Weiter geht es beim Online-Seminar Lohn und Gehalt auf der Webseite von Arbeits-ABC.de, vereehrte Leserinnen und Leser!

Anzeige

Hier müssen Sie sich nicht erst anmelden, die Teilnahme erfolgt zu jeder Zeit, absolut freiwillig und für alle Interessenten vollkommen kostenfrei! Alle bisherigen Themen können von Ihnen selbstverständlich zurückverfolgt und nachgelesen werden, ein Einstieg ist somit jederzeit möglich. Und wenn Ihnen das Lesen oder Nachvollziehen der Beiträge halb viel Freude bereitet wie dem Autor das Verfassen selbiger, macht das Aneigenen von Wissen doch doppelt Spaß, oder?

13.1. Rechtliche Grundlagen der Gleitzonenregelung

Eine ganze Reihe Sachverhalte in der Lohn- und Gehaltsabrechung haben wir Ihnen im Rahmen des Online-Seminars Lohn und Gehalt bislang vorgestellt und mittels der entsprechenden Brutto-Nettolohnabrechnungen hoffentlich einleuchtend und nachvollziehbar erläutert. Heute wenden wir uns der Gleitzonenregelung zu, die wir Ihnen in einem ersten Schritt vorstellen werden und die zweitens für manchen bisherigen Minijobber u. U. eine aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht durchaus überdenkenswerte Alternative darstellen kann.

Bei Anwendung der Gleizonenregelung wird auch vom “Midi-Job” gesprochen. § 20 Abs. SGB IV liefert uns wiederum die rechtliche Grundlage dafür:

§ 20 Aufbringung der Mittel, Gleitzone

(1) Die Mittel der Sozialversicherung einschließlich der Arbeitsförderung werden nach Maßgabe der besonderen Vorschriften für die einzelnen Versicherungszweige durch Beiträge der Versicherten, der Arbeitgeber und Dritter, durch staatliche Zuschüsse und durch sonstige Einnahmen aufgebracht.
(2) Eine Gleitzone im Sinne dieses Gesetzbuches liegt bei einem Beschäftigungsverhältnis mit einem daraus erzielten Arbeitsentgelt von 450,01 Euro bis 850,00 Euro im Monat vor, das die Grenze von 850,00 Euro im Monat regelmäßig nicht überschreitet; bei mehreren Beschäftigungsverhältnissen ist das insgesamt erzielte Arbeitsentgelt maßgebend.

Gäbe es diese Regelung nicht, würde der Arbeitnehmer ab dem genannten Betrag von 450,01 € unmittelbar mit allen anfallenden Beiträgen zur Sozialversicherung in voller Höhe belastet. D. h., für den Arbeitnehmer soll ein Wechsel von einem sozialversicherungsfreien geringfügigen in ein versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis attraktiver gemacht und die sogenannte “Teilzeitmauer” durchbrochen werden. Die Gleizonenregelung zeichnet sich demnach dadurch aus, dass der Arbeitnehmer selbst einen reduzierten Beitragsanteil in der Sozialversicherung zahlt, der erst mit Erreichen der 850,00 €-Grenze zu einer vollen Belastung führt. Für die Mathematiker unter den Leserinnen und Lesern des Online-Seminars Lohn und Gehalt soll gerne für die manuelle Berechnung der anteilig steigenden Sozialversicherungsbeiträge die entsprechende Formel erwähnt werden:

F * 450 + ([850/(850-450)] – [450/(850-450)] * F) * (Arbeitsentgelt – 450)

Anzeige

Dabei ist “F” ist ein Faktor, der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales jedes Jahr im Bundesanzeiger bekanntgegeben wird. Er ergibt sich aus der Summe der Pauschalabgaben bei geringfügig entlohnter Beschäftigung geteilt durch den Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz. Der Faktor hat für 2015 den Wert von 0,7585. Verkürzt lautet die Gleitzonenformel: 1,2716875 * Arbeitsentgelt – 230,934375.

