Was viele Bewerber vergessen, ist: Ein Vorstellungsgespräch dient nicht nur dem Zweck, dass der Personaler den Bewerber näher kennenlernen und besser einschätzen kann, sondern auch der Bewerber soll einen Eindruck des potenziellen zukünftigen Arbeitgebers und Arbeitsplatzes erhalten. Nur mit einem möglichst realistischen Bild können Sie als Jobsuchender nämlich entscheiden, ob diese Stelle für Sie die richtige ist oder eher nicht. Damit Sie sich nicht bald erneut in den Bewerbungsprozess stürzen müssen, sollten Sie im Bewerbungsgespräch oder nach der Jobzusage diese sechs Fragen stellen, bevor Sie den Arbeitsvertrag unterschreiben.

Bewerberin im Vorstellungsgespräch hat wichtige Fragen bevor sie den Job annimmt
Photo by Tim Gouw on Unsplash.com

Inhalt
1. Vorstellungsgespräch: Muss sich auch der Arbeitgeber „bewerben“?
2. Frage #1: Wie sind die Arbeitszeiten geregelt?
3. Frage #2: Wie steht es um Überstundenabbau, Sonderurlaub und Urlaubsregelung?
4. Frage #3: Ist eine ständige Erreichbarkeit gewünscht?
5. Frage #4: Mit wem werde ich zusammenarbeiten?
6. Frage #5: Welche Kunden werde ich betreuen?
7. Frage #6: Welche, denken Sie, wird meine größte Herausforderung sein?
8. Achtung: Fragen können zu Missverständnissen führen

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Vorstellungsgespräch: Muss sich auch der Arbeitgeber „bewerben“?

Viele Bewerber fühlen sich bei der Jobsuche in der schlechteren Verhandlungsposition. Sie sind froh, wenn Sie „überhaupt“ zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden oder eine Jobzusage erhalten. Dabei hat sich dieser Mechanismus bereits in vielen Branchen gewandelt und der Fachkräftemangel sorgt dafür, dass in mehr und mehr Bereichen die „vielen“ Arbeitgeber um „wenige“ qualifizierte Kandidaten buhlen.

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Plötzlich sind es also die Arbeitgeber, welche sich „bewerben“ müssen und die Arbeitnehmer, die hinsichtlich ihres Arbeitsplatzes immer wählerischer werden können. Doch selbst, wenn Sie von dieser Entwicklung (noch) nicht betroffen sind, sollten Sie nicht einfach jeden Job annehmen. Denn eine Arbeitsstelle, die nicht zu Ihnen passt, wird Sie auf Dauer unglücklich und krank machen.

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Bevor Sie sich also nach wenigen Wochen oder Monaten erneut einen Job suchen müssen oder sogar gesundheitliche Schwierigkeiten bekommen, prüfen Sie lieber vorab, wie gut die angebotene Stelle wirklich zu Ihnen passt. Stellen Sie dafür im Vorstellungsgespräch oder nach der verbindlichen Jobzusage durch den Arbeitgeber diese sechs Fragen – und entscheiden Sie sich erst anschließend:

Frage #1: Wie sind die Arbeitszeiten geregelt?

Zu viele Überstunden sind für die Fachkräfte von heute aus der sogenannten Generation Y der häufigste Kündigungsgrund. Dementsprechend wäre es doch interessant, vorab über die Arbeitszeiten im Unternehmen Bescheid zu wissen. Gibt es beispielsweise ein Gleitzeitmodell? Oder Vertrauensarbeitszeit? Haben Sie die Möglichkeit zum Homeoffice? Und wie sind die Kernzeiten im Unternehmen gestaltet?

