Vorgehen:

  • Thema und Begriffe klären
  • Argumente sammeln
  • Fachbegriffe gezielt einfließen lassen
  • Vortrag strukturieren
  • Während dem Vortrag bei Zwischenfragen ruhig bleiben, lediglich Verständnisfragen gleich klären, für Diskussionsfragen am Ende Ihres Vortrages Raum lassen
  • Nicht vergessen: Blickkontakt

4. Die Fallstudie

Die Fallstudie ist ebenfalls eine Einzelaufgabe, die einen Zeitraum von 20 bis 30 Minuten in Anspruch nimmt. Hierbei sollen Sie als Bewerber ein fachliches Problem lösen und entweder schriftlich oder mündlich präsentieren. Beliebte Themen sind beispielsweise Marketingkonzepte oder Mitarbeiterführung. Hier ist es besonders wichtig, dass Sie die Aufgabenstellung sowie die Anweisung sorgsam durchlesen und gänzlich verstehen. Liefern Sie ggf. verschiedene überzeugende Lösungsansätze, statt sich an nur einem Punkt festzubeißen. Erläutern sie zudem klar und nachvollziehbar alle Ihre Gedankengänge.

5. Der Aufsatz

Für den Aufsatz haben Sie in der Regel etwa eine Stunde Zeit. Getestet wird Ihre Fähigkeit der schriftlichen Kommunikation. Da Sie diesen Aufsatz meist handschriftlich verfassen müssen, ist es besonders wichtig auf Lesbarkeit, Übersichtlichkeit und eine klare Gliederung zu achten. Verwenden Sie nicht zu viele Fachbegriffe und schreiben Sie in kurzen prägnanten Sätzen. Die Themen sind meist auf den Themenbereichen Arbeit, Politik oder Gesellschaft.

6. Interview

Das Interview ist vergleichbar mit einem Vorstellungsgespräch. Hier werden in etwa 20 bis 30 Minuten Ihre Motivation, die Selbsteinschätzung und die persönlichen Stärken und Schwächen abgefragt. Alles Informationen, Tipps und Tricks für Ihr Bewerbungsgespräch finden Sie in unserer Rubrik „Vorstellungsgespräch“.

7. Der klassische AC-Test

Einem Test werden Sie quasi in jedem Assessment Center unterzogen. Jedoch variieren die Dauer, die Aufgaben und die Schwerpunkte je nach zu besetzender Stelle. Grob handelt es sich um einen Leistungs-, Persönlichkeits- oder Intelligenztest, oftmals in Kombination. Jedoch gerieten die Tests durch den Mangel an Aussagekraft immer mehr in die Kritik. Dennoch: Nehmen Sie den Test keinesfalls auf die leichte Schulter, prüfen Sie sorgfältig, worin die Aufgabe besteht und bleiben Sie konzentriert. Für das „Weiterkommen“ wird meist ein Abschneiden im oberen Mittelfeld als Minimum vorausgesetzt.

8. Die „Postkorbübung“

Die Postkorbübung ist ein absoluter Klassiker der Assessment Center. Sie erhalten etwa zehn bis 20 verschiedenen Dokumente, die aus E-Mails, Memos, Notizen o.ä. bestehen können. Sie haben nun die Aufgabe, diese in einer sehr kurzen Zeitspanne nach Dringlichkeit und Wichtigkeit zu sortieren. Jedoch kommen Ihnen sich überschneidende Aufgaben, störende Kollegen oder ein wichtiges Meeting in die Quere. Was der Sinn hinter dieser Übung ist? Die Feststellung Ihres Organisationsgeschicks sowie der Stressresistenz. Die Postkorbübung wird meist bei mehrtägigen ACs absolviert.

Wie gehen Sie am besten vor? Verschaffen Sie sich zu allererst einen Überblick über die Dringlichkeit der Aufgaben. Das Wichtigste erledigen Sie selbst. Was übrig bleibt, verschieben Sie wenn möglich auf einen späteren Zeitpunkt oder delegieren Sie an einen fähigen Mitarbeiter. Eine perfekte Lösung gibt es bei der Postkorbübung nicht. Sie sollten einfach Ihr Bestes geben und das Vorgehen am Ende begründen können. Denn die Ergebnisse werden schriftlich festgehalten und in einem anschließenden Gespräch besprochen.

9. Und am Ende: Das Abschlussgespräch

Am Ende des anstrengenden Assessment Centers wartet die letzte Bewährungsprobe auf Sie: Sie werden von den Assessoren zu Ihrer persönlichen Einschätzung Ihrer Leistungen während des AC befragt. Bleiben Sie gelassen und freundlich, gehen Sie auf keinerlei Provokationen ein und üben Sie sich in Zurückhaltung und Selbstkritik. Siegessicherheit ist hier niemals angebracht. In einem persönlichen Einzelgespräch erfahren Sie zumeist noch die Einschätzung der Gegenseite und können so mit einem brauchbaren Feedback den Heimweg antreten.

Damit nichts schiefgehen kann – Die absoluten No-Gos für das AC:

  • Mangelnde Spontanität
  • Falsche oder zu genaue Erwartungen an das AC, denn dann können böse Überraschungen auf Sie warten.
  • Übermäßiges Konkurrenzdenken gegenüber Ihren Mitbewerbern.
  • Die krampfhafte Schwächen-Vermeidungs-Taktik bringt Sie eher in Stress, als dass sie Ihnen hilft. Konzentrieren und verlassen Sie sich lieber auf Ihre Stärken.
  • Stets wechselnde Ansichten und Standpunkte. Bleiben Sie sich und Ihrer Meinung bei jeder Aufgabe treu.
  • Andere Kandidaten schlecht reden, lästern oder Fallen stellen bedeutet das sofortige Aus.
  • Zu starke Konzentration auf die Aufgaben kann Sie das Wesentliche aus dem Auge verlieren lassen.
  • Eine egozentrische Haltung oder Arbeitsweise spricht nicht gerade für Teamfähigkeit und soziale Kompetenzen. Konzentrieren Sie sich also nicht nur auf sich selbst, sondern suchen Sie den Kontakt mit den anderen Bewerbern.

Wir freuen uns stets über Ihre Erfahrungsberichte und wünschen Ihnen im nächsten Assessment Center viel Erfolg.

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