Pendeln Sie zu Arbeit? Und wenn ja, wie lange? Eine halbe Stunde? Eine ganze? Oder zehn? Dank „Extreme Commuting“ ist das mittlerweile alles andere als weit hergeholt. Langsam schwappt der Trend der „Extrem-Pendler“ nämlich auch nach Deutschland über. Da wird schon einmal drei, vier oder auch fünf Stunden am Tag gependelt – zum Beispiel per Flugzeug.

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Inhalt
1. Definition: „Extreme Commuting“ – Pendeln erreicht ein neues Level
2. „Extrem-Pendeln“ via Flugzeug? George Clooney macht vor, wie es geht!
3. Gründe für das „Extrem-Pendeln“: Geld vs. Familie
4. Das Rollenmodell verändert sich – und fördert das „Extreme Commuting“
5. Tipps für „Extrem-Pendler“: So klappt das „Extreme Commuting“

Definition: „Extreme Commuting“ – Pendeln erreicht ein neues Level

„Extreme Commuting“ ist ein Begriff, der vom „United States Census Bureau“ als Pendeln definiert wurde, das jeden Werktag eine Zeitspanne von 90 Minuten pro Arbeitsweg überschreitet. Auf Deutsch könnten wir also vom „Extrem-Pendeln“ sprechen. Doch 90 Minuten stellen dabei nur eine Untergrenze dar. Den „America’s Longest Commute Award“ erhielt im Jahr 2006 ein Mann, der sage und schreibe 372 Meilen zur Arbeit fährt – jeden Tag. Somit benötigt er 4,5 Stunden pro Weg, pendelt also unglaubliche neun Stunden täglich. Wenn das mal nicht wirklich „extrem“ ist!

Aber es geht noch extremer: Die meisten Betroffenen pendeln mit dem Auto oder Zug. Doch immer mehr „Extreme Commuter“ legen den täglichen Arbeitsweg mittlerweile via Flugzeug zurück. Während der Durchschnittsbürger vielleicht zweimal im Jahr in den Flieger steigt – um in den Urlaub und wieder nach Hause zu fliegen – gehört das für den „Extrem-Pendler“ zum ganz gewöhnlichen Arbeitsalltag.

„Extrem-Pendeln“ via Flugzeug? George Clooney macht vor, wie es geht!

Waren Sie vielleicht im Jahr 2009 im Kino und haben den Film „Up in the Air“ mit George Clooney gesehen? Wenn nicht, möchten wir ihn an dieser Stelle kurz für Sie zusammenfassen: George Clooney spielt die Rolle des Ryan Bingham, ein „Extreme Commuter“, dessen Job darin besteht, Angestellte für fremde Firmen zu entlassen, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht selbst die Kündigung aussprechen möchten. Für diesen Vorgang von meist wenigen Minuten oder Stunden fliegt er Tag für Tag quer durch die USA. Sein persönlicher Traum lautet: die Zehn-Millionen-Frequent-Flyer-Meilen-Schallmauer überwinden.

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Er pendelt zwar nicht klassisch zwischen seinem Zuhause und dem Arbeitsplatz, doch macht Ryan Bingham den Zuschauern vor allem eines bewusst: Wer ständig „on the road“ ist, für den werden eine eigene Familie, eine ausgewogene Work-Life-Balance oder überhaupt ein „Leben“ neben der Arbeit sowie die Pflege sozialer Beziehungen beinahe unmöglich. Wieso also entscheiden sich trotzdem immer mehr Menschen für „Extreme Commuting“, sei es via Flugzeug oder „klassisch“ mit dem Zug oder Auto?

Gründe für das „Extrem-Pendeln“: Geld vs. Familie

Natürlich hat jeder Mensch individuelle Gründe, um sich für oder gegen das Pendeln zu entscheiden. Wenn es aber doch viel einfacher und zeitsparender wäre, einfach in die Nähe des Arbeitsplatzes umzuziehen, wieso lässt sich ein Mensch dann auf das „Extreme Commuting“ ein? In den meisten Fällen steckt dahinter einer dieser zwei Gründe – oder beide:

  1. Geld: Der Wohnraum in Ballungsgebieten wird immer teurer. New York und London sind hierfür Extrembeispiele, doch auch in Deutschland steigen die Mietpreise vor allem in Großstädten rasant an. Viele Pendler können oder wollen sich diese Mieten nicht leisten. Die logische Schlussfolgerung: Sie müssen raus aus der Stadt und sich eine Wohnung oder ein Haus in ländlicheren und dadurch günstigeren Gebieten suchen.
  2. Familie: Viele Menschen möchten zudem nicht mit ihrer Familie in eine kleine Großstadtwohnung ziehen, wenn sie sich für dasselbe Geld ein freistehendes Haus leisten könnten. Hinzu kommt, dass die Familie häufig bereits am bisherigen Wohnort verwurzelt ist. Gerade mit Kindern ist ein Umzug kein leichtes Unterfangen. Sie aus ihrem gewohnten Umfeld herausreißen? Weg von Freunden, Vereinen, Großeltern & Co? Rein in einen neuen Kindergarten oder in eine neue Schule in einer völlig fremden Stadt? Klar, dass das viele Eltern nicht möchten.

