Seit der Umstellung vom Diplom auf das Bachelor- und Master-System, stellen sich immer mehr Deutsche die Frage: Lohnt sich ein Studium überhaupt noch? Wenn ja, muss es dann das Master-Studium sein oder reicht auch ein Bachelor-Abschluss? Und wie groß sind eigentlich die Gehaltsunterschiede zwischen einer Lehre und einem Meisterbrief? Wir möchten Ihnen diese und mehr Fragen heute beantworten.

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Inhalt
1. Die Zeiten haben sich geändert
2. Exkurs: „Bologna Prozess“ – Das neue Bachelor-Master-System
3. Das Bildungsniveau in Deutschland steigt stetig
4. Wie viel sind Lehre, Master-Abschluss, Doktortitel & Co noch wert?
5. Mit höherer hierarchischer Position steigen auch die Gehälter
6. Ein Studium als Garant gegen das Risiko „Arbeitslosigkeit“

Die Zeiten haben sich geändert

Dass sich die Arbeitswelt derzeit im Umbruch befindet, ist kein Geheimnis. Der demografische Wandel bringt große Veränderungen mit sich, der Fachkräftemangel macht sich in einigen Branchen erstmalig bemerkbar und die Generation Y bringt einen ganz neuen Lifestyle – und „Arbeits-Style“ – mit in den Beruf.

Lese-Tipp:Umbruchstimmung: Wie die Generation Y die Arbeitswelt verändert

Zudem hat der „Bologna Prozess“ die akademische Laufbahn, wie sie bislang in Deutschland üblich war, verändert. Früher war klar: Wer ein Diplom oder sogar einen Doktortitel hat, steigt mit entsprechend hohem Gehalt ein und hat beste Aussichten auf eine Führungsposition. Heutzutage sind sich viele Deutsche da nicht mehr so sicher. Sie fragen sich, ob sich ein Studium oder sogar die Promotion überhaupt noch lohnt – oder ob es nicht sinnvoller ist, so früh wie möglich ins Berufsleben einzusteigen und sich gemäß dem Motto „Learning by Doing“ mit viel Fleiß und Disziplin in eine Führungsposition zu arbeiten.

Exkurs: „Bologna Prozess“ – Das neue Bachelor-Master-System

Früher schloss fast jeder Studiengang in Deutschland, mit einigen wenigen Ausnahmen, mit einem Diplom ab. Das „deutsche Diplom“ genoss weltweit einen exzellenten Ruf und Berufseinsteiger hatten in heimischen sowie ausländischen Unternehmen beste Job- und Aufstiegschancen. Das Problem an der Sache war nur: Jedes europäische Land hatte sein eigenes System sowie seine eigenen Abschlüsse. In einer Union, in welcher das Grundprinzip lautet, dass die Bürger in jedem Land ihrer Wahl leben und arbeiten dürfen, war das denkbar unpraktisch. Eine Vereinheitlichung musste her und diese lautete auf den Namen „Bologna Prozess“. Seit der „Bologna Erklärung“ im Jahr 1999 haben deshalb 47 Nationen ihre Universitäten und Hochschulen auf das zweistufige Bachelor-Master-System umgestellt:

  • Albanien
  • Andorra
  • Armenien
  • Aserbaidschan
  • Belgien
  • Bosnien-Herzegowina
  • Bulgarien
  • Dänemark
  • Deutschland
  • Estland
  • Finnland
  • Frankreich
  • Georgien
  • Griechenland
  • Großbritannien
  • Irland
  • Island
  • Italien
  • Kasachstan
  • Kroatien
  • Lettland
  • Liechtenstein
  • Litauen
  • Luxemburg
  • Malta
  • Mazedonien
  • Moldawien
  • Montenegro
  • Niederlande
  • Norwegen
  • Österreich
  • Polen
  • Portugal
  • Rumänien
  • Russland
  • Schweden
  • Schweiz
  • Serbien
  • Slowakei
  • Slowenien
  • Spanien
  • Tschechien
  • Türkei
  • Ukraine
  • Ungarn
  • Vatikan
  • Zypern

Durch diese Vereinheitlichung der Hochschulabschlüsse können nicht nur Studenten fortan leichter im Ausland studieren oder Auslandssemester absolvieren, sondern auch ihr Abschluss wird vergleichbar. Dies erleichtert den Bewerbungsprozess auf ausländische Stellenausschreibungen sowie die Einschätzung der Qualifikationen eines Bewerbers durch die Personaler. Genau genommen haben wir in Deutschland dadurch jetzt ein fünfstufiges System:

  1. Lehre
  2. Meisterbrief
  3. Bachelor
  4. Master
  5. Doktor

Der Bologna Prozess war vor allem in Deutschland aber sehr umstritten. Das deutsche Diplom genoss ein weltweit hohes Ansehen. Offiziell liegt es zwar irgendwo zwischen Bachelor- und Master-Qualifikation, doch ist ein Master-Abschluss bei vielen Unternehmen weniger „beliebt“, sprich weniger wert, als das klassische Diplom. Da stellt sich für zahlreiche Studenten natürlich die Frage: Sollen sie die zwei oder sogar drei weiteren Studienjahre für einen Master-Abschluss überhaupt noch auf sich nehmen? Lohnt sich das? Und wenn sie ohnehin „nur“ einen Bachelor-Abschluss anstreben, wäre dann nicht vielleicht auch eine Lehre ausreichend? In Deutschland herrscht seit dem Bologna Prozess Verwirrung bezüglich des Werts eines Studienabschlusses.

