Andere Länder – andere Sitten. Das Sprichwort kommt nicht von ungefähr und vermutlich hat auch beinahe jeder Urlauber schon so einige peinliche Situationen hinter sich gebracht. Das ist dann einige Jahre später für den Urlaubsschwank gut und sorgt für herzliches Gelächter. Bei einer Geschäftsreise allerdings, sollte Ihnen so etwas nicht passieren. Denn hier wird es nicht nur besonders peinlich, die Fettnäpfchen sind allgegenwärtig und können schon einmal über das Werden oder Scheitern einer Geschäftsbeziehung entscheiden. Was also müssen Sie beachten, um auch in China oder Arabien sozial zu bestehen? Welche Besonderheiten gibt es in den USA? Und wussten Sie, dass sogar bei unserem Nachbarn Frankreich nicht alles so läuft wie von Zuhause gewohnt? Hier kommt der Auslandsknigge für Ihre nächste Geschäftsreise, damit Sie galant alle Fettnäpfchen umgehen:

Inhaltsverzeichnis:
1. Verspätung und viel Essen – Herzlich Willkommen in Frankreich
2. Selbstbewusst aber nie zu ehrlich – Herzlich Willkommen in den USA
3. Körperliche Distanz und ausgeprägte Hierarchien – Herzlich Willkommen in Japan
4. Privater Smalltalk und gerne auch einmal overdressed – Herzlich Willkommen in China
5. Anrede mit Vornamen aber nicht nach der Frau fragen – Herzlich Willkommen in Arabien

Verspätung und viel Essen – Herzlich Willkommen in Frankreich

Es geht hier nicht um freche Klischees oder urdeutsche Vorurteile, denn Fakt ist: Wer in Frankreich 15 Minuten zu spät erscheint, ist immer noch pünktlich. Über die deutsche Korrektheit wird hier häufig nur geschmunzelt und wer in Paris mit dem Auto oder gar der Metro unterwegs ist, wird auch schnell verstehen weshalb. Der Treffpunkt ist dann meist in einem Restaurant. Denn wenn die Franzosen eines lieben, dann ist es das Essen. Deshalb werden geschäftliche Meetings gerne mit dem Angenehmen verbunden und Businessfragen beim Essen geklärt. Doch Vorsicht: Das bedeutet nicht, dass Sie während dem Essen direkt mit Ihrem Anliegen loslegen können. Warten Sie hierfür bis nach dem Dessert. Davor ist freundlicher Smalltalk angesagt. Hier gleichen die Franzosen übrigens stark der asiatischen Kultur: Prahlen ist ein No-Go und Widerspruch ist nicht erwünscht. Geprostet wird dann übrigens auch leise und zurückhaltend.

Damit Sie zu diesem Event im Restaurant auch richtig gekleidet erscheinen, packen viele Deutsche Ihren feinsten Anzug oder das schickste Kleid ein. Doch in Frankreich, dem Land der Mode, herrscht tatsächlich ein eher legerer Dresscode. Eine Krawatte muss nicht unbedingt sein und eine Kombination tut es indes auch. Die Jeans jedoch, wäre dann vielleicht zu viel des Guten. Wenn Sie zum Abschluss Ihr Portemonnaie zücken wollen, so lassen Sie das lieber sein. Denn bezahlt wird in Frankreich vom Gastgeber – alles andere wäre grob unhöflich.

Selbstbewusst aber nie zu ehrlich – Herzlich Willkommen in den USA

Die USA pflegt ganz eigene, ungeschriebene Gesetze und bietet dadurch zahlreiche Fettnäpfchen für die Besucher. Hinzu kommen die Erwartungen an die „deutschen Tugenden“, welche Sie als Gast unbedingt einhalten sollten. Dass Ihre Gastgeber Ihnen das gleichtun, davon können Sie allerdings nicht ausgehen. Sie wünschen ein Beispiel? Sie als Deutscher haben in den USA pünktlich zu erscheinen. Schließlich sind Sie dafür ja weltbekannt. Allerdings kann es dann gut vorkommen, dass Sie einige Minuten oder auch einmal die obligatorische Viertelstunde warten müssen. Zu früh zu sein ist nämlich wiederum auch unhöflich, weshalb die Amerikaner eher zur Unpünktlichkeit neigen. Hier müssen Sie Toleranz walten lassen. Sparen Sie sich den ironischen Kommentar oder die ungeduldige Nachfrage und versuchen Sie selbst nie mehr als fünf Minuten zu früh oder zu spät zu sein, vor allem bei Abendveranstaltungen.

