Haben Sie ein lukratives Angebot von der Konkurrenz erhalten – oder spielen Sie mit dem Gedanken, sich bei einem Mitbewerber Ihres derzeitigen Arbeitgebers zu bewerben? In beiden Fällen gibt es einige Punkte zu beachten.

Schauen Sie, ob Ihr Arbeitsvertrag ein Wettbewerbsverbot enthält. Dieses untersagt Mitarbeitern, nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses anschließend bei der Konkurrenz anzufangen. Allerdings sind entsprechende Regelungen häufig gar nicht wirksam.

Arbeiten Sie beispielsweise als Ingenieur, haben Sie meist Zugang zu wichtigem Fachwissen, das Ihr Boss nicht an Ihren neuen Chef weitergegeben wissen will. Um das zu verhindern, werden gern nachvertragliche Wettbewerbsverbote vereinbart. Damit will Ihr Arbeitgeber sicherstellen, dass Sie die in seinem Unternehmen gesammelten Erfahrungen und geschäftlichen Kontakte nicht eins zu eins in Ihren neuen Job einbringen.

Allerdings sehen Gesetzgeber und Rechtsprechung strenge Regeln vor, damit solche Vereinbarungen wirksam sind. Denn nachvertragliche Wettbewerbsverbote können schließlich dazu beitragen, dass Ihr berufliches Weiterkommen und damit die Entwicklung Ihres Einkommens stark beeinträchtigt werden. Deshalb besagt die gesetzliche Regelung, dass ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot höchstens zwei Jahre dauern darf und schriftlich mit der Originalunterschrift beider Seiten vereinbart werden muss.

Ferner haben Sie als Mitarbeiter Anspruch auf eine sogenannte Karenzentschädigung während Wettbewerbsenthaltsamkeit. Diese Entschädigung hat sich auf eine Summe zu belaufen, die für jedes Jahr mindestens die Hälfte Ihres bisherigen Gehalts beträgt.

Die genannten Punkte müssen deutlich aus der zwischen Ihrem Arbeitgeber und Ihnen geschlossenen Vereinbarung hervorgehen. Dazu gehört ferner, dass der Geltungsbereich des Wettbewerbverbots weder inhaltlich noch räumlich zu weit geht und Ihre bisherige Firma zudem nachweislich ein berechtigtes Interesse daran hat. Falls die Vereinbarung nämlich in einem Punkt diesen Vorgaben nicht gerecht wird – ist z. B. die Höhe der Karenzentschädigung zu niedrig ausgewiesen – gilt das Wettbewerbsverbot nicht als verbindlich.

Sie haben als Mitarbeiter dann die Möglichkeit, zur Konkurrenz zu wechseln und dafür auf die Entschädigung zu verzichten. Oder Sie halten sich strikt an die Wettbewerbsabrede und gehen nicht zu einem Mitbewerber. Dann aber haben Sie Anspruch auf eine korrekt ausgerechnete Entschädigung, wie sie den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Es lohnt sich also für Sie, sich mit der Gesetzeslage auszukennen, denn hier gibt es wie so häufig Grauzonen. Lesen Sie weiter, um zu erfahren, wie sich Arbeitgeber wappnen, damit Sie sich nicht abwerben lassen.

Wann fällt das Abwerben von Mitarbeitern eigentlich unter den Begriff „Trennungskriminalität“?

Zu diesem Thema veröffentlichte ZEIT ONLINE ein interessantes Interview mit dem Detektiv Manfred Lotze aus Köln, der nach eigenem Bekunden „kriminellen Mitarbeitern“ nachspürt. Zu den häufigsten Vergehen gehört nach seiner Erfahrung die sogenannte Trennungskriminalität.

Während Arbeitgeber früher meist dann eine Detektei für Wirtschaftskriminalität beauftragten, weil sie ihre Mitarbeiter des Diebstahls, der Bestechlichkeit oder der Unterschlagung verdächtigten, geht es inzwischen meist um die illegale Abwerbung von Fachkräften.

Von Trennungskriminalität wird dann gesprochen, wenn ein wichtiger Mitarbeiter kündigt, trotz eines Wettbewerbsverbots bei der Konkurrenz anheuert oder vertraglich vereinbarte Pflichten verletzt. Oder wenn er Patente, Innovationen und Kundendaten mitnimmt bzw. Betriebsgeheimnisse offenlegt.

Der Detektiv berichtet von einem Fall, bei dem eine siebenköpfige Abteilung geschlossen zur Konkurrenz wechselte, Geschäftsführer, Einkaufs- und Vertriebsleiter sowie Außendienstmitarbeiter eingeschlossen – allesamt Angestellte, die über 20 Jahre in dem Betrieb tätig gewesen waren. Eine dramatische Situation für den Arbeitgeber, der damit nicht nur bedeutendes Know-how verliert, sondern gleichzeitig Kundendaten und -kontakte, Einkaufsbedingungen und Marktanteile. Es kann Jahre in Anspruch nehmen, um alles dies wieder aufzubauen. Große Investitionen sind außerdem erforderlich, um neues Personal zu rekrutieren. Trennungskriminalität von diesem Zuschnitt kann folglich ein Unternehmen ruinieren, betont der Experte.

Die Frage, was daran illegal sei, das lukrative Angebot seitens der Konkurrenz anzunehmen, beantwortet Manfred Lotze wie folgt: Meistens hätten die Arbeitgeber ja vorgesorgt, indem sich beispielsweise Mitarbeiter in Schlüsselpositionen durch ihren Arbeitsvertrag dazu verpflichten, keine Betriebsgeheimnisse zu verraten. Außerdem empfehle sich zusätzlich eine Vereinbarung über ein Wettbewerbsverbot. Ein Mitarbeiter, der dagegen verstoße, verhielte sich illegal und gebe dem Arbeitgeber das Recht zur Klage vor Gericht. In dem geschilderten Fall der abgeworbenen Abteilung habe das Unternehmen „umgehend Unterlassungsklage beim Arbeitsgericht erhoben und Recht bekommen. Damit waren die ausgeschiedenen Mitarbeiter daran gehindert, bei der Konkurrenz sofort tätig zu werden.“

Von der Arbeit eines Wirtschaftsdetektivs

Die Tätigkeit von Manfred Lotze müssen Sie sich in etwa so vorstellen: Er und seine Kollegen überprüfen, inwieweit die Aussagen früherer Mitarbeiter der Wahrheit entsprechen und ob sie sich an ein bestehendes Wettbewerbsverbot halten. Offenbar ist es ein beliebter Trick, die Mitarbeiter zum Schein in einer Tochterfirma des Konkurrenten anzustellen, obwohl sie in der Realität direkt für den Mitbewerber arbeiten. Um dies auszukundschaften, werden stets mindestens zwei Detektive eingesetzt, oft auch mit einem getarnten Auto.

Ein Großteil der Vorermittlung erfolgt im Büro. Dabei ist es wichtig, alle Einzelheiten so zu dokumentieren, dass sie gerichtstauglich sind. Außerdem bereiten sich die Detektive darauf vor, ggf. als Zeugen vor Gericht aussagen zu können oder die Ergebnisse ihrer Ermittlungen außergerichtlich bei Gegenüberstellungen im Sinne ihres Auftraggebers einzubringen.

Ein Arbeitgeber erkennt z. B. an folgenden Indizien, dass sein Mitarbeiter vermutlich ein „Überläufer“ ist: Der Inhaber einer Schlüsselposition kündigt überraschend und drückt sich um die Antwort nach seinem neuen Job. Auffällig ist es auch, wenn dieser Mitarbeiter vorher oft Kontakt zu Vertretern der Konkurrenz hatte und diese Firma nach seinem Weggang auf einmal stark expandiert. Oder wenn diese zahlreiche Kunden mit günstigen Konditionen ködert. Es kommt außerdem vor, dass Patente verletzt werden – z. B. dann, wenn es gelingt, den Leiter einer Forschungs- oder Entwicklungsabteilung ins Boot des Mitbewerbers zu holen.

Um sich gegen solche Machenschaften zu wehren, werden die betroffenen Unternehmensleitungen zunächst auf ihre gesetzlichen Pflichten hingewiesen, die besagen, es gelte Schadensfälle zu verhindern. Sogar persönliche Haftung ist hier nicht ausgeschlossen.

Auch Manfred Lotze verweist auf die gesetzlichen Vorschriften des eingangs beschriebenen Wettbewerbsverbots sowie auf die dafür anstehenden Entschädigungszahlungen. Er erwähnt außerdem das Abwerbeverbot, das mit Führungskräften ausgehandelt werden kann, um den Weggang eines ganzen Teams zu unterbinden. Außerdem habe ein Arbeitnehmer sowohl Firmen-PC als auch das firmeneigene Smartphone unversehrt und ohne Computerviren zurückzugeben. Sowohl real als digital müsse dem scheidenden Mitarbeiter der Zugang zum Unternehmen verwehrt werden. Es hat Fälle gegeben, in denen sich Ex-Angestellte morgens – wenn in der Firma geputzt wurde – Zugang verschafften und ihr Passwort knackten, um ihrem neuen Arbeitgeber relevante Zahlen aus ihrem früheren Betrieb zu liefern.

Solche krassen Fälle sind aber nach Manfred Lotzes Erfahrung eher Ausnahmen, die zudem meist von den Firmen untereinander geregelt werden. Ein Gerichtsverfahren scheuen die meisten, weil sie nicht schlecht dastehen wollen im Licht der Öffentlichkeit.

Weitere Details über Ermittlungen im Bereich der Trennungskriminalität

Der Experte kann nicht feststellen, dass bestimmte Branchen davon besonders stark betroffen sind, vielmehr komme dergleichen in allen Bereichen der Wirtschaft vor. Die Größe des Unternehmens spiele ebenfalls keine Rolle, sagt er und fügt hinzu, möglicherweise sei diese Form der Rekrutierung neuer Mitarbeiter mittlerweile auch dem demografischen Wandel geschuldet.

Die Frage, ob Detektive auch hin und wieder im „rechtlichen Graubereich“ tätig seien, beantwortet er so:

Wir dürfen erst tätig werden, wenn uns der Auftraggeber ein überwiegendes berechtigtes Interesse nachweisen kann. Das ist etwa der Fall, wenn unser Klient von seinem Personal, von Kunden oder auch anonym erfährt, dass der frühere Außendienstmitarbeiter heute für die Konkurrenz tätig ist, obwohl sein Wettbewerbsverbot noch gilt.

Manfred Lotze und seine Kollegen werden auch international eingesetzt, allerdings gibt es im Ausland verschiedene Hürden für ihre Arbeit. Diese bestehen z. B. in Österreich in Form einer Art Lizenz – in der Schweiz gibt es innerhalb der Kantone unterschiedlichen Regelungen. Deshalb werden manche Aufgaben an Detektive vor Ort delegiert, wobei die jeweiligen Einsatzleiter stets mit anwesend sind.

Die Kosten der mit einem Fall von Trennungskriminalität beauftragten Detektei richten sich nicht etwa nach der Höhe des Schadens, das dem betroffenen Unternehmen entsteht. Sie bemessen sich vielmehr anhand von Honoraren und Sachkosten und an dem zeitlichen Aufwand für die Ermittlungsarbeit. Das Ziel ist immer ein gerichtsfestes Ergebnis. 14 Ermittler und mehrere Fahrzeuge waren im Einsatz, als es um den Fall mit der siebenköpfigen Abteilung ging.

Die Kosten werden zuvor mit den Auftraggebern geklärt und können als übliche Betriebskosten steuerlich abgesetzt werden. Wenn die Ermittlungen zu einem Erfolg führen und eine illegale Tat nachgewiesen wird, holt sich mancher Arbeitgeber die angefallenen Kosten zurück – entweder von seinem früheren Mitarbeiter oder auch recht häufig von seinem Konkurrenten. Dies erfolgt entweder vor Gericht oder außergerichtlich.

2 Kommentare

  1. Srle Lide Lide Srle

    Ist doch normal in der Wirtschaft . Nicht gut behandelte Mitarbeiter sind leicht zu abwerben .

  2. Quirin White

    Warum denn nicht? Aktuell sind Mitarbeiter in rares Gut – wenn ich gut behandelt werden, mich wohl fühle, denke ich nicht über einen Wechsel nach – egal, wie oft ich anfragt werde. Und wenn nicht, hat der Arbeitgeber selbst schuld. Es liegt eben nicht nicht (immer nur) alles am Geld…

Kommentieren