Es hat sich herumgesprochen, dass Personaler bei Bewerbern auf sogenannte Soft Skills schauen: Teamfähigkeit wird oft noch über Eigenschaften wie Kommunikationsgeschick und Eigeninitiative gestellt.

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Wie aber machen Sie es Ihrem Ansprechpartner in Ihrer Bewerbung oder beim Vorstellungsgespräch plausibel, dass Sie teamfähig sind und keine Karriere als Einzelkämpfer anstreben? Häufig heißt es, dass es in den Augen der Personalmanager für Sie spricht, wenn Sie einen Mannschaftssport wie Fußball, Hockey oder Basketball betreiben.

Ein Professor an der Hochschule Osnabrück, der Wirtschaftspsychologe Uwe Kanning, hält jeglichen Zusammenhang zwischen Mannschaftssportarten und Sozialkompetenz für Küchenpsychologie und rät von entsprechenden Kriterien im Auswahlverfahren ab.

Wie machen Sie es als Bewerber richtig?

Wenn Sie eine klassische Bewerbung per Post schicken, bleiben Ihnen nicht viele Möglichkeiten, diese zu individualisieren: Anschreiben, Lebenslauf und Anlagen müssen weitgehend der Norm entsprechen. Dennoch ist es wichtig, dass die Personalchefs auf Sie aufmerksam werden – diese befinden sich in einer ähnlichen Lage wie der Bewerber selbst. Während sich dieser bemüht, persönliche Hinweise, die ihn auszeichnen, möglichst sinnstiftend unterzubringen, suchen die Personaler nach eben diesen Merkmalen, die etwas darüber aussagen, mit was für einem Menschen sie es zu tun haben.

Hobbys und Interessen zu verraten, ist nicht falsch. Aber „Lesen“ oder „Musik hören“ klingt wenig originell und möglicherweise etwas langweilig. „Verreisen“ könnte ein Hinweis sein, dass sich das Unternehmen einen Mitarbeiter mit stark ausgeprägtem Fernweh einhandelt. „Schach“ lässt Rückschlüsse auf Eigenbrötlergesinnung zu, „Marathonlauf“ signalisiert zwar Ehrgeiz und Disziplin, aber möglicherweise Verbissenheit. „Golf“ kann den Anschein von Exklusivität oder Snobismus erwecken. Welche Karte also sticht?

Als Trumpf wird häufig der Mannschaftssport ausgespielt, weil der „smells like team spirit“, d. h. er gilt als Zeichen für Kontaktfreude und die Fähigkeit, sich in ein Team eingliedern zu können und für ein gemeinsames Ziel zu kämpfen. Uwe Kanning meint, im Lebenslauf werde sportliche Aktivität von vielen Arbeitgebern gern gesehen und als Indikator für soziale Kompetenz eingeschätzt.

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Sind Mannschaftssportler tatsächlich die idealen Teamplayer?

Eine Studentin aus Osnabrück wollte es genau wissen und untersuchte dieses Thema näher für ihre Bachelor-Arbeit. 360 Personen füllten einen Fragebogen aus und schätzten ihre eigenen sozialen Kompetenzen ein. Sie gaben ebenfalls an, ob und in welcher Intensität sie Sport treiben. 300 Teilnehmer zählten sich zu den sportlich Aktiven – davon betrieben 140 Individual- und 80 Mannschaftsportarten. Der Rest ertüchtigte sich in beiden Bereichen. Anschließend wurden diese Angaben mit einer Normstichprobe von 4.000 Menschen aus der gesamten Bevölkerung abgeglichen.

Das Forschungsergebnis ist eindeutig: Es ergaben sich null Zusammenhänge zwischen Sport und Sozialkompetenz. Die Teilnehmer hatten sich in einer mehrstufigen Skala nach 17 Kriterien selbst eingestuft, und auf den ersten Blick fiel zunächst nur Folgendes auf: Während sich die Mannschaftssportler als geringfügig weniger entscheidungsfreudig zeigten, neigten die Individualsportler weniger zu Kompromissen und stärker zur Selbstkontrolle. So einleuchtend dies auch wirken mag, der Psychologe nennt diese Resultate schlicht „alltagsplausibel“.