A propos Abendveranstaltungen: Wenn möglich, werden geschäftliche Treffen und Ereignisse in den USA nie auf den Abend terminiert. Denn in dem eher konservativ geprägten Land, gehört der Abend der Familie. Eine Tugend, von der wir Deutschen häufig noch lernen könnten. Gibt es also keinen Ausweichtermin, so gestalten Sie das Meeting am Abend möglichst locker und ungezwungen. Laden Sie die Familien mit ein und treffen Sie sich bei einem gemütlichen Barbecue. Alkohol ist aber selbst zu der späten Stunde verpönt und wird nur in Ausnahmefällen oder zum Abschluss genossen.

Wer in den USA nicht selbstsicher und optimistisch genug auftritt, wird keine besonderen Erfolge verzeichnen können. Ebenso verhält es sich mit der, für unsere Begriffe, oft überzogenen Freundlichkeit. Doch bei all dem Optimismus und der Herzlichkeit dürfen Sie nicht vergessen, dass Tabu-Themen auch solche bleiben. Verwechseln Sie die soziale Kultur der Amerikaner nicht mit einer engen Freundschaft oder dem Freibrief auf eine Diskussion über die Politik. Was unangenehm ist, wird hier nicht angesprochen. No-Gos sind alle Themen, welche dem Gebiet Religion, Sex, Rasse oder Politik zugeordnet werden können. Der Präsident wird niemals kritisiert und der Patriotismus ist tief in der Gesellschaft verankert. Versuchen Sie es stattdessen mit freundlichem Smalltalk und etwas Charme. Wenn Sie hinterher eine Visitenkarte erhalten, so waren Sie offensichtlich erfolgreich. Denn die erhält in den USA nicht jeder. Oftmals ist sie „leider gerade ausgegangen“.

Körperliche Distanz und ausgeprägte Hierarchien – Herzlich Willkommen in Japan

In Japan hat die Gastfreundschaft einen ganz eigenen Stellenwert. Wer sich zu benehmen weiß, wird hier besonders freundlich empfangen…

…doch vor allem bei einer Geschäftsreise, lauern durch die großen Unterschiede der Kulturen für die Deutschen viele Fettnäpfchen. Besonders wichtig ist die Wahrung der körperlichen Distanz. Wo in Deutschland die Hand gereicht oder in Frankreich sogar Küsschen gegeben werden, reichen bei den Japanern häufig ein höfliches Nicken oder kleines Verbeugen. Den Schulterklopfer sparen Sie sich lieber für Ihren besten Freund auf. Am besten warten Sie einfach ab, wie sich Ihr Gegenüber verhält und tun ihm dieses nach. Nun geht es an das Überreichen der Visitenkarte. Denn in Japan wird diese nicht so knauserig hergegeben wie in den USA. Im Gegenteil: Bei einem geschäftlichen Anlass ist die Übergabe der Visitenkarte zu einem echten Ritual geworden. Diese dann aus der Hosentasche zu zücken, wäre Ihre denkbar schlechteste Reaktion. Die Visitenkarte hat in einem hochwertigen Etui in der Jackentasche verstaut zu sein und wird mit beiden Händen überreicht. Haben Sie eine erhalten, so wird sie nicht einfach eingesteckt. Sie behalten diese für einige Momente in der Hand und loben das Design, fragen interessiert nach einem Schriftzeichen oder sprechen charmant über das Aufgedruckte. Hauptsache, Sie drücken Ihren Respekt aus. Als Gast schickt es sich übrigens, noch zusätzlich ein Präsent zu überreichen. Obwohl dieses natürlich von Wert sein sollte, wird es als „wertlos“ und „unwichtiges kleines Mitbringsel“ deklariert. Die Japaner werden dieses dann ungeöffnet zur Seite legen. Wundern Sie sich nicht: Das ist kein Mangel an Freude oder Interesse. Doch wer in Japan ein Geschenk gleich öffnet oder gar unsanft aufreisst gilt als gierig.

Bevor es nun ans Geschäftsessen geht, sollten Sie mit Sicherheit wissen, wie die Hierarchie Ihrer Gastgeber lautet. Denn der ranghöchsten Person wird hier auch die meiste Aufmerksamkeit und Ehre zuteil. Bestenfalls wissen Sie darüber natürlich schon vor dem Meeting Bescheid. War das allerdings nicht so, können Sie jetzt die Visitenkarten zu Rate ziehen. Als Faustregel gilt: Je weniger Aufdruck, desto wichtiger die Person. Denn dann haben Sie zu wissen, wer vor Ihnen steht. Diese ranghöchste Person wird dann während des Essens am weitesten von der Tür entfernt platziert. Handelt es sich um ein traditionelles Restaurant mit Tatami-Matten, so nehmen Sie im Schneidersitz Platz. Da hier die Schuhe ausgezogen werden, sollten Sie saubere und gut riechende Socken tragen. Löcher sind ein echter Fauxpas.

