Viele Menschen fühlen sich mit der Gestaltung ihres XING- oder LinkedIn-Profils erst einmal überfordert. Die Lösung: Sie „spicken“ bei den Profilen der Kollegen, von Bekannten oder einfach Wildfremden. Das Problem an der Sache ist nur, dass daraus ein Einheitsbrei aus unzähligen ähnlichen Profilen und Gesichtern sowie monotonen Zeilen entsteht, die der Personaler nach einer Sekunde wieder vergessen hat. Wenn Sie sich stattdessen aus der Masse hervorheben möchten, müssen Sie eigentlich nur ein kleines Detail ändern. Welches?

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Junge Frau optimiert ihr Xing Profil am Laptop
Bildnachweis: © darkbird – Fotolia.com

Inhalt
1. XING ist das größte beruflich genutzte soziale Netzwerk in Deutschland
2. Wie können Sie aus der Masse herausstechen?
3. Ein schwieriger Spagat: Menschlichkeit in einer digitalen Welt
4. Nutzen Sie den Profilspruch!
5. Fakten sind die Pflicht, Persönlichkeit ist die Kür
6. Sehen Sie es ein: Sie können es nicht allen recht machen!

XING ist das größte beruflich genutzte soziale Netzwerk in Deutschland

Privat ist und bleibt Facebook der Taktgeber der sozialen Netzwerke. 18 Prozent der Befragten einer Analyse durch TÜV und Statista nutzen die Social Media Plattform zur privaten Kontaktpflege. Für den Beruf, beispielsweise die Jobsuche, spielt Facebook hingegen eine untergeordnete Rolle. Hier ist XING in Deutschland der unbestrittene Spitzenreiter. Immerhin 13 Prozent der Mitglieder halten ein Profil auf XING hinsichtlich ihrer beruflichen Weiterentwicklung für unverzichtbar. Auf dem zweiten Rang findet sich mit neun Prozent die Plattform LinkedIn. Auch im Bereich der Information und Weiterbildung führen diese beiden sozialen Netzwerk das Feld an.

Infografik: Die Deutschen und soziale Netzwerke | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

XING-Nutzer haben mit durchschnittlich 169 Kontakten das größte Netzwerk und lassen damit sogar die Facebook-User hinter sich. Das Besondere an der Plattform ist: Jeder dieser durchschnittlichen 169 Kontakte könnte wichtig für Ihre Karriere werden. Headhunter tummeln sich ebenso in den XING-Untiefen wie Personaler. Immerhin 34 Prozent der Personaler nutzen XING, um die Profile von Bewerbern zu prüfen. 28 Prozent suchen sogar gezielt nach geeigneten Kandidaten und 25 Prozent wurden schon einmal direkt von Jobsuchenden kontaktiert. Das Problem ist nur: Bei 10,1 Millionen XING-Nutzern allein aus Deutschland sowie weiteren knapp zwei Millionen aus dem DACH-Raum geht ein Individuum schnell in der Masse unter.

Wie können Sie aus der Masse herausstechen?

Wie immer im Leben, ist die einfachste Möglichkeit, als Fisch aus dem Schwarm auszubrechen, einfach gegen den Strom zu schwimmen. Doch viele Nutzer von XING, LinkedIn & Co sind entweder nicht mutig genug, ihr Profil wirklich individuell zu gestalten, oder sie wissen nicht wie. Also verkünsteln sie sich mit extravaganten Profilfotos, einem kreativen Portfolio oder einem Schwall an wohlklingenden Berufsbezeichnungen – und schießen damit über das Ziel hinaus. Es ist ein schmaler Grat zwischen individuell und unseriös. Dabei liegt die Antwort auf die Frage eigentlich auf der Hand: Am besten stechen Sie aus der Masse heraus, wenn Sie einfach Sie selbst sind. Nichts ist schließlich so individuell wie Ihre Persönlichkeit. Stichwort: Authentizität.

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Lese-Tipp: „Authentizität im Job: Karriereturbo oder Bremse?

Personaler, Headhunter & Co interessieren sich natürlich für Ihren Lebenslauf. Sie werden gewiss einen Blick auf Ihr Portfolio werfen. Und auch ein sympathisches Profilfoto kann nicht schaden. Doch all das werden sie nur beachten, wenn sie auf Ihrem Profil hängen bleiben, anstatt in Sekundenschnelle auf den nächsten Kandidaten zu klicken. Wirklich wichtig ist deshalb eigentlich nur eines: Sie müssen auf den ersten Blick als Mensch greifbar werden.

Ein schwieriger Spagat: Menschlichkeit in einer digitalen Welt

In der digitalen Welt verkommen die Nutzerprofile schnell zu gesichts- und emotionslosen Aufzählungen von Fakten, Berufsbezeichnungen und chronologisch sortierten Lebensläufen. Viele User versuchen, so viele Schlagworte wie möglich in ihr Profil einzubauen, um sicherzugehen, dass sie von Personalern, Headhuntern und Suchmaschinen gefunden werden. Sie kategorisieren sich quasi selbst, stecken sich in eine Schublade und machen sich dadurch uninteressant. Wer hingegen als Mensch greifbar erscheint, durch Leidenschaft, Kreativität oder Persönlichkeit überzeugt, hat viel bessere Chancen, die Aufmerksamkeit des Profilbesuchers zu erhaschen, seinen „Klick-Fluss“ zu unterbrechen und ihn zum Verweilen einzuladen – bestenfalls sogar zum Kontaktieren zu bewegen.

