In deutschen Haushalten leben etwa 7,9 Millionen Hunde. Jedes Jahr werden alleine hierzulande 76.234 Welpen geboren. Doch wenn diese in ihr neues Zuhause umziehen, ist das mit einer Menge Arbeit verbunden. Nicht umsonst wird gesagt, ein Welpe sei wie ein Baby. Das sehen jetzt auch erste schottische und US-amerikanische Unternehmen so und offerieren ihren Mitarbeitern eine Art Elternzeit beziehungsweise Sonderurlaub für ihr neues Haustier. Könnte der Trend bald auch nach Deutschland kommen?

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Inhalt
1. Deutsche halten rund 30 Millionen Haustiere
2. Auch Welpen müssen „erzogen“ werden
3. Sonderurlaub bei Einzug oder Tod eines Haustieres?
4. „Erziehungsurlaub“ für den Hundewelpen: Ein neuer Trend?
5. Prognose: Kommt der Trend in Zukunft auch nach Deutschland?

Deutsche halten rund 30 Millionen Haustiere

Auf rund 80 Millionen Einwohner kommen in Deutschland etwa 30 Millionen Haustiere. Wir Deutschen lieben unsere tierischen Mitbewohner, allen voran die unkomplizierten Katzen. Sie brauchen wenig Aufmerksamkeit, müssen nicht Gassi geführt werden und sind in vielen Mietverträgen erlaubt. Etwa 12,9 Millionen Katzen lebten im Jahr 2015 in deutschen Haushalten. Der „beste Freund des Menschen“, der Hund, kommt direkt auf dem zweiten Platz mit 7,9 Millionen. Zuletzt folgen Kleintiere jeder Art (5,1 Millionen), Ziervögel (4,2 Millionen), Aquarien (2,0 Millionen), Fische in Gartenteichen (1,6 Millionen) und Terrarien (0,7 Millionen).

Gerade die Beziehung zwischen einem Menschen und seinem Hund ist eine ganz besondere. Hunde sind Rudelwesen und brauchen sozialen Anschluss. Erhalten sie diesen nicht wie früher die Wölfe in der Natur durch ihre Artgenossen, bauen sie eine enge Bindung zu ihrem Halter auf. Doch eine solche Bindung braucht – wie zwischen zwei Menschen auch – viel Zeit.

Auch Welpen müssen „erzogen“ werden

Gewiss kennen Sie das aus Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis: Es gibt Hunde, auf die Sie sich stets freuen, die freundlich sind, mit denen Sie stundenlang spielen können, die aber auch auf ein „Sitz“ oder „Komm her“ unmittelbar reagieren und dadurch einfach zu händeln sind. Und dann gibt es diese „Kläffer“ und unsympathischen Hunde, die an der Leine zerren, am Esstisch betteln oder sogar knurren, sobald Sie ihnen gegenübertreten – und die scheinbar niemals eine (gute) Erziehung genossen haben. Zwar hängt der Charakter eines Hundes auch von der Rasse sowie seinen Genen ab, doch ist eine gute Erziehung das A und O, damit die Hundehaltung Spaß macht und nicht für den Halter oder dessen soziales Umfeld zur Belastung wird.

„Einen Edelstein kann man nicht blank machen, ohne ihn zu reiben.“
(Konfuzius)

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Wie bei Menschen auch, gilt dabei: Je jünger der Hund, umso einfacher kann er geprägt werden. Ein Welpe ist deshalb tatsächlich vergleichbar mit einem Baby: Er muss noch erzogen werden, sich an sein neues Umfeld gewöhnen und sich an die neue „menschliche Mutter“ beziehungsweise den „menschlichen Vater“ binden. Welpen müssen zudem Stubenreinheit erlernen, sich an den neuen Tagesablauf anpassen und die Trennung von ihren Elterntieren sowie den Geschwistern verarbeiten – das bedeutet zu Beginn nicht selten viel „Geheule“. Wie gut und schnell sich der Welpe in seiner neuen Familie einlebt, hängt davon ab, in welcher Prägephase er sich gerade befindet:

  • 1.-2. Lebenswoche: In der sogenannten vegetativen Phase ist der Welpe noch blind, unfähig zum Riechen und auch mehr oder weniger bewegungsunfähig.
  • 3. Lebenswoche: In der Übergangsphase öffnet er erstmals eine Augen und baut durch gegenseitiges Ablecken eine erste Bindung zu seinen Elterntieren auf.
  • 4.-7. Lebenswoche: Anschließend beginnt die wichtige Prägungsphase, in welcher der Welpe bewusst andere Welpen, Menschen, Kinder oder auch Katzen wahrnimmt.
  • 8.-12. Lebenswoche: Es folgt das spielerische Lernen und die Einfügung in die Gemeinschaft in der sogenannten Sozialisierungsphase. Ab der achten Woche muss deshalb auch unbedingt mit einer konsequenten Erziehung begonnen werden, damit der Welpe so früh wie möglich lernt, was er darf und was nicht.
  • 13.-16. Lebenswoche: Auch der Welpe kommt irgendwann in seine „Trotzphase“ – Rangordnungsphase genannt – und testet seine neuen Besitzer sowie deren Grenzen auf Herz und Nieren aus.
  • 5.-6. Lebensmonat: Der Zahnwechsel steht in der Rudelordnungsphase an. Gleichzeitig sind eine konsequente Erziehung sowie bestenfalls der Besuch einer Hundeschule weiterhin unerlässlich.
  • 7.-12. Lebensmonat: Herzlich Willkommen in der Pubertät und damit der zweiten „Trotzphase“ eines jeden Welpen. Auch hier gilt wieder: Konsequente Erziehung ist das A und O!
  • 12.-18. Lebensmonat: Bis er schlussendlich ausgewachsen ist, befindet sich der Hund zuletzt in der sogenannten Reifungsphase.

Die meisten Züchter geben Welpen zwischen der achten und der zwölften Lebenswoche an ihre neuen Familien ab, also im Laufe der so wichtigen Sozialisierungsphase. Es ist daher unerlässlich, dass der Hundehalter nach dem Einzug des tierischen Mitbewohners unbedingt eine Menge Zeit für Sozialisierung, Erziehung und Eingewöhnung mitbringt. Wer allerdings berufstätig ist, steht damit nicht selten vor einem großen Problem: Wenn Sie nicht Partner/in, Kinder oder (Groß-) Eltern haben, die sich dem Welpen annehmen, während Sie bei der Arbeit sind, haben Sie nur zwei Möglichkeiten: Entweder Sie holen sich keinen Hund oder Sie nehmen sich Urlaub!

Sonderurlaub bei Einzug oder Tod eines Haustieres?

Viele Menschen stellen sich daher die Frage, ob sie denn einen Anspruch auf Sonderurlaub haben, wenn ein Hundewelpe bei ihnen einzieht – oder auch beim Tod des geliebten Haustieres. Schließlich können Sie bei der Geburt eines Kindes in Elternzeit gehen und wenn ein naher Angehöriger verstirbt, haben Sie je nach Arbeits- und Tarifvertrag meist ein bis drei Tage Sonderurlaub. Dass ein Haustier in der Gesetzgebung allerdings nicht als naher Angehöriger zählt, können Sie sich denken. Und auch eine offizielle Anerkennung eines Welpen als Kind ist wohl etwas weit hergeholt. Sie haben deshalb kein Recht auf „Elternzeit“ oder „Sonderurlaub“ bei Einzug beziehungsweise Tod eines Haustieres, es sei denn…

„Erziehungsurlaub“ für den Hundewelpen: Ein neuer Trend?

