Haben Sie schon einmal die Begriffe „BYOD“ oder „Bring Your Own Device“ gehört? Und gehören Sie zu den Digital Natives, die natürlich sofort wissen, was damit gemeint ist? Oder haben Sie jetzt – wie viele andere Menschen auch – Fragezeichen in den Augen? Keine Sorge, dann bringen wir heute für Sie ein wenig Licht ins Dunkel. Denn „BYOD“ ist der Zukunftstrend schlechthin und wird vielleicht auch Sie früher oder später am Arbeitsplatz einholen!

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Bring Your Own Device bedeutet, dass ein Arbeitnehmer seine eigenen mobilen Endgeräte an den Arbeitsplatz mitbringt und zusätzlich zur Privatnutzung auch beruflich verwendet.
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Inhalt
1. Definition: Was ist „Bring Your Own Device“?
2. Vorteile: „Bring Your Own Device“ – Ein Konzept mit vielen Vorzügen…
3. …aber auch einigen Tücken: Risiken des „BYOD“
4. Checkliste für Arbeitgeber: „BYOD“, aber bitte mit Köpfchen
5. Ausblick: „BYOD“ – Ein Modell mit Zukunft: „Ja“ oder „Nein“?

Definition: Was ist „Bring Your Own Device“?

Das „Bring Your Own Device“-Konzept, auch als „BYOD“ abgekürzt, ist eigentlich kein neues Phänomen. Es hat sich im Zuge der Evolution des Telefons zum Handy und schließlich zum Smartphone entwickelt und bedeutet nichts Anderes, als dass ein Arbeitnehmer seine eigenen mobilen Endgeräte an den Arbeitsplatz mitbringt und zusätzlich zur Privatnutzung auch beruflich verwendet. Selbiges gilt für Laptops und Tablets sowie Soft- und Hardware jeder Art.

Hierfür ist es notwendig, dass sich der Arbeitnehmer mit seinen Privatgeräten in die Firmensoftware einloggen oder entsprechende Anwendungen herunterladen und verwenden kann. Genau diese Vermischung von privater und beruflicher Nutzung eines mobilen Endgerätes birgt aber auch zahlreiche Risiken. Dies erklärt, weshalb die Verbreitung des „BYOD“-Konzepts in Deutschland (noch) so langsam voranschreitet. Dennoch sehen viele Experten in „Bring Your Own Device“ die Zukunft an deutschen Arbeitsplätzen. Aber wieso?

Vorteile: „Bring Your Own Device“ – Ein Konzept mit vielen Vorzügen…

Weil das „BYOD“-Modell prinzipiell eine „Win-Win-Situation“ herbeiführt: Während der Arbeitgeber sich die hohen Anschaffungs- und Lizenzkosten kosten für Hard- und Software im Unternehmen spart, können sich die Arbeitnehmer über ein hohes Maß an Flexibilität freuen. Sie entscheiden selbst, welches Endgerät sie mit welcher Software nutzen möchten. Sie wählen ihr bevorzugtes Betriebssystem aus, müssen nicht ständig zwischen privaten und beruflichen Smartphones, Tablets oder Laptops wechseln und keine strengen Richtlinien zur Privatnutzung der geschäftlichen Endgeräte beachten.

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Die logischen Konsequenzen des „Bring Your Own Device“-Konzepts wären also:

  • eine erhöhte Arbeitgeberattraktivität
  • Kosteneinsparungen
  • höhere Wirtschaftlichkeit
  • mehr Zufriedenheit unter den Mitarbeitern
  • verringerte Mitarbeiterfluktuation
  • gesteigerte Produktivität
  • u. v. m.

Dennoch schrecken viele Unternehmen immer noch vor der Einführung von „BYOD“ zurück – und das nicht ohne Grund. Denn leider hat auch diese Medaille zwei Seiten.

…aber auch einigen Tücken: Risiken des „BYOD“

Das „Bring Your Own Device“-Konzept birgt nämlich für den Arbeitgeber auch zahlreiche Nachteile und Risiken. Seine Einführung will deshalb wohl durchdacht sein und sorgfältig geplant werden. An oberster Stelle stehen dabei natürlich der Datenschutz sowie die Abwehr von Hacker-Angriffen. Doch es sind noch zahlreiche weitere Faktoren zu berücksichtigen:

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  • Datenschutz: Der Datenschutz stellt beim „BYOD“ die größte Problematik dar. Schließlich ist das Unternehmen laut Bundesdatenschutzgesetz einerseits dafür zuständig, die personenbezogenen Daten seiner Mitarbeiter zu schützen und gegenüber Dritten geheim zu halten.
  • Hacker-Angriffe: Andererseits müssen natürlich auch die sensiblen Daten im Unternehmen, welche der Geheimhaltung unterliegen, gegenüber Angriffen von außen geschützt werden. Wenn Betriebsgeheimnisse in die Hand von Hackern geraten, kann das für ein Unternehmen existenzbedrohend werden. Zu unterschätzen ist dieses Risiko angesichts der 69 Prozent der Unternehmen, welche in den letzten zwei Jahren von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage betroffen waren, keinesfalls.

