In Personalabteilungen wird oft spontan gegähnt – auch deshalb, weil viele Bewerbungsschreiben einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Bewerbungshelfer raten deshalb dringend, auf Fakten zu setzen und ohne Floskeln zu formulieren.

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Denn niemand möchte lesen, wie toll der angestrebte Job ist und wie sehr man sich jetzt schon darauf freut, in dieser und keiner anderen Firma arbeiten zu dürfen. Das haben Hunderte anderer Jobsucher vor Ihnen schon geschrieben. Durch die Wiederholung wird es nicht besser.

Gehören Sie zu den beneidenswerten Absolventen, bei denen es bisher richtig gut lief? Sie haben eine gute Schule besucht, den richtigen Studiengang gewählt und bei anerkannten Professoren gelernt? Sie kennen ausschließlich Leute, die genau so zielstrebig sind wie Sie? Ihr Ehrgeiz lässt sich anhand von vorzeigbaren Praktika, mehreren interkulturellen Trainings im In- und Ausland und einem erstklassigen Abschluss belegen? Dann kann eigentlich nichts schiefgehen auf der Suche nach dem erstklassigen Einstiegsjob, der Ihnen vorschwebt.

Auf dem Monitor sieht alles anders aus

Wer so gut ist wie Sie, will natürlich das perfekte Anschreiben liefern. Aber es dauert Stunden, um es zu formulieren. Am schwersten ist bekanntlich der Anfangssatz…

„Mit großem Interesse habe ich Ihr Stellenangebot zur Kenntnis genommen …“ Halt, natürlich liest jemand mit Interesse Ausschreibungen, wenn er einen Job sucht. Der, der ihn anbietet, möchte lieber wissen, was Sie von all den anderen unterscheidet, die ebenfalls „mit Interesse“ sein Angebot gelesen haben.

Sie verwerfen Ihren ersten Einfall und schreiben „Hiermit möchte ich mich um die Stelle als …. bewerben …“ Wieder halt! So bewirbt man sich heute nicht mehr, diese bewährte Formel hat längst ausgedient. Wer wirklich etwas reißen will, nimmt keine Zuflucht zu hohlen Absichtserklärungen.

Was nun? Sollten Sie vielleicht doch so schreiben, wie Sie sprechen? Hat man Ihnen diesen wohlmeinenden Rat gegeben? Lassen Sie sich nicht verleiten, als ersten Satz zu schreiben: „Vor Kurzem habe ich mein Studium der Rechtsverdreherei mit der Spitzennote 1,0 abgeschlossen.“ Ebenso gut könnten Sie schreiben: „Hier bin ich, ihr braucht mich nur zu holen!“

Im Netz ist der Königsweg zu finden – oder etwa nicht?

Online-Ratgeber gibt es in Hülle und Fülle. Einen davon lesen Sie gerade – auf Arbeits-Abc finden Sie viele kompetente Tipps, wie Sie eine klasse Bewerbung zustande bringen. Nicht nur bei uns stehen profunde Erkenntnisse wie die über den schweren ersten Satz. Aber so weit waren wir ja schon …

Haben Sie die ersten Klippen ohne Nervenzusammenbruch hinter sich gebracht, können Sie sich wieder auf Ihre Aufgabe konzentrieren. Sie erwägen eventuell kurz, ob Sie einen Web-Tipp beherzigen sollten, der Ihnen als Auftakt im Bewerbungsschreiben hierzu rät: „Sie benötigen einen qualifizierten Mitarbeiter, der über Kenntnisse in …. verfügt…“ Stopp! Diesmal merken Sie selbst, dass es so nicht geht. Denn Sie brauchen nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass niemand darüber belehrt werden möchte, was für einen Mitarbeiter er gerade braucht.

Echte Knüller sind in den Augen von Bewerbungsexperten solche Sätze, die Sie ebenfalls im Internet finden: „Ich kann es kaum noch erwarten, die Marketingabteilung Ihres Unternehmens mit meinen praktischen Kenntnissen und Erfahrungen über Viralkampagnen zu bereichern. Sind Ihnen etwa schon die drei erfolgreichsten Einsatzbeispiele von QR-Codes bekannt?” Hallo? Nein, als „Karriere-Prophet“ wollen Sie sich doch nicht blamieren, Sie möchten in Ihrem Anschreiben verdeutlichen, dass Sie mit Begeisterung und Engagement an die Sache herangehen. Einen unpassenden und heuchlerischen Ton überlassen Sie lieber anderen.

