Auch, wenn in den Medien gerne propagiert wird, Sie sollen sich einen Job suchen, der Ihnen Spaß macht und in welchem Sie einen tieferen Sinn sehen – im Endeffekt gehen die meisten Personen doch in erster Linie des Geldes wegen Tag für Tag zur Arbeit. Oder würden Sie mit einem siebenstelligen Betrag auf dem Konto immer noch (gleich viel) arbeiten? Wieso also ist es verrufen, einen Beruf aufgrund der finanziellen Perspektiven zu wählen? Diese sollten zwar nicht der einzige Entscheidungsfaktor sein, durchaus aber ein wichtiger. Wir verraten Ihnen deshalb heute, in welchen Branchen Arbeitnehmer in Deutschland am meisten verdienen.

In welchen Branchen Arbeitnehmer in Deutschland am meisten verdienen
Bildnachweis: iStock.com/starfotograf

Inhalt
1. Geld vs. Spaß – Was ist bei der Berufswahl wichtiger?
2. Welche Arbeitnehmer verdienen in Deutschland am besten?
3. Nicht nur die Berufswahl ist für den Verdienst ausschlaggebend
4. Fazit: Sollten Sie männlicher Pilot in Westdeutschland sein?

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Geld vs. Spaß – Was ist bei der Berufswahl wichtiger?

Vor allem die junge Generation Y legt angeblich mehr Wert auf den Spaß und Sinn ihrer Arbeit als auf den finanziellen Outcome. Wenn Sie einmal ausrechnen, wie viel Ihrer wertvollen Lebenszeit Sie am Arbeitsplatz verbringen, ist das auf jeden Fall keine schlechte Devise. Doch sollten Sie den finanziellen Aspekt wirklich ganz außer Acht lassen? Nein! Denn ein Beruf kann Ihnen noch so viel Spaß machen – wenn Sie und Ihre Familie sprichwörtlich am Hungertuch nagen und trotz Vollzeitjob jeden Cent zweimal umdrehen müssen, werden die ständigen Geldsorgen Ihr persönliches Glück auf Dauer überschatten.

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Geld macht tatsächlich glücklich, wenn auch nur für den Moment und unter gewissen Voraussetzungen. Wenn Sie der Ansicht sind, Glück könne man sich nicht kaufen, geben wir Ihnen nur unter Vorbehalt recht. Tatsächlich können Sie sich viele Dinge im Leben, die glücklich machen, nicht kaufen – eine intakte Familie beispielsweise, Liebe oder Gesundheit. Zudem haben materielle Dinge wie die Villa am See oder der Lamborghini in der Garage deutlich weniger Einfluss auf Ihr Lebensglück, als Sie vielleicht denken. Was Sie sich aber vom Geld kaufen können, sind zum Beispiel unvergessliche Erlebnisse – sei es alleine, mit Freunden oder der Familie. Und dadurch kaufen Sie sich in der Tat ein Stückchen Glück.

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Gleichzeitig bringt es Ihnen aber nichts, sich Tag für Tag an einen Arbeitsplatz zu schleppen, vor welchem es Ihnen graut, wo Ihre Tätigkeit jeder Faser Ihrer Moral widerspricht oder wo Sie sich zu Tode langweilen – oder besser gesagt ins Boreout.

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Wer zwar viel verdient, dafür aber dauerhaft unglücklich in seinem Job ist oder sogar gegen eigene Werte verstößt, setzt über kurz oder lang seine Gesundheit aufs Spiel. Es handelt sich also um ein komplexes Thema, denn auch der Verdienst trägt einen großen Teil zur Zufriedenheit mit dem Beruf bei, schließlich geht es um Dinge wie Wertschätzung, finanzielle Freiheit & Co.

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Wir sprechen demnach von einem Ei-Henne-Problem. Im besten Fall handelt es sich bei Ihrer Berufswahl nicht um ein Entweder-oder, sondern Sie haben Spaß in Ihrem Job und dennoch ausreichend Geld zum Leben – oder vielleicht sogar ein bisschen mehr. Ansonsten müssen Sie selbst entscheiden, was Ihnen schlussendlich wichtiger ist.

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Welche Arbeitnehmer verdienen in Deutschland am besten?