Statistik: War Ihr Unternehmen in den letzten 2 Jahren von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage betroffen? | Statista
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  • Zeiterfassung: Eine weitere Herausforderung stellt die Kombination zwischen Zeiterfassung und „BYOD“ dar. Wenn Laptops, Tablets und Smartphones ab sofort nicht mehr nur privat oder nur beruflich genutzt werden, wie kann der Arbeitgeber dann noch feststellen, wann der Nutzer arbeitet und wann er hingegen privat surft, telefoniert usw.?
  • Kostenfalle: Zuletzt bedeutet „Bring Your Own Device“ für den Arbeitgeber zwar auf den ersten Blick immense Kosteneinsparungen, doch kann er aufgrund der Rechtslage in Deutschland auch schnell in die ein oder andere Kostenfalle tappen. So können Beteiligungen an Anschaffungs- oder Nutzungskosten durch den Arbeitgeber als verdeckte Lohnzahlung interpretiert werden. Oder aber er haftet plötzlich für den Verlust beziehungsweise die Beschädigung privater mobiler Endgeräte während der betrieblichen Nutzung.

Checkliste für Arbeitgeber: „BYOD“, aber bitte mit Köpfchen

Als Arbeitgeber sollten Sie durchaus über die Einführung des Zukunftsmodells „Bring Your Own Device“ nachdenken. Doch dieser Schritt benötigt eine Menge Planung, Knowhow sowie die perfekte Koordination zwischen Management, Rechts-, Datenschutz- und natürlich auch IT-Abteilung. Nur ein ganzheitliches Konzept kann die Vorzüge des „BYOD“ optimal nutzen und dabei die Risiken auf ein Minimum senken. Wie also sollten Sie vorgehen?

  • Lassen Sie jeden Mitarbeiter eine Geheimhaltungsvereinbarung unterzeichnen.
  • Klären Sie über die Vorgehensweise und (rechtlichen) Konsequenzen beim Verlust eines „BYOD“-Gerätes oder dem Verdacht auf Fremdeindringen im Form eines Hacker-Angriffes auf.
  • Treffen Sie zudem strikte Vereinbarungen zur Arbeitszeit, Erreichbarkeit sowie der Einhaltung gesetzlich vorgeschriebener Ruhezeiten.
  • Jedes (auch) beruflich genutzte Endgerät muss durch Passwörter sowie die modernste Sicherheitstechnik geschützt werden.
  • Sinnvoll ist häufig die Bereitstellung der für die Arbeit benötigten Software für die mobilen Endgeräte. Dabei ist unbedingt zu beachten, dass Sie im Besitz der entsprechenden Lizenz sein müssen.
  • Selbiges gilt für Apps auf Smartphones und Tablets.
  • Da Sie beim „BYOD“-Modell allerdings kein einheitliches Betriebssystem festlegen können, müssen die technischen Möglichkeiten sowie Lizenzen die Nutzung der Software auf allen Modellen ermöglichen, zum Beispiel iOS, Android oder Windows.

Statistik: Marktanteile der Betriebssysteme an der Smartphone-Nutzung in Deutschland von Dezember 2011 bis Februar 2015 | Statista
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Ausblick: „BYOD“ – Ein Modell mit Zukunft: „Ja“ oder „Nein“?

49 Millionen Smartphone-Nutzer, allein in Deutschland – diese Zahl spricht für sich. Dass der Arbeitgeber da noch ein zweites (Dienst-) Handy, Laptops in großer Menge oder moderne Tablets zur beruflichen Nutzung zur Verfügung stellt, ist eigentlich weder sinnvoll noch kosteneffizient. Experten sehen daher im Modell „Bring Your Own Device“ durchaus eine große Chance für die Zukunft.

Allerdings birgt dieses Konzept eben auch eine Menge Risiken, vor welchen zahlreiche Unternehmen bislang zurückschrecken. Zu gering ist noch ihr Knowhow für ein professionelles „Mobile Device Management“ und zu groß ihre Angst vor Datendiebstahl & Co. Zwar werden sich die Sicherheitskonzepte, die auf dem Markt verfügbare Software sowie das Knowhow zum Thema „BYOD“ in Zukunft rasant weiterentwickeln und daher voraussichtlich zu mehr Akzeptanz des Konzeptes sowohl aus Arbeitgeber- als auch aus Arbeitnehmersicht führen, doch bis es so weit ist, werden viele Unternehmen weiterhin zum klassischen „Firmen“-Handy, -Laptop und -Tablet greifen.

Dennoch haben viele Arbeitgeber den Trend bereits erkannt und im Sinne der Wirtschaftlichkeit und Arbeitgeberattraktivität zumindest teilweise die Privatnutzung der geschäftlichen mobilen Endgeräte gestattet. Der Übergang von der strikten Trennung zwischen beruflicher und privater Nutzung und dem „BYOD“-Konzept scheint also fließend stattzufinden.

Oder was denken Sie? Dürfen Sie Ihr Geschäftshandy auch privat nutzen? Hat Ihr Unternehmen vielleicht sogar schon das „BYOD“-Modell eingeführt? Wäre das von der Arbeitnehmerseite überhaupt erwünscht? Und wie sehen Sie das Thema aus Arbeitgebersicht? Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Erfahrungen in den Kommentaren!