Am 1. Juli 2015 wurde das neue Elterngeld Plus eingeführt. Auf Vorschlag der Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig soll dadurch die Elternzeit deutlich flexibler werden. Die Eltern werden ermutigt, die Aufgaben partnerschaftlich aufzuteilen und neue Kombinationsmöglichkeiten von Elterngeldbezug und Teilzeitarbeit vergrößern die Spannweite der individuellen Gestaltung einer Elternzeit. Ein Gesetz, das auf viel Zuspruch und positiven Rückmeldungen aufbaut. Doch was ist überhaupt alles neu mit dem Elterngeld Plus? Was hat sich geändert und was nicht?

1. Was ist der Unterschied zwischen Basiselterngeld und Elterngeld Plus?
2. Eine indirekte Förderung der Teilzeit-Arbeit
3. Gemeinsame Erziehung im Fokus: Der Partnerschaftsbonus
4. Was ist mit Alleinerziehenden?
5. Auch die Elternzeit wird flexibler
6. Wie berechnet sich das Elterngeld bei einer Mehrlingsgeburt?
7. Fazit zum neuen Elterngeld Plus

Was ist der Unterschied zwischen Basiselterngeld und Elterngeld Plus?

Das Gesetz zum neuen Elterngeld Plus trat zwar bereits zum 1. Januar 2015 in Kraft, es gilt jedoch erst für alle Geburten ab dem 1. Juli. Nun dürfen alle Eltern zwischen dem sogenannten „Basiselterngeld“ und dem „Elterngeld Plus“ wählen oder diese beiden miteinander kombinieren.

Das Basiselterngeld bedeutet hierbei, dass Sie für höchstens 14 Monate maximal 1.800 Euro Elterngeld erhalten, auch wenn Sie in Teilzeit zum Arbeiten gehen. Abhängig ist der Betrag allerdings vom tatsächlichen Nettoverdienst zum Zeitpunkt der Geburt. Der Mindestsatz liegt bei 300 Euro.

Beim Elterngeld Plus müssen Sie auf den ersten Blick finanziell Abstriche machen. Denn Sie erhalten nur 150 bis höchstens 900 Euro im Monat. Dieses neue Modell allerdings kann dafür mit doppelter Laufzeit in Anspruch genommen werden. Sie erhalten also quasi die Hälfte des Betrages für einen doppelt so langen Zeitraum: Die Rechnung geht auf.

Doch wofür gibt es jetzt eigentlich zwei verschiedene Modelle, wenn sie sich im finanziellen Sinne nicht voneinander unterscheiden?

Eine indirekte Förderung der Teilzeitarbeit

Tatsächlich soll die neue Regelung keine finanziellen Vorteile bringen, sondern jene hinsichtlich Flexibilität und Gerechtigkeit. Denn bislang waren die Eltern, die schneller wieder in den Beruf zurückgekehrt sind, gegenüber denjenigen schlechter gestellt, die das Elterngeld in vollem Umfang genutzt haben. Die Kombination aus dem Basiselterngeld und dem Elterngeld Plus soll diese Gerechtigkeitslücke nun ausgleichen. Wer jetzt früher wieder an den Arbeitsplatz zurückkehrt, muss nicht mehr zwangsläufig auf einen Teil des Elterngeldes verzichten. Mit den neuen Elterngeld Plus Monaten, können Eltern während der Teilzeittätigkeit die Vorteile des Elterngeldes jetzt doppelt so lange nutzen. Denn früher wurde bei einer Teilzeitstelle das Elterngeld abhängig vom Verdienst gekürzt, ohne zugleich den Anspruch hierauf zu verlängern. Dies ist nun anders: Wer sich für eine Teilzeitarbeit entschließt, wechselt vom Basiselterngeld ins Elterngeld Plus und verlängert dadurch seinen Anspruch. Die bislang ungerechte Kürzung des Elterngeldes wird durch die Verlängerung der Bezugsdauer ausgeglichen. Zum besseren Verständnis hier ein Fallbeispiel:

Eine Mutter pausiert nach der Geburt ihres Kindes sechs Monate im Beruf und bezieht in dieser Zeit das Basiselterngeld. Nun steigt sie in Teilzeit wieder ein und hat somit einen weiteren Anspruch auf das Elterngeld Plus für zwölf Monate. Insgesamt erhält sie so sechs Monate länger Elterngeld als es mit dem alten System der Fall gewesen wäre. Die Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass sie nicht mehr als 30 Wochenstunden arbeitet.

