„ Ach, wäre es doch schön, die Ausbildungszeit verkürzen…“, mag so mancher Lehrling denken, der dabei ist, seinem Chef den sprichwörtlichen Kaffee zu holen. Das die Ausbildungszeit jedoch zwischen Schulzeit und restlichem Arbeitsleben die tatsächlich letzte Pufferzone ist, wird erst klar, wenn man Jahre später einen anderen Lehrling stöhnen hört. Andererseits bietet eine Verkürzung der Ausbildung die Möglichkeit, schneller einen höheren Einkommensstatus zu erreichen. Für jene, deren Übernahme durch den Ausbildungsbetrieb nach der Ausbildung feststeht, ist es daher tatsächlich eine Überlegung wert.

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Wie und wann kann man eine Ausbildung verkürzen?

Es bieten sich verschiedene Wege an, eine Ausbildung zu verkürzen. Zuvor müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt sein. Die Möglichkeit auf Ausbildungszeitverkürzung besteht wenn:

  • ein Berufsgrundbildungsjahr oder eine Berufsfachschule absolviert wurde, die Verkürzung beträgt dann 6 oder 12 Monate
  • eine Berufsausbildung, vorzugsweise im selben Beruf, (hier gelten auch abgebrochene Ausbildungen), oder in einem artverwandten Beruf vorliegt. Die Dauer der Verkürzung hängt von der Dauer der vorangegangenen Ausbildung, bzw. deren Abschlusses ab und beträgt maximal 12 Monate
  • ein höherer schulischer Abschluss vorliegt. Der Realschulabschluss bietet maximal sechs Monate Verkürzung, Hochschul- oder Fachschulreife ermöglichen eine maximale Verkürzung von 12 Monaten.

Bringt der Antragsteller eine der Voraussetzungen mit, stehen zwei grundsätzliche Wege zur Verfügung: die Verkürzung wird bereits beim Abschluss des Ausbildungsvertrages mit dem zukünftigen Arbeitgeber vereinbart. Diese Vereinbarung wird mit dem Ausbildungsvertrag und den Kopien der Zeugnisse und Ausbildungsnachweise an die zuständige Stelle, in der Regel ist es die örtliche IHK, eingereicht. Wird der Vertrag bestätigt zurückgesandt, ist die Verkürzung Teil des Ausbildungsvertrages. Die nachträglichen Verkürzung kann formlos, muss aber schriftlich bei zuständiger Stelle eingereicht werden. Inhalt der Vereinbarung müssen Zeitangaben, Gründe und die bereits oben erwähnten Nachweise sein. Auch muss der betriebliche Ausbildungsplan im Rahmen der Kürzung geändert werden. Sobald Auszubildender und Trägerbetrieb je eine geänderte Eintragsbestätigung erhalten, ist die Vertragsänderung wirksam. In der Regel kommt eine nachträgliche Verkürzung jedoch nur bis zum Abschluss des 1. Ausbildungsjahres, spätestens jedoch zum Zeitpunkt der Zwischenprüfungen in Frage. Die vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung ist die letzte Möglichkeit zur Verkürzung der Ausbildungszeit. Dieser Weg ist der einzige, welcher keiner Vertragsänderung bedarf, steht diese nach erfolgreich absolvierter Prüfung eh in Form eines Arbeitsvertrages ins Haus.

Was ist sonst noch wichtig zu wissen?

Die Verkürzung kann zwar vom Auszubildenden initiiert werden, ist jedoch ohne Zustimmung des Ausbildungsbetriebes nicht möglich. Beide Parteien müssen mit der Verkürzung der Ausbildungszeit einverstanden sein. Auch besteht die Pflicht zur Mindestausbildungszeit, welche nicht unterschritten werden darf. Diese Mindestzeit richtet sich nach den regulären Ausbildungszeiten:

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  • eine 3,5-jährige Ausbildungszeit ist maximal auf 2 Jahre zu verkürzen
  • eine 3-jährige Ausbildungszeit ist maximal auf 1,5 Jahre zu verkürzen
  • eine 2-jährige Ausbildungszeit ist maximal auf 12 Monate zu verkürzen

Die, bis zur Antragsstellung, erbrachten Leistungen müssen ein bestimmtes Level aufweisen. Wer sich mit ach und krach gerade so über Wasser hält, darf nicht mit einer Ausbildungsverkürzung rechnen.
Stellt sich zum Abschluss noch die Frage nach „Sinn oder Un-sinn“ einer Verkürzung. Ist man sich eines zukünftigen Arbeitsplatzes sicher macht es sicher Sinn. Überlegen sollte es sich jener, welcher nach Abschluss der Lehre ohne Arbeitsplatz da steht. Ein Jahr länger „untergebracht“ zu sein, ist nicht zu verachten! Doch letztendlich ist es „wie im richtigen Leben“ – jeder muss seine Bedürfnisse, Voraussetzungen, Ziele und Chancen selbst beurteilen und dem entsprechend den nächsten Schritt machen.