Das Bildungsniveau in Deutschland steigt stetig

Um diese Fragen zu beantworten, lassen wir am besten Zahlen sprechen. Laut einer Studie des Ifo-Instituts im Auftrag der Investmentgesellschaft Union Investment, haben in der deutschen Bevölkerung etwa

  • 16 Prozent keinen berufsqualifizierenden Abschluss,
  • 57 Prozent eine Lehre,
  • 10 Prozent einen Meister,
  • 7 Prozent ein Fachhochschulstudium und
  • 11 Prozent ein Universitätsstudium absolviert.

In den letzten 30 Jahren ließ sich ein stetiger Anstieg des Bildungsniveaus in Deutschland beobachten. Das bedeutet: Immer weniger Menschen haben keinen und immer mehr Menschen einen besseren berufsqualifizierenden Abschluss. Etwa zwei Prozent der Deutschen erwerben nach ihrem Universitätsabschluss auch noch einen Doktortitel. Das sind mehr als doppelt so viele Promotionen wie noch in den 1970er Jahren.

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Statistik: Anzahl der abgelegten Abschlussprüfungen an Hochschulen in Deutschland im Jahr 2015 nach Art der Prüfung | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Damit ist Deutschland „Promotions-Weltmeister“: Hierzulande gibt es rund doppelt so viele Doktortitel wie im Durchschnitt aller restlichen Industrienationen. Auch dabei steht aber stets die Frage im Raum: Lohnt sich der Aufwand überhaupt? Oder erhalten Sie schlussendlich nicht mehr als die zwei hübschen Buchstaben „Dr“ in Ihrem Personalausweis?

Wie viel sind Lehre, Master-Abschluss, Doktortitel & Co noch wert?

Die Studie liefert auch hierzu genauere Zahlen. Ihr Fazit lautet: Jedes weitere Jahr, in welchem Sie die Schulbank drücken, zahlt sich später finanziell aus. Lesen Sie selbst…

Lehre:

Wer in Deutschland eine Lehre absolviert, verdient im Laufe seines Berufslebens durchschnittlich 143.000 Euro mehr als ein ungelernter Arbeiter. Laut StepStone Gehaltsreport 2016 verdient ein Ungelernter mit Schulabschluss durchschnittlich 31.444 Euro brutto pro Jahr. Etwa 43.980 Euro sind es bei einem Abitur.

Meisterbrief:

Ein Meisterbrief bringt eine zusätzliche Gehaltssteigerung. Deutschlandweit liegt der Durchschnittsverdienst mit einem Meisterbrief bei 48.601 Euro brutto im Jahr. Auf ein ganzes Berufsleben gerechnet, bringt der Meister dadurch rund 129.000 Euro mehr als „nur“ eine Lehre, so das Ergebnis der Ifo-Studie.

Bachelor-Abschluss:

Einen weiteren Anstieg des Durchschnittsgehalts erwirkt ein Bachelor-Abschluss an einer Universität oder Fachhochschule. Rund 55.585 Euro verdienen Sie damit und liegen dadurch etwa 267.000 Euro über dem „Lebensverdienst“ einer Lehre.

Master-Abschluss:

Der Unterschied, welchen ein Master-Abschluss bringt, ist dabei vergleichsweise gering. Mit einem Durchschnittsgehalt von 56.165 Euro verdient ein Master-Absolvent „nur“ gute 500 Euro mehr im Monat als ein Bachelor-Absolvent – und das bei zwei bis drei Jahren längerer Studiendauer und dementsprechend höheren Ausbildungskosten. Beim Master-Abschluss hängt sein Nutzen stark von der jeweiligen Fachrichtung und Branche ab, so die Experten. Während er beispielsweise im Bereich der Betriebswirtschaftslehre kaum einen finanziellen Vorteil bringt und demnach gut durchdacht werden sollte, kann er zum Beispiel in der Forschung auf ein Leben gerechnet zwischen 387.000 und einer Million Euro mehr an Einkommen bringen als eine Berufslehre – und damit auch deutlich mehr als ein Bachelor-Abschluss.

Doktortitel:

Auch der (finanzielle) Nutzen einer Promotion hängt stark von der jeweiligen Branche ab. Besonders häufig anzutreffen und auch als sinnvoll bewertet ist ein Doktortitel natürlich in der Medizin, der Forschung und Wissenschaft sowie im Rechtswesen. Auf durchschnittlich 65.708 Euro Bruttojahresgehalt kommen die „Doktoren“ in Deutschland.