Ihr Aussehen wie Ihr Benehmen haben in Japan makellos zu sein. Die Kleidung enstpricht der 1A-Qualität, der Anzug sollte möglichst teuer und selbst das Reisegepäck einer bekannten Marke zuordenbar sein. Harmonie und Freundlichkeit stehen an oberster Stelle. Konflikte werden ebenso vermieden wir direkte Komplimente. Fragen Sie um Rat – ein größeres Kompliment können Sie kaum machen und schon hinterlassen Sie gewiss einen guten Eindruck.

Privater Smalltalk und gerne auch einmal overdressed – Herzlich Willkommen in China

Während sich die Begrüßung in China kaum von der japanischen Variante unterscheidet, wird noch größerer Wert auf die Kleidung gelegt. Sie drücken Wertschätzung Ihres Gegenübers aus, wenn Sie sich extra für ihn in teure Markenkleidung werfen. Da lässt der ein oder andere Chinese sogar häufig einmal das Markenschild hängen. In Deutschland wäre das undenkbar, kommen Sie aber nicht auf die Idee den Träger darauf anzusprechen. Ein Anzug muss in China übrigens unbedingt dunkel sein, bestenfalls schwarz. Denn Weiß trägt man in der chinesischen Kultur auf Beerdigungen.

Während das Essen selbst in China keinen großen Stellenwert einnimmt und meist schnell eingenommen wird, gestaltet sich der Smalltalk ungewohnt privat. Es ist sehr höflich, sich nach der Familie oder den Kindern zu erkundigen. Selbst das Gehalt wird gerne thematisiert. Führen Sie Ihre Antworten aber ruhig und gelassen aus. Hektische und ausladende Bewegungen, wie sie vor allem in südlichen Ländern üblich sind, sind hier ungerne gesehen. Zudem wird die Stimme gesenkt und leise gesprochen. Laut oder gar emotional werden – in China an absolutes No-Go.

Übrigens: Bringen Sie bloß niemals Blumen mit zu einer Einladung. Denn diese Gelten in China als Unglücksboten. Ebenso verhält es sich mit allem, was nur entfernt mit der Unglückszahl Vier in Verbindung gebracht werden könnte. Am besten wählen Sie teure Markenpralinen oder traditionelle Süßigkeiten.

Anrede mit Vornamen aber nicht nach der Frau fragen – Herzlich Willkommen in Arabien

Während in China die Frage nach der Familie als höflich gilt, wird in den arabischen Ländern nicht nach der Frau gefragt. Wenn Sie privaten Smalltalk führen möchten, so fragen Sie nach den Kindern Ihres Gegenübers, bestenfalls nach den Söhnen. Begegnen Sie einer Frau, so meiden Sie jeglichen Körperkontakt. Während dem Mann die Hand gegeben und anschließend die Visitenkarte überreicht wird, können Sie seiner Frau ein höfliches Kopfnicken zukommen lassen. Streckt die Frau Ihnen allerdings die Hand entgegen, so gehen Sie natürlich auf die Geste ein. Ansonsten werden Frauen in der Regel nicht in das Gespräch einbezogen oder weiter beachtet – in den arabischen Ländern ein Zeichen des Respekts. Den Mann hingegen können Sie, sofern es vormacht, mit dem Titel und Vornamen ansprechen. Das ist durchaus üblich und entspricht nicht unserem heimischen Duzen.

Egal wie warm es ist – der Anzug und die Krawatte sind Pflicht. Weder Männer noch Frauen dürfen zu viel Haut zeigen. In Saudi-Arabien haben auch nicht heimische Frauen das traditionelle Gewand zu tragen. Schlussendlich achten Sie bitte darauf, zum Essen, zum Überreichen der Visitenkarte sowie auch für jeden körperlichen Kontakt mit Ihrem Gegenüber die rechte Hand zu verwenden. Die linke gilt in der heimischen Kultur nämlich als unrein. Und noch etwas: „Ja“ heißt in Arabien nicht wirklich „Ja“…legen Sie also nicht jedes Wort auf die Goldwaage.

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