Bevor Sie sich bei Bank um einen Kredit bemühen, …

… sollten Sie folgende Fakten kennen: Der ERP-Gründerkredit der KfW-Bank gilt als Standardprogramm für Kleingründer. Bis zu 100.000 Euro können Start-up-Unternehmer dort bekommen – bei festgeschriebenen, aber relativ niedrigen Zinsen. Erst nach zwei Jahren beginnt die Rückzahlung. Über die Vergabe des Kredits entscheidet auch die Hausbank mit.

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Schwierig dürften die Gespräche dann verlaufen, wenn der potenzielle Gründer zuvor bereits sein Sparbuch geplündert hat. Dann muss er mit dem Vorwurf rechnen, sein Geschäftsmodell nicht gründlich durchdacht zu haben. Für die Banker ist der Begriff „Nachfinanzierung“ erst einmal negativ belastet. Und jede Kreditverhandlung fällt unter „Nachfinanzierung“, wenn eine Firma bereits existiert.

Die Suche nach einem Investor ist ebenfalls kein Kinderspiel. Dafür vernetzen sich Gründer in ihrer Stadt, denn neben dem Startercenter gibt es vielerorts auch die Möglichkeit, sich einem Gründerstammtisch anzuschließen. Über Wettbewerbe für Businesspläne, Workshops, Seminare und Gründer-Messen, wie sie die Handelskammern organisieren, lassen sich weitere persönliche Kontakte knüpfen.

Die Investorensuche kann aber ebenfalls über die Website Business Angels Netzwerk Deutschland erfolgen. Dort lässt sich ein Formular downloaden für eine kurze Skizze des Geschäftsmodells. Dutzende von vermögenden Privatleuten werden über den E-Mai-Verteiler des Netzwerks erreicht. Sollten Sie eine echte „technologische Innovation“ zu bieten haben, so können Sie Ihr Glück beim High-Tech-Gründerfonds versuchen. Dort besteht die Möglichkeit, eine halbe Million Euro als „Starthilfe“ zu bekommen. Ansonsten stehen die Chancen für die Investition durch eine Risikokapitalfirma nur dann günstig, wenn diese Ihre Firma so einschätzen, dass sie einmal mindestens 100 Millionen Euro wert ist. Dies setzt allerdings einen Jahresgewinn von etwa fünf Millionen voraus.

Im Normalfall sind dies utopische Zahlen für Gründer. Sollten Sie sich einen Umsatz von rund 150.000 Euro in den Anfangsjahren ausgerechnet haben, könnte das sogenannte Crowdfunding (Schwarmfinanzierung) für Sie passen. Dieses Modell stammt aus den USA: Bereits ab 100 Euro kann jeder in ein Unternehmen investieren, dessen Geschäftsidee ihm vielversprechend erscheint. Wenn die Firma Gewinn macht, erhalten die Mini-Investoren, die als stille Teilhaber fungieren, ihr Geld zurück. Bis zu 100.000 Euro dürfen Jungunternehmer in Deutschland auf diesem Wege einsammeln, ehe sich die Bankenaufsicht meldet.

Doch auch dafür gibt es einen Tipp: ein neues Vertragsmodell für Investoren wie die Crowdfunding-Plattform Seedmatch. Einem Hamburger Start-up-Unternehmen gelang es, darüber in nur 48 Minuten 200.000 Euro von Privatpersonen zu bekommen, aber dabei handelt es sich eher um einen Einzelfall. Die Geschäftsidee „der einfachste Server der Welt“ hat vermutlich viele schlichtweg begeistert.

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Hilfe für arbeitlose Existenzgründer/innen

Haben Sie sich entschlossen, Ihre Arbeitslosigkeit dadurch zu beenden, dass Sie eine selbstständige hauptberufliche Tätigkeit aufnehmen, dürfen Sie bei der Arbeitsagentur grundsätzlich mit Aufgeschlossenheit rechnen. Sie erhalten dort zur Sicherung des Lebensunterhalts und zur sozialen Sicherung in der Zeit nach der Existenzgründung einen sogenannten Gründungszuschuss. Allerdings wird dieser nicht gezahlt, wenn Sie direkt aus einem Beschäftigungsverhältnis heraus als Selbstständiger gefördert werden wollen.

Auf den Gründungszuschuss besteht außerdem kein Rechtsanspruch, vielmehr handelt es sich dabei um eine „Ermessensleistung der aktiven Arbeitsförderung“, wie es die Arbeitsagentur formuliert. Gewünscht wird, dass die Förderung der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit dazu führt, dass Sie sich nachhaltig beruflich integrieren. Dabei werden auch Faktoren wie die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes und die Auswahl an Stellenangeboten berücksichtigt.

Sie können den Gründungszuschuss dann bekommen, wenn Sie bis zum Start Ihrer selbstständigen Tätigkeit einen Anspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens 150 Tagen haben, dessen Dauer nicht allein auf der „kurzen Anwartschaft“ beruht. Zudem muss der zeitliche Umfang der selbstständigen Tätigkeit die Arbeitslosigkeit beenden und sich auf mindestens 15 Stunden pro Woche belaufen.

Die Arbeitsagentur verlangt außerdem von Ihnen, dass Sie die notwendigen Kenntnisse darlegen können, die Sie zur Ausübung der geplanten selbstständigen Tätigkeit befähigen. Sollten sich Zweifel ergeben, wird man Ihnen die Teilnahme an einer Maßnahme zur Eignungsfeststellung oder zur Vorbereitung der Existenzgründung nahelegen.