Fakt ist also: Studieren lohnt sich noch! Dennoch ist gerade der Master-Abschluss nicht in allen Branchen als sinnvoll zu erachten. Zu minimale Gehaltsunterschiede rechnen sich nicht mit den Studienkosten von schätzungsweise 30.000 bis 48.000 Euro. Zudem verkürzt sich die Zeitspanne Ihres „Lebenseinkommens“, je später Sie in den Beruf einsteigen. Alles in allem wird sich aber jedes weitere Jahr Schulbank schlussendlich für Sie finanziell auszahlen – zumindest im gesamtdeutschen Durchschnitt. Doch Sie wissen ja: Ausnahmen bestätigen die Regel und auch Quereinsteiger oder Gründer ohne berufsqualifizierenden Abschluss sind in der Geschichte schon oft „reich“ geworden.

Lese-Tipp:Reich werden: In 6 + 1 Schritten zum Millionär

Mit höherer hierarchischer Position steigen auch die Gehälter

Auch, wenn Sie noch am finanziellen Wert eines Master-Abschlusses zweifeln, könnte noch ein anderer Grund für die Fortsetzung Ihrer akademischen Laufbahn sprechen: Vor allem in deutschen Großunternehmen – die noch etwas traditioneller und konservativer ausgerichtet sind – wird bei Beförderungen immer noch großer Wert auf Ihren Bildungsabschluss gelegt. Nicht selten sind hier strikte Regeln vorzufinden, wie hoch Sie mit einem jeweiligen Titel aufsteigen können. So passiert es nicht selten, dass Sie, wenn Sie „nur“ eine Lehre oder „nur“ einen Bachelor-Titel haben, an eine gläserne Decke stoßen, die einen weiteren hierarchischen Aufstieg verhindert. Genau dieser hierarchische Aufstieg ist aber auch für Ihr Einkommensniveau ausschlaggebend.

Infografik: In welchem Alter verdient man am besten? | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Während Fachkräfte in Deutschland nämlich laut Gehaltsbiografie 2016 nur durchschnittlich 45.000 Euro pro Jahr verdienen, steigt diese Summe für eine Führungskraft auf durchschnittlich 105.000 Euro Jahresverdienst. Und auch in dieser Studie war der direkte Zusammenhang zwischen akademischem Abschluss und späterem Gehalt nicht zu übersehen: Bei Akademikern steigen die Gehälter bis zum 45. Lebensjahr stetig an, bei Führungskräften sogar bis zum 55. Für weniger hoch qualifizierte Fachkräfte stagniert oder sinkt das Gehalt hingegen spätestens ab 40. Auch, wenn sich die Einstiegsgehälter zwischen Master- und Bachelor-Absolventen häufig nur wenig unterscheiden, sei der Titel ab dem 30. Lebensjahr finanziell deutlich spürbar, so das Fazit der Gehaltsbiografie.

Ein Studium als Garant gegen das Risiko „Arbeitslosigkeit“

Und noch ein letzter Grund spricht für einen akademischen Abschluss: Gemäß Ifo-Studie sind nur 2,5 Prozent der Akademiker arbeitslos. Akademiker haben damit das geringste Risiko einer Arbeitslosigkeit. Prinzipiell ist zu beobachten: Je geringer der Bildungsgrad, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass Sie im Laufe Ihres Berufslebens (längerfristig) arbeitslos sind. Bei 19 Prozent liegt das Risiko für Menschen ohne berufsqualifizierenden Abschluss, noch sieben Prozent sind es mit einer Lehre.

Statistik: Arbeitslosenquote in Deutschland im Jahresdurchschnitt von 1995 bis 2017 | Statista
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Alles in allem lautet das Fazit also: Ja, ein Studium lohnt sich noch – und zwar gleich aus mehreren Gründen. Dennoch ist ein Master-Abschluss nicht in jeder Branche sinnvoll. Es ist daher empfehlenswert, sich vorab zu informieren, ob der Master- gegenüber Ihrem Bachelor-Titel in Ihrer Branche den gewünschten finanziellen Mehrwert bringt. Zudem sollten Sie sich informieren, ob Sie Ihre angestrebte hierarchische Position auch ohne Master-Abschluss oder Promotion erreichen können. Beginnen Sie deshalb so früh wie möglich, Ihre Ziele zu definieren und Ihre Karriere sorgfältig zu planen. Es wird sich aus finanzieller Sicht rentieren!

Welche weiteren Tipps haben Sie für die Karriereplanung unserer Leserinnen und Leser? Und inwiefern hat sich Ihr Abschluss für Sie (finanziell) gelohnt? Wir bedanken uns für Ihre Anregungen und Gedanken zum Thema in den Kommentaren!