Gemeinsame Erziehung im Fokus: Der Partnerschaftsbonus

Doch dies ist nicht die einzige Neuerung, die mit dem Elterngeld Plus einhergeht. Es gibt zudem den sogenannten „Partnerschaftsbonus“. Dieser regelt, dass Paare, bei welchen beide Partner pro Woche 25 bis 30 Stunden arbeiten gehen, noch einmal vier zusätzliche Monate Anspruch auf das Elterngeld Plus haben. Die Bundesfamilienministerin Schwesig begründet diesen Ansatz so:

„Ich möchte, dass Eltern ihre Kinder partnerschaftlich betreuen und gleichzeitig ihre beruflichen Ziele verfolgen können. Damit unterstützen wir mit einer modernen Familienpolitik den Wunsch vieler Eltern nach mehr Partnerschaftlichkeit.”

Der Partnerschaftsbonus greift aber nur, wenn das Paar das Kind für mindestens vier Monate gemeinsam betreut und dafür nur in Teilzeit arbeitet. Auch dazu ein Beispiel:

Die Mutter des Kindes pausiert nach der Geburt für volle sechs Monate und bezieht hierbei das Basiselterngeld. Nun kann sie, wie bereits erwähnt, noch zwölf weitere Monate das Elterngeld Plus nutzen. Ihr Partner hingegen hat in dieser Zeit nur zwei Monate pausiert und das Basiselterngeld bezogen. Nun gehen beide zeitgleich für 25 bis 30 Stunden in der Woche arbeiten, für mindestens vier Monate. Sie beziehen daher jeweils für weitere vier Monate jeweils das Elterngeld Plus.

Was ist mit Alleinerziehenden?

Da das Elterngeld Plus auf dem Grundsatz von mehr Gerechtigkeit beruht, sollen natürlich auch Alleinerziehende davon profitieren. Sie können daher das neue Elterngeld Plus im gleichen Maße nutzen und bis zu 28 Monate ihren Anspruch geltend machen, sofern sie die Voraussetzungen für den steuerlichen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende erfüllen.

Auch die Elternzeit wird flexibler

Und noch einen Vorteil bringt das neue Elterngeld Plus mit: Die Elternzeit ist nun flexibler. So können sich die Eltern bis zum dritten Geburtstag des Kindes immer noch eine flexible Auszeit vom Job nehmen, doch statt der bisher zwölf Monate, haben sie jetzt einen Anspruch auf 24 Monate zwischen dem dritten und dem achten Lebensjahr des Kindes. Einer Zustimmung des Arbeitgebers bedarf es hierfür nicht mehr. Die Auszeit nach dem dritten Geburtstag des Kindes muss aber mindestens 13 Wochen zuvor angemeldet sein. Zudem kann die Elternzeit nun auch in drei anstatt nur zwei Abschnitte aufgeteilt werden.

Wie berechnet sich das Elterngeld bei einer Mehrlingsgeburt?

Seit dem 1. Januar 2015 ist mit dem neuen Gesetz auch die Frage nach Mehrlingsgeburten eindeutig geklärt: Eltern von Mehrlingen haben einen Elterngeldanspruch pro Geburt und erhalten zusätzlich einen Mehrlingszuschlag von 300 Euro im Monat für das zweite und jedes weitere Mehrlingskind.

Fazit zum neuen Elterngeld Plus

Zusammenfassend möchten wir Ihnen hier noch einmal die wichtigsten Neuerungen des Elterngeld Plus übersichtlich darstellen:

  • Das Elterngeld Plus ersetzt das wegfallende Einkommen wie bisher um 65 bis 100 Prozent des Voreinkommens.
  • Es beträgt maximal die Hälfte des bisherigen Elterngeldes, auch Basiselterngeld, wird dafür aber für den doppelten Zeitraum gezahlt.
  • Das Elterngeld Plus kann dank Partnerschaftsbonus zudem über den 14. Lebensmonat des Kindes hinweg bezogen werden.
  • Ein Partnerschaftsbonus ermöglicht den Bezug von weiteren vier Monaten Elterngeld Plus.
  • Die einzelnen Konzepte des Basiselterngeldes, Elterngeld Plus und Partnerschaftsbonus können flexibel miteinander kombiniert werden.

Eine Studie des infas Institutes für angewandte Sozialwissenschaft fand heraus, dass die neue Regelung bei 70 Prozent der Bevölkerung positiv aufgenommen wird. Jeder Zweite forderte zudem schon vorher eine Änderung des bisherigen Elterngeldes. Das neue Elterngeld Plus ist daher ein Gesetz, das gerade zur richtigen Zeit kam. Mit dem Partnerschaftsbonus und der flexibleren Zeitgestaltung scheint es, zumindest im Status Quo, gut umgesetzt zu sein. Was denken Sie vom neuen Elterngeld Plus?

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