…Sie arbeiten bei einem der folgenden drei innovativen Unternehmen, die derzeit als Trendsetter fungieren:

  • BitSol Solutions: Die schottische Firma ist eine der ersten, die ihren Mitarbeitern einen Sonderurlaub bei Einzug eines neuen Haustieres zugesteht. Das gilt sowohl für Welpen als auch Katzen. Laut CEO Greg Buchanan, selbst Haustierfan und Besitzer von zwei Hunden, wird über die Bewilligung und Dauer der tierischen Auszeit stets im Einzelfall entschieden.
  • Brewdog Beer Company: Schotten scheinen echte Hundefreunde zu sein, denn auch das zweite Unternehmen mit „Welpernzeit“ stammt aus dem beschaulichen Land in Großbritannien. Bei der Brewdog Beer Company können sich Angestellte eine Woche freinehmen, um einen Welpen bei sich einzugewöhnen, ihn zu sozialisieren und zu erziehen. „Paw-ternity“ nennen die Unternehmer James Watt und Martin Dickie ihr neuartiges Modell. Ganz uneigennützig ist diese Regelung aber nicht: Da bei der Brewdog Beer Company alle Angestellten ihre Hunde mit ins Büro bringen dürfen, sei eine gute Sozialisierung und Erziehung der tierischen Kollegen unerlässlich, so ihre Überzeugung.
  • Mars Petcare: Zuletzt reiht sich auch noch ein US-amerikanisches Unternehmen in die Liste der „Hunde“-Pioniere ein: Bei Mars Petcare wird den Angestellten ebenfalls ein „Pawternity-Leave“ von einer Woche zugesprochen – mit einem ähnlichen Ziel wie bei der Brewdog Beer Company. Gut erzogene und verträgliche Hunde dürfen die Halter nämlich auch hier anschließend mit zur Arbeit bringen.

Aber wieso eigentlich? Natürlich sind die Gründer der genannten drei Unternehmen selbst Hundeliebhaber und können sich dadurch besonders gut in ihre hundeverliebten Mitarbeiter hineinversetzen. Doch viel wichtiger war bei dieser Entscheidung die positive Wirkung von Hunden auf das Wohlbefinden ihres Halters. Die Bindung zu einem Hund löst im menschlichen Gehirn die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin aus. Dieses wirkt stressreduzierend, angstlösend und dadurch rundum positiv auf die Gesundheit des Menschen.

Lese-Tipp:Einfach tierisch: Hunde als Burnout-Prävention im Büro

Im Büro sorgen Hunde also für ein angenehmeres Betriebsklima, mehr Wohlbefinden der Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz und weniger Konflikte. Sie stellen quasi eine aktive Burnout-Prävention dar. Allerdings nur, wenn diese eben auch gut erzogen und verträglich sind, um die internen Abläufe nicht zu stören. Und genau deshalb ist die „Welpernzeit“ alles andere als die verrückte Idee einiger hundeverliebter Pioniere, sondern eine sinnvolle Methode modernen Gesundheitsmanagements.

Prognose: Kommt der Trend in Zukunft auch nach Deutschland?

Deutsche Unternehmen zeigen sich bislang noch nicht so tierlieb wie ihre schottischen oder US-amerikanischen Konkurrenten. Dennoch wäre es ja nicht das erste Mal, dass ein Trend über die Meere auch nach Deutschland schwappt. Gute Gründe für die Einführung der „Welpernzeit“ gibt es ja. Die Frage, ob und wann sie auch hierzulande angeboten wird, lässt sich bislang aber nicht beantworten. Solange Ihr Arbeitgeber noch keinen offiziellen „Pawternity-Leave“ offeriert, nehmen Sie sich daher lieber ganz normal Urlaub. Die Frage nach der „Welpernzeit“ könnte für weniger aufgeschlossene und innovative Arbeitgeber sonst geradezu lächerlich wirken und falsche Signale senden.

Was denken Sie: Wird die „Welpernzeit“ in Zukunft auch nach Deutschland kommen? Und halten Sie das Konzept überhaupt für sinnvoll? Welche Erfahrungen haben Sie selbst vielleicht schon mit Welpen oder Hunden im Büro gemacht? Wir freuen uns auf Ihren tierischen Beitrag zum Thema in den Kommentaren!