Sie haben eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten und ziehen frohgemut los, unterdrücken das mulmige Gefühl im Magen, denn Sie halten sich für gut vorbereitet. Sie kennen die Benimmregeln, Ihre Kompetenzen können sich sehen lassen, und auf den Mund gefallen sind Sie auch nicht. Und dann das!

In den verschiedensten Medien kursieren Berichte über die irren Fragen, mit denen sich manche Bewerber konfrontiert sehen. Die eine oder andere gäbe schon Anlass zu der Gegenfrage, bei welchem Quacksalber der Personalentscheider ein Seminar gemacht hat, um auf derartige Ideen überhaupt zu kommen.

Für Sie als Bewerber zählt jedoch nur eins: ankommen und durchkommen. Lassen Sie sich nicht aufs Glatteis führen, denn ein Bewerbungsgespräch ist ohnehin Stress pur. Sie wollen Ihre Chancen auf den begehrten Job nicht vermasseln, indem Sie eine unbedachte oder unoriginelle Antwort geben. Das Gedankenkarussell dreht sich unentwegt weiter, während Sie Rede und Antwort stehen, auf Ihre Körpersprache achten und einen halbwegs souveränen, doch nicht arroganten Eindruck zu vermitteln versuchen. Lässig wollen Sie rüberkommen, aber verlässlich, kompetent und nicht wie ein Besserwisser wollen Sie wirken, nicht langweilig, aber seriös.

Hüten Sie sich vor allem vor Stanzen, die Sie in jedem Ratgeber finden. Ihr Gesprächspartner kennt sie alle und kann sie schon herunterbeten. Auch wenn er Sie mit Standardfragen traktiert: Geben Sie keinesfalls Standardantworten. Sie müssen sich auch nicht auf einen Satz beschränken, sondern dürfen gern ein wenig mehr über sich sagen. Schließlich sind Sie hier, damit man Sie kennenlernt und sich ein Bild davon machen kann, mit wem man es zu tun hat.

Aus der Trickkiste der Personaler

Was Sie alles drauf haben – Reaktionsvermögen, Höflichkeit, Bildung, Humor, Sachverstand, Logik, Fantasie u. a. – ist je nach Job mehr oder weniger gefragt. Als Ingenieur wird man von Ihnen nicht erwarten, dass Sie in der Freizeit Gedichte schreiben. Wollen Sie der Leiter eines Archivs werden, wird man von Ihnen mehr verlangen als nur eine durchschnittliche Allgemeinbildung. Behalten Sie das im Kopf.

Was aber immer wieder passiert und zwar durch alle Branchen und Berufe: Die Personaler greifen zu überraschenden Mitteln, wenn es darum geht, einen Bewerber aus der Reserve zu locken. Meistens geschieht dies über höchst seltsame Fragen wie: „Welche Songs beschreiben am besten Ihr Arbeitsethos?“ Ganz schön knifflig, oder? Was würden Sie spontan antworten – vielleicht „Wir steigern das Bruttosozialprodukt“? Ob der Personaler den alten Song von Geier Sturzflug überhaupt kennt? Oder hätte er lieber „Ich brauche keine Millionen!“ gehört? Wir wissen es nicht, die Frage wurde jedenfalls tatsächlich gestellt.

Eventuell wäre es Ihnen bedeutend peinlicher, wenn Ihr Gesprächspartner Sie Folgendes fragen würde: „Haben Sie jemals einen Kugelschreiber am Arbeitsplatz gestohlen?“ Und Sie denken ggf. an etwas Anderes, was Sie im Büro haben mitgehen lassen. Wie können Sie da noch unbefangen und dabei leicht erstaunt reagieren?

Wie verhalten Sie sich bei provokanten Fragen?

In Gelächter auszubrechen, ist die falsche Reaktion. Ein nachdenkliches Gesicht kommt besser an – es geht bei Ihrer Antwort selten um richtig oder falsch, sondern um die Art und Weise, wie Sie darauf eingehen. Es ist gut möglich, dass Ihre Kreativität gestestet werden soll. Deshalb wäre es unklug, gar nicht zu antworten. Schweigen oder Stammeln lässt auf mangelnde Spontaneität schließen – eine witzige Antwort, die gleichzeitig eine Begründung enthält, bringt Ihnen hingegen Pluspunkte.