Nutzen Sie den Profilspruch!

Auf der Plattform XING haben Sie die Möglichkeit, Ihrem Profil einen individuellen Spruch hinzuzufügen. Durch seine exponierte Lage springt er dem Besucher direkt ins Auge. Auf LinkedIn könnten Sie einen solchen Spruch hingegen in Ihr Titelbild integrieren. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Hauptsache, der Besucher kann Ihr Anliegen schnell erkennen und verstehen. Was in der Theorie sehr einfach klingt, ist es in der Praxis leider nicht immer. Kaum etwas ist schließlich so schwierig, wie eine komplexe Persönlichkeit in wenige Worte zu fassen. Nehmen Sie sich daher etwas Zeit und stellen Sie sich Fragen, wie:

  • Was zeichnet mich als Persönlichkeit aus?
  • Inwiefern bin ich anders als meine Kolleginnen und Kollegen?
  • Was liegt mir persönlich in meinem Job besonders am Herzen?
  • Welche sind meine beruflichen Ziele?

Sammeln Sie Stichworte, Geschichten, Erfahrungen, Träume oder Anekdoten und fassen Sie alle diese anschließend in zwei bis drei kurzen und prägnanten Sätzen zusammen. Ihr Ergebnis könnte wie folgt aussehen:

„Gerade einmal fünf Jahre alt war ich, als ich mein erstes Buch zur Hand nahm und wie gefesselt verschlang. Aus Worten mehr als eine Aneinanderreihung von Sätzen zu machen, sondern Geschichten zu formen und Menschen zu bewegen – das war von diesem Tag an meine Leidenschaft. Plötzlich schien glasklar: Das wird der Beruf, den ich wähle, wenn ich groß bin. Jetzt bin ich „groß“ und verwandele seither langweilige Homepages in spannende Erlebnisse, trockene Daten in emotionale Texte und 08/15-Zeitungsartikel in unvergessliche Kurzromane.“

Klingt das nicht viel einzigartiger als der Vermerk „Texter, Redakteur, Journalist und Lektor“ im Profil des Beispielnutzers? Würden Sie als Personaler, Headhunter oder CEO diesen Menschen nicht viel eher kontaktieren? Interessiert Sie nicht auch, welche Persönlichkeit hinter diesen Worten steckt und wie diese Ihr Unternehmen bereichern könnte? Versetzen Sie sich also stets in die Lage Ihres potenziellen Profilbesuchers und fragen Sie sich ganz ehrlich: Wie interessant, einzigartig und persönlich erscheint Ihnen Ihr XING- oder LinkedIn-Auftritt?

Fakten sind die Pflicht, Persönlichkeit ist die Kür

Jetzt haben Sie die Aufmerksamkeit des Besuchers. Nun muss Ihr Profil aber auch dem zweiten Blick standhalten. Merken Sie sich: Ihre Persönlichkeit ist die Kür, mit welcher Sie auf den ersten Blick aus der Masse herausstechen. Daten und Fakten sind hingegen die Pflicht, mit welcher Sie auf professioneller Ebene überzeugen. Ihr Lebenslauf, ein aussagekräftiges Portfolio oder ein Nachweis Ihrer Aus- und Weiterbildungen sollten das positive Bild, welches der User bereits von Ihnen hat, bestätigen.

Lese-Tipp: „Xing und LinkedIn: Karriere-Netzwerke richtig nutzen

Doch behalten Sie den roten Faden bei und lassen Sie auch hier Ihre Persönlichkeit durchscheinen. Ihr Spruch kann noch so gut sein, mit einem langweiligen oder wenig aussagekräftigen Profil wird die Aufmerksamkeitsspanne des Besuchers auf den zweiten Blick in kürzester Zeit wieder sinken und er klickt auf das nächste namenlose Gesicht in der Liste. Andersherum kann Ihr Profil noch so überzeugend sein: Wenn Sie nicht aus der Masse herausstechen, wird niemand dieses jemals lesen und dessen Qualität überhaupt bemerken.

Sehen Sie es ein: Sie können es nicht allen recht machen!

Schlussendlich kommt es in Ihren sozialen Netzwerken also nur auf eines an: Ihre Persönlichkeit! Werden Sie in einer digitalen Welt zu einem greifbaren Menschen. Doch seien Sie sich sicher: Auch dies wird nicht jeden Besucher auf Ihrem Profil zufriedenstellen. So unterschiedlich die Persönlichkeiten sind, so verschieden sind auch die Erwartungen, Geschmäcker und Suchkriterien der Personaler, Headhunter & Co. Bleiben Sie daher in erster Linie sich selbst treu. Durch Authentizität werden Sie jene Besucher – und dadurch eventuell auch Jobangebote – „anlocken“, die wirklich zu Ihrer Persönlichkeit passen. Das ist doch am Ende, worauf es eigentlich ankommt.

Welcher „Typ“ sind Sie? Setzen Sie eher auf persönliche oder emotionale Profilsprüche? Halten Sie Ihre sozialen Netzwerke lieber kurz, knapp und professionell? Setzen Sie eher auf Schlagworte und Kategorien oder auf den Ausdruck Ihrer individuellen Persönlichkeit? Und wie? Wir bedanken uns für Ihre Anregungen in den Kommentaren!