Das Statistische Bundesamt kann Ihnen jedenfalls die Frage beantworten, in welchen Berufen deutsche Arbeitnehmer am besten verdienen. So lag der monatliche Bruttodurchschnittsverdient von Vollzeitbeschäftigten im Jahr 2014 bei 3.441 Euro. Dies ergibt einen durchschnittlichen Stundenlohn von 16,97 Euro. Wie das aber so ist mit den Durchschnittswerten, liegt die Wahrheit bei den meisten Menschen weit darunter oder in Ausnahmefällen auch weit darüber. So verzeichneten rund zwei Drittel der Bevölkerung einen schlechteren als diesen Durchschnittsverdienst, während nur rund ein Drittel mehr mit nach Hause nimmt – aber gleich so viel mehr, dass diese Arbeitnehmer den Durchschnitt extrem anheben.

Arm bleibt arm. Reich wird noch reicher.

Als „Besserverdiener“, sprich die zehn bestverdienenden Prozent der deutschen Arbeitnehmer, gelten in der Publikation aus dem Jahr 2017 all jene Einkommensbezieher mit einem Stundenlohn von 31 Euro brutto oder mehr. Es scheint also zu stimmen: Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Besonders Fach- und Führungskräfte verdienen natürlich besonders gut.

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Doch nicht nur die hierarchische Stellung, sondern auch die Branche an sich ist ausschlaggebend für die Höhe des Einkommens. So sind die bestverdienenden Arbeitnehmer in Deutschland laut Statistischem Bundesamt wenig überraschend

  • Piloten und
  • Human- sowie
  • Zahnmediziner.

Während sich die Ärzte über einen überdurchschnittlichen Bruttostundenlohn von 41,21 Euro freuen können, sind es bei Piloten sogar 61,02 Euro. Am mitunter schlechtesten verdienen hingegen Friseure und Kosmetiker mit 9,05 Euro sowie Restaurantfachkräfte und Kellner mit durchschnittlichen 9,16 Euro brutto pro Stunde. Wer also einen Sinn darin sieht, kranken Menschen zu helfen oder Reisende um die ganze Welt zu fliegen – und dabei auch noch Spaß hat – hat den Jackpot gewonnen, wenn es um die Berufswahl geht.

Nicht nur die Berufswahl ist für den Verdienst ausschlaggebend

Dennoch ist die Ausbildung nicht der einzige Faktor, welcher über ein über- oder unterdurchschnittliches Einkommen entscheidet. Wie bereits erwähnt, trägt auch die hierarchische Position dazu bei. Zudem präsentiert die Publikation des Statistischen Bundesamtes folgende Ergebnisse:

  • Zu den Geringverdienern gehören hinsichtlich des Stundenlohns vor allem geringfügig Beschäftigte sowie Arbeitnehmer ohne Berufsausbildung.
  • Betroffen sind in etwa 27 Prozent der Arbeitnehmerinnen, aber nur 16 Prozent der Arbeitnehmer.
  • Alles in allem verdienen rund 21 Prozent der deutschen Arbeitnehmer weniger also 10 Euro brutto pro Stunde.
  • Niedrigverdiener sind demnach 9,7 Prozent der Normalarbeitnehmer/innen ohne Auszubildende, 42,2 Prozent der atypisch Beschäftigten, 48,2 Prozent der Teilzeitarbeitsverhältnisse, 39,6 Prozent der Zeitarbeiter/innen, 64,9 der geringfügig Beschäftigten sowie 33,9 Prozent bei befristet Beschäftigten.

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  • Niedriglohn beziehen ganze 45,8 Prozent der 15- bis 24-Jährigen – ohne Auszubildende. Bei den 25- bis 34-Jährigen sind es nur noch 20,3 Prozent, bei den 35- bis 44-Jährigen 17,7 Prozent, bei den 45- bis 54-Jährigen 17,6 Prozent und bei den 55- bis 64-Jährigen mit 20 Prozent wieder etwas mehr. Das ergibt einen Altersdurchschnitt der Geringverdiener von 21,4 Jahren. Mit entsprechenden Aus- und Weiterbildungen oder einem hierarchischen Aufstieg scheinen die Zukunftsperspektiven der jungen Geringverdiener also durchaus gut zu sein.
  • Noch beziehen zwar in den neuen Bundesländern deutlich mehr Personen einen Niedriglohn als in Westdeutschland, doch haben sich die Werte von rund 35 Prozent zu 21 Prozent seit dem Jahr 2014 um zwei Prozentpunkte angenähert.
  • Gleichzeitig gibt es aber mit ebenfalls 21 Prozent in den alten Bundesländern fast doppelt so viele Besserverdiener als in den neuen.
  • Im Jahr 2015 bezogen rund 1,9 Millionen deutsche Arbeitnehmer den Mindestlohn. Dieser wurde zu Beginn des Jahres 2017 von 8,50 Euro auf 8,84 Euro brutto pro Stunde angehoben – mit der Ausnahme von laufenden Verträgen oder branchenspezifischen Mindestlöhnen. So bezogen im Jahr 2015 immer noch rund eine Millionen Beschäftigte weniger als den Mindestlohn. Eine gute Zahl im Vergleich zu den rund vier Millionen vor der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns.

