Leider kommt es immer häufiger vor, dass Auszubildende in ihrem Ausbildungsbetrieb gemobbt, als „billige Arbeitskraft“ oder für arbeitsfremde Tätigkeiten missbraucht werden.

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Laut dem „Mobbingreport“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sind Auszubildende sogar die Personengruppe, die in der Arbeit am häufigsten Opfer solcher Schikanen wird. Betroffene Auszubildende klagen über psychische und körperliche Beeinträchtigungen (z. B. ständige Weinkrämpfe, Übelkeit und Erbrechen, Schlaflosigkeit) und wissen nicht, wie sie sich gegen die Täter – vor allem Kollegen und andere Auszubildende, aber auch Vorgesetzte – wehren können. Viele fühlen sich gleichzeitig hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, die Ausbildung ganz abzubrechen, und der Angst, danach keine Ausbildungsstelle mehr zu bekommen.

Mobbing und Ausnutzung sind zwar auch im Erwachsenenalter ein Problem, können aber bei Jugendlichen noch sehr viel schlimmere Konsequenzen haben. Der Zusammenhang zwischen Mobbing im Jugendalter und der Entwicklung von psychischen Erkrankungen im Erwachsenenalter (z. B. Depressionen, Angst- und Beziehungsstörungen, Alkohol- und Drogenabhängigkeit) ist wissenschaftlich belegt: Junge Erwachsene, die während der Schul- oder Ausbildungszeit Opfer von Mobbingattacken waren, berichteten in einer amerikanischen Studie deutlich häufiger über solche Beschwerden als nicht betroffene Personen. Zudem gehen Experten aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie davon aus, dass etwa 20 Prozent aller Suizide bei Jugendlichen eine direkte oder indirekte Folge von Mobbing in Schule oder Ausbildung sind.

Ein Grund dafür ist, dass sich im Jugendalter Selbstvertrauen und Identität erst langsam entwickeln müssen. Jugendliche reagieren sensibler auf Einwirkungen aus ihrem Umfeld und sind häufig beeinflussbarer als Erwachsene. Negative Ereignisse wie Mobbing und Ausnutzung in der Ausbildung haben daher „prägenden Charakter“ für die weitere persönliche und berufliche Entwicklung. So können Jugendliche, deren erste Erfahrungen in der Arbeitswelt vorwiegend negativ sind, anschließend große Schwierigkeiten haben, wieder dorthin zurückzukehren und sich dort zurechtzufinden.

Damit es nicht so weit kommt, sollte sich ein betroffener Jugendlicher möglichst bald an eine Vertrauensperson im Betrieb wenden – zum Beispiel an den Vorgesetzten oder einen vertrauten Kollegen oder, falls diese selbst die Täter sind, an den Betriebsrat oder in größeren Betrieben an die Jugendvertretung. Daneben bieten auch betriebsexterne Ansprechpartner wie Online-Foren, psychologische Beratungsstellen, Krankenkassen, die Arbeitsagentur, Gewerkschaften und die Ausbildungsberatung der zuständigen Kammer Information und Hilfe bei Mobbing und rechtlichen Ausbildungsangelegenheiten an. Zusammen kann dann überlegt werden, ob es sich wirklich um ein unlösbares Problem oder um ein Missverständnis handelt. Denn in einigen Fällen sind sowohl den Tätern als auch den Opfern die Konsequenzen ihres Verhaltens gar nicht bewusst, und es lässt sich einiges im persönlichen Gespräch oder durch Vermittlung eines Beraters klären. Verbessert sich die Situation trotzdem nicht oder verstößt ein Ausbilder grob gegen seine Pflichten (z. B. Nicht-Einhaltung der Bestimmungen im Jugendarbeitsschutzgesetz) kann der Ausbildungsvertrag auch fristlos gekündigt bzw. von der zuständigen Kammer aufgelöst werden.