Für Rollstuhlfahrer, andere bewegungseingeschränkte oder blinde Arbeitnehmer ist ein barrierefreier Arbeitsplatz eine unverzichtbare Voraussetzung, um ihrer Beschäftigung nachzugehen. 

Menschen mit Behinderungen sind in vielen Unternehmen verantwortlich in den Arbeitsalltag integriert und meistern ihre Aufgaben häufig mit viel Pflichtgefühl. Damit sie sich so entfalten können, wie es ihren Talenten entspricht, muss ihr Arbeitsplatz entsprechend gestaltet sein.

Büroplätze für Arbeitnehmer im Rollstuhl

Das Leben und die Arbeit vom Rollstuhl aus zu meistern, bedeutet für manchen tagtäglich viel Kraft und Disziplin. Kollegen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, verblüffen oft durch ihren Pragmatismus und ihre Kreativität beim Aufzeigen neuer Lösungswege. Wer sich in seinem eigenen Leben zu behelfen gelernt hat, ist bei Arbeitgebern häufig sehr gefragt. Insofern ist die Beschäftigung eines Mitarbeiters mit Handicap nicht nur eine sozial wünschenswerte Tat, sondern durchaus lohnend für das Unternehmen.

Um einen barrierefreien Arbeitsplatz zu schaffen, müssen allerdings einige Vorgaben beachtet und eingehalten werden:

Fast 100 % der körperlich beeinträchtigten Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten im Büro. Daher verlangt das Baurecht ausdrücklich, Neubauten von Bürogebäuden grundsätzlich barrierefrei zu gestalten. Dieser anfängliche Mehraufwand macht spätere bauliche Anpassungen unnötig und spart letztendlich Kosten. Die bestehenden Vorschriften für die Planung eines neuen Gebäudes sind auch eine Orientierungshilfe für diejenigen, die ein älteres Bauobjekt behinderten- und rollstuhlgerecht nachzurüsten haben.

  • Rampen: Schon drei Zentimeter hohe Schwellen können für einen Rollstuhl schwer zu überwinden sein. Sind Stufen auf dem Weg zum Arbeitsplatz vorhanden, werden Rampen benötigt, die kein Quergefälle besitzen und eine Steigung von maximal 6% aufweisen. Sie müssen die nötige Breite zum Rangieren haben und aus Sicherheitsgründen beidseitig mit Handläufen sowie Radabweisern versehen sein.
  • Fahrstühle: Sollten Rampen aus Platzgründen nicht möglich sein, können Höhenunterschiede mithilfe von Treppenliften, Aufzügen oder Hebeplattformen von den Rollstuhlfahrern überwunden werden. Für Fahrstühle sind Maße von 1,10 m Breite und 1,40 m Tiefe vorgeschrieben. Für die Türen der Aufzüge gilt wie für alle Gebäudetüren eine lichte Breite von 90 cm als Maß aller Dinge.
  • Bodenbeläge: Jeder Bodenbelag muss rutschhemmende und antistatische Eigenschaften haben und fest verlegt sein. Unverstellte Flächen in allen Räumen, insbesondere hinter den Schreibtischen, von 1,50 x 1,50 m entsprechend dem Wenderadius eines Rollstuhls sind erforderlich. Am Arbeitsplatz des Rollstuhlfahrers muss ebenfalls ein rutschhemmender Bodenbelag vorhanden sein.
  • Flurbreite: Bei Fluren oder Korridoren von mehr als 15 m Länge wird eine Breite von mindestens 1,80 m verlangt, damit zwei Rollstühle aneinander vorbeikommen können.
  • Sanitärbereiche: Je nach Anzahl der infrage kommenden Mitarbeiter muss eine ausreichende Anzahl rollstuhlgerechter Sanitär- und Sozialräume eingeplant werden.
  • Außenbereiche: Pkw-Stellplätze in der Nähe des Gebäudeeinganges sind unerlässlich. Sie müssen so bemessen sein, dass das Ein- und Ausladen eines Rollstuhls ohne räumliche Einschränkungen gelingen kann.

Wie ein barrierefreier Büroplatz auszustatten ist

Ganz wichtig: Er muss ausreichend Platz für die Bewegungsfreiheit und die im Arbeitsalltag notwendigen Wendemanöver des Rollstuhlfahrers bieten. Bei der Auswahl des Schreibtisches ist zu berücksichtigen, dass dieser nicht zu tief sein darf, jedoch in ausreichender Breite unterfahrbar zu sein hat. Schränke und andere Aufbewahrungsmöbel sollten aufgrund der eingeschränkten Greifmöglichkeiten zwischen 0,40 und 1,40 m hoch sein. Auch Schalter und Geräte wie Kopierer und Drucker sollten so aufgestellt werden, dass sie aus einer Sitzposition heraus zu erreichen und zu bedienen sind.

Die Bedingungen, die für einen barrierefreien Arbeitsplatz gelten, sind in allen übrigen Räumen ebenfalls zu berücksichtigen, damit sich Rollstuhlfahrer ohne Fremdhilfe in die Sozial- und Besprechungsräume begeben können und ungehinderten Zugang zu den Toiletten und Waschräumen erhalten. Nicht zuletzt kommen die unterschiedlichen Maßnahmen, die im Sinne der Barrierefreiheit getroffen werden, unter ergonomischen Aspekten auch den Mitarbeiten zugute, die nicht im Rollstuhl sitzen. Fühlen sich alle Kollegen wohl und können ungehindert und problemlos arbeiten, wird es auch keine Barrieren im Miteinander des Arbeitsalltags geben.

Zusatzinfo: Die Arbeitsplätze für blinde und sehbehinderte Mitarbeiter erfordern zusätzliche Sonderausrüstungen. Dazu gehören in der Regel je nach Jobanforderung eine 80er Braille-Zeile mit Telefon- und Statusmodul (Braille = Blindenschrift), ein ScreenReader, ein Beta-Braille-Drucke sowie ein LCD-Farbmonitor von 21,3 Zoll, Vergrößerungssoftware, Bildschirm-Zoom, ein DIN-A-3-Scanner sowie Kopfhörer. Als bewährtes mobiles Werkzeug und Hilfsmittel gilt auch ein sogenannter Blindenorganizer für Gesprächsnotizen sowie geschäftliche und private Terminerfassung.

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