Wenn seit dem 01.01.2013 eine neue Verdienstgrenze von 450,01 € bis 850,00 € monatlichlich für die Anwendung der Gleizonenregelung gilt, muss in diesem Zusammenhang die Frage gestellt werden, wie es sich mit solchen Arbeitsverhältnissen verhält, die bereits vorher bestanden haben. Hierfür schuf der Gesetzgeber Bestandsschutz- und Übergangsregelungen. Für Beschäftigte, die vor dem 01.01. 2013 in der Gleitzone über 400,00 € bis 450,00 € beschäftigt waren, galt die frühere Gleitzonenregelung bis zum 31.12.2014 weiter. Für Beschäftigte, die vor dem 01.01. 2013 ein Arbeitsentgelt oberhalb der Gleitzone von 800,00 € bis 850,00 € erzielten, blieb es bei der Anwendung des bis dahin geltenden Rechts.Allerdings konnten Arbeitnehmer bis zum 31.12. 2014 die Anwendung der neuen Gleitzonenregelung wählen.

Die Gleitzonenregelung ist übrigens nicht auf Auszubildende anzuwenden! Bei diesen ist ggf. aber die hier im Online-Seminar Lohn und Gehalt bereits besprochene Geringverdienergrenze zu beachten. Über weitere Einschränkungen hinsichtlich der Anwendung der Gleitzonenregelung informiert Sie die Deutsche Rentenversicherung Bund. Hier für Interessierte der unmittelbare Link dorthin: www.deutsche-rentenversicherung.de

13.2. Sozialversicherungsrechtliche Bedeutung der Gleitzonenregelung für den Arbeitnehmer

Vereinfacht gesagt: 1 Cent entscheidet, ob ein Arbeitnehmer durch den Sprung vom Minijob in die Gleitzone in den “Genuss” von Leistungen der verschiedenen Zweige der Sozialversicherung kommt oder nicht. Korrekterweise betrifft diese Frage nur solche Arbeitnehmer, die etwa als Alleinstehende über keine anderen Einkünfte aus einer beruflichen Tätigkeit verfügen. Bekanntlich besteht seit dem 01.01.2009 für alle Personen in Deutschland eine Krankenversicherungspflicht unabhängig von der Berufs- bzw. Personengruppe (also Angestellte, Selbständige, Beamten, Studenten oder Rentner). Als Arbeitnehmer mit einer Teilzeit- oder Vollzeitstelle und einem Minijob oder als Familienangehöriger in einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis ist die Krankenversicherungspflicht entsprechend gegeben.

Lässt sich auf einen Arbeitnehmer die Gleizonenregelung anwenden, erwirbt dieser bereits mit seinen eigenen und je nach Höhe des erzielten Arbeitsentgeltes ja sehr geringen Beiträgen einen vollen Schutz in der Kranken- und Pflegeversicherung. Weiterhin hat er Anspruch auf Krankengeld nach Ablauf der sechswöchigen Entgeltfortzahlungspflicht durch den Arbeitgeber sowie Arbeitslosengeld bezogen auf das tatsächlich erzielte Arbeitsentgelt.

Die Rentenversicherung betreffend erwirbt der Arbeitnehmer jedoch nur Ansprüche aus der reduzierten Bemessungsgrundlage mit den damit verbundenen rentenmindernden Auswirkungen, auf die er jedoch durch eine schriftliche Erklärung gegenüber dem Arbeitgeber verzichten kann. D. h., er erklärt, dass der Beitragsberechnung als beitragspflichtige Einnahme das tatsächliche Arbeitsentgelt zu Grunde gelegt werden soll.

Sie gilt nur für die Zukunft und einheitlich bei allen Arbeitgebern, etwa dann, wenn die Gleitzonenregelung bei mehreren geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen anzuwenden ist, die in der Summe die Verdienstgrenze von 450,00 € überschreiten.