Das Rollenmodell verändert sich – und fördert das „Extreme Commuting“

Und dann gibt es da noch einen dritten Grund, der aus der fortschreitenden Emanzipation und Gleichberechtigung resultiert: Das Rollenmodell verändert sich. Dass der Mann arbeiten geht und die Frau zwecks Kindererziehung und Haushalt zuhause bleibt – und deshalb dem Mann „nachzieht“ – wird als Familienmodell immer seltener. Immer mehr Frauen gehen in Voll- oder Teilzeit arbeiten und verfolgen eine eigene Karriere. Manchmal, weil dies finanziell für die Familienkasse notwendig ist, aber immer öfter auch zum Zweck der Selbstverwirklichung. Der Trend geht in Richtung Arbeitsteilung. Das klassische Rollenmodell ist überholt und weder von Frauen noch von Männern gewünscht. Und das ist auch gut so!

Statistik: Sind Sie der Meinung, dass es die beste Arbeitsteilung in der Familie ist, wenn der Mann Vollzeit arbeitet, die Frau nicht erwerbstätig ist und sich um die Kinder und den Haushalt kümmert? | Statista
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Nur fördert diese Entwicklung eben auf der anderen Seite das „Extreme Commuting“. Wenn nicht mehr nur der Mann, oder auch nur die Frau, arbeiten geht, stehen viele Paare vor einer schwierigen Entscheidung: Mindestens einer von beiden muss pendeln. Oder aber man trifft sich in der Mitte und beide pendeln den halben Weg. Doch so oder so: Das Pendeln gehört für immer mehr Deutsche zum ganz normalen Alltag. Denn dass beide Partner einen guten (!) Job in ein und derselben Region finden, kann je nach Branche beinahe unmöglich werden. Kein Wunder also, dass bereits 61 Prozent der Deutschen zur Arbeit pendeln. Tendenz steigend!

Statistik: Können Sie sich vorstellen, zur Arbeit zu pendeln? | Statista
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Tipps für „Extrem-Pendler“: So klappt das „Extreme Commuting“

Wenn Sie (zumindest zeitweise) „extrem-pendeln“ müssen, helfen Ihnen vielleicht einige der folgenden Tipps dabei, die richtige Einstellung zum „Extreme Commuting“ zu finden und die Zeit möglichst sinnvoll zu nutzen:

  1. Komfort: Gestalten Sie sich das Pendeln so angenehm wie möglich. Das kann auch bedeuten, unter Umständen etwas tiefer ins Portemonnaie zu greifen. So kann es durchaus komfortabler sein, mit dem etwas teureren Zug zu fahren und die lange Fahrt zum Dösen zu nutzen, als die günstigere Variante des Autos zu wählen und sich dafür tagtäglich mit dem Stau im Berufsverkehr herumzuschlagen. Wenn es Ihre finanziellen Möglichkeiten also zulassen, treffen Sie die Wahl der Verkehrsmittel unabhängig vom Geld und dafür in Anbetracht des persönlichen Komforts.
  2. Entspannung: Viele Menschen bevorzugen öffentliche Verkehrsmittel wie Busse, Züge oder eben Flugzeuge, weil sie sich dann während der Fahrt entspannen können. Lesen Sie ein Buch, hören Sie Ihre Lieblingsmusik, holen Sie den Schlaf von letzter Nacht nach oder telefonieren Sie mit Ihrer besten Freundin. Pendlerzeit sollte für Sie Entspannungszeit sein, damit Sie dann bei der Arbeit sowie am Abend bei Ihrer Familie ausgeruht und voll bei der Sache sind. Einzige Ausnahme: Arbeiten sollten Sie beim „Extreme Commuting“ nur, wenn Ihnen diese Zeit angerechnet wird und demnach für Entlastung sorgt.
  3. Geduld: Zuletzt brauchen Sie zum Pendeln natürlich vor allem eines, und das ist eine Menge Geduld. Wenn Sie nicht von Natur aus mit Nerven wie Drahtseilen gesegnet sind, haben wir jetzt zum Schluss noch eine gute Nachricht für Sie: Geduld können Sie lernen! Und mit einem kleinen Augenzwinkern fügen wir hinzu: Zeit und Gelegenheit haben Sie dafür beim täglichen Arbeitsweg ja genug.

Lese-Tipp:Erfolg durch Geduld: Was lange währt, wird endlich gut!

Das Leben ist Einstellungssache – das Pendeln auch. Lernen Sie die Zeit wieder zu schätzen und vertreiben Sie sie mit Dingen, die Ihnen Freude bereiten. Büffeln Sie im Zug eine neue Fremdsprache, verbringen Sie Ihren Feierabend mit Ihren Kinder anstelle des Fernsehers und genießen Sie in Ihrer Mittagspause für eine halbe Stunde die wärmenden Sonnenstrahlen auf Ihrer Haut. Wenn das „Extreme Commuting“ einen großen Vorteil hat, dann den, dass Sie Ihre Zeit wieder zu schätzen lernen, sie sorgfältiger einteilen und Ihr Leben außerhalb von Autos, Zügen oder Flugzeugen bewusster genießen. Dass es sich dabei um ein angenehmes und auf Dauer sinnvolles Arbeitsmodell handelt, bleibt dennoch zu bezweifeln.

Oder was denken Sie? Sind auch Sie (Extrem-) Pendler? Welche Erfahrungen können Sie zum Thema „Extreme Commuting“ mit unseren Lesern teilen? Haben Sie vielleicht weitere Tipps in petto? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare, Meinungen und Anregungen.