Sich mit den Kollegen zu duzen, wird von manchen Deutschen noch immer als ein Zeichen von Vertraulichkeit gewertet. Dabei ist man in vielen Firmen längst dazu übergegangen.

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Wie man es hierzulande mit dem Duzen hält, erläutern die Ergebnisse einer von einem Karriereportal durchgeführten Umfrage. Danach finden es 33 Prozent der Angestellten völlig normal, ihren Chef oder Vorgesetzten zu siezen, ihre Kollegen hingegen mit Du anzureden. 19 Prozent duzen die meisten ihrer Kollegen, 17 Prozent bleiben dabei, diese überwiegend zu siezen.

Duzen am Arbeitsplatz setzt sich durch

Offenbar hat sich vielfach die einheitliche Anrede mit Vornamen und Du als ein stärkendes Element für das Gemeinschaftsgefühl eingebürgert – und wird deshalb immer häufiger als ein Teil der Unternehmenspolitik verstanden. In über 30 Prozent der Betriebe und Firmen schließt das vom Boss bis zum Azubi alle mit ein. Es gibt allerdings einige Arbeitnehmer, die sich mit dieser Regelung nicht recht wohl fühlen, weil es ihnen mehr liegt, im Job auf Distanz zu bleiben.

Von Branche zu Branche sind ohnehin Unterschiede festzustellen. Was z. B. in einer Autowerkstatt oder einem Frisiersalon völlig natürlich abläuft, kann an anderer Stelle deplatziert wirken. In Großunternehmen geht es in einzelnen Abteilungen oder Teams zunehmend lockerer zu, unter Führungskräften hingegen ist – zumindest bei offiziellen Meetings oder Vorstandssitzungen – das Sie an der Tagesordnung. Vielleicht möchte das oft kritisch beäugte obere Management jeglichen Verdacht auf Seilschaften ausschließen?

Wie duzt und siezt man richtig?

Sofern keine einheitliche “Duz-Verordnung” besteht, bietet immer der Ranghöhere das Du an. In einem Betrieb, in dem sich nicht allgemein geduzt wird, sprechen neue Mitarbeiter zunächst alle Kollegen und Vorgesetzten mit dem Nachnamen und ihrem Titel an – beispielsweise mit “Frau Dr. Schneider”. Auch ein Mann darf einer Frau vorschlagen, zum Du überzugehen – es entscheidet immer der Status oder wie lange der Betreffende schon in der Firma tätig ist.

Es ist gar nicht so kompliziert: Eine Abteilungsleiterin bietet das Du der Assistentin an, der langjährige Angestellte dem gleichgestellten neuen Kollegen oder der erfahrene Mitarbeiter dem Azubi.

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Tipps für den Umgang mit Du und Sie

In Firmen, in denen sich alle duzen, gehört dies zum guten Ton und hat nichts damit zu tun, wie gern man sich mag oder wie lange man bereits zusammenarbeitet. Wie das “You” im Englischen hat auch das “Du” keinerlei freundschaftliche Bedeutung.

Wird sich allerdings nicht allgemein geduzt, kann sich ein Mitarbeiter von dem Duzangebot eines Kollegen überrumpelt fühlen. Falls es nicht seinem Stil entspricht, sich mit jedermann zu duzen, sollte eine Absage diplomatisch formuliert werden, damit sich der Kollege nicht abgewertet fühlt. Als Argument lässt sich anführen, es handele sich bei der Abneigung gegen das Duzen um eine persönliche Marotte. Allerdings wirkt dies nur überzeugend, wenn man sich nicht gleichzeitig mit der halben Firma duzt.

Was tun, wenn einem ausgerechnet der Boss das Du anbietet? Wer sich aus Prinzip nicht mit Vorgesetzten duzen möchte, sollte auch in diesem Fall mit Diplomatie vorgehen. Indem er höflich ablehnt, weil andere Kollegen dies als Bevorzugung missverstehen könnten.

Auf das eigene Taktgefühl hören

Im Allgemeinen sollte sich jeder von seinem eigenen Gefühl leiten lassen. Der Kollege am Schreibtisch gegenüber wird im Laufe der Zeit so vertraut, dass einem das Du ganz normal über die Lippen kommt. Anderen Mitarbeitern gegenüber möchte man aus unterschiedlichen Gründen eine gewisse Förmlichkeit aufrecht erhalten – was sich durchaus als vorteilhaft erweisen kann, z. B. bei Beförderungen, Konflikten oder Verhandlungen. Es soll schon vorgekommen sein, dass jemand bei Auseinandersetzungen wieder zum Sie übergegangen ist. Manchmal spürt ein Kollege erst daran, wie sehr er sich selbst in Misskredit gebracht hat, und sollte dringend Ursachenforschung betreiben.

Beim Kennenlernen ist es den meisten Menschen bereits anzumerken, wie “duz-affin” sie sind. Reicht jemand einem recht steif die Hand, so lässt sich daraus erkennen, dass er vermutlich gesiezt werden möchte. Lässigere Typen hingegen finden es völlig natürlich, auch von einem Neuling geduzt zu werden. Nur nicht den Überblick verlieren!

Heikel ist manchmal das Verhalten nach Betriebsfeiern, auf denen sich unter dem Einfluss von Alkohol fröhlich reihum geduzt wird – aber am nächsten Tag wollen einige davon nichts mehr wissen. Also lieber zunächst im Arbeitsalltag beim Sie bleiben, bis der andere von sich aus das Du wiederholt.

Wie halten Sie es? Duzen oder Siezen Sie am Arbeitsplatz?