Welche Möglichkeiten bestehen für den Arbeitnehmer die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte in Form eines Fahrkostenzuschusses ein wenig erträglicher zu gestalten? Wir klären auf!

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8. Besondere Lohnbestandteile aus steuer- und sozialversicherungsrechtlicher Sicht

Im letzten Kapitel widmeten wir uns den Zuschlägen und den Zulagen. Einige Formen von Zulagen stellten wir Ihnen dabei vor. Charakteristisch dafür ist, dass mit ihnen die Schwere der Arbeit zusätzlich vergütet werden kann oder der Arbeitgeber ein sonstiges persönliches Engagement damit honorieren möchte. Aber wir sahen bereits an verschiedenen Beispielen, diese Entgelte unterliegen der Steuer- und Sozialversicherungspflicht und die Auswirkungen der Steuerprogression sorgen dafür, dass mit steigendem Verdienst relativ weniger beim Netto bzw. Auszahlungsbetrag ankommt.

Nehmen wir uns den Mitarbeiter Martin Jung vor. Jeden Tag pendelt er von Schlüchtern nach Hanau und zurück. Immerhin pro Fahrt ca. 60 Kilometer. Oder Willi Wohlhabend, der ebenfalls werktäglich 60 Kilometer zwischen Hanau und Heigenbrücken fährt. Gut, es handelt sich um frei erfundene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber gerade im Rhein-Main-Gebiet ist das Einzugsgebiet recht groß und die genannten Entfernungen liegen für viele Beschäftige im unteren Bereich dessen, was vielfach als Pendelbereich zwischen Wohnung und Arbeitsstätte in Kauf genommen wird; man möge sich nur zur Hauptverkehrszeit auf die Autobahn begeben oder in den Zug setzen.

Es stellt sich also die Frage, welche Möglichkeiten bestehen für den Arbeitnehmer diese ihm entstehenden Aufwendungen in Form einer steuerlichen Begünstigung ein wenig erträglicher zu gestalten. Bleiben wir bei den o. g. Einzelfällen und lassen eine durch den Arbeitgeber ermöglichte Sammelbeförderung außen vor.

8.1.1. Fahrten Wohnung-Arbeitsstätte als Werbungskosten

Die meisten von Ihnen als Leser des Online-Seminars Lohn und Gehalt werden mit Sicherheit als Arbeitnehmer im Rahmen ihrer Steuerklärung für Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (auf die wir uns an dieser Stelle beschränken) Werbungskosten gelten gemacht haben, Kosten also, die beruflich veranlasst sind und in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dieser Tätigkeit stehen. 1.000,00 € pro Jahr beträgt dieser Arbeitnehmerpauschbetrag, der bereits beim Lohnsteuerabzug Berücksichtigung findet. Enthalten in diesem Pauschbetrag sind demnach auch die Kosten, die dem Arbeitnehmer für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte entstehen. Auszugehen ist dabei von einer Entfernungspauschale in Höhe von 0,30 € je Entfernungskilometer und Arbeitstag.

Ein höherer Betrag als 4.500 € pro Jahr kann im Rahmen der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden, wenn der Arbeitnehmer einen eigenen oder zur Nutzung überlassenen Kraftwagen benutzt hat oder im Falle von öffentlichen Verkehrsmitteln höhere Aufwendungen glaubhaft machen oder nachweisen kann (§ 9 Abs.1 Nr.4 und Abs.2 EStG).

Kommen wir zurück zu unserem Mitarbeiter Martin Jung. Gehen wir von 200 Arbeitstagen im Jahr aus, an denen er jeweils 60 Kilometer zurücklegt, kann er Kosten in Höhe von 3.600 € geltend machen, also erheblich mehr, als im Werbungskostenpauschbetrag enthalten sind; es empfiehlt sich logischerweise eine Einkommensteuererklärung abzugeben oder einen Steuerfreibetrag zu beantragen, um bereits jeden Monat eine geringere steuerliche Belastung zu haben.

8.1.2. Fahrten Wohnung-Arbeitsstätte als pauschal besteuerter Arbeitgeberzuschuss

Alternativ kann der Arbeitgeber Zuwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte in Höhe der Entfernungspauschale von 0,30 € mit einer pauschalen Lohnsteuer von 15 % plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer besteuern. Zusätzlich entfallen die Beiträge zur Sozialversicherung sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber!

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Welche Voraussetzungen müssen dazu erfüllt sein? Vom Arbeitgeber gezahlte Zuschüsse werden zusätzlich zum vereinbarten Lohn oder dem Gehalt gewährt, was sich relativ einfach beurteilen lässt, wenn die Bestimmungen eines Tarifvertrages gelten. Wurde zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzelarbeitsvertraglich ein Gehalt von 2.500 € vereinbart, auf der Abrechnung erscheinen jedoch nur 2.300 € und 200 € als Fahrtkostenzuschuss, der pauschal vom Arbeitgeber versteuert wurde, sollte man schleunigst einen Blick auf seinen Arbeitsvertrag bzw. die Bescheinigung nach dem Nachweisgesetz werfen! Weiterhin darf der Zuschuss den Betrag nicht überschreiten, den der Arbeitnehmer im Rahmen seiner Einkommensteuerklärung als Werbungskosten absetzen könnte.

Lohnabrechnung Martin Jung Januar – Fartkostenzuschuss (PDF)

Wie eine Lohnabrechnung auf der Grundlage eines pauschal versteuerten Fahrtkostenzuschusses aussehen kann, zeigen wir am Beispiel Martin Jung für den Januar 2014. Die Abrechnung aus dem vorigen Kapitel schreiben wir zu diesem Zweck fort und gehen von 24 Arbeitstagen aus. (Ohne Nachweis kann von 15 Arbeitstagen im Monat ausgegangen werden.) Für jeden Tag zahlt der Arbeitgeber 0,30 €/km bei 60 Kilometer Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Auf der Lohnsteueranmeldung des Arbeitgebers werden diese 432,00 € mit 15 % pauschaler Lohnsteuer, entsprechend 64,80 €, darauf entfallend 3,56 € Solidaritätszuschlag und 4,54 € pauschale Kirchensteuer erscheinen.

Grundsätzlich kann der Arbeitgeber diese Steuern, hier insgesamt 72,90 €, auf den Arbeitnehmer abwälzen. Wäre der Fahrtkostenzuschuss als steuer- und sozialversicherungspflichter Bruttobetrag Herrn Jung gezahlt worden, betrüge der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung statt dessen insgesamt 83,27 €. D. h., selbst wenn der Arbeitgeber die pauschale Lohnsteuer trägt, fallen für ihn die Kosten insgesamt etwas geringer aus.

Stellt ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern sog. Job-Tickets zur Verfügung, also Zeitkarten zur Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs, ist entsprechend zu verfahren, sofern der Betrag nicht unter 44 € liegt und ggf. grundsätzlich steuerfrei bleibt.

Beantworten wir eine letzte Frage für heute: Wie wirken sich eigentlich die Bezüge, wie sie der Arbeitnehmer Jung von seinem Arbeitgeber als Fahrtkostenzuschuss bekommt, auf die Werbungskostenpauschale in seiner Einkommensteuererklärung aus? Bei Zahlung eines Fahrtkostenzuschusses durch den Arbeitgeber, den dieser mit 15 % pauschal versteuert hat, mindert sich der Werbungskostenabzug des Arbeitnehmers um genau diesen Betrag!

weiter: Vertiefung des Sachverhaltes der Lohnsteuerpauschalierung

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