Ferner erwartet die Arbeitsagentur einen Nachweis über die Tragfähigkeit der Existenzgründung und eine entsprechende Stellungnahme von einer fachkundigen Stelle. Als solche gelten Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammern und berufsständische Kammern sowie Fachverbände und Kreditinstitute.

Mit wie viel Gründungszuschuss dürfen Sie rechnen?

Die Förderung erfolgt in zwei Phasen. Für die ersten sechs Monate erhalten Sie den Zuschuss in Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes für die Sicherung Ihres Lebensunterhalts plus 300 Euro zur sozialen Absicherung. Der Betrag von 300 Euro zur sozialen Absicherung kann für weitere neun Monate gewährt werden, wenn Sie der Arbeitsagentur eine intensive Geschäftstätigkeit und hauptberufliche unternehmerische Aktivität darlegen.

Zusatzinfo: Falls seit dem Ende einer Förderung noch keine 24 Monate vergangen sind, ist ein erneuter Gründungszuschuss nicht möglich. Personen, die das für die Regelaltersrente erforderliche Lebensjahr vollendet haben, erhalten vor Beginn des folgenden Monats keine Förderung. Der Anspruch auf Arbeitslosengeld verringert sich um die Anzahl von Tagen, für die ein Gründungszuschuss in Höhe des letzten bezogenen Arbeitslosengeldes geleistet wurde. Bezüglich der Arbeitslosenversicherung besteht für Selbstständige die Möglichkeit einer Antragspflichtversicherung in der Arbeitslosenversicherung.

Das Für und Wider einer Existenzgründung abwägen

Dafür haben Sie hier nun eine ganze Reihe von Tipps bekommen. Abschließend listen wir Ihnen noch auf, was nach Ansicht von Experten die „sieben Todsünden“ sind, die Sie als Jungunternehmer – auch im fortgeschrittenen Alter – vermeiden sollten:

1. Zu viele Leistungen gleichzeitig anbieten

Um an Aufträge zu kommen, präsentieren sich viele Selbstständige als Allrounder – und bringen sich damit in die Situation, Kunden abwimmeln zu müssen. Niemand erwartet, dass Sie die berühmte „eierlegende Wollmilchsau“ zu bieten haben. Konzentrieren Sie sich lieber auf das, was Sie wirklich beherrschen. Ihr Alleinstellungsmerkmal sollte überall in Ihrer Selbstdarstellung und Werbung deutlich werden.

2. Den inneren Geschäftsmann beiseite schieben

Erfahrungsgemäß hapert es bei vielen Gründern an betriebswirtschaftlichem Grundwissen. Vor allem in der Gastronomie wird dies häufig beobachtet. Wer nur seinen Umsatz erhöhen will und sich die Ausgaben schön rechnet, kann im Wettbewerb selten bestehen. Halten Sie sich an den Businessplan, den Sie vor der Gründung Ihres Unternehmens erstellt haben.

3. Den Markt nicht ausreichend beachten

Sie sind von Ihrer Idee begeistert, aber stecken Sie damit auch Ihre potenziellen Kunden an? Wer sich vorher nicht wirklich schlau macht, wie sein Geschäftsmodell ankommt und eingeschätzt wird, erlebt garantiert eine Enttäuschung. Um Ihr Angebot zielgruppengerecht auszurichten, können Sie sich als Student beispielsweise an einer Feldforschung beteiligen, die an manchen Unis angeboten wird. Haben Sie diese Möglichkeit nicht, sprechen Sie mit der Familie und Freunden über Ihr Vorhaben.

4. Das Team falsch besetzen

Wenn Sie ein technisches Unternehmen gründen, werden Sie dies kaum allein wuppen können. Bei einem Team von Gründern allerdings sollten Sie penibel darauf achten, dass Sie einander fachlich optimal ergänzen. Nicht den besten Freund mit rein nehmen, weil’s bei dem auch gerade brennt, er aber eigentlich ein Branchenfremder oder gar Stümper ist. Wenn die Mischung nicht stimmt, laufen Sie Gefahr, dass Ihr Unternehmer dem nicht standhält.

5. Alles im Alleingang machen

Als Einzelkämpfer werden Sie es schwer haben. Und Sie machen zwangsläufig Fehler, z. B. bei der Beantragung eines Gewerbescheins oder wenn Sie die Möglichkeiten ausschlagen, sich für Ihre Gründung fachgerecht beraten zu lassen. Auch wenn Sie allein arbeiten, z. B. als Texter/in oder Illustrator/in, sollten Sie sich möglichst gut vernetzen und von den Erfahrungen Ihrer KollegenInnen profitieren. Bleiben Sie nicht im stillen Kämmerlein vor dem PC, sondern nutzen Sie die Möglichkeiten für Meetings und Veranstaltungen, auf denen Sie sich mit anderen austauschen – und möglicherweise neue Kunden generieren können.

6. Die Finanzen nicht im Auge behalten

Es ist gut, wenn Sie optimistisch sind – im Hinblick auf Ihr Geld allerdings rächt sich jede Form von Blauäugigkeit. „Ich komme schon irgendwie klar“, ist eine schlechte Voraussetzung für Freiberufler und Selbstständige. Sie stehen bei Ihren Kreditgebern im Wort oder ggf. bei einem Seniorpartner. Lassen Sie sich nicht darauf ein, dass Ihre Familie für Sie gerade steht, wenn es nicht klappt.

7. Zu früh den Mut verlieren

Auch wenn es mal eng wird: Geben Sie nicht vorschnell auf. Sie brauchen als Unternehmer nicht nur eine selbstbewusste Grundhaltung, sondern auch die Kraft, immer wieder aufzustehen. Und Ihre Pläne zu revidieren, falls Sie aufs falsche Pferd gesetzt haben.