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Zudem sollten Sie konkret nach den zu erwartenden Überstunden fragen. Denn bei einer Wochenstundenzahl von ohnehin 35, 40, 45 oder mehr, stellt jede Überstunde eine weitere Belastung für Körper und Geist dar. Bereits wenige Überstunden können sich negativ auf die Gesundheit auswirken, so das Ergebnis des Arbeitszeitreports 2016. Bevor Sie also schlussendlich eine herbe Enttäuschung erleben, Ihre Gesundheit ruinieren und sich eine neue Stelle suchen müssen, klären Sie die Sache mit den Überstunden lieber vorher ab.

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Frage #2: Wie steht es um Überstundenabbau, Sonderurlaub und Urlaubsregelung?

Wenn Sie Überstunden aufbauen sollten, lautet eine weitere spannende Frage, wie Sie diese wieder abbauen können. Werden diese ausbezahlt oder können Sie sie als Freizeit nehmen? Zwar sind solche Sachen gesetzlich oder tariflich geregelt, doch herrscht in jedem Unternehmen eine andere Kultur und wenn sich hier beispielsweise alle Mitarbeiter ihre Überstunden ausbezahlen lassen, werden Sie sich dem Gruppenzwang beugen müssen und vorbei ist es mit Ihrer ersehnten Freizeit. Auch hinsichtlich der Regelung von Urlaubs- und Sonderurlaubstagen sind die Gewohnheiten je nach Betrieb unterschiedlich.

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Selbst, wenn Sie gesetzlich beispielsweise Anspruch auf Sonderurlaub bei einer Hochzeit oder Beerdigung hätten, ist es fraglich, ob Sie diesen „einklagen“ werden, wenn er Ihnen nicht gewährt wird. Werden Sie sich deshalb darüber klar, welche Arbeits- und Freizeitregelung Ihnen wichtig ist und zu Ihnen passt und gleichen Sie die Gegebenheiten der potenziellen neuen Stelle mit Ihren Wünschen ab.

Frage #3: Ist eine ständige Erreichbarkeit gewünscht?

Aufgrund der Digitalisierung verschwimmen in immer mehr Unternehmen die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit. Mittels Smartphone, Tablet & Co wird eine ständige Erreichbarkeit vorausgesetzt. Und wenn Sie nun denken, der kurze Anruf des Chefs nach Feierabend oder die piependen E-Mails am Wochenende werden Sie nicht weiter stören, haben Sie sich mächtig geirrt. Ständige Erreichbarkeit führt nämlich dazu, dass Sie niemals gedanklich von der Arbeit abschalten können. Dadurch bleibt der Stresspegel auf einem konstant hohen Niveau und es fehlt an den notwendigen Entspannungszeiträumen.

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Ganze 71 Prozent der Deutschen sind im Sommerurlaub für Chef und Kollegen erreichbar. Gleichzeitig nennen laut einer auf Statista veröffentlichten Umfrage 30 Prozent der Deutschen die ständige Erreichbarkeit als einen der höchsten Belastungsfaktoren im Berufsalltag. Werden Sie sich also darüber bewusst, ob und wann Sie außerhalb der Arbeitszeiten für berufliche Belange erreichbar sein möchten und klären Sie, inwiefern Ihre Vorstellungen zur Realität in der angepeilten Stelle passen. Eventuell können Sie auch noch eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag aushandeln, wenn Sie sich – wie eingangs geschildert – in einer guten Verhandlungsposition befinden.

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Frage #4: Mit wem werde ich zusammenarbeiten?

Nachdem Sie die äußeren Rahmenbedingungen genauer unter die Lupe genommen haben, sollten Sie die Arbeitsinhalte klären. Ein wichtiger Wohlfühlfaktor am Arbeitsplatz ist ein gutes Arbeitsklima. Je besser Sie sich mit Kollegen, Vorgesetzten und auch Kunden verstehen, umso gesünder, motivierter und glücklicher werden Sie sein – und desto geringer ist die Chance, dass Sie sich (bald) eine neue Stelle suchen werden.