Beispiel: Man fragt Sie, welches Küchengerät Sie gern wären. Kurzes Stutzen ist erlaubt, eine Nachdenkpause wünschenswert, und dann könnten Sie sagen, dass Sie sich als Herd sehen – denn ohne den geht nichts, aber er kann auch dafür sorgen, dass nichts anbrennt. Es ist eine Frage des Typs, wie die Antwort hier ausfällt. Dasselbe gilt für die Frage, was Sie für Ihre Interviewer kochen würden, wenn diese Sie zu Hause besuchen. Eine Antwort, die gut ankommen könnte: „Etwas, was ich bestens kann und womit ich mich nicht blamiere. Leider kann ich nur Spaghetti.“

Um Bewerber aus der Reserve zu locken, greifen immer mehr Personaler in die Trickkiste und stellen ohne Vorwarnung geradezu irre Fragen, mit denen der Jobanwärter garantiert nicht gerechnet hat. Die US-Website About.com hat die schrägsten Fragen zusammengestellt, die tatsächlich in Vorstellungsgesprächen großer Unternehmen vorkamen.

Wie relevant ist die ganze Fragerei?

Sie möchten bestimmt lieber über Ihre neuen Aufgaben reden, Ihr Fachwissen an den Mann bringen und Auskunft über Ihren beruflichen Werdegang geben. Doch viele Entscheider halten abweichende Fragen ebenfalls für wichtig – und sei es nur, um Sie als Persönlichkeit und nicht als Fachkraft anzutesten.

Es gibt viele Branchen, in denen gejammert wird, dass besonders jüngere Bewerber heutzutage erschreckend wenig wüssten. Die keinen Schimmer hätten, wie viele Einwohner Deutschland hat und wie viele Bundesländer es gibt. Auch auf Mitarbeiter, die das Jahr der deutschen Wiedervereinigung auf 1964 datieren, ist kaum ein Chef richtig scharf. Aber muss jemand wissen, wie viele Fenster es in New York gibt, oder ist es wichtig für die berufliche Karriere, wie aus der Pistole geschossen die korrekte Zahl zu nennen, wenn man nach der Anzahl der Kühe in Kanada gefragt wird?

Effektives Training für den Bewerbungsstress

Üben Sie die Gesprächssituation mit einem Personalentscheider ein, ehe Sie sich zu einem Bewerbungsgespräch begeben. Das funktioniert beispielsweise gut, wenn Sie einen Freund für ein Rollenspiel gewinnen können und dieser Ihnen die irrsten Fragen stellt. So lernen sie, auch Nonsense-Fragen zu parieren, und kommen nicht ins Stottern, wenn Sie Auskunft darüber geben sollen, welches Auto, welches Schiff oder welches Flugzeug Sie gern wären.

Dennoch kann es vorkommen, dass Ihnen im entscheidenden Moment partout nichts Spontanes einfällt. Karriereberater empfehlen, sich dann in eine allgemeine Antwort zu flüchten. Bei der Frage nach dem Küchengerät beispielsweise könnten Sie ebenso gut sagen, dass Sie gern eins wären, das zuverlässig arbeitet – und dass Zuverlässigkeit zu Ihren Stärken gehört. Jedenfalls hätten Ihre bisherigen Chefs Sie immer genau dafür gelobt.

Auf was für Fragestellungen Sie auch immer treffen werden, lassen Sie sich nicht herausfordern, aggressiv, weinerlich oder gar beleidigt zu reagieren. Die Hauptsache ist, dass Ihre Antwort einen optimistischen Klang hat, umwerfend witzig muss sie gar nicht sein. Sie dürfen sogar mit einer charmanten Gegenfrage kontern, um zu beweisen, dass Sie geistig nicht unterbelichtet sind.

7 Kommentare

  1. Ich wurde bei der Bewerbung für einen Praktikumsplatz bei einem Radiosender gefragt, wie ich den Irak Konflikt lösen würde. Leider hatte ich nicht die gleiche “Bombenstimmung” wie der Chefredakteur. War aber dann irgendwie auch nicht so schlimm, diesen Platz nicht zu bekommen 😉

  2. personaler werden immer eigenartiger und eigenartiger…

    was sind die personaler für tiere? eine kakerlake?

    welches küchengerät ist der personalchef? ein topf ohne boden?

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