Es ist passiert, vielleicht wohlüberlegt und geordnet durch eine ordentliche Kündigung des Ausbildungsverhältnisses oder aber als Kurzschlussreaktion in einem Streitgespräch mit dem Vorgesetzten: Die Ausbildung wurde abgebrochen, der Ausbildungsvertrag wirksam gekündigt. Mit einer in der Regel zweiwöchigen Frist innerhalb der Probezeit ist dies problemlos möglich. Später wird es schwieriger. Den allgemeinen Bestimmungen folgend muss ein Auszubildender dann triftige Gründe für die Kündigung anführen können. Besonders heikel wird ein Ausbildungsabbruch, wenn derselbe Ausbildungsberuf in einem anderen Unternehmen erlernt werden soll. Denn dann fällt der wirksamste Kündigungsgrund, die Umorientierung in einen anderen Ausbildungsberuf, weg.

Anzeige

Entscheidung unter Zeitdruck

Ist es dazu gekommen, setzt immenser Zeitdruck ein. Die betrieblichen Ausbildungen sind bereits angelaufen, der Großteil der Ausbildungsplätze besetzt. Der Ausbildungsabbrecher muss sich schnell entscheiden, wie es weitergehen soll: Eine neue Ausbildung in einem neuen Betrieb, der direkte Weg in den Arbeitsmarkt als ungelernte Kraft, vielleicht auch zur Überbrückung bis zum folgenden Ausbildungsjahr, oder eine schulische Ausbildung. Für noch schulpflichtige Ausbildungssuchende erübrigt sich diese Frage, da hier die Schulpflicht wiederum greift und eine schulische Ausbildung bis zum Beginn einer betrieblichen Ausbildung absolviert werden muss. Doch auch für nicht mehr Schulpflichtige ist die Situation heikel. Auf einem engen Arbeitsmarkt sind ungelernte Tätigkeiten nicht nur schlechter bezahlt, ohne Grundausbildung stehen auch diverse Möglichkeiten zur beruflichen Fortbildung nicht oder nur bedingt zur Verfügung. So kann durch eine betriebliche Ausbildung beispielsweise die mittlere Reife ersetzt werden und der Weg an eine Fachoberschule eröffnet werden. Darüber hinaus schwebt ein Ausbildungsabbruch bis zum Abschluss einer anderen Ausbildung als anzunehmendes Zeichen mangelnden Durchhaltevermögens und mangelnder Belastbarkeit über dem Lebenslauf und dem weiteren Fortkommen.

Ausbildung, Schule oder doch das kalte Wasser?

Wenn die Entscheidung für den weiteren Weg gefallen ist, ist zeitnahe Orientierung unabdingbar. Offene Lehrstellen nach Ausbildungsbeginn sind bei den zuständigen Handels- und Handwerkskammern eingetragen. Entsprechend sind die Kammern hier erste Anlaufstelle. Dort lässt sich auch in Erfahrung bringen, ob die abgebrochene Ausbildung zeitlich auf eine neue betriebliche Ausbildung angerechnet und die Gesamtausbildungszeit somit verkürzt werden kann. Über schulische Ausbildungsmöglichkeiten informiert die Berufsberatung der Agentur für Arbeit und auch der Webauftritt des zuständigen Bildungsministeriums kann äußerst hilfreich sein. Wichtig ist eine Grundidee, in welchem Bereich man tätig werden möchte, um die gezielte Suche zu beschleunigen. Je nach Berufsfeld kann der Besuch einer Fachschule nicht nur sinnvoll, sondern zwingend notwendig sein. Diverse Ausbildungsberufe setzen eine teilweise schulische Ausbildung voraus. Ebenso sind manchen Berufen eine Kombination aus betrieblicher Ausbildung und schulischer Weiterbildung vorangestellt. So kann zum Beispiel eine gelernte Friseurin durch eine schulische Zusatzausbildung die Qualifikation zur Visagistin erlangen.

Fazit

Anzeige

Ein Ausbildungsabbruch ist eine ernste, aber überwindbare Katastrophe. Ist ein Abbruch nicht vermeidbar, ist schnelles Reagieren und Neuorientieren wichtig. IHK und Handelskammer sind hierbei erste Ansprechpartner und unterstützen teils auch durch spezielle Programme zur Vermittlung Ausbildungssuchender zwischen den offiziellen Ausbildungsbeginnen zweier Jahrgänge. Die frühe Einbeziehung der zuständigen Kammer kann nicht nur einen Abbruch durch Vermittlung zwischen den Fronten unter Umständen verhindern, durch Rat und Unterstützung durch die zuständigen Stellen können auch fatale Fehlentscheidungen und Fristversäumnisse nach dem Abbruch vermieden werden.