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  • Weiterhin schließt sich die Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland aber nur langsam. Im europäischen Vergleich bewegen wir uns hierzulande auf Platz drei der unbereinigten Gender Pay Gap nach Estland und der Tschechischen Republik und mit 22 Prozent deutlich über dem gesamteuropäischen Durchschnitt von 16 Prozent.
  • Mögliche Gründe für den Unterschied sind der häufig geringere Beschäftigungsumfang von vielen Frauen. Hinzu kommen die Bildung und Berufserfahrung, der gewählte Beruf sowie die Branche, der oftmals fehlende Führungs- und Qualifikationsanspruch sowie sonstige Faktoren. Zurück bleiben 1,16 Euro brutto weniger pro Stunde „unerklärter Rest“, der wohl oder übel auf Diskriminierung oder ein mangelndes Verhandlungsgeschick bei weiblichen Arbeitnehmerinnen zurückzuführen ist.

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  • Spannend ist zudem, dass natürlich ältere Arbeitnehmer durchschnittlich mehr verdienen als jüngere, was schlichtweg an ihrer Berufserfahrung, Qualifikation und dem hierarchischen Aufstieg liegt. Allerdings sind die Gehaltssteigerungen bei Frauen ab 30 Jahren deutlich geringer als jene bei ihren männlichen Kollegen. Dies liegt darin begründet, dass viele Frauen mit durchschnittlich 29,5 Jahren ihr erstes Kind auf die Welt bringen und dementsprechend beruflich kürzertreten.

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  • Zuletzt ist natürlich die Ausbildung ein ausschlaggebender Faktor auf den späteren Verdienst. Tatsächlich verdienen Arbeitnehmer mit Hochschul- oder Universitätsabschluss mit 29,18 Euro pro Stunde überdurchschnittlich und deutlich besser als jene ohne beruflichen Ausbildungsabschluss mit 12,17 Euro. Allerdings beziehen sich diese Zahlen auf Arbeitnehmer 60plus. Wer jünger als 30 Jahre ist, kann ohne Berufsabschluss nur 9,90 Euro erwarten und sogar mit Universitäts- oder Hochschulabschluss sind es nur noch 17,60 Euro – auch diesen Absolventen wird das Geld also nicht einfach geschenkt, sondern sie müssen es sich im Laufe ihrer Berufslaufbahn erst einmal erarbeiten.

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Fazit: Sollten Sie männlicher Pilot in Westdeutschland sein?

Rein theoretisch würden Sie also am besten verdienen, wenn Sie ein männlicher Pilot in Vollzeitanstellung wären, der in Westdeutschland arbeitet und bereits die Altersgrenze von 60 Jahren erreicht hat. In der Praxis können Sie solche Faktoren natürlich nicht beeinflussen und auch innerhalb der Branche gibt es bei der Bezahlung je nach Unternehmen große Unterschiede. Wenn Sie eine Frau sind, sollten Sie sich in guten Verhandlungstechniken üben und wenn Sie als Mann unter Höhenangst leiden, wird Sie auch der Beruf des Piloten nicht glücklich machen. Wie gesagt: Wenn Sie einen Job finden, der Ihnen Spaß macht und gut bezahlt ist – Jackpot! Ansonsten können Sie Ihr Gehalt zumindest durch eine gute Ausbildung und regelmäßige Weiterbildungen sowie eine sorgfältige Wahl Ihres Arbeitgebers in die Höhe treiben.

Was denken Sie von den Bruttostundengehältern der Deutschen? Inwiefern würfen Sie behaupten, dass ein Arbeitnehmer seinen Verdienst erhöhen kann? Wir sind gespannt auf Ihre Meinungen zum Thema in den Kommentaren!