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Falsche Töne, verpackt als „die 10 besten Tipps für Ihre Bewerbung“ & Co. kursieren massenhaft im Netz, folglich ist Ihr Fein- und Sprachgefühl gefordert. Bloß nicht irgendwo etwas abkupfern, wo sich schon andere bedient haben. Wer sich bereits sprachlich als Schlauberger oder Großmaul outet, bedient damit eher ein Ausscheidungsmerkmal auf Seiten der Personaler. Die kennen genug Sätze wie „Innovative Ideen einzubringen, diese erfolgreich umzusetzen und juristisch abzusichern, ist meines Erachtens das Ziel jedes wettbewerbsfähigen Unternehmens” – und quittieren allgemeine Betrachtungen, die einen tollen Überblick vortäuschen sollen, mit allgemeinem Undank: abgelehnt!

So ticken die Empfänger von Bewerbungsschreiben

Was alles nicht geht, wissen Sie nun – negative Beispiele zu finden, ist ein Kinderspiel im Vergleich zu dem, was Sie eigentlich vorhaben. Sie kauen noch immer am ersten Satz und überlegen sich vielleicht, ob sich die Leute auf Jobsuche und deren selbsternannte Berater nicht allesamt um die entscheidende Frage drücken: Für wen schreibe ich – und in welchem Rahmen?

Versetzen Sie sich einfach in die Lage des Jobanbieters: Er macht seine Arbeit und möchte wissen, ob sich jemand für die Stelle eignet, die er ausgeschrieben hat. Insofern geben Sie mit Ihrer Bewerbung eine Entscheidungsvorlage ab, nur das ist relevant. Kein Mensch in der Personalabteilung möchte sich lange damit aufhalten, sich über Ihr Interesse zu freuen, sich mit Ihrer Motivation auseinanderzusetzen oder sich mit verbalen Schmeicheleien das Urteilsvermögen abkaufen zu lassen.

Sie sollten wissen, dass erfahrene Personaler jedes Blabla in Bewerbungsschreiben konsequent ausblenden und sich nicht von Allgemeinplätzen, Binsenweisheiten, den viel gepriesenen Ich-Botschaften, Appellen und Überredungsversuchen blenden oder auch nur ablenken lassen. Alles was die sogenannten Bewerbungsexperten an öligen oder hölzernen Formulierungen anpreisen, kommt garantiert nicht an.

Trotzdem wird der klassische Brief gern beibehalten, wo eigentlich ein modernes Briefing passender wäre. Mit Ihrem Anschreiben können Sie punkten, wenn Sie sich von den bewährten Mustern der Korrespondenz lösen. Es geht nicht darum, ob Sie perfekt sind, sondern ob das Anschreiben perfekt passt. Betrachten Sie Ihre Bewerbung als ein Instrument, mit dem Sie dem Empfänger zuarbeiten.

Doch, Sie schaffen es – und machen alles richtig

Sie starten mit dem Argument, das aus der Perspektive des Personaler am stärksten für Sie spricht. Sie zählen einfach auf: Lern- und Jobleistungen, Schwerpunkte, Abschlüsse, besondere Verdienste, Wissen und Können, ein oder zwei Referenzpersonen, die betätigen können, dass Sie über die geforderten Qualifikation verfügen.

Sie beschränken sich auf starke Verben und verzichten auf Hilfsverben in Ihrem Bewerbungsschreiben. Die Substantive, die Sie verwenden, benennen reine Fakten, sind also konkrete Hauptwörter. Sie streichen alle Ich-bin-Aussagen bereits im Kopf und schreiben lediglich, was Sie gemacht haben.

Was kommt dabei heraus? Ein Bewerbungsschreiben, das sich sehen lassen kann und lesen lässt. In dem kein falscher oder selbstüberschätzender Ton mitschwingt.

Beispiel: „Schon während meines mit 1,0 abgeschlossenen Master-Studiums Wirtschaftsrecht an der Universität …. habe ich Assistenzaufgaben für die Geschäftsleitung der Firma … in … übernommen. Vor allem war ich an der juristischen Vorbereitung der Gesellschaftsgründung beteiligt und habe die Allgemeinen Geschäftsbedingungen mit ausgearbeitet. Außerdem habe ich eine Patentanmeldung verfolgt und durchgesetzt sowie die komplette interne Rechtsberatung geleistet.“ Viel Erfolg!