Schaut man sich die Unterschiede im Detail an, schrumpfen sie beträchtlich. Denn die Kurven bezüglich der Persönlichkeitsmerkmale von Team-, Individual- und Nichtsportlern zeigen so minimale Ausschläge, dass sie kaum ins Gewicht fallen. Deshalb lautet Uwe Kannings Analyse: „Wenn man nach sozialwissenschaftlichen Kriterien mögliche Messfehler einrechnet, liegen die Werte alle im Zufallsbereich, sind also statistisch überhaupt nicht signifikant.”

Kann auch kein Ergebnis ein Ergebnis sein?

Bei dieser Untersuchung trifft es jedenfalls zu – und aus Sicht des Experten für Personalauswahl sollten in den Firmen nicht voreilig Bewerber aussortiert werden, die den Sport in ihrem Lebenslauf nicht ausdrücklich hervorheben. Dies könnte eine „klare Fehlentscheidung sein“, denn „bei der sozialen Kompetenz unterscheiden sich Sportler nicht von Menschen, die keinen Sport treiben.“

Nun sieht es ja in der Realität aber so aus, dass jeder Job-Interessent zunächst einmal die erste Sortierrunde überstehen muss, um zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Insofern bleibt es dabei, dass Personaler sinnvolle Kriterien benötigen – schließlich können sie nicht jeden Bewerber zu einem Interview einladen.

Uwe Kanning hat sich lange mit Personalentwicklung und Eignungsdiagnostik beschäftigt. Und er reagiert verblüfft auf die geradezu obskuren Methoden, die in manchen Unternehmen praktiziert werden. Diese reichen bis zur Grafologie und Astrologie, und sogar die Schädeldeuterei wird bisweilen nicht außer Acht gelassen.

Glücklicherweise sei diese Form der Scharlatanerie aber die Ausnahme, doch nach Ansicht des Wirtschaftspsychologen werden Personalentscheidungen zu häufig mit „Intuition“ oder dem „Bauchgefühl“ begründet. Beides könne man jedoch als professionelles Kriterium nicht gelten lassen. Uwe Kanning hat beobachtet, dass viele Personaler „selbstgefällig“ handeln und „sich kaum in Frage stellen“.

Für unprofessionell hält er auch Personalentscheidungen aufgrund des „Nasenfaktors“ – wenn sich also der Recruiter von dem Bewerbungsfoto beeinflussen lässt. Die äußere Attraktivität eines Kandidaten sage nichts über dessen wahre Fähigkeiten aus. Arbeitszeugnisse seien ebenfalls für ein klares Urteil aufgrund ihres üblichen „Geheimjargons“ nicht wirklich geeignet, denn „man weiß nie, ob der Bewerber es selbst geschrieben hat“.

Worauf Sie sich als Bewerber einstellen können

Arme Personaler, sollte man meinen. Die Schreibtische biegen sich unter den eingeschickten Bewerbungen – woran sollen sich die Entscheider orientieren, die sich manchmal im Minutentakt entschließen müssen, wen sie beim Job-Casting in den Recall berufen? Der Experte rät, bei der Vorauswahl strikte Auswahlkriterien wie Studienfach, Noten und Fremdsprachen anzulegen. Er ist außerdem ein Befürworter von Leistungstests und persönlichen Fragebögen, die sich möglichst eng auf die konkrete Stelle beziehen. Beides hält er für aussagekräftiger und effektiver als die traditionelle Bewerbung.

Sportliche Aktivität als Entscheidungshilfe wertet Uwe Kanning allenfalls als „Firmen-Folkore“. Dennoch spricht für ihn nichts dagegen, wenn Bewerber ihre sportlichen Vorlieben nennen. Er ermuntert sie sogar dazu: „Nur zu – solange es Eindruck macht, würde ich Mannschaftssport erwähnen. Es kommt ja gut an, und bei der schriftlichen Bewerbung geht es ausschließlich darum, sich gut zu verkaufen. So wird die Schwäche der Personalmanager zur Stärke der Bewerber.”

Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht – im Bewerbungsprozess und in der Arbeitswelt? Seid Ihr Mannschaftssportler, haltet Ihr Euch deshalb für bessere Teamplayer?