14.4. Beschäftigung von Altersrentnern

Die abschlagsfreie Altersrente mit 63 ist beschlossen und einige Tausend Arbeitnehmer werden wohl davon Gebrauch machen. Nicht so Rudi Rüstig, geboren am 08.05.1948, verheiratet, wohnhaft Einsteinstraße 35 in 63741 Aschaffenburg. Der erfahrene Techniker und Fachmann für hydraulische Pressen kann es einfach nicht lassen. Als sein Arbeitgeber im Frühjahr 2013 an ihn herantrat und das bevorstehende betriebliche Ausscheiden bedauerte, zögerte Rudi Rüstig nicht lange und sagte zu, noch „ein Jährchen dranzuhängen“. Neben seiner Altersrente bezieht er seither ein Gehalt von 1.500,00 € „bei freier Zeiteinteilung“, wie er mit seinem Chef per Handschlag vereinbart hat.

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So viel zur erfundenen Vorgeschichte, die aber durchaus zukünftig häufiger Realität werden könnte. Für eine korrekte Lohn- und Gehaltsabrechnung sind dabei einige Besonderheiten zu beachten.

14.4.1. Steuerrechtliche Besonderheiten bei der Beschäftigung von Altersrentnern

Zu berücksichtigen ist zum Einen ein Altersentlastungsbetrag, ein Steuerfreibetrag, der einem Steuerpflichtigen gewährt wird. Dem Einkommensteuergesetz – EStG – ist aus § 24a die Definition des Altersentlastungsbetrages zu entnehmen:

Der Altersentlastungsbetrag ist bis zu einem Höchstbetrag im Kalenderjahr ein nach einem Prozentsatz ermittelter Betrag des Arbeitslohns und der positiven Summe der Einkünfte, die nicht solche aus nichtselbständiger Arbeit sind. Bei der Bemessung des Betrags bleiben außer Betracht:

1. Versorgungsbezüge im Sinne des § 19 Absatz 2;
2. Einkünfte aus Leibrenten im Sinne des § 22 Nummer 1 Satz 3 Buchstabe a;
3. Einkünfte im Sinne des § 22 Nummer 4 Satz 4 Buchstabe b;
4. Einkünfte im Sinne des § 22 Nummer 5 Satz 1, soweit § 52 Absatz 34c anzuwenden ist;
5. Einkünfte im Sinne des § 22 Nummer 5 Satz 2 Buchstabe a.

Der Altersentlastungsbetrag wird einem Steuerpflichtigen gewährt, der vor dem Beginn des Kalenderjahres, in dem er sein Einkommen bezogen hat, das 64. Lebensjahr vollendet hatte. Im Fall der Zusammenveranlagung von Ehegatten zur Einkommensteuer sind die Sätze 1 bis 3 für jeden Ehegatten gesondert anzuwenden. Der maßgebende Prozentsatz und der Höchstbetrag des Altersentlastungsbetrags sind der nachstehenden Tabelle zu entnehmen:

Das auf die Vollendung des 64. Lebensjahres folgende Kalenderjahr ist im Falle von Rudi Rüstig das Jahr 2013, für das ein Altersentlastungsbetrag in Höhe von 27,2 % der Einkünfte, höchstens 1.292,00 € zu berücksichtigen ist, wobei pauschal besteuerter Arbeitslohn, steuerfreie Einkünfte und Versorgungsbezüge nicht in die Bemessungsgrundlage einfließen.

Die im konkreten Fall errechneten 107,66 € pro Monat werden wie ein auf der Lohnsteuerkarte eingetragener bzw. in der ELStAM-Datei hinterlegter Freibetrag behandelt und vom zu versteuernden Brutto abgezogen. Zum Anderen ist die Besondere Lohnsteuertabelle für Arbeitnehmer heranzuziehen, die in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht (mehr) versicherungspflichtig sind und denen daher eine geringere Vorsorgepauschale zusteht als anderen Arbeitnehmern. Dass in diesem Zusammenhang eine private Einkommensteuererklärung erforderlich ist, versteht sich von selbst.

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14.4.2. Sozialversicherungsrechtliche Besonderheiten bei der Beschäftigung von Altersrentnern

Von der nicht mehr bestehenden Rentenversicherungspflicht ist im vorherigen Absatz die Rede. D. h. im Rahmen der Brutto-Nettolohnabrechnung sind die Komponenten der Sozialversicherung betreffend einige weitere Besonderheiten zu beachten, sofern das Arbeitsentgelt die Geringfügigkeitsgrenze von 450,00 € überschreitet.

Diese Besonderheiten listen wir für das Online-Seminar Lohn und Gehalt in Tabellenform auf:

Beiträge zur RentenversicherungArbeitgeberanteilArbeitnehmeranteil
AltersteilrenteJaJa
AltersvollrenteJaNein
Beiträge zur ArbeitslosenversicherungArbeitgeberanteil  Arbeitnehmeranteil
AltersteilrenteJaJa bis zum Erreichen des Anspruchs auf Regelaltersrente
AltersvollrenteJaJa bis zum Erreichen des Anspruchs auf Regelaltersrente
Beiträge zur Krankenversicherung ohne Berücksichtigung der BBG Ermäßigter Beitragssatz in Höhe von 14,90 % (7,00 % AG, 7,90 % AN) Arbeitnehmeranteil
AltersteilrenteJaJa
AltersvollrenteJaJa
Beiträge zur Pflegeversicherung
AltersteilrenteJaJa
AltersvollrenteJaJa

 

14.4.3. Beispiel für eine Brutto-Nettolohnabrechnung eines Altervollrentners

Schauen wir uns im Online-Seminar Lohn und Gehalt dazu wieder ein konkretes Beispiel aus der Praxis an, nämlich die Lohn- und Gehaltsabrechnung von Rudi Rüstig und das entsprechende Lohnjournal mit den zusätzlichen Arbeitgeberbeiträgen: Vorher werfen wir jedoch erst noch einen Blick auf die von uns erfassten Personalstammdaten, die mit den unten gezeigten Beitragsgruppenschlüsseln eine korrekte Abrechnung gewährleisten und die auf der Brutto-Nettolohnabrechnung als SV-Schlüssel so erscheinen.

Lohnabrechnung Altervollrentners

Als Altervollrentner fallen für Rudi Rüstig keine Beiträge zur Rentenversicherung mehr an, wohl aber der Arbeitgeberanteil (141,75 € entsprechen 9,45 %), im Rahmen der Krankenversicherung entsprechen 118,50 € Arbeitnehmeranteil 7,90 % bzw. 105,00 € dem Arbeitgeberabteil von 7,00 %. Und den Wegfall des Arbeitnehmeranteils zur Arbeitslosenversicherung finden wir auch, denn 22,50 €, entsprechend 1,50 %, trägt nur noch der Arbeitgeber.

Für Bezieher von vorgezogenen Altersrenten gelten Hinzuverdienstgrenzen, Das erzielte Arbeitsentgelt kann daher Auswirkungen auf die Höhe der gezahlten Rente haben. Für die vom Arbeitgeber durchgeführte Brutto-Nettolohnabrechnung sind diese Sachverhalte jedoch ohne Bedeutung, da sie das eigentliche Arbeitsverhältnis als solches nicht berühren.

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