 

13.3. Beispiel für eine Brutto-Nettolohnabrechnung nach der Gleitzonenregelung

Wir unterstellen, dass unsere Mustermitarbeiterin Manuela Minijob allein erziehend ist und ein minderjähriges Kind in ihrem Haushalt lebt, für das ihr ein halber Kinderfreibetrag zusteht. (Hinweis: Diese Angaben sind grundsätzlich für den Lohnsteuerabzug von Bedeutung und werden in der EDV-gestützten Lohnabrechnung in den Personalstammdaten hinterlegt. Weil in diesem Beispiel der steuerliche Grundfreibetrag von (derzeit noch) 8.354,00 € nicht überschritten wird, und auch der Arbeitgeber den Fahrtkostenzuschuss pauschal versteuert, bleibt die Angabe ohne Bedeutung für die Abrechnung nach der Gleitzonenregelung.) Sie übt bislang einen Minijob aus, der eine Arbeitszeit von 52 Stunden monatlich umfasst; ihr Stundenlohn beträgt 8,50 €. Die Arbeitszeit verteilt sich auf 8 Tage zu je 6,5 Stunden. Der Arbeitgeber zahlt Frau Minijob zusätzlich einen Fahrtkostenzuschuss von 12,00 €, den dieser pauschal versteuert. Auf eine Befreiung von der Rentenversicherungspflicht hat sie verzichtet.

Über diese Abrechnung müssen wir im Online-Seminar Lohn und Gehalt nicht viele Worte verlieren, entspricht sie grundsätzlich den bereits bekannten. Zusätzlich haben wir hier einen Fahrtkostenzuschuss durch den Arbeitgeber im Sinne von Kap. 12.1.2. eingebaut, der zwar das Gesamtbrutto auf über 450,00 € ansteigen lässt, aber nichts am Wesen der geringfügigen Beschäftigung als solcher ändert.

Nehmen wir nun an, Frau Minijob erhielte von ihrem Arbeitgeber das Angebot, acht Stunden mehr im Monat bei gleichem Stundenlohn und entsprechendem höherem Fahrtkostenersatz zu arbeiten. Mit 510,00 € brutto läge sie nun über der Grenze eines geringfügigen Beschäftigungsverhältnisses und die Gleitzonenregelung wäre anzuwenden.

Hinsichtlich der Angaben zur Sozialversicherung wird aus der Minijobberin eine “normale” sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmerin, die, was Beiträge zur Sozialversicherung betrifft, in allen Bereichen versicherungspflichtig wird. Die Bedeutung der zu hinterlegenden Beitragsgruppenschlüssel entnehmen Sie bitte Kap. 5.4.2. des Online-Seminars Lohn und Gehalt. Um die bei Erreichen der 450,01 € Grenze geringeren Arbeitnehmeranteile zu berücksichtigen wird das verwendete Lohn- und Gehaltsabrechnungsprogramm angewiesen, Formel gesteuert die Beiträge zu berechnen. Bei der für diese Musterabrechnungen verwendeten Software erfolgt dies durch Bestätigen der Vorgabefelder “Niedriglohnkennzeichen mit Gleitzonenprüfung” und ggf. dem “Verzicht auf die Gleitzonenregelung in der RV”.

Sehen wir uns diese Brutto-Nettolohnabrechnung genauer an. Mit welchen prozentualen Abzügen wird Frau Minijob durch Anwendung der Gleitzonenregelung belastet?

Krankenversicherung:ca. 5,4 % (statt 8,2 %) von 510,00 €
Pflegeversicherung:ca. 0,75 % (statt 1,175 %) von 510,00 €
Arbeitslosenversicherung:ca. 0,95 % (statt 1,5 %) von 510,00 €
Rentenversicherung:genau 9,35 % von 510,00 €, wenn wie in unserem Fall auf die Anwendung der Gleizonenregelung verzichtet wurde und damit der volle Arbeitnehmeranteil fällig wird.

 

Gegenüber einer Tätigkeit als Minijobberin bekommt unsere Mustermitarbeiterin trotz eines höheren Bruttoverdienstes zwar nur geringfüg mehr ausgezahlt, erwirbt jedoch dadurch alle Ansprüche und Rechte aus den Zweigen der Sozialversicherung wie jede(r) andere Teilzeitmitarbeiter bzw. Teilzeitmitarbeiterin auch.

weiter: Beschäftigung von Schülern, Studenten und Praktikanten

>> Inhaltsverzeichnis Online-Seminar Lohn und Gehalt mit Musterabrechnungen <<