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Am besten ist es natürlich, wenn Sie die betreffenden Personen gleich kennenlernen. Ihr Vorgesetzter sitzt in der Regel mit im Vorstellungsgespräch und auch eine „Führung“ durch die eventuelle zukünftige Abteilung ist alles andere als ungewöhnlich. Sollte dies nicht ohnehin im Programm stehen, fragen Sie beim Bewerbungsgespräch gerne, ob Sie den Arbeitsplatz beziehungsweise die Abteilung kurz sehen dürfen.

Frage #5: Welche Kunden werde ich betreuen?

Nicht nur Ihre Kollegen und Vorgesetzten sind jedoch für Ihr soziales Wohlbefinden am Arbeitsplatz verantwortlich. Je nach Branche, Tätigkeit und Position haben Sie auch mehr oder weniger Kundenkontakt. Es kann in diesem Sinne durchaus interessant sein, vorab zu erfahren, für welche Kunden Sie „verantwortlich“ wären. Informieren Sie sich zudem über die konkreten Arbeitsbereiche und Aufgaben, welche Sie in der Anstellung erwarten würden. Je besser Sie Ihr soziales Umfeld sowie Ihren potenziellen Tagesablauf abstecken können, umso einfacher können Sie auch einschätzen, inwiefern dieser Job zu Ihnen passt – oder eben nicht.

Frage #6: Welche, denken Sie, wird meine größte Herausforderung sein?

In jedem Job gibt es Höhen und Tiefen, Erfolge und Niederlagen, Aufgaben, die leicht fallen, und Herausforderungen. Letztere sind wichtig, damit Sie sich auf Dauer nicht langweilen und beruflich sowie persönlich weiterentwickeln. Dennoch sollen Sie natürlich gefordert, nicht aber überfordert sein. Daher ist es spannend, vorab zu wissen, was die Vorgesetzten beziehungsweise Personaler als größte Herausforderung in der vakanten Stelle betrachten. So können Sie abschätzen, ob Ihre „Entwicklung“ in die richtige Richtung gehen wird und Sie diese Herausforderung überhaupt meistern können. Die Devise lautet hier: Mut, aber kein Übermut!

Achtung: Fragen können zu Missverständnissen führen

Natürlich hinterlässt es nicht gerade einen guten Eindruck, direkt im Vorstellungsgespräch nach Urlaub, Freizeit oder Geld zu fragen. Warten Sie deshalb erst einmal ab, ob der Personaler das Thema von selbst anschneidet. Wenn nicht, wägen Sie ab, ob Sie die Frage am Ende des Bewerbungsgespräches stellen möchten oder erst, wenn das Unternehmen eventuell mit der Jobzusage anruft. Überhaupt nicht zu fragen, wäre leider die falsche Strategie, denn dann werden Sie unter Umständen ins kalte Wasser geworfen, sind unzufrieden und müssen bald erneut den Job wechseln – und das möchten sowohl Sie als auch die Personaler verhindern.

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Allzu übel nehmen diese Ihnen solche Fragen deshalb in der Regel nicht. Schließlich ist es auch in deren Interesse, dass Sie und die vakante Stelle optimal zusammenpassen. Eine weitere Möglichkeit ist es, solche Informationen über Dritte einzuholen, beispielsweise über Foren im Internet oder einen Bekannten, der im Unternehmen angestellt ist und dementsprechend über „Insider-Informationen“ verfügt. Schlussendlich gilt: Je höher der Fachkräftemangel in Ihrem Beruf, umso besser ist Ihre Verhandlungsposition und desto mutiger können Sie im Vorstellungsgespräch Fragen stellen oder Klauseln im Arbeitsvertrag verhandeln.

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Welche weiteren Fragen kann und sollte der Bewerber im Vorstellungsgespräch stellen? Wie kommen solche „pikanten“ Themen Ihrer Erfahrung nach beim Personaler an? Könnten diese Sie den Job kosten? Wir sind gespannt auf Ihre Beiträge in den Kommentaren!

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