Im Herbst 2002 hat die Bundesregierung die sogenannten Hart-Reformen I-III verabschiedet. Damals wurde der Existenzgründungszuschuss (ExGZ) in der Öffentlichkeit schwer diskutiert und als überflüssig befunden. Vor allem deshalb, weil es mit dem Überbrückungsgeld (ÜG) bereits ein ähnliches gut funktionierendes Programm zur Gründungsförderung aus der Arbeitslosigkeit gab. Doch die Praxis hat das Gegenteil bewiesen: Innerhalb von nur zwei Jahren hatte sich die Zahl der Gründungen bereits verdreifacht. Wir ziehen ein kurzes Fazit über die Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit.

Inhalt:
(1) Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit – ja oder nein?
(2) Welche Bedingungen stellt das ExGZ?
(3) Verschiedene Arten der Förderung
(4) Und wovon lebt ein Gründer in der Anfangsphase?

Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit – ja oder nein?

Eine Existenzgründung kann ein guter Ausweg aus der Arbeitslosigkeit sein, sollte aber nie eine Notlösung darstellen. Denn nicht Jeder ist für die Selbstständigkeit geeignet und wer nicht die notwendige Qualifikation und Motivation mitbringt, der sollte sich an so ein Unterfangen erst einmal nicht heranwagen. Wer sich doch dafür entscheidet, der scheitert oftmals an der fehlenden Finanzierung. Gerade die geringen Mengen, sagen wir etwa 25.000 Euro, die sogenannten „Mikrofinanzierungen“, sind besonders schwierig aufzutreiben. Denn aus Sicht der Banken und Geldinstitute ergeben sich hieraus zu kleine Renditen, vor allem hinsichtlich des damit einhergehenden Verwaltungsaufwandes. Aber nicht den Kopf hängen lassen, denn das ExGZ bietet zahlreiche Möglichkeiten für eine Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit.

Welche Bedingungen stellt das ExGZ?

Um eine Förderung zu erhalten, müssen Sie erst einmal drei wesentliche Schritte durchlaufen:

  1. Erstellen eines tragfähigen Businessplans zur optimalen Präsentation beim Förderantrag aber auch möglichen zukünftigen Geschäftspartnern. Hierfür wird den Arbeitslosen die entsprechende Hilfe zuteil.
  2. Sicherstellung des Lebensunterhaltes in der Gründungsphase. Auch hier können die entsprechenden Leistungen bei der Agentur für Arbeit oder der ARGE beantragt werden.
  3. Beantragung der Finanzierung für das Gründungsprojekt. Im Regelfall springt hier die KfW (Kreditanstalt für den Wiederaufbau) ein, die zahlreiche Förderprogramme je nach Art des Vorhabens anbietet.

 

Verschiedene Arten der Förderung

Der Gründungszuschuss:

Der sogenannte Gründungszuschuss umschließt die ersten sechs Monate der Gründungsphase und potenziell weitere 9 Monate in einer zweiten Phase. Erstere wird zusätzlich zum ALG 1 gezahlt und umfasst 300 Euro zusätzlich im Monat für die Sozialversicherungsleistungen. In der zweiten Phase erhält der Gründer ebenso die Pauschale von 300 Euro. Beantragt wird der Gründungszuschuss bei der Arbeitsagentur, sofern ein Anspruch auf ALG 1 besteht. Hierfür ist ein gut strukturierter Businessplan mit einer realistischen Finanzkalkulation notwendig. Weiterhin bedarf es einer sogenannten fachkundigen Stellungnahme. Diese wird von einer entsprechenden Stelle erarbeitet und bewertet das Vorhaben auf seine Realisierbarkeit. Weitere Vorgaben sind ein Restanspruch von mindestens 150 Tagen auf das ALG1 sowie die Gründung einer Vollexistenz.

Das Einstiegsgeld:

Diese Fördermöglichkeit betrifft alle Empfänger des ALG II, die sich selbstständig machen möchten. Das Einstiegsgeld wird bei dem zuständigen Jobcenter beantragt, es muss sich aber auch hier um die Gründung einer Vollexistenz handeln. Es wird dann für maximal 24 Monate gezahlt und in der Höhe vom jeweiligen Sachbearbeiter festgelegt. Mit einbezogen wird hier neben der Dauer der Arbeitslosigkeit auch die Größe der Bedarfsgemeinschaft. Ein rechtlicher Anspruch auf das Einstiegsgeld besteht allerdings nicht. Der Antragsprozess gestaltet sich simultan zu demjenigen des Gründungszuschusses. Die Antragsteller bleibt während dem Bezug von Einstiegsgeld weiterhin ALG II Empfänger und ist demnach sozialversichert.

Gründercoaching & Gründerkredit:

Zudem gibt es noch eine Vielzahl weiterer Gründerförderungsangebote, die teils von staatlichen teils von privaten Trägern finanziert werden und unterschiedlichste Bereiche betreffen. Eines davon ist das Gründercoaching Deutschland. Hier kann sich jedes Unternehmen bewerben, das jünger als fünf Jahre ist, und dadurch umfassende Informationen zu Marketing, Organisation oder Personal erhalten. Im Rahmen des Programmes arbeiten die Gründer mit einem Coach zusammen, der zu einer erfolgreichen und langfristigen Positionierung am Markt verhilft. Insgesamt umfasst die Förderhöhe bis zu 6.000 Euro.

Fremdfinanzierung:

Und noch eine Finanzierungsform steht zukünftigen Existenzgründern zur Verfügung: Die klassische Fremdfinanzierung. In den letzten Jahren haben sich hier zahlreiche Angebote am Markt etabliert, die kleinere und größere Kredite zur Verfügung stellen. Ein Beispiel ist der ERP Gründerkredit, auch als StartGeld der KfW-Bank bekannt. Er wird mit einer Höhe von bis zu 100.000 Euro gestellt und kann auch ohne Eigenkapital beantragt werden. Ausschlaggebend für die Bewilligung sind vor allem die kaufmännische und fachliche Qualifikation des Gründers. Je nach Bedarf läuft die Finanzierung für fünf bis zehn Jahre und wird nach zwei tilgungsfreien Jahren mit einem festgeschriebenen Zinssatz zurückgezahlt.

Und wovon lebt ein Gründer in der Anfangsphase?

Viele potenzielle Gründer schrecken vor diesem Schritt zurück, aus Angst vor dem Ausbleiben der Grundsicherung. Denn in der Regel dauert es plus minus zwei Jahre, bis erste Überschüsse erwirtschaftet werden können. In dieser Zeit fallen hohe Kosten für die Vorfinanzierung des Lebensunterhaltes und der Sozialversicherungen an. Es ist aber durchaus rechtens, während der Investitionszeit arbeitslos gemeldet zu bleiben. Daher kann vor allem in der Anfangszeit der Existenzgründung erst einmal auf die Beantragung verschiedener Zuschüsse verzichtet werden. So verschaffen Sie sich einen wichtigen Zeitvorteil. Beantragen Sie die Bezuschussung zum letztmöglichen Zeitpunkt. Oder Sie behalten den Anspruch auf ALG II, um so Ihren Lebensunterhalt nicht auf Kredit finanzieren zu müssen. Allzu häufig wird bei Beratungen der Agentur für Arbeit nämlich der Gründungszuschuss angepriesen und als einzige Alternative dargestellt. Informieren Sie sich lieber vorher noch einmal umfassend über Ihre Möglichkeiten und gehen Sie die Existenzgründung langsam und vorsichtig an.

Weitere Tipps und Tricks? Immer gerne!

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2 Kommentare

  1. Armin Winfried Heinz

    ACHTUNG !! Aus 40 Jahre erfahrung, kann ich nur jedem SAGEN dieser Schritt ist wie der erste Mensch auf dem Mond nicht Spektakulär sondern Einsam und Gefährlich ! Alle vergessen die 55% Kosten und die Zwänge ! IHK abgabe zusätzlich ! Die GEZ zusätzlich, macht man Musik zusätlich die GEMA !! Dann der Einkauf, der Ladenhüter, der Angestellte ( Kosten ) Lohnbuchhaltung/Buchhaltung und Anwälte/Versicherung und Steuerberater.. Unter dem Strich die “KOSTEN” die Gedeckt werden müssen… Also erst Denken dann Selbständig werden, dann geht es auch 40 Jahre “GUT” !!

  2. Helen Patricia Anna Reinecke

    Ohne genügend Eigenkapital und ohne entsprechenden kfm. Kenntnisse absoluter finanzieller Selbstmord !

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