9.4. Weitere Formen von Sachbezügen

Welche Formen von Sachbezügen bedürfen noch der Erwähnung oder Erläuterung? Die vielleicht bekannteste Form eines Sachbezuges stellt die private Nutzung eines betrieblichen Fahrzeuges dar. Möglicherweise gehören Sie selbst zu den Begünstigten oder Sie lesen in Stellenangeboten, dass ein Arbeitgeber damit wirbt, dem Arbeitnehmer einen Firmenwagen auch zur privaten Nutzung zur Verfügung zu stellen.

9.4.1. Firmenwagen zur dienstlichen und privaten Nutzung

Grundsätzlich ist die private Nutzung eines Firmenwagens als Sachbezug zu werten und wird somit Bestandteil des steuerpflichtigen Arbeitsentgeltes. Problematisch für die Bewertung hinsichtlich der Besteuerung wird die Ermittlung des Geldwertes dieser privaten Nutzung. Eine Möglichkeit ist das detaillierte Führen eines Fahrtenbuches, in dem alle dienstlichen und privat vorgenommenen Fahrten erfasst werden. Die insgesamt anfallenden Aufwendungen lassen sich somit entsprechend aufteilen und der private Nutzwert ermitteln.

Die andere Variante, den privaten Nutzwert zu ermitteln, ist die Anwendung der sogenannten 1 %-Regel, die Sie kennen oder von der Sie bestimmt schon einmal gehört oder gelesen haben. Dabei wird 1 % des Fahrzeugneupreises als Sachbezugswert und damit stuerpflichtiger Arbeitslohn in der Lohn- und Gehaltsabrechnung angesetzt. Neupreis definiert sich dabei als inländischer Brutto-Listenpreis des Fahrzeuges zum Zeitpunkt der Erstzulassung einschließlich Umsatzsteuer zuzüglich bei Erstzulassung werkseitig eingebauter Sonderausstattung. Nicht in den Bruttolistenpreis fließen eventuell gewährte Nachlässe und Überführungskosten ein, ebenso wenig wie ein zusätzlicher Satz Reifen, eine möglicherweise vom Verkäufer bezahlte erste Tankfüllung oder nachträgliche Um- oder Einbauten. Zudem wird der Bruttolistenpreis auf volle hundert EURO abgerundet.

Die 1 %-Regel findet ebenfalls Anwendung bei EU-Importen, Gebrauchtwagen (!) oder vom Arbeitgeber geleasten Fahrzeugen. Außer Acht bleibt der tatsächliche Umfang der privaten Nutzung durch den Arbeitnehmer, die 1 %-Regel ist davon unabhängig anzuwenden.

In der Regel wird der Arbeitnehmer das zur privaten Nutzung überlassene Firmenfahrzeug auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte heranziehen. Selbst wenn dieser stattdessen öffentliche Verkehrsmittel benutzt, ist grundsätzlich von einem zusätzlichen Nutzwert auszugehen, der in der Lohn- und Gehaltsabrechnung hinzuzurechnen ist. Für jeden Entfernungkilometer zwischen Wohnung und Betrieb werden dabei 0,03 % des gerundeten Brutto-Listenpreises in Ansatz gebracht.

Grundsätzlich kann die Nutzung des Firmenwagens für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb pauschal mit 15 % versteuert werden, allerdings nur bis zu dem Betrag, der im Rahmen des Werbungskostenabzuges zulässig ist, nämlich je Entfernungskilometer 0,30 €. Dabei wird ebenso pauschal von 15 Nutzungstagen pro Monat ausgegangen. Der den pauschalierbaren Betrag übersteigende Wert unterliegt der vollen Steuer- und Sozialversicherungspflicht.

Zur besseren Verdeutlichung erstellen wir für das Online-Seminar Lohn und Gehalt an dieser Stelle eine entsprechende Gehaltsabrechnung und bemühen dazu wieder einmal den Mitarbeiter Willi Wohlhabend. (Hinweis: Er bleibt freiwilliges Mitglied seiner Krankenkasse, erhält den ihm zustehenden Arbeitgeberzuschuss zu KV und PV, der insgesamt vom AG an die zuständige Krankenkasse überwiesen wird.). Für das zur privaten Nutzung überlassene Fahrzeug nehmen wir einen Brutto-Listenpreis von 31.430,00 € an, für die Strecke zwischen Wohnort und Betrieb 62 Entfernungskilometer.

Willi Wohlhabend Firmenwagen Januar 2014 (PDF)

  • 314,00 € entsprechen 1 % des auf volle hundert EURO abgerundeten Bruttolistenpreis des Pkw
  • 584,04 € stellen den gesamten Nutzwert für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte dar (31.400,00 € * 0,03 % * 62 km)
  • 279,00 € sind davon durch den Arbeitgeber pauschal mit 15 % versteuerbar
    (62 km * 0,30 € * 15 Tage)
  • 305,04 € unterliegen damit ebenfalls der Steuer- und Sozialversichrungspflicht
    (584,04 € – 279,00 €)

Und das sollten Sie auch noch wissen: Als Außendienstmitarbeiter, der keinen festen Arbeitsplatz im Betrieb hat und somit nicht zwischen Wohnung und Arbeitsstätte pendelt, werden keine derartige Fahrten angesetzt. Nutzen Sie andererseits z. B. als Kundendienstmonteur einen Werkstattwagen, der über eine entsprechende technische Ausstattung verfügt für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte sowie Ihren Kunden, handelt es nicht um einen Firmenwagen, der unter die Bestimmungen des Sachbezuges fällt, weil das Fahrzeug dem Charakter nach nicht für eine private Nutzung geeignet ist.

Vereinbarte Zuzahlungen, die ein Arbeitnehmer zu den Fahrzeugkosten leistet, mindern den steuer- und sozialversicherungspflichtigen Sachbezug. Denkbar wäre eine solche Situation, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer ein Firmen-Pkw mit einer vorgegebenen

Preisobergrenze zur privaten Nutzung zugesteht, das Fahrzeug aber z. B. bedingt durch Sonderwünsche/-ausstattungen teuerer wird und der Arbeitnehmer sich an den Mehrkosten beteiligt. Tankt ein Arbeitnehmer auf eigene Kosten, bleibt dies ohne Auswirkungen auf die Höhe des geldwerten Vorteils. Stellt der Arbeitnehmer das Firmenfahrzeug in einer gemieteten Garage ab und erhält vom Arbeitgeber die dafür entstehenden Kosten erstattet, fließen diese Beträge ebenfalls nicht in das Arbeitsentgelt ein, von dem Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